Film – Paul Schraders „The Card Counter“ – ein Thriller über die Instrumentalisierung des Menschen durch kriegspolitische Methoden

FIlmkritik "The Card Counter" präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

„Ich hätte nie gedacht, dass ich auf der Enge einer Gefängniszelle leben könnte.“ William Tell gefällt der normierte Tagesablauf, das Pokern mit den anderen Inhaftierten. Er spielt ungewöhnlich konzentriert, rechnet alle Punkte während des Spiels mit und siegt. Schnitt. William mietet sich in einem Motel ein, reist von einem Spielcasino zum anderen. Immer wieder wird er von seiner Vergangenheit eingeholt. „The Card Counter“ war als Soldat Spezialist „für erweiterte Verhörmethoden“. Nach zehn Jahren wird er aus dem Gefängnis entlassen. Die Schuldgefühle bleiben…

Berlinale 22 – sicher, aber ohne Glamour

Berlinale 22 präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

„Der erfolgreiche Abschluss der Berlinale 2022 stimmt uns froh und zuversichtlich. Das gemeinsame Kulturerlebnis ist auch in Pandemiezeiten möglich und wird gerade dann besonders wichtig“, resümieren die Organisatoren der Berlinale, Mariette Rissenbeek und Carlo Chatrian, über die 72. Internationalen Filmfestspiele. Wir wollten „Flagge zeigen für das Kino“ und tatsächlich ist es so, dass keiner der Filme in TV- oder PV-Format die Wirkung hätte, die er in Cinemascope entwickelt…

Berlinale – „Gangubai Kathiawadi“ – die Problematik von Mädchenhandel und Prostitution als Bollywood-Film

"Gangubai Kathiawadi" Bollywood auf der Berlinale präsentiert von www.scbabel-kultur-blog.de

Wieder wird ein hübsches Mädchen verkauft. Nach der Zugfahrt nach Bombay erwartet es nicht eine Filmkarriere, sondern die Versklavung als Prostituierte. Wegen ihres Widerstandes wird sie zunächst wie ein Tier an Ketten gefesselt. Gangubai Kathiawadi befreit sie und erzählt dabei ihr ähnliches Schicksal. Wer einen dokumentarisch aktuellen Film erwartet, wird enttäuscht sein. „Gangubai Kathiawadi“ ist Bollywood in Reinkultur, Illusionskino wie aus den 1950er Jahren in einem Kulissenambiente mit viel Tanz und grandiosem Happy-End…

Berlinale – Hong Sang-soos „So-seol-ga-ui Yeong-hwa“ („The Novelist’s Film“)

Berlinale Filmkritik "The Novelist´s Film" präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

„Es ist ein seltsamer Tag“, konstatiert die Protagonistin im Film. Als sie spontan nach vielen Jahren ihre einstige Freundin besucht, trifft sie zufällig auch einen bekannten Filmregisseur, darauf eine von ihr bewunderte Schauspielerin und deren Neffen, ebenfalls ein Filmemacher, und später noch einen Freund aus früheren Zeiten, wie sie selbst ein Schriftsteller. Gemeinsamer Nenner sind ihre Blockaden ihre Kunst zu praktizieren. Alle zusammen trinken mehrere Runden Alkohol. Die Idee, einen authentischen Film zu drehen, kristallisiert sich heraus und wird tatsächlich realisiert. Man sieht diesen Film nicht. Er wird der Schauspielerin ganz alleine gezeigt…

Berlinale  – Laurent Larivières neuer Film „A propos de Joan“ mit Isabelle Huppert 

Hätte man Isabelle Huppert nicht ohnehin mit dem Goldenen Ehrenpreis bei der diesjährigen Berlinale ausgezeichnet, wäre der Bär für die beste schauspielerische Leistung angemessen gewesen. Laurent Lariviéres neuer Film „A propos de Joan“ ist eine Hommage an ihr Talent. „Ich habe mir diesen Film gewünscht“, bekannte sie bei der Verleihung des Golden Ehrenbären. 
Isabelle Huppert war schon auf dem Weg nach Berlin, aber ein positiver Corona-Test direkt vor dem Abflug machte ihre Präsenz bei der Preisverleihung unmöglich. Nur per Videoschaltung auf der Bühne sichtbar, wie ein perfektes Porträt nur am Wimpernschlag live erkennbar, büßte die Preisverleihung stark an Atmosphäre ein, auch wenn Lars Eidinger in der Laudatio seine persönlichen Verehrung für Isabelle Huppert sehr emotional und sichtlich ergriffen formulierte. Der prickelnde, typische Berlinale-Glamour fehlte dieses Jahr ohnehin allen Ecken und Enden.
Umso stimmungsvoller, maßgeschneidert für Isabelle Huppert ist der neue Film, der bei den 72. Internationalen Filmfestspiele in der Rubrik „Berlinale Special“ im Programm präsentiert wurde…

