München – Tschaikowskis Oper „Pique Dame“ in der Staatsoper

Opernkritik "Pique Dame" in München präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

Aus der melancholischen Grundstimmung entwickeln sich wuchtige Crescendi, durchbrochen von galoppierenden Tempi, gewaltige Paukenschläge und verebben in einer ruhigen Liebesmelodie. Im Spannungsfeld großer Leidenschaften entfaltet sich Tschaikowkis  „Pique Dame“ an der Münchner Staatsoper. Zu hören und zu sehen gibt es viel russische Seele im modern reduzierten Kontext, einen atmosphärischen, spannenden Opernabend ohne politische Bezüge

Regensburg – Die Uraufführung von Peter Eötvös’ neuer Komposition „Valuschka“, ein groteskes Theater mit Musik und politischem Tiefgang

Opernkritik Peter Eötvös "Valuschka" präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de.

Düster, grotesk, surreal präsentiert Peter Eötvös seine neue, 14. Oper in zwei Versionen, in Ungarisch als Auftragsarbeit für die Staatsoper in Budapest seit Ende 2023 und in Deutsch mit 30-prozentiger Neubearbeitung jetzt in Regensburg, so Intendant Sebastian Ritschel. Es ist eine bitterböse Satire über Macht und Machtmissbrauch, Männerdominanz und apokalyptische Endzeitstimmung, komplex, spannend mit irrlichternden Bezügen zur Gegenwart. Die Realisation war eine Mammutaufgabe, die sich über zweieinhalb Jahre hinzog. Die künstlerische Umsetzung ist ein weiterer Erfolg den künftigen Status als Staatstheater schon im Visier…

Landshut – Händels Barockoper „Xerxes“ im Landestheater gut gesungen, fragwürdig inszeniert 

Opernkritik "Xerxes" am Landestheater Niederbayern präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

Federleicht, tänzerisch zwischen Streichern und Bläsern dialogisierend lässt Dirigent Fabio Cerroni, langjähriger Repetitor an der Bayerischen Staatsoper, dort und mit den Bamberger Symphonikern regelmäßiger Cembalist, bereits bei der Ouvertüre aufhorchen. Unter seiner temperamentvollen,  musikalischen Leitung zeigt die Niederbayerische Philharmonie hohes Niveau. Händels witziges Verwirrspiel um die Liebe komplementiert mit den vielseitigen Instrumenten des Basso Continuo wird klangschön interpretiert. Doch die hohe Erwartungshaltung rutscht mit dem ersten Blick auf Bühne und Kostüme etwas nach unten. Eine Villa am Bosporus, eher ein Resopal-Wohnraum in Rot- und Türkistönen verortet das herrlich überzogene Barockspektakel um „Xerxes“ Liebesavancen in eine biedere Boulevardkomödie, verstärkt durch Kostüme bar jeglichen Esprits im Stil…

Berlin – Kirill Serebrennikovs Inszenierung von Mozarts „Cosi fan tutte“ begeistert in der Komischen Oper 

Opernkritik "Cosi fan tutte"an der Komischen Oper Berlin präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

So sexy, witzig und kurzweilig gab es Mozarts „Cosi fan tutte“ noch nie zu sehen. Starregisseur Kirill Serebrennikov, der seit Beginn des Ukrainekriegs in Berlin lebt, gelingt ein außerordentlich amüsanter Opernabend, der allerdings so neu nicht ist, denn als Kooperation mit dem Opernhaus Zürich konzipiert, hatte „Cosi fan tutte“ dort schon 2018 Premiere. Die Proben leitete damals wegen Serebrennikovs Hausarrest in Russland sein Assistent Evgeny Kulagin. 
Der Clou der Inszenierung ist, dass Serebrennikov die Figuren ganz heutig anlegt, auf die Verkleidungsszenerie verzichtet, stattdessen zwei bodygestylte Verführer einsetzt und das Libretto pfiffig verändert. Einfach großartig!…

Berlin – Herzerfrischende Kinderoper „Nils Holgerssons wunderbare Abenteuer“ nach dem Roman von Selma Lagerlöf in der Komischen Oper

