München – Schostakowitschs Oper „Die Nase“ setzt ein innovatives Zeichen zu Saisonbeginn unter der neuen Intendanz 

Opernkritik Schostakowitsch "Die Nase" in der Staatsoper München präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

Schräg ist die Bühne, schräg die Oper. Mit 21 Jahren komponierte Schostakowitsch seine erste Oper „Die Nase“, als er noch als Stummfilmbegleiter am Klavier seine musikalischen Experimente inklusive Schlagzeug ausprobierte und in Sekundenschnelle Stimmungen zu erzeugen lernte. Grotesk und vielschichtig wie die literarische Vorlage, Nikolai Wassiljewitsch Gogols gleichnamige Erzählung, ist die Musik. Fast ohne Arien, nur in Sprechgesängen in 16 Szenen setzt das Orchester spannungsreiche Akzente zwischen kriegerischen Tonfetzen und subtilen Melodiesplittern. Mussorgski, Alban Berg, Elemente der Sakralmusik flossen ein. Deutlich hört man schon Schostakowitschs spätere wuchtige Instrumentierung und seine kämpferischen Klangmuster. Die Münchner Inszenierung wird zu einem hochpolitischen Opern-Erlebnis…

Regensburg – Massenets „Werther“ im Stadttheater

Massenets Oper "Werther" am Theater Regensburg präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

Wehmütig lenkt die Musik schon in der Ouvertüre auf den Schluss, auf Werthers Selbstmord. Mit dem Gegenmotiv freudvoller Liebessehnsucht dreht sich die Bühne aus dem Dunkel in Charlottes Wohnzimmer. Wie eine Rückblende rollt Nurkan Erpulat in seiner ersten, sehr vielschichtigen Operninszenierung Massenets „Werther“ auf. Während Werther als unglücklich Verliebter bei Goethe im Mittelpunkt steht, gibt Massenet Charlotte mehr Raum und den nützt Nurkan Erpulat mit seinem künstlerischen Team, Modjgan Hashemian (Choreographie), Katrin Nottrodt (Bühne, Kostüme) und Martin Stevens (Licht) für große Oper in eindrucksvollen, zeitübergreifenden Szenen immer im Schnittpunkt von Gestern und Heute, Anpassung und Ausbruch, Pflicht und Leidenschaft gespielt und tänzerisch intensiviert in realen und parodistisch bis surreal verfremdenden Szenen. Das Orchester unter der Leitung von Tom Woods macht die Achterbahn der Gefühle zwischen Leidenschaft und Leid, sturm- und drängerisch fulmiant und subtil simultan erlebbar..

München – „How to Oper“ – neue Podcasts-Formate vor Premieren der Staatsoper und des Staatsballetts

"How to Oper" neue Podcasts an der Staatsoper präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

Unter dem neuen Führungsduo von Intendant Serge Dorny und Generalmusikdirektor Vladimir Jurowski will das Bayerische Nationaltheater noch mehr Interesse für Oper und Ballett wecken, zum einen durch moderne Operninszenierungen aus dem 20. Jahrhundert und zum anderen durch interessante Podcasts im Vorfeld. Das Motto der neuen Spielzeit „Jeder ist ein König“ soll auch in die Fläche wirken.
Für die neuen Opern- und Ballettinszenierungen im Nationaltheater, auf das Thema Kunst ganz allgemein und ganz speziell hofft man so schon vor jeder Premiere  mittels Radio, Fernsehen und elektronische Endgeräte mehr Interesse und Aufmerksamkeit zu wecken…

München – „Liebesverbot“ – Richard Wagners zweite Oper im Sugar Mountain in einer Inszenierung der Opera Incognita 

Richard Wagners "Liebesverbot" präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