Berlinale – Andreas Dresens „Rabiye Kurnaz gegen George W. Bush“

Berlinale Filmkritik präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

Eine türkische Mutter in Bremen klagt gegen den Supreme Court der USA. Von 2001 bis 2005 kämpfte Rabiye Kurnaz um die Freilassung ihres Sohnes im US-amerikanischen Gefängnis Guantánamo auf Cuba. Ihr Sohn wurde ohne Gerichtsurteil inhaftiert und gefoltert. Andreas Dresen (Regie) macht aus diesem langwierigen historischen Fall eine Satire auf die US-amerikanische Justiz, die deutsche Bürokratie und Politik, in der ihm brillant die Kurve aus der Komik in die Tragik der Realität gelingt. 

Berlinale – Carla Simóns „Alcarrás“ – ein wehmütiges Porträt über den Wandel ländlicher Strukturen

Berlinale Carla Simßons "Alcarrás" präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

Durch eine schmutzige Windschutzscheibe über die Augen dreier Kinder erlebt der Zuschauer, wie sich der fantasierte Meteorit in einen realen Bagger verwandelt, der die Kinder aus dem Autowrack vertreibt. Aus den Augen der Erwachsenen spürt man am Schluss das Ohnmachtsgefühl der ganzen Großfamilie, als ein Bagger die Pfirsichbäume niederwalzt, um Solaranlagen Platz zu machen. Dazwischen entfaltet Regisseurin Carla Simón in kleinen Alltagsszenen ein fröhlich, temperamentvolles Familienporträt, dessen Harmonie durch den Druck der Bodenspekulationen völlig aus dem Gleichgewicht kommt…

Berlinale – Ulrich Seidl „Rimini“ – von der Tristesse des Alterns

Filmkritik Ulrich Seidl "Rimini" präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

„So ein Tag, so wunderschön wie heute…“ singt die Dementkranken im Heim. Reine Satire! Wie immer macht Seidl sich die Schattenseiten menschlicher Existenz zum Thema. Dieses Mal konfrontiert er das Publikum mit der Problematik des Altwerdens zwischen Showbusiness und Altenheim, kombiniert mit der Migrationsproblematik im winterlichen Rimini…

Berlinale – Li Ruijuns „Yin ru chen yan“ – eine poetische Annäherung an die Armut

Berlinale „Yin RU Chen Yan“präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

Es schneit im Dorf. Eine traditionell chinesische Hochzeit wird in der armseligen Hütte ausgehandelt. Ma, ein schweigsamer Mann, soll die behinderte Guiying heiraten. Sie wuchs im Hinterhof in einem Bretterverhau auf, wurde viel geschlagen und hat ihre Blase nicht unter Kontrolle. Sie müssten gut zusammenpassen, meint die Heiratsvermittlerin. Und sie bekommt im Laufe des Films Recht, der die zärtliche Annäherung unter den ärmsten Verhältnissen im agrarisch rückständigen China zeigt…

Berlinale – „A E I O U – Das schnelle Alphabet der Liebe“ – Liebe zauberhaft neu erzählt 

Berlinale Filmkritik "A E I O U Das schnelle Alphabet der Liebe" präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

Zuerst klaut er ihr die Handtasche, kurz darauf nimmt er Sprechunterricht bei ihr. Adrian lebt bei der Pflegefamilie, hat die Klasse nicht geschafft und Sprachschwierigkeiten. Er ist im Leben noch nicht angekommen. Anna erlebt die Gegenseite. Als 60-jährige Schauspielerin nicht mehr so nachgefragt macht sie Hörspiele und arbeitet als Sprachcoach. In ihrer Gegenwart fühlt sich Adrian zum ersten Mal menschlich angenommen. Der Unterricht entwickelt sich voll fröhlicher Beschwingtheit. Das A ist der Anfang von allen Lauten, klingt durch sich selbst steht für Staunen und Leidenschaft. Genau aus diesem Staunen über sich selbst und den anderen, das Wohlgefühl sich gegenseitig positiv zu beurteilen, entwickelt sich, was zu erwarten ist, eine intensive Liebesgeschichte über Altersgrenzen hinweg…

