Landshut – Donizettis „Maria Stuarda“ im Landestheater Niederbayern

Opernkritik "Maria Stuarda" präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

Passt alles zusammen gelingt ein Kunstwerk der besonderen Art. Man kann nur staunen und sich freuen, wie wunderbar Kobie van Rensburg, das Sängerteam und das Orchester unter der Leitung von Basil H.E. Coleman Donizettis „Maria Stuarda“ zum Leben erwecken. 
Kobie van Rensburg  brachte mit der Verdi Monteverdi-Trilogie „Poppea“, „Ulisse, ‚ „L’Orfeo“  und  Händels „Alcina“  originelle Inszenierungen auf die Bühne. Jetzt zeigt Kobie van Rensburg seine Qualitäten als Videokünstler und sein großes Talent die großartigen, aber handlungsarmen Arien dieser Belcanto-Oper  durch eindrucksvolle Bildwelten zu emotionalisieren und dramatisieren.
„Maria Stuarda“ kreist um die berühmte Begegnung von Elisabeth I., Königin von England, und ihrer inhaftierten Halbschwester und Konkurrentin Maria, eine dramaturgische Erfindung, die so historisch nie stattgefunden hat, aber angeblich 57 Opernkompositionen bewirkte.

Berlin – Hans Werner Henzes Oper „The Bassarids“ in der Komischen Oper

Henzes Oper "The Basserids" präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

Am Ende tötet und zerstückelt die Mutter ihren Sohn und die antike  Rache-Tragik hat wieder ein Fortsetzungskapitel. „Das unbeschreibliche Mysterium ist nicht für Sterbliche gestimmt“, konstatiert das Libretto, dennoch vermittelt die hochdramatische Oper nach zweieinviertel Stunden doch sehr viel über die Grundsätzlichkeit der menschlichen Existenz, nämlich den Kampf der ewig menschlichen Polaritäten zwischen Vernunft und Rausch.

Bayreuth – Wagners „Die Meistersinger von Nürnberg“

Bayreuther Festspiele, Opernkritik "Die Meistersinger von Nürnberg" präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

Der Jubel um Barrie Koskys Inszenierung der „Meistersinger von Nürnberg“ ist ungebrochen. Die gelungene Fusion dieser erstklassigen, sehr humorvollen, doch tiefgründigen Version mit musikalischen Spitzenniveau wurde auch dieses Jahr Beifallsstürmen gewürdigt. Barrie Koskys Konzept wirkt im traditionsverhafteten Festspielhaus Bayreuth äußerst erfrischend. Es gelingt ihm aus dem langatmigen Sängerwettbewerb ein bewegungsintensives Spiel zu entwickeln, Richard Wagners doch sehr fragwürdiges Gedankengut in den Mittelpunkt zu stellen, ohne ihn vom Sockel zu stürzen, denn so satirisch die Inszenierung auch ist, sie bleibt trotz allem immer charmant verspielt oder grob überzogen wie in der Commedia dell´arte mit überraschenden Bühneneffekten.

München – Opernfestspiele – Richard Strauss´“Salome“ in ganz neuen Facetten

Operkritik "Salome" in München präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

„Hättest du mich angesehen,  du hättest mich geliebt… Und das Geheimnis der Liebe ist größer als das des Todes…“, das ist die Quintessenz von Salome. Aus diesem Satz ergibt sich das Drama dieses Mythos, der so schwer abstrus scheint. Salome, die Tochter Herodes, fordert den Kopf des Propheten, weil der ihre Liebe nicht erwidert. 

Nach Oskar Wildes „Salome“ komponiert entdeckt hier Regisseur Krzysztof Warlikowski wie Richard Strauss in der Musik ein Netz von erotischen Komponenten als analytisches Ursachenfeld und transponiert den biblischen Mythos vom  historisch römisch antiken Kontext in den Holocaust. 

