Berliner Staatsoper – „Die Verlobung im Kloster“ nach Sergej Prokofjew

Opernkritik "Die Verlobung im Kloster präsentiert von schabel-kultur-blog.de

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Erst mit einem mächtigen Schlusschor der Hochzeitsgäste aus unterschiedlichsten Epochen, Märchen und Literatur und Fortissimo mit wuchtigem Paukenschlag aus dem Orchestergraben endet die  eigenwillige  Inszenierung von Prokofjews „Verlobung im Kloster“  in der Berliner Staatsoper. Es ist der zweite Schluss, den etliche Besucher nicht mehr erleben, weil sie schon beim ersten mit einem Filmabspann enteilten. 

München – Oper – Puccinis „La fanciulla del west“

Opernkritik "La fanciulla dell west" präsentiert schabel-kultur-blog.de

©Wilfried Hösl
Eine gebogene Linie weitet die Bühne zum Bergwerk, aus dem die Jungs direkt in Minnies Kneipe landen, womit das Geschehen abstrahiert, überall und jederzeit verortet wird, weniger Goldrausch als Kohleabbau durch den Bezug zu Michael Glawoggers Dokumentarfilm «Workingman’s Death» (2005), der in der Pause gezeigt wurde. 

Dass Puccini 1910 den Goldrausch Kaliforniens als Wildwestoper komponierte war einem Auftrag für die Metropolitan Oper geschuldet. Doch weder dort noch in Europa konnte sich die Oper nach David Belascos Schauspiel „The Girl of the Golden West“ durchsetzen. 

85 Jahre blieb  „Fanciulla del West“  in der Münchner Staatsoper ungespielt. Jetzt strahlt dieses Werk unter der musikalischen Leitung James Gaffigans in Andreas Dresens Inszenierung als Neuentdeckung, allerdings anders als man Pucchini kennt, ohne die großen Arien. 

Landestheater Niederbayern – Händels Barockoper „Ariodante“

Opernkritik "Ariodante" präsentiert von schabel-kultur-blog.de

©Peter Litvai
Schon mit den ersten Tönen aus dem Orchestergraben wird eine wunderbare Klangstimmung hörbar. Mit großen Armbewegungen, akzentuierenden  Händen dirigiert Kapellmeisterin Margherita  Colombo die Niederbayerische Philharmonie in kleiner Besetzung. Tänzerisch beschwingt, genussvoll, sehr klar intoniert und klangschön stimmt das Orchester ein in Händels Oper „Ariodante“, die so fröhlich frech beginnt, weil die irische Prinzessin Ginevra ihren geliebten Ritter Ariodante „als Preis der edlen Tugend“ gleich zu Beginn bekommt, so die erste Botschaft.
Doch das Happyend wird durch eine Intrige Polinessos, des ehrgeizigen Herzogs von Albany, durchkreuzt.

Münchner Staatsoper – Ernst Kreneks Theater für Musik „Karl V.“

Opernkritik "Karl V." präsentiert von schabel-kultur-blog.de

©Wilfried Hösl
Mit Bühnenbildner Carlus Padrissa und seinem Akrobatenteam La Fura dels Baus ist die Richtung „Karl V“ zum optischen Spektakel vorgegeben. Mit einem Spiegelkabinett verwandelt Padrissa Ernst Kreneks „Karl V.“  in einen Fieberwahn zwischen Orgie und Apokalypse, Schneelandschaft und Blutgemetzel, existenzieller Einsamkeit und Volksmassen. Tizians Gemälde „Das jüngste Gericht“ wird lebendig. Körper hängen sadomasochistisch in den Trapezen, sind Marionetten, Opfer, Objekte der Lust und der Folter, wandeln sich von Masse  in filigrane DNS-Formationen.

Berlin – Staatsoper – „Violetter Schnee“ – Uraufführung der Oper von Beat Furrer und Händl Klaus

Operkritik "Violetter Schnee" präsentiert von schabel-kultur-blog.de

©Monika Rittershaus
Die Musik flirrt, knistert, knackt, splittert wie gefrorenes Eis. Töne durchfurchen die Stille, ballen sich in Kleinstintervallen übereinander bedrohlich auf und machen Eindreiviertelstunden lang alle Facetten des Schneefalls, eisigen Gefrierens und Zerspringens lautmalerisch in dissonant kosmisch apokalyptischer  Verfremdung hörbar.   

Hinter einem Gazevorhang betrachtet eine Frau im Museum Brueghels berühmtes Gemälde „Jäger im Schne©Me“. Tanja, adaptiert aus Andrej Tarkowskis Film „Solaris“, taucht ein in die  Schneelandschaft und..

Berlin – Komische Oper Bernsteins Operette „Candide“

Kritk "Candide" präsentiert schabel-kultur-blog.de

©monikarittershaus
Fast erdrückt das Perückenungetüm, ironische Referenz an seine Zeit Voltaire und seinen großen Geist darunter. Sofort wird klar, dass „Candide“ in dieser Inszenierung extravagant amüsante Töne anschlägt.

