Regensburg – Uraufführung der Oper „M`Orpheo“ vom Berliner Künstlerkollektiv Hauen und Stechen

Opernkritik "L´Morpheo" präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

Viel Spektakel, wenig Substanz

Das Berliner Regieteam „Hauen und Stechen“ bringt auf der Basis von Monteverdis „L´Orfeo“ die Musiktheaterperformance „M´Orpheo“ mit Technomusik der Gebrüder Teichmann zur Uraufführung im Regensburger Stadttheater.

Viel Spektakel, wenig Substanz

Das Berliner Regieteam „Hauen und Stechen“ bringt auf der Basis von Monteverdis „L´Orfeo“ die Musiktheaterperformance „M´Orpheo“ mit Technomusik der Gebrüder Teichmann zur Uraufführung im Regensburger Stadttheater.
Das Berliner Regieteam „Hauen und Stechen“ bringt auf der Basis von Monteverdis „L´Orfeo“ die Musiktheaterperformance „M´Orpheo“ mit Technomusik der Gebrüder Teichmann zur Uraufführung im Regensburger Stadttheater.
In vielerlei Hinsicht war die Regensburger Uraufführung eine ganz besondere. Trotz des Veranstaltungsverbots fand sie statt. Zu aufwändig sei die Produktion im Vorfeld gewesen, um sie einfach abzusagen. Nur für ein Dutzend Medienvertreter und hausinterne Besucher fand sie schließlich statt mit Händedesinfektion im Foyer des Velodroms davor, großem Abstand voneinander während der über dreistündigen Aufführung und ohne Premierenfeier danach. Hunderte von Zuschauern verfolgten die Inszenierung per Streaming digital. 

München – Verdis „I masnadieri“ in einer düster beeindruckenden Inszenierung von Johannes Erath

Opernkritik von Verdis "I masnadieri"präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

Schillers Räubertragödie findet bei der neuen Inszenierung von Verdis „I masnadieri“  am Tisch statt. Eine lange Tafel wird zur Metapher familiärer Vertrautheit, verschwindet und erscheint wieder auf der Drehbühne  Weiß leuchtet dieser Tisch in den Grauabstufungen der Bühne und Kostüme, beides von Kaspar Glarner kreiert. Wie eine Gruft wirkt dieses Patrizierhaus, das sich durch illusorische Fotomontagen bombastisch wie eine Kathedrale der Macht weitet, zweifelsohne eine starke Kulisse für Schillers Sturm- und Drang-Stück seiner frühen Schaffensperiode.
Der deutsche Klassiker  wird von Librettist Andrea Maffei und Verdi auf ein italienisches Familienmelodram reduziert und von Regisseur Johannes Erath enorm psychologisch aufgeladen. Der Chor der Räuber fungiert hier in der Rolle innerer Dämonen. Sie quellen durch das Portal wie in einem Alptraum herein, umzingeln die Tafel, als wollten sie alles zerdrücken.  Amalia, die Brüder Carlo und Francesco bekommen ein stummes graues Alter Ego, wodurch die Doppelschichtigkeit von Wunschbildern und Realitäten ständig bewusst gemacht wird, statt leidenschaftlicher Umarmungen sich Distanzen aufbauen.

Berlin – Benjamin Brittens „A Midsummer Night´s Dream“ in der Deutschen Oper

Elfenkinderchor singt, Puck schwebt und purzelt durch die Lüfte fliegt. Von der ersten Sekunde an entrückt Ted Huffmans Inszenierung von „A Midsummer  NIght´s Dream“ in eine wunderbare Märchenwelt. Benjamin Britten hat die Oper in nur neun Monaten nach Shakespeares berühmten „Sommernachtstraum“ 1960 für ein Festival der neu umgestalteten Jubilee Hall komponiert, den Text um die fast die Hälfte gekürzt, den ganzen ersten Akt weggelassen, beginnt gleich Feenreich und  entwickelt die Figuren durch wunderbar musikalische Charakterisierung aus dem Spiel heraus.  Aus Shakespeares abgehobenen Märchenkomödie wird unter der Regie von Ted Huffmann und der musikalische Leitung Daniel Carters ein spannender, überaus amüsanter Opernabend.