Berlin – Festspiele Korngolds „Die tote Stadt“ an der Komischen Oper Berlin

Opernkritik "Die tote Stadt" präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

©Iko Freese Eine Oper, in der sich alles um die Liebe dreht, passt natürlich bestens ins Schlafzimmer. Genau dorthin verortet sie Robert Carsen, und zwar ganz epochentypisch in die 1920er Jahre. Alles spielt sich in einem großen mondänen Schlafzimmer (Michael Levine)  des Fin de Ciecle ab. Das Zimmer kreist wie die Gedanken des Protagonisten um […]

Berlin – Festspielwoche  Paul Abrahams Operette „Roxy und ihr Wunderteam“ in der Komischen Oper

Operettenkritik "Roxy" präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

Während der Ouvertüre moderiert ein Radioreporter das Fußballmatch. Ungarn gegen England 1937. Das verquatscht zwar die Musik, aber schon ist man mittendrin in Paul Abrahams  Fußballoperette  „Roxy und ihr Wunderteam“, und zwar mit viel „Tempo, Tempo, Tempo!“ Von Matthias Grimminger und Henning Hagedorn etwas rekonstruiert und umarrangiert, ist trotzdem das ganze Material aus Paul Abrahams Komposition, die Hitler als zu satirisch verbieten ließ. 

„Toooor!“ – Ungarn siegt. Jetzt gilt es im Rückspiel in Budapest den Pokal zu verteidigen, aber statt ohne Sex und Alkohol auf einem abgelegenen Gut zu trainieren, kommt der Mannschaft eine entlaufene Braut und ein Mädchenpensionat in der Sommerfrische dazwischen. 

Der Kitsch der Handlung ist kaum zu übertreffen und kulminiert unter der musikalischen Leitung von Kai Tietje und der Regie von Stefan Huber zu einer herrlich aberwitzigen Fußball- und Liebesparodie mit ständigen überaus originellen Überraschungseffekten. 

Berlin – Festspielwoche Händels „Poros“ in der Komischen Oper  

Opernkritik "Poros" präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

Sensationell atmosphärisch ist schon das Bühnenbild. Dschungel wuchert Schwarz-Weiß im Hintergrund an den Seiten bis über die Decke hinweg und wandelt sich in dreidimensionales grünes, üppiges Urwalddickicht als Metapher für barocke Verschwendungssucht und indischen Prunk.Harry Kupfer weiß immer noch das Publikum zu faszinieren. Der 83-jährige Grandseigneur des Regietheaters macht aus Händels barocker Eifersuchtsgeschichte „Poros“  eine gelungene Kolonialparodie. 

Berlin – Festspielwoche „M – Eine Stadt sucht einen Mörder“ als gesungenes Psychogramm eine Uraufführung in der Komischen Oper

Opernkritik "M-Eine Stadt sucht einen Mörder" präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

Ist er überhaupt der Mörder? Alles bleibt offen in Moritz Eggerts Auftragsoper „M – Eine Stadt sucht einen Mörder.“ Von der berühmten Verfilmung Fritz Langs verwenden Barrie Kosky, Intendant der Komischen Oper Berlin und Ulrich Lenz, das stark gekürzte Drehbuch. Mit Gedichten von Walter Mehring und Kinderliedern aus den 30er Jahren gelingt eine atmosphärische Verdichtung, die im Gegensatz zur dokumentarischen Außensicht im Film, auf der Bühne die Innenansichten des Mörders spiegelt, in denen die Realität in surreale Albträume abtaucht.

Landshut – Verdis „Nabucco“ bei den Burgenfestspielen des Landestheater Niederbayerns

Opernkritik "Nabucco" präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

Eine kluge Entscheidung des Intendanten Stefan Tilch war es, die Opern- Open-Air-Premiere im Prantlgarten trotz regnerischen Intermezzos nicht abzusagen. Wer nach der halbstündigen Regenpause nicht zurückkehrte, hat  einiges verpasst.Verdis populäre Choroper „Nabucco“ kreist um die komplexe Thematik von Religion und Macht. Es kommt nicht auf eine bestimmte  Religion, sondern  auf die Funktion der Religion als Glaube an eine zentrale Macht.

Berlin – Massenets Oper „Don Quichotte“ in der Deutschen Oper

Opernkritik "Don Quichote" präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

Zwischen Bar und kantineartiger Wirtschaft in Grau und Mint einschließlich der Kostüme beginnt Massenets „Don Quichotte“  im seelenlosen Alltag  zwischen Hüften schwingenden Bedienungen und glatten Kavalieren, der Mensch als Massenware. Nur eine strahlt mit ihrer Stimme  heraus und wenig später, das Publikum durch fliegende Rosenblätter abgelenkt, steht diese Dulcinée,  im roten Kleid als Inkarnation  wallender Verführung mitten unter ihren Verehrern, darunter wenig später Don Quichotte. Es ist das Feuerwerk von Zaubertricks und zunehmender Surrealisierung des Bühnengeschehens, was die Inszenierung von Massenets Oper „Don Quichotte“ an der Deutschen Oper in Berlin so faszinierend macht.