Opernkritik von "Nils Holgerssons seltsamen Abenteuern" in der Komischen Oper Berlin präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

In kleinem Bühnenformat wie in einem Film erleben kleine und große Zuschauer zunächst den 14-jährigen Nils Holgersson faul und träge. Er weiß so gar nicht, was er will, ist immer müde, hängt ab, statt am Bauernhof mitzuhelfen. „Was ist mein Wesenskern? Warum bin ich hier?“ fragt er sich. Als er einen Troll fängt und ihn grob behandelt, wird er zur Strafe selbst zum Troll. Bühnengroß die Holzbank, wirkt er klitzeklein, kann den Hausgänserich Marten verstehen und fliegt mit ihm und den Wildgänsen von einem Abenteuer zum anderen…

Berlin – Jacques Offenbachs „Die Banditen“ als witzige Parodie in der Komischen Oper 

Die traditionell kurz vor Weihnachten konzertante Opernpremiere sorgt in der Komischen Oper stets für eine Überraschung. Es ist in der Regel ein weniger bekanntes Stück, dieses Jahr durch minimalistische Mittel, textliche Anspielungen charmant parodistisch inszeniert Jaques Offenbachs Opéra bouffe „Die Banditen“ augenzwinkernd  untergetitelt mit „Die Räuber von Offenbach im Schiller“ machen auch im kleinen Format gute Laune…

Die traditionell kurz vor Weihnachten konzertante Opernpremiere sorgt in der Komischen Oper stets für eine Überraschung. Es ist in der Regel ein weniger bekanntes Stück, dieses Jahr durch minimalistische Mittel, textliche Anspielungen charmant parodistisch inszeniert Jacques Offenbachs Opéra bouffe „Die Banditen“ (1869) augenzwinkernd untertitelt mit „Die Räuber von Offenbach im Schiller“, eine Inszenierung, die auch im kleinen Format gute Laune macht…

Bayreuth – „Über die Menschlichkeit der Mächtigen – Gluck-Festspiele  2024

Gluck-Festspiele 2024 präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

Wann kann man schon innerhalb von drei Tagen dieselbe Oper von zwei verschiedenen Komponisten erleben? Michael Hofstetter, Intendant der Gluckfestspiele macht es 2024 möglich. Auf das Programm der Gluck-Festspiele vom 09. – 18. Mai in Bayreuth, Fürth und Nürnberg darf man gespannt sein. Es ermöglicht direkte Vergleiche, wie Gluck durch sein innovatives Wirken Wegbereiter und Vorbild für Mozart wurde. Für Michael Hofstetter ist Christoph W. Gluck (1714-1787) „der letzte noch wiederzuentdeckende Komponist von Weltgeltung“. Statt Opernspektakel präsentiert Michael Hofstetter Leuchturmprojekte mit „innerer Wahrhaftigkeit“ von Glucks Humanismus.

Gleichzeitig knüpft Michael Hofstetter mit renommierten Sopranisten an die sängerische Tradition zu Glucks Zeiten an. Schon allein das Festival-Motto „Über die Menschlichkeit der Mächtigen“ macht als Kontrastprogramm gegenwärtiger Kriegsszenarien neugierig…

Österreich – Weihnachten mit unbekannten Opernjuwelen bei den Tiroler Festspielen

Winterfestspiele Erl präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

Opernjuwele, die ein völlig unverdientes Schattendasein fristen, werden bei den Winterfestspielen Erl neu entdeckt. Dieses Weihnachten sind es vom 26. Dezember bis 7. Januar  Rimski-Korsakows „Schneeflöckchen“ und Adolphe Adams „Le Postillon de Lonjumeau“, komplettiert mit zahlreichen Konzerten und Specials, so dass Weihnachten zum kulturellen Ereignis wird….