Der Elfenkinderchor singt, Puck schwebt und purzelt durch die Lüfte. Von der ersten Sekunde an entrückt Ted Huffmans Inszenierung von „A Midsummer  NIght´s Dream“ in eine wunderbare Märchenwelt. Benjamin Britten hat die Oper in nur neun Monaten nach Shakespeares berühmtem „Sommernachtstraum“ 1960 komponiert, den Text um fast die Hälfte gekürzt, den ganzen ersten Akt weggelassen. Er beginnt gleich Feenreich und  entwickelt die Figuren durch wunderbar musikalische Charakterisierung aus dem Spiel heraus. 
Aus Shakespeares abgehobener Märchenkomödie wird unter der Regie von Ted Huffman und der musikalische Leitung Daniel Carters ein spannender, überaus amüsanter Opernabend.

„FALCO Das Musical “ wieder auf Tour 

Seine Musik ist unvergessen.  „Falco Das Musical“ begeistert seit 2016 das Publikum. Die vierte Tournee startete  2020 in Landshut…

„Unsterblich bin i, wenn i tot bin“. Mit solchen Sätzen charakterisierte Falco seine innere Zerrissenheit zwischen steiler Karriere, Erfolgsdruck und eigener Egomanie. Er, der größte österreichische Rockmusiker, wollte wie James Dean sterben, ein Unfall und aus und so starb er auch nach einem kurzen exzessiven Leben in der Dominikanischen Republik, wohin er sich verzog, die Sintflut des künstlerischen Abstiegs in Österreich zurücklassend. 
Seine Musik ist unvergessen.  „Falco Das Musical“ begeistert seit 2016 das Publikum. Die vierte Tournee startete  2020 in Landshut…

München – Reynaldos Hahns Oper „L´île du rêve“ 

Ein einmaliges Erlebnis  Das Münchner Rundfunkorchester entdeckt die französische Romantik mit „Liedern“ und Reynaldo Hahns Oper  „L´île du rêve“  Ein Konzert nur ein einziges Mal hören zu können hat natürlich einen besonderen Charme, zumal wenn alle dargebotenen Stücke völlig unbekannt sind, weil sie bislang nicht editiert wurden. Ein derart einmaliges Erlebnis bot 3. Sonntagskonzert des […]

München – Béla Bartóks „Judith:Konzert für Orchester/Herzog Blaubarts Burg“ als spannender Psychokrimi in der Münchner Staatsoper 

Opernkritik Bela Bartok "Judith.Herzog Blaubarts Burg" präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

Eine großartige genderkritische Blaubart-Interpretation gelingt Regisseurin Katie Mitchell in der Bayerischen Staatsoper. Sie durchkreuzt die tiefenpsychologische Blaubart-Opfer-Rezeption und nimmt den Blaubart-Mythos als Projektionsfläche für das Phänomen eines seriellen Frauenmörders, Symbol einer männerdominierten Gesellschaft, die  durch das opferwillige Verhalten der Frauen, nicht zuletzt bedingt durch die religiöse Indoktrination, unterstützt wird. 
Als verdeckte Kommissarin taucht Judith nicht naiv, sondern wissend  in Herzog Blaubarts Wohnung auf. Wie sie dahin kommt, zeigt im ersten Teil Ellie Thompsons spannende Filmsequenz, die durch das bunte pointillistische  Lichtermeer, kalte und warme Lichtstimmungen einer  nächtlicher Metropole Béla Bartóks impressionistisches „Konzert für Orchester“ atmosphärisch wunderbar visualisiert, gleichzeitig durch raffinierte Bildschnitte und Fokussierung auf die Pupillen eine simultane Perspektivität der Ermittlungsgeschichte zum Fall Blaubart aufbaut …

Regensburg – Uraufführung von Jüri Reineves Oper „Minona. Ein Leben im Schatten von Beethoven“

