„Aufstehen für die Kunst“ – Ein Plädoyer für die Kunst 

"Aufstehen in der Kunst" präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

Die Künste sind per se sehr individuell, nicht minder die KünstlerInnen. Sie haben ganz unterschiedliche Ausdrucksmittel, aber keine Stimme, die sie vertritt. Groß war der Aufschrei, als im Lockdown Oper, Theater und Museen als Freizeitbeschäftigungen mit Fitnessstudios und Bordellen gleichgesetzt wurden, was einmal mehr die Ignoranz der Politiker gegenüber der Kultur unter Beweis stellte. Aber erst jetzt im dritten Lockdown nach einem Jahr existentieller Perspektivlosigkeit reichen vier Künstler aus dem klassischen Musikgenre eine Verfassungsklage ein. Christian Gerhaher, hervorragender Lied- und Operninterpret, Kevin Conners, seit 1990 Tenor an der Bayerischen Staatsoper, Charaktertenor Wolfgang Ablinger-Sperrhacke und Hansjörg Albrecht, Leiter des Münchner Bach-Chors wollen wissen, welchen Schaden die Kultur seit dem zweiten Lockdown im November genommen hat, obwohl es bereits schützende Hygienekonzepte gab. Das „Salzburger Modell“…

München  –  Rossinis Einakter „Il Signor Bruschino“ als XVIII. Montagsstück 

Opernkritik "Il Signor Bruschino" in Münchner Staatsoper präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

Das Orchester in kleiner Besetzung auf der Bühne, davor ein paar Requisiten genügen Regisseur Rosenmüller Rossinis Einakter „Il Signor Bruschino“ in Szene zu setzen. Er setzt auf Stummfilmoptik, lässt schwarz-weiß streamen, und inszeniert in Manier eines improvisierten Stegreifspiels, ganz nach dem opernimmanenten Motto „Lasst der Komödie ihren Lauf“, einen sehr ausgestellten und burlesken Minioper-Film.
Ein Wollknäuel kugelt während der Ouvertüre via Projektion durch die Opernräumlichkeiten. Florville wickelt es wieder auf und bringt es Sofia zurück. Ein Blick und es ist Liebe auf den ersten Blick…

München – Richard Strauss´ „Der Rosenkavalier“ als erfrischende Neuinszenierung in der Staatsoper

Koskys "Rosenkavalier" in München präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

Die Wanduhr schlägt die Stunde. Die Zeiger bewegen sich rückwärts. Das Ziffernblatt rotiert vor schwarzem Bühnenhintergrund, während unter der Leitung von Vladimir Jurowski  das Orchester die Ouvertüre zu Richard Strauss´ „Der Rosenkavalier in zarten Tonfarben entfaltet.
Nach 50 Jahren Spielzeit gibt es jetzt eine neue Inszenierung von Barrie Kosky. Mit mutigem Regietheater, Metamorphosen des Bisherigen hat er sich einen Namen gemacht und zusammen mit Vladimir Jurowski schon etliche Produktionen entwickelt. 
Trotz der Pandemie bedingten Sonderregelungen, das Orchester spielt nur mit der Hälfte der Musiker, erwartet das Publikum eine erfrischend neue „Rosenkavalier“-Version dieses künstlerischen Duos. Sieht man davon ab, dass gerade bei Richard Strauss ein Live-Stream nie das Hörerlebnis einer Live-Aufführung vermitteln kann, ist die neue Konzeption des „Rosenkavaliers“ durchaus ein absolutes Highlight…

München – Carl Maria von Webers „Der Freischütz“ – Das Dunkle in jedem –  in der Staatsoper 

Münchner Staatsoper "Der Freischütz" präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

Spannend ist der neue „Freischütz“ in der Bayerischen Staatsoper. Die Musik bleibt unter dem Dirigat von Antonello Manacorda nahromantisch an Weber, beginnt ganz zart, dynamisiert, während im Laufband über der Bühne bereits die Problematik der nahenden Hochzeit angekündigt wird und einzelne Rollen frech karikiert werden. 
Ganz nüchtern macht Dmitri Tcherniakov aus dem „Freischütz“ eine kapitalistische Realsatire. Man sieht nicht nur, was vordergründig passiert, sondern gleichzeitig, was die Figuren heimlich denken, ein sehr innovativer Ansatz. Das Konzept funktioniert, wenn auch das Lesen zuweilen nervt, weil es zu sehr vom Hören ablenkt…

Budapest – Jake Heggies Oper „Dead Man Walking“ am Rande des Kitsches in der ungarischen Nationaloper

"Dead Man Walking" in der Budapester Oper präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