Berlin – Verdis „Aida“ an der Staatsoper als Spiegel menschlicher Unterdrückung 

Opernkritik "Aida" präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

Stille. Langsam bewegen sich Menschen vom Bühnenhintergrund nach vorne, explodieren plötzlich in gestischer Revolution Steine werfend und verschwinden gruppenweise. Der Protest bleibt wirkungslos, alles bleibt beim Alten. Genau das will Calixto Bieìto mit seiner „Aida“-Konzeption erzählen. Verdis monumentaler Auftragsoper durch die pompösen Aufführungen in Verona als Opernspektakel tradiert setzt Erfolgsregisseur Calixto Bieíto ganz gegen sein Image eine klug reduzierte Inszenierung entgegen, die wie zu erwarten nicht jedem gefällt, aber gerade durch ihre epochenübergreifenden Spiegelungen die Kritik an den Göttern, dem Klerus und der Machtelite beeindruckend herausarbeitet und „Aida“ sehr modern erleben lässt…

Berlin – Uraufführung „Zeroth Law -Das nullte Gesetz“ in der Tischlerei der Deutschen Oper

Opernkritik "Das nullte Jahr" an der Deutschen Oper Berlin präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

Umtost vom Maschinenlärm durch Lichtkegel im Schwarz der Bühne flankiert von zwei gigantischen Klanginstallationen schreitet der RIAS-Kammerchor würdevoll auf die Podeste. Die menschliche Stimme trifft auf Klangmaschinen, der stimmwuchtige RIAR-Kammerchor auf 50 ferngesteuerte, bizarre Musikautomaten des Erfinders, Ingenieurs und Musikers Godfried-Willem Raes, dazu der Dialog einer via großformatiges Videos duplizierten Erzählerin und eines Tanzpaars, das das Geschehen in sich wiederholenden Bewegungsmustern darstellt. Das wirkt meditativ und befremdlich zugleich, macht neugierig auf den Schlussteil der Roboter-Trilogie des retro-futuristischen Ensembles gamut inc, geleitet vom Komponistenduo Marion Wörle und Maciej Śledziecki…

Berlin – Grandiose Aufführung der Komischen Oper von Hans Werner Henzes Oratorium „Das Floß der Medusa“ im Hangar 1 

Opernkritik "Das Floß der Medusa" in Berlin präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

Oper in einer Flugzeughalle? Die Komische Oper kann auch das. An einem ungewöhnlichen Spielort macht sie mit einer grandiosen Inszenierung zu Beginn der neuen Spielzeit Schlagzeilen, bevor wegen der Umbaumaßnahmen in der Behrendstraße der normale Spielbetrieb im Schillertheater aufgenommen wird.
Unter der musikalischen Leitung von Titus Engel und der Regie von Tobias Katzer verwandelt sich Hans Werner Henzes Oratorium „Das Floß der Medusa“ (1968) zu einem fulminanten Gesamtkunstwerk mit verblüffender Nähe zur Migrationstragik im Mittelmeer. Die revolutionäre Kapitalismuskritik, weshalb 1968 die Uraufführung blockiert wurde, weicht dem Blick auf die fehlende Humanität…
Erstarrt in der hoch dramatischen Situation beginnt das Oratorium als Vivant Tableau auf einem Floss analog zu Théodore Géricaults Gemälde „Le Radeau de La Méduse“ (1819), das Hans-Werner Henze und Librettist Ernst Schabel zu diesem Werk inspirierte. Das Floß auf einer riesigen Wasserfläche treibend, flankiert von einem groß besetzten Orchester und einem mächtigen Chor entsteht im Wasser ein hochdramatischer Kampf um das Überleben…

München – „Queen Poppea“ – Eine mondäne Party-und Revueoper mit Musik von Monteverdi und der Rockgruppe Queen inszeniert von der Opera Incognita

Opernkritik "Queen Poppea" der Opera Incognita präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

Das Wasser schimmert und gluckert. Mit schwimmenden Palmen bestückt verwandelt sich das Müllersche Volksbad, ein sehr schönes Jugendstilbad, in München vor einem antiken Wasserspeier in einen mondänen Swimmingpool. Hollywood lässt grüßen. In diesem Umfeld avanciert Monteverdis letzte frühbarocke Oper „L’ incoronazione de Poppea“ kombiniert mit live eingespielten Songs der Rockgruppe Queen zu einer exaltierten Party- und Revueoper mit unerwartetem Ausgang. Der Pool wird zum Haifischbecken der Macht, in dem störende Menschen und menschliche Werte unter der glänzenden Oberfläche verschwinden… 