Opernkritik von Reinveres "Minona" präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

Foto: Jochen Klenk Die Bühne dreht sich vom Salon zur Bibliothek, pietistisch karger Räumlichkeit, vergitterter Psychozelle bis zur Mini-Kabine und Gruft. Irgendwo steht immer der Flügel, als Symbol der Musik Beethovens und der Musik schlechthin. Beethoven selbst ist nur als Büste präsent.   Als alte verzweifelte Frau blickt Minona, die uneheliche Tochter Beethovens, auf ihr […]

Salzburg – Mozarts „Messias“ eine charismatische Inszenierung unter der Regie von Robert Wilson

Mozarts "Messias" in Salzburg präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

Verhalten war der Zwischenapplaus, begeistert der Schlussapplaus. Der charismatischen Wirkung von Robert Wilsons raffinierter Bilderwelten, die mit  Chor Solisten und Orchester zu einem sehr subtilen Gesamtkunstwerk fusionierten, konnten sich nur wenige entziehen, wenn auch  Mozarts „Messiah“ im Festspielhaus durchaus gewöhnungsbedürftig war. Ohne Handlung, reine Betrachtungen des Messias und Jubelgesänge der Hoffnung aus der Sicht des Volkes ist das Werk keine Unterhaltung, sondern eine musikalische Meditation.

Passau- Mozarts „Don Giovanni“ als Sexomane

Opernkritik "Don Giovanni" präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

Mozarts „Don Giovanni“  verliert unter der Regie von Ultz sein charmantes Verführungsimage 
So kurzweilig kann Oper sein, wenn sie sich mit den Opernklischees auseinandersetzt! Der schwarz  gelackte Hintergrund, davor ein paar rote Möbel mit Kussmund- und Popo-Motiven auf den Kissen signalisieren die Eckpunkte des Geschehens zwischen Sex und Tod. Es ist der private Rückzugsort für Don Giovanni, den potenten Ganoven milieugerecht im stylischen Trainingsanzug, und seinen Helfershelfer Leporello in Schwarz mit Schirmmütze. Eine kleine Bühne lässt voyeuristisch auf Don Giovannis Liebesleben blicken, sich breitseitig auf volle Bühnengröße weitend minimiert sich  die Distanz und der Zuschauer taucht ganz ein in Don Giovannis Verführungskünste, die in dieser Inszenierung keine mehr sind.
Ultz, einer für alles, Regie, Bühne und Ausstattung, macht aus Mozarts „Don Giovanni“ einen Vergewaltiger, von Kyung Chun Kim in der Titelrolle radikal ganovenhaft interpretiert.

München – gemischte Resonanz für  Abrahamsens erste  Oper „The Snow Queen“, uraufgeführt in der Münchner Staatsoper

Opernkritik "The Snow Queen" präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

Ganz still beginnt Hans Abrahamsens erste Oper „The Snow Queen“.  Eine junge verzweifelte Frau wartet vor den Türen eines Krankenzimmers, Sie schläft auf einer Bank ein und träumt ihr Leben noch einmal, das Märchen von Andersen „Schneekönigin“.
Raffiniert ist Andreas Kriegenburgs Regiekonzeption. Er kristallisiert aus der Retrospektive surrealer Traumbilder die psychologischen Tiefenstrukturen  des Märchens vom Erwachsenwerden zweier befreundeter Kinder heraus. Kay geht den Weg über eine pessimistische Weltanschauung, vereinsamt und vereist. Gerda gelingt es ihn durch ihre kindlich naive Lebensfreude und hartnäckige Ausdauer wieder aufzubauen. 