Was die Opera Incognita inszeniert ist im Vorfeld schon Kult. Grund sind die ungewöhnlichen Münchner Aufführungsorte, beispielsweise Benjamin Brittens „The Turn of the Screw“ im Müllerschen Volksbad, Glucks „Orfeo ed Euridice“ in der U-Bahn und jetzt Richard Wagners „Liebesverbot“ im Sugar Mountain, ein Betonwerk in Obersendling, das in ein Event-Zentrum umfunktioniert wurde.
Der Richard Wagner Verband München gab anlässlich seines 150-jährigen Jubiläums im Rahmen eines mehrtägigen Kongresses der Opera Incognita den Auftrag, Richard Wagners „Liebesverbot“, seine zweite Oper auf die Bühne zu bringen, ein Werk, das nur ganz selten auf den Spielplänen zu finden ist. Nach der Aufführung weiß man warum…

München – „Amors Fest“ – Barockspektakel Gärtnerplatztheater

Oper "Amors Fest" im Gärtnerplatztheater präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

„Liebesleben erwache!“ Das ist nach den Lockdowns die ausgelassene Botschaft barocker Opernleidenschaft, wie sie zur Zeit im Münchner Gärtnerplatztheater zu sehen ist. Aus einem Mix von vier Opernkomponisten zauberten Howard Arman (Musikalische Leitung) und Karl Alfred Schreiner (Regie und Choreographie) ein musikalisches und optisches Feuerwerk als allegorische Hommage an die Liebe und an die Kunst…

Interview – Sopran Bruno de Sá singt Glucks „Orfeo“

Interview mit Bruno de Sá präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

2020 wurde Bruno de Sá von „Oper! Award“ zum Nachwuchssänger des Jahres gekürt. Er ist einer der großen Nachwuchstalente unter den Sopranen.
Fröhlich und voller Energie kommt Bruno de Sá in die Kantine des Stadttheaters Fürth. In wenigen Stunden wird er die Titelrolle in Glucks „Orfeo ed Euridice“ “singen. Davor ist noch ein Probe und das Interview für www.schabel-kultur-blog.de. Bruno de Sá strahlt. Man merkt ihm an, wie er sich auf diese Premiere freut. Völlig offen und locker geht er auf alle Fragen ein, lacht die ganze Zeit, rollt die Augen, erzählt sehr lebendig, spricht mimisch und gestisch und wirkt dabei überaus sympathisch, unkompliziert, jugendlich und authentisch…

Berlin – Mark-Anthony Turnages Oper „Greek“ auf dem Parkdeck der Deutschen Oper

Opernkritik "Greek" an der Deutschen Oper Berlin präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

Schrill und bunt, poppig und lustig wird die Öpidus-Parodie „Greek“ von Mark-Anthony Turnage und Jonathan Moore unter der Regie von Pınar Karabulut. Musik und Visualisierung finden eine schmissige Synthese, die auf der Basis von Sophokles großer Tragödie musikalisch, inhaltlich und optisch ganz neue Wege geht.

1988 wurde „Greek“ im Rahmen der 1. Münchner Biennale für Neues Musiktheater uraufgeführt. Jetzt feiert man die Inszenierung an der Deutschen Oper, das krasse Gegenteil zu George Enescus wuchtigem „Œdipe“ in der Komischen Oper. Wie ein überdrehtes Musical bietet „Greek“ 90 Minuten lang eine Comic-Seifenblase  nach der anderen…

Berlin – George Enescus „Œdipe“ in der Komischen Oper 

Opernkritik von Enescus "Œdipe" präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