Füssen – „Musikfestspiele Königswinkel“ – Großartige Musik in herrlicher Umgebung 

Musikfestspiele Königswinkel präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

Den Sommer verlängern mit Kultur in schönster Natur, das bietet das Musikfestival im Königswinkel in Füssing mit Wagners Walküre im Festspielhaus Neuschwanstein.
Möglich ist dieses herrliche Festival durch den Europäischen Festivalverbund „Mehr Europa durch Musik“. Er zielt auf langjährige Konzeption, Synergieeffekte durch Künstleraustausch und gegenseitige Bewerbung. Nach dem „Prager Osterfestival“ , dem sommerlichen „Musikfestival in Marvão“ in Portugal darf man jetzt im Herbst vom 28. September bis 3. Oktober auf die „Musikfestspiele Königswinkel“ in Füssen gespannt sein, wo König Ludwig II. und Richard Wagner um die Wette funkeln…

München – Händels Oper „Semele“ begeistert das Publikum der Bayerischen Opernfestspiele 

Opernkritik "Semele" an der Bayerischen Staatsoper präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

Nach dem ersten Akt jubiliert Semele, nach dem zweiten schreit sie psychopathisch, am Schluss verstummt sie. Händels Semele ist wie keine andere Frauenfigur des Barocks emanzipiert. Sie wagt die einengenden Rituale der Gesellschaft zu durchbrechen, heiratet nicht Athamas, der sie liebt, sondern fleht Jupiter an ihr zu helfen, der sie entführt und verführt. Doch die eifersüchtige Göttergattin Juno weiß sich Semele durch eine raffinierte Intrige zu entledigen. Jupiter soll sich ihr nicht als Mensch nähern, sondern so, wie er wirklich ist, als Gott, der über Blitz und Donner herrscht. Dann würde Semeles Wunsch erfüllt, unsterblich zu werden. Das Gegenteil trifft ein. Semele verbrennt. Nach kurzer Trauer findet die Hochzeit trotzdem statt. Endlich bekommt Semeles Schwester Ino ihren heiß geliebten Athamas und das wohlhabende Umfeld feiert barockgemäß. Carpe Diem! „Glücklich sollen wir sein.“
Regisseur Claus Guth macht mit seinem künstlerischen Team aus Händels über 4-stündigem Mammutwerk inklusive zweier Pausen ein ausgesprochen vergnügliches Opernerlebnis in einem modernen, ästhetisch stilisierten Umfeld voller düster psychotischer Doppelbödigkeit, die er immer wieder ausgesprochen witzig parodiert, wobei SängerInnen und TänzerInnen bestens ihre Talente präsentieren können. Unter der musikalischen Leitung von Gianluca Capuano steht eine ausbalancierte Klangharmonie im Vordergrund…

Landshut/Passau – Puccinis „Le Villi “ und Pietro Mascagnis „Cavalleria rusticana“ – eine ungewöhnliche, erhellende Kombination bei den diesjährigen Burgenfestspielen des Landestheater Niederbayern

Opernkritik Puccinis "Le Ville" und Mascagnis "Cavalleria rusticana" im Landestheater Niederbayern präsentiert von www.schabel-kultur-blog.

Das Programm verblüfft mit zwei berühmten Komponisten aus derselben Epoche des italienischen Verismo, doch mit Werken ganz unterschiedlicher Qualität. Man versteht, warum Puccinis Erstlingswerk „Le Villi“ nur selten gespielt wird und Pietro Mascagnis „Cavalleria Rusticana“ immer noch ein Publikumsliebling ist. Beides auf die Bühne zu bringen, spricht für die Experimentierfreudigkeit von Basil H.E. Coleman und führt dem Zuschauer vor Augen, wie unterschiedlich etwas gelingen kann