Berlinale – Kamila Andinis Film „Nana“ – „Before, Now & Then“ kreist um die Rolle der indonesischen Frauen 

Filmkritik Berlinale, Andinis "Nana" präsentier von www.schabel-kultur-blog.de

Der tropische Wald scheint den Frauen vertraut, doch die Musik, Vögel, Geräusche schaffen Ängste. Nana ist auf der Flucht. Der Film verhandelt ihr Leben danach als wohlhabende Ehefrau eines wesentlich älteren Mannes in der elitären indonesischen Gesellschaftsschicht, doch die Albträume der Vergangenheit holen sie wieder ein. In wunderbaren, perfekt gestylten Bildern mit emotional aufgeladener Musik zeigt Drehbuchautorin und Regisseurin Kamila Andini in „Nana. Before, Now &Then“, wie sich die Rolle der sundanesischen Frau in den 1960er Jahren veränderte. „Nana“ ist eine Hommage an die Generation der Mütter und Großmütter, insbesondere, wie die Produzentin Gita Fara auf der Pressekonferenz bekannte, an die eigene Mutter, was die smarte, perfekte Präsentation in Hollywood-Manier erklärt…

Berlinale – Joaquin del Paso – „Robe of Gems“ – ein berührendes kollektives Porträt von Mexiko

Berlinale Filmkritik "Robe of Gems" präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

Aus der Dämmerung entwickelt sich die Helligkeit des Tages ohne wirklich die Geschehnisse zu erhellen. Menschen fliehen, Menschen verschwinden, werden tot auf Brachland oder Müllhalden gefunden. Unter der tadellosen Planierung wird der Schrecken vergraben. Es gibt kein Vertrauen mehr. Die organisierte Kriminalität greift um sich, lässt Familien auseinander brechen. 
Die Kamera fokussiert auf mehrere Menschen über drei Generationen hinweg. Ihre Lebenswege sind verknüpft, bleiben aber ein Geheimnis, wie die Orte, wo sie sich befinden. Komplex, multiperspektivisch entwickelt sich ein kollektives Porträt von Mexiko, das durch die Geräusche und den Sound sehr empathisch die Wirklichkeit hinter den Bildern in faszinierender Weise erforscht, ein absolut innovativer und faszinierender Film, der die psychologischen Untiefen zum Vibrieren bringt…

Berlinale – Die Wettbewerbsfilme 2022

Berlinale Wettbewerbsfilme präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

Neben Cannes und Venedig zählt die Berlinale zu den großen Internationalen Filmfestspielen der Welt. Unter strengen Corona-Auflagen werden sie vom 10. bis 17. Februar in reduzierter Form mit 50-prozentiger Auslastung der Kinos beschränkt auf die Präsentation der Wettbewerbsfilme ohne Partys und Empfänge durchgeführt. Als größtes Publikumsfilmfestival der Welt werden zudem für die Öffentlichkeit bis 20. Februar Wiederholungen der Wettbewerbsfilme zu sehen sein. Mariette Rissenbeek freut sich ganz besonders, dass die Berlinale 2022 wieder als Präsenzfestival durchgeführt werden kann. „Kultur ist ein wichtiger Anker für die Gesellschaft, gerade in der Pandemie“. 
Die Pandemie ist nur in zwei Filmen Thema. Über die Hälfte der 18 ausgewählten Wettbewerbsfilme spielen in der Gegenwart vor familiären Hintergrund. Emotionale Beziehungen bilden den roten Faden. 17 Filme sind Welturaufführungen, davon sieben von Regisseurinnen. Elf RegisseurInnen haben schon einmal auf der Berlinale ihre Filme präsentiert, acht von ihnen im Wettbewerb und fünf ehemalige Bären-Gewinner…

Berlin – Die Jury für die Wettbewerbsfilme Berlinale 2022 präsentiert sich aus fünf Kontinenten

Berlinale-Jury 2022 präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

Wer letztendlich einen der heißbegehrten Goldenen oder Silbernen Bären bei den Internationalen Filmfestspielen in Berlin bekommt, entscheidet eine 7-köpfige, hochkarätige Jury. Sie muss die PreisträgerInnen aus 18 Filmen herausfiltern. Am letzten Tag der Berlinale, dem 16. Februar werden sie verkündet. Die Namen der Jury sind in Deutschland wenig bekannt. Doch jedes Jurymitglied hat eine Vita aufzuweisen, die seine Professionalität attestiert…