Bernsteins musikalisches Feuerwerk „Candide“ nach einer Novelle Voltaires verwandelt Regisseur Barrie Kosky in einen witzigen Stilmix mit satirischen Tiefgang. Im fliegenden Wechsel ist jede Szene für sich ein Meisterwerk der Überraschung voller Esprit und raffinierter Ästhetik

Münchner Staatsoper – Smetanas „Die verkaufte Braut“

Unter dem Dirigat on Tomás Hanus weckt die Ouvertüre Spannung. Nervös vibriert der Geigenuntergrund während sich die einzelnen Motive entfalten. Kezals Werbespot als Heiratsvermittler als Gigalo der 60er Jahre mit Telefonnummer wie ein Callboy zielt schon auf simple Klischees. Es wird noch schlimmer. Regisseur David Bösch macht aus der „Verkauften Braut“, der tschechischen Nationaloper  einen dörflichen Komödienstadel.

©Winfried Hösl
Unter dem Dirigat on Tomás Hanus weckt die Ouvertüre Spannung. Nervös vibriert der Geigenuntergrund während sich die einzelnen Motive entfalten. Kezals Werbespot als Heiratsvermittler als Gigalo der 60er Jahre mit Telefonnummer wie ein Callboy zielt schon auf simple Klischees. Es wird noch schlimmer. Regisseur David Bösch macht aus der „Verkauften Braut“, der tschechischen Nationaloper  einen dörflichen Komödienstadel.

München – Opernuraufführung von Michael Ende Roman „Momo“

Uraufführung der Oper "Momo" präsentiert von schabel-kultur-blog.de

©Christian POPO Zach
Wenn die grauen Zeitdiebe in Lichtkrägen die Menschen  in hektische Workoholics verwandeln, entwickelt Michael Endes berühmte Geschichte „Momo“ (1973) eine faszinierende Aktualität. Arbeit wird zur Fron,  Erziehung zur Dressur. Das Ergebnis ist „Bibigirl“ (Caroline Adler), eine gelungene Barbiepuppen-Persiflage auf Konsum- und Kaufzwänge, die einzige neue Szene. Ansonsten folgt die Inszenierung unter der Regie von Nicole Claudia Weber in 18 Bildern Endes Roman.

München – Oper – „Otello“

Mit einem wahrlichen Donnerschlag beginnt Verdis „Otello“ in der Münchner Staatsoper. Dem Unwetter folgt der Donner der „Vittoria“-Tutti.  Kirill Petrenko lässt Orchester, Chor und Sänger so im Fortissimo erbeben  und findet nicht nur im letzten Akt die berührenden Momente im Pianissimo. Das sind die Eckpfeiler dieser großartigen „Otello“-Interpretation an der Münchner Staatsoper, die allerdings besser „Desdemona“ heißen sollte. Sie ist das Opfer, nicht Otello.

©Winfried Hoesl
Mit einem wahrlichen Donnerschlag beginnt Verdis „Otello“ in der Münchner Staatsoper. Dem Unwetter folgt der Donner der „Vittoria“-Tutti.  Kirill Petrenko lässt Orchester, Chor und Sänger so im Fortissimo erbeben  und findet nicht nur im letzten Akt die berührenden Momente im Pianissimo. Das sind die Eckpfeiler dieser großartigen „Otello“-Interpretation an der Münchner Staatsoper, die allerdings besser „Desdemona“ heißen sollte. Sie ist das Opfer, nicht Otello.

Berlin – „Vier Träume aus Linchuan“   Gastspiel der chinesischen Shanghai Kunqu Opera Company

Chinesische Oper präsentiert schabel-kultur-blog.de

©Shanghai Kunqu Opera Company
Was sich zunächst wie Katzengemauze anhört, entpuppt sich als ganz große chinesische Oper. Es dauert ein wenig, bis ein europäische Ohren sich an diese ganz ungewöhnlichen Tonalitäten gewöhnen. Doch schnell greift der Zauber der chinesischen Oper über, deren Ziel es immer ist, das Publikum zu emotionalisieren.

Berlin – Staatsoper – Uraufführung von Rameaus lyrischer Oper „Hippolyte et Aricie“

Opernkritik "Hippolyte und Aricie" präsentiert schabel-kultur-blog.de

©Karl und Monika Forster
Laserstrahlen formieren sich zu Käfigbauten eines fiktiven Palastes, fächern sich zu Farbfeldern auf, die der Bühne eine kosmische Tiefe verleihen. Die Sänger verwandeln sich in Licht- und Schattenwesen, glitzern und funkeln in goldenen Kostümen der Macht, agieren mit farbigen Licht-Kugel-Gittern um den Kopf, nicht ohne Ironie, mit göttlicher Aura. Spiegelungen duplizieren, multiplizieren die ohnehin schon sehr imposant gesetzten Effekte. Nebelschwaden ver- und enthüllen, lösen Körperlichkeit in schwerelose Transparenz auf. Wasserprojektionen weiten Raum und Zeit in mythische Vorzeiten.

Landestheater Niederbayern – Donizettis Belcanto-Oper „Anna Bolena“

Opernkritik von Donizettis "Anna Bolena" präsentiert von schabel-kultur-blog.de

©Peter Litvai
Die Bühne ist klein. Zwei in sich geschachtelte Guckkästen, schaffen den Rahmen für das Spiel im Spiel. In Ultz stimmiger Inszenierung erlebt das Publikum Donizettis „Anna Bolena“ aus der Perspektive der Paparazzi, die das  britische Königshaus auf der Jagd nach den neuesten Sensationen umlagern. So integriert Ultz den Chor als Handlungsträger, verlegt geschickt die Zeitebene ins Heute  und zeigt statt der pompös funkelnden Königinnenoper den grauen Alltag hinter den Kulissen  in einem mininalistischen Kammerspiel.
Und dennoch funkelt diese Oper auf hohem Niveau.