„Dead Man Walking“ – Wenn dieser Ruf erschallte, wurde in den USA wieder ein Häftling auf dem elektrischen Stuhl hingerichtet. Die Todesstrafe war und ist in den USA immer noch umstritten. 1993 schrieb Ordensschwester Helen Prejean ihren bewegenden Roman „Dead Man Walking“ nach einem authentischen Mordfall, woraufhin Jim Robbins nach zwei Jahren seinen weltberühmten Film „Dead Man Walking“ präsentierte. In der Geschichte dieser Nonne, die einen Mörder zum Eingeständnis seiner Schuld bewegte, fand der Komponist Jake Heggie zusammen mit Librettist Terrence McNally das perfekte Material für seine erste Oper. Nach der gefeierten Uraufführung in San Francisco erfolgte 2006 die europäische Premiere an der Dresdner Semperoper. Jetzt ist „Dead Man Walking“ als Live-Stream an der ungarischen Staatsoper in Budapest zu sehen…

München – Igor Strawinskys „Die Geschichte vom Soldaten“ als XIV. Montagsstück 

Staatsoper München "Die Geschichte des Soldaten" präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

Mit Igor Strawinskys Moritat „Die Geschichte vom Soldaten“ gelingt unter der musikalischen Leitung von Vladimir Jurowski wieder ein spannender Musikabend im Rahmen der Montagsstücke der Münchner Staatsoper. 1917 hatte Strawinsky unter den Auswirkungen des Ersten Weltkrieges in Anbetracht der angespannten finanziellen Situation und der sich dadurch entwickelnden „Ästhetik zur Einfachheit“ diese erzählte Moritat für Schauspieler und Orchester so klein wie möglich besetzt. Umso wirkungsvoller, nicht zuletzt durch die Zooms der Kamera, treffen die wenigen Instrumentalisten mit Fagott, Trompete, Posaune, Schlagzeug, Violine, Kontrabass aufeinander und finden eine vortreffliche Klangatmosphäre zu Strawinskys kantiger „Geschichte vom Soldaten . 
Doch im Mittelpunkt steht in dieser Inszenierung Dagmar Manzel als Sprecherin…

Budapest –  Weltpremiere von Levente Gyöngyös´Musicaloper  „Der Meister und Margarita“ an der Budapester Oper mit englischen Untertiteln

Gyöngyös´Weltpremiere "Der Meister und Margarita" präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

Als musikalisches Kaleidoskop setzt der ungarische Komponist Levente Gyöngyös Michail Bulgakows Kultroman „Der Meister und Magarita“ um.  Die Musik ist so komplex wie die literarische Vorlage, changiert zwischen großer Oper und Musical, zwischen flottem Ragtime, Rock und Pop.
Schon als Jugendlicher war Gyöngyös vom schwarzen Humor dieser Lektüre begeistert, der ähnlich wie Goethes „Faust“ über das Böse in der Welt den Sinn des Lebens zu fassen sucht und darüber hinaus das rigide kommunistische System der 30er Jahre karikiert. Als  Gyöngyös 2013 von Dirigent Gábor Hollerung den Auftrag für ein großes Opernwerk bekam, konnte er endlich „Der Meister und Magarita“ komponieren, jetzt nach der Online-Weltpremiere in der Budapester Oper weltweit zu sehen…

München – „Schön ist die Welt“ im Operettentakt in der Staatsoper

Operettenkritik "Schön ist die Welt" präsentiert von www.schabe-kultur-blog.de

Das Staatsorchester lässt temperamentvoll aufhorchen. Mit Lehárs „Schön ist die Welt“ stimmt die Münchner Staatsoper nostalgisch charmant auf die Woche ein, in der sich ein noch schärferer Lockdown abzeichnet. Kronleuchter schweben ein. Max Hopp erklärt als Conférencier in Altherrenmanier, dass sich alle gerade im Hotel des Alpes befinden. Mit nostalgischen Melodien, kessem Posieren und heißen Küssen kommt trotz Reduzierung auf ein konzertantes Format schnell beschwingte Operettenstimmung auf…

München – „Eight Songs for a Mad King“- experimenteller Klassiker als Live-Stream in der Staatsoper 

München Staatsoper "Eigth Songs for a Mad King" präsentiert von www.schabel-kulturl-blog.de

Ja, so könnte sich das Klanggewitter im Kopf eines Verrückten anfühlen, schrille Dissonanzen, die wahnsinnig machen, dazwischen lyrische Momente der Normalität. Genau darauf zielt Peter Maxwell Davies´ Monodrama „Eight Songs for a Mad King“. Es soll den Irrsinn des Königs, seine latente Pein und die lichten Momente befreiender Erleichterung hörbar machen. Gemeint ist nicht der alterswirre Richard III, sondern George III, dessen Worte die Basis von Randolph Stows Libretto bilden. Dieser Herrscher, den das Volk wegen seiner Bescheidenheit als Bauern titulierte, litt an einer unheilbaren Geisteskrankheit.
1969 wurde die Minioper für das Ensemble des Komponisten, die Pierrot Players geschrieben. Sie hat nichts von ihrer irrlichternden Klanglichkeit verloren…