„Ich bin unschuldig“ schreit der blinde, verstümmelte Öpidus zornig. Das wäre ein großartiger Schluss gewesen und hätte die Schicksalsfrage noch mehr in den Vordergrund gerückt, auf die George Enescu in seiner erweiterten „Œdipus“-Oper von dessen Geburt in Theben bis zum Tod vor Athen fokussiert. Warum erfüllt Ödipus die Wünsche und Voraussagen der Götter, obwohl er es gar nicht will? Dieser völlig fremd bestimmte Ödipus ist uns ganz nahe. Er wäre ein Ansatz für eine spannende Aktualisierung. Das aber wäre Regisseur Evgeny Titov zu banal. Er inszeniert George Enescus Version klassisch, expressiv reduziert, um das Wesentliche herauszuarbeiten. „Was ist größer als das Schicksal?“ formuliert es die Sphinx. Die Eigenverantwortung ist die Antwort von Musik und Regie…

Amberg – Raphael Fuscos Oper „inSOMNIA“ uraufgeführt im Ringlokschuppen

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Ein Mann hat Durst. Das Wasser gurgelt. Für den Mann bleibt es unerreichbar. Er  fühlt sich bedroht und ist verzweifelt. Theatralisch, befremdlich mit einer Sprechszene beginnt die Uraufführung von Raphael Fuscos Oper „inSOMNIA im Augsburger Ringokschuppen. Zum 200. Geburtstag des Amberger Volkskundlers Franz Xaver Schönwerth wurde italienisch-amerikanische Komponist Raphael Fusco beauftragt eine Oper für das erst Opernfestspiel Oberpfalz zu schreiben…

München – Mozarts „Idomeneo“ im Prinzregententheater

Opern Kritik "Idomeneo" in der Münchner Staatsoper präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

Stimmen flüstern, erinnern an Mythen und Unheil. Dazu passen Phyllida Barlows wuchtig, düster archaische Bühnenbauten, die die Menschen wie Spielzeug im Weltengetriebe erscheinen lassen, und dennoch durch ständig wechselnde Positionen Raum für vergnügtes Tanzen und Musizieren auf durchsonnter Bühne ermöglichen. Zwischen diesen atmosphärischen und emotionalen Extremen entwickelt Regisseur Antú Romero Nunes Mozarts komplexe, sehr visionäre Choroper „Idomeneo“ (1781) inklusive dessen eigens dafür komponierter Ballettmusik und einer fragmentarischen Klavierfantasie zu einem Opernhybrid zwischen großer Tragik, humanem Happyend und belangloser kunterbunter Unterhaltung…

München – „Tristan und Isolde“ in der Staatsoper

Operkritik "Tristan und Isolde" präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

Es ist ein Traum, wie unter dem Dirigat von Kirill Petrenko das Bayerische Staatsorchester Wagners „Tristan und Isolde“ hörbar macht. Klangschönheit und Dynamik entführen in Wagners leitmotivische Melancholien und Liebessehnsüchte, die diese Oper so berühmt und beliebt machten. Mit Anja Harteros und Jonas Kaufmann in den Hauptrollen, für beide ein Debüt, schraubte Intendant Nikolaus Bachler zum Abschied noch einmal die Erwartungshaltungen während der diesjährigen Opernfestspiele ganz hoch…

Bayreuth- 2. „Bayreuth Baroque“-Opernfestival im Bayreuther Opernhaus

Opernkritik zu Poporas "Carlo di Calvo" präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

Trotz Pandemie wagte Countertenor Max Emanuel Cencic  2020 das 1. internationale Opernfestival „Bayreuth Baroque“ mit einer furiosen Aufführung von Nicola Antonio Porporas „Carlo il Calvo“ zum Auftakt. Damit bewies er nicht nur einmal mehr als exzellenter Regisseur und Sänger ist, sondern auch als mutiger Künstlerischer Leiter der Festspiele mit Nerven aus Drahtseil. Unter strengsten Hygienemaßnahmen kamen nur 200 Zuschauer  in den Genuss der Vorstellung. Der Erfolg beflügelte Max Emanuel Cencic zur Fortsetzung des Projekts in dem Theaterjuwel, das Markgräfin Wilhelmine einst mitten in Bayreuth bauen ließ. Vom 1. – 14. September  geht „Bayreuth Baroque“ in die zweite Runde…