Regensburg – „Ludwig II“ statt Musical gelungener Operettenhit im Regensburger Stadttheater

Musical "Ludwig II" präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

Aus dem einstigen Musicalhit „Ludwig II“ wird im Regensburger Theater eine humorvolle Operette
„Ob die Welt das tatsächlich braucht?“, fragte sich Neundorff von Enzberg, Intendant des Regensburger Stadttheater, als er nach 20 Jahren Hummels „Ludwig II“ als Hommage an den 80. Geburtstag des Komponisten neu inszenieren lassen wollte. Ja, ist die klare Antwort. Das Regensburger Ensemble leistet Erstaunliches, macht aus dem amerikanisiert verkitschten Musicalhit, den zwischen 2000 und 2003 1,5 Millionen Besucher im eigens gebauten Musicalhaus in Füssen bejubelten, eine überaus amüsante Operette, die „Ludwig II“ als bayerische Kultfigur liebevoll satirisch, gleichzeitig mit empathischen Tiefgang präsentiert.

Nürnberg – Cavallis „La Calisto“ im Staatstheater

Opernkritik "La Calisto" präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

Cavallis Barockoper „La Calisto“ begeistert in Nürnberg durch originelle Regie und erstklassige Sänger.

Aus dem Orchestergraben erklingen  ungewohnte Instrumente. Der Steg einer Barockgitarre verweist auf das Bühnenbild, wo die Sterne funkeln und ein großer Bär zugleich Tanzbär und Sternbild suggerieren lässt. Genau darum dreht sich alles in Francesco Cavallis venezianischer Barockoper „La Calisto“, eine Liebesgeschichte zwischen Menschen und Göttern auf drei Ebenen, tänzerisch beschwingt musikalisiert, sternenklar koloriert und atmosphärisch frech inszeniert.

München-Korngolds „Die tote Stadt“ in der Münchner Staatsoper

Opernkritik von Korngold "Die tote Stadt" präsentiert von www.schabel-kulltur-blog.de

Nicht den Glamour der 20er Jahre wie in Berlin unter Robert Carsen, Bauhaus-Sachlichkeit wählt Regisseur Simon Stones für seine Inszenierung von Korngolds „Toter Stadt“. Nach drei Jahren ist sie jetzt nach Basel in München zu sehen, wiedereingerichtet von Stones´ Assistentin Maria-Magdalena Kwaschik, weil Stones wegen eines Filmprojekts keine Zeit hatte. Seine Inszenierung setzt auf Realismus und fokussiert auf die psychotische Krise eines Zeitgenossen.

Landshut – Donizettis „Maria Stuarda“ im Landestheater Niederbayern

Opernkritik "Maria Stuarda" präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

Passt alles zusammen gelingt ein Kunstwerk der besonderen Art. Man kann nur staunen und sich freuen, wie wunderbar Kobie van Rensburg, das Sängerteam und das Orchester unter der Leitung von Basil H.E. Coleman Donizettis „Maria Stuarda“ zum Leben erwecken. 
Kobie van Rensburg  brachte mit der Verdi Monteverdi-Trilogie „Poppea“, „Ulisse, ‚ „L’Orfeo“  und  Händels „Alcina“  originelle Inszenierungen auf die Bühne. Jetzt zeigt Kobie van Rensburg seine Qualitäten als Videokünstler und sein großes Talent die großartigen, aber handlungsarmen Arien dieser Belcanto-Oper  durch eindrucksvolle Bildwelten zu emotionalisieren und dramatisieren.
„Maria Stuarda“ kreist um die berühmte Begegnung von Elisabeth I., Königin von England, und ihrer inhaftierten Halbschwester und Konkurrentin Maria, eine dramaturgische Erfindung, die so historisch nie stattgefunden hat, aber angeblich 57 Opernkompositionen bewirkte.

Berlin – Hans Werner Henzes Oper „The Bassarids“ in der Komischen Oper

Henzes Oper "The Basserids" präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

Am Ende tötet und zerstückelt die Mutter ihren Sohn und die antike  Rache-Tragik hat wieder ein Fortsetzungskapitel. „Das unbeschreibliche Mysterium ist nicht für Sterbliche gestimmt“, konstatiert das Libretto, dennoch vermittelt die hochdramatische Oper nach zweieinviertel Stunden doch sehr viel über die Grundsätzlichkeit der menschlichen Existenz, nämlich den Kampf der ewig menschlichen Polaritäten zwischen Vernunft und Rausch.