Landshut/Passau – Mozarts „Zauberflöte“ im Landestheater Niederbayern als Live-Stream in einer spannenden Kammermusikfassung 

Mozarts "Zauberflöte" präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

Mit der „Zauberflöte“ beglückte das Landestheater Niederbayern das Opernpublikum trotz Lockdowns über die Weihnachtstage und Jahreswende. In der reduzierten kammermusikalischen Fassung von Roger Janotta für elf Musiker unter der Leitung von Basil H. E. Coleman und der dynamischen Regie von Christina Piegger kommt Mozarts große rätselhafte Oper als spielfreudiges Märchenstück auf die Bühne, in dem die Liebe die treibende Kraft der Befreiung ist…

Landshut/Passau – Puccinis „Madama Butterfly“ im Landestheater Niederbayern in einer ganz speziellen Version

Opernkritik "Madama Butterfly" präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

„So weltweit kein zweites Mal zu hören“ kündigte Stefan Tilch, Intendant des Landestheater Niederbayern, das erste digitale Opernprojekt an. Mit zwei Flügeln und Synthesizer statt Orchester und aus der Erinnerung des Sohnes auch inszenatorisch innovativ ist diese „Madama Butterfly“sicher einmalig…

München – Verdis „Falstaff“ als Live-Stream-Premiere in der Staatsoper

Opernkritik "Falstaff" präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

Als Gipfel seines Werks gilt Verdis „Falstaff“ in der Operngeschichte. Mit 80 Jahren komponierte er nach 24 ernsten Opern diese lyrische Werk. Librettist Boito destillierte aus Shakespeares Vorlage „Die lustigen Weiber von Windsor“ ein eloquentes, dichtes Libretto, das Verdi in eine hochkomplexe Partitur verwandelte, begeistert bejubelt bei der Uraufführung 1893 an der Mailänder Scala. Viel Applaus hätte es sicher auch für den „Falstaff“ in der Münchner Staatsoper gegeben, dessen Premiere, eigentlich für die Münchner Opernfestspiele im Sommer geplant, man jetzt leider nur als Live-Stream-on-Demand erleben kann.  
Regisseurin Mateja Koležnik macht in der Münchner Staatsoper aus Verdis „Falstaff“ eine gelungene Parodie auf Neureiche der 1960er Jahre, die das Geld überschwänglich verschleudern, und aus dem ursprünglichen Raubritter einen hedonistisch betrügerischen Egozentriker am Rande der Gesellschaft, der sich nach dem Motto „Mit Anstand stehlen, im richtigen Moment“  durch das Leben schummelt…

München – Puccinis „La Bohème“ als Video-Stream  

Münchner Staatsoper "La Boheme" präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

Sehr konservativ inszeniert kommt Puccinis „La Bohème“ noch einmal auf die Bühne der Münchner Staatsoper. Kein Wunder, Otto Schenks Inszenierung stammt von 1969. Über 50 Jahre alt hat sie trotzdem nichts von ihrer Strahlkraft verloren. Was heute etwas altbacken wirkt, bekommt durch die hervorragende Besetzung  und unter der subtilen musikalischen Leitung von Asher Fisch einen nostalgischen Charme, der bestens zu Puccinis „La Bohème“ passt. Vor leeren Zuschauerreihen gelang eine emotional mitreißende Wiederbelebung, die zu Tränen rührte. Als Livestream in der Reihe der Montagskonzerte der Münchner Staatsoper wird „La Bohème  durch die Kameraführung zum intensiven Kammerspiel…

München – Walter Braunfels´ „Die Vögel“ in der Staatsoper 

Braunfels Oper "Die Vögel" präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

Mit größter Spannung erwartet konnten aufgrund der ständig verstärkten Sicherheitsvorschriften im Kulturbereich nur 50 Zuschauer die Premiere von Walter Braunfels´ Oper „Die Vögel“ miterleben, bevor der zweite Lockdown die Türen aller Kultureinrichtungen verschloss, eine Regelung, die nur einmal mehr zeigt, wie derzeit mit zweierlei Maß gemessen wird. Jedes Möbelhaus, jeder Großmarkt ist bezüglich der Virenverbreitung wesentlich gefährlicher als die vollkommen unterbesetzten Opernhäuser.  
Der Livestream am Premierenabend, jetzt noch on Demand auf der Webseite der Münchner Staatsoper zu sehen, vermittelt dennoch den Charme dieser Musik, eine Mischung aus spätromantischer Melodiosität und modernen Stilformen. Unter dem Dirigat von Ingo Metzmacher bringt das Bayerische Staatsorchester das facettenreiche Klangspektrum dieser Partitur großartig, überaus präzise und subtil zum Ausdruck. SängerInnen, Chor und Orchester berauschen, auch wenn der inzwischen schon sehr verbrauchte Inszenierungsstil von Castorf und Denić nervt…