München – Glucks „Alceste“ in der Staatsoper

Opernkritik "Alceste" Präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

Linear, klar strahlt die Tempelanlage in reduzierter architektonischer Art unserer Tage. Umso temperamentvoller pulst das Leben darin. Der Clou der neuen Inszenierung von Glucks „Alceste“ ist, dass der Choreograf Sidi  Larbi Cherkaoui die Oper mit seiner Compagnie Eastman choreografieren und inszenieren durfte. Chor und Sänger bestens integriert, das Bayerische Staatsorchester tänzerisch schwungvoll  dirigiert verwandelt sich die extrem handlungsarme „Alceste“  in ein flirrendes, ineinander verwobenes Spiel  von Tanz, Gesang und Musik.

Berlin – Uraufführung von Detlev Glanerts „Oceane“ in der Deutschen Oper

Opernkritik "Oceane" präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

Musik und Chor flirren. Wind tost, eisiges Klirren. Tragisch, geheimnisvoll umhüllen die Töne das groß projizierte Frauenantlitz, immer größer herangezoomt mit Fokus auf die linke Pupille, in der sich der Wellenschlag spiegelt, der sich zum Bühnenbild weitet.Detlev Glanert gelingt mit seiner neuen Oper „Oceane“ ein kleines Meisterwerk in der Motivtradition der Nixen von „Undine“, „Melusine“ und „Rusalka“. Inspiriert von Theodor Fontanes Novellenfragment „Oceane von Parceval“ (1882) komponierte er anlässlich des 200-jährigen Fontanejubiläums dieses „Sommerstück für Musik in zwei Akten“ in Kooperation mit dem Textdichter Hans-Ulrich Treichel. Doch dieser Sommer ist düster.

München – Oper Incognita – Puccinis „Tosca“

Statt der Ouvertüre öffnet sich der rote Samtvorhang im Dorfener Jakobmayer-Jugendstilsaal und Tosca singt ein beschwingtes Chanson. Es wird in melancholischer Abdunklung zum Leitmotiv zwischen den Akten einer überaus spannenden „Tosca“-Inszenierung, mit der die Opera Incognita in Dorfen bei der Vorpremiere begeisterte. Mit einem Miniorchester  von nur sieben Instrumenten und verringerten Nebenrollen auf der Bühne stemmt die Opera Incognita Puccinis rasante „Tosca“ in einer Bearbeitung von Ernst Bartmann, dem musikalischen Leiter,

©Oper Incognita
Statt der Ouvertüre singt Tosca ein beschwingtes Chanson. Es wird in melancholischer Abdunklung zum Leitmotiv zwischen den Akten einer überaus spannenden „Tosca“-Inszenierung, mit der die Opera Incognita begeistert. Mit einem Miniorchester  von nur sieben Instrumenten und verringerten Nebenrollen auf der Bühne stemmt die Opera Incognita Puccinis „Tosca“ in einer rasanten Bearbeitung von Ernst Bartmann, dem musikalischen Leiter.

Landestheater Niederbayern – Wagners „Rheingold

Opernkritik "Rheingold" präsentiert von schabel-kultur-blog.de

©Peter Litvai/Landestheater Niederbayern
Das Theaterzelt ausverkauft, das Orchester erhöht, die Bühne groß, das Publikum überaus konzentriert, baut sich selten gefühlte Spannung im Landshuter Theaterzelt auf. Wagners „Ring“-Projekt in Landshut ist zweifelsohne ein Mammutprojekt, das das Landestheater Niederbayern in seiner musikalischen Bedeutung überregional aufwertet.  Zwischen riesigen Bibliothekswänden wird das erste Kapitel der Mythengeschichte aufgeschlagen, Wagners Sicht auf die  große nordische Sagenwelt, seine Kombination von „Edda“ und „Nibelungensage“, die er in seiner „Ring“-Tetralogie mit „Rheingold“, „Die Walküre“, „Siegfried“ und „Götterdämmerung“ in einzigartiges Musikwerk verwandelte, dessen roter Faden der Fluch der Macht ist. Die Liebe verliert, wer sich der Macht verschreibt. Der Goldring als Ausdruck der Macht führt ins Verderben.