Passau- Mozarts „Don Giovanni“ als Sexomane

Opernkritik "Don Giovanni" präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

Mozarts „Don Giovanni“  verliert unter der Regie von Ultz sein charmantes Verführungsimage 
So kurzweilig kann Oper sein, wenn sie sich mit den Opernklischees auseinandersetzt! Der schwarz  gelackte Hintergrund, davor ein paar rote Möbel mit Kussmund- und Popo-Motiven auf den Kissen signalisieren die Eckpunkte des Geschehens zwischen Sex und Tod. Es ist der private Rückzugsort für Don Giovanni, den potenten Ganoven milieugerecht im stylischen Trainingsanzug, und seinen Helfershelfer Leporello in Schwarz mit Schirmmütze. Eine kleine Bühne lässt voyeuristisch auf Don Giovannis Liebesleben blicken, sich breitseitig auf volle Bühnengröße weitend minimiert sich  die Distanz und der Zuschauer taucht ganz ein in Don Giovannis Verführungskünste, die in dieser Inszenierung keine mehr sind.
Ultz, einer für alles, Regie, Bühne und Ausstattung, macht aus Mozarts „Don Giovanni“ einen Vergewaltiger, von Kyung Chun Kim in der Titelrolle radikal ganovenhaft interpretiert.

München – gemischte Resonanz für  Abrahamsens erste  Oper „The Snow Queen“, uraufgeführt in der Münchner Staatsoper

Opernkritik "The Snow Queen" präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

Ganz still beginnt Hans Abrahamsens erste Oper „The Snow Queen“.  Eine junge verzweifelte Frau wartet vor den Türen eines Krankenzimmers, Sie schläft auf einer Bank ein und träumt ihr Leben noch einmal, das Märchen von Andersen „Schneekönigin“.
Raffiniert ist Andreas Kriegenburgs Regiekonzeption. Er kristallisiert aus der Retrospektive surrealer Traumbilder die psychologischen Tiefenstrukturen  des Märchens vom Erwachsenwerden zweier befreundeter Kinder heraus. Kay geht den Weg über eine pessimistische Weltanschauung, vereinsamt und vereist. Gerda gelingt es ihn durch ihre kindlich naive Lebensfreude und hartnäckige Ausdauer wieder aufzubauen. 

Regensburg – „Ludwig II“ statt Musical gelungener Operettenhit im Regensburger Stadttheater

Musical "Ludwig II" präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

Aus dem einstigen Musicalhit „Ludwig II“ wird im Regensburger Theater eine humorvolle Operette
„Ob die Welt das tatsächlich braucht?“, fragte sich Neundorff von Enzberg, Intendant des Regensburger Stadttheater, als er nach 20 Jahren Hummels „Ludwig II“ als Hommage an den 80. Geburtstag des Komponisten neu inszenieren lassen wollte. Ja, ist die klare Antwort. Das Regensburger Ensemble leistet Erstaunliches, macht aus dem amerikanisiert verkitschten Musicalhit, den zwischen 2000 und 2003 1,5 Millionen Besucher im eigens gebauten Musicalhaus in Füssen bejubelten, eine überaus amüsante Operette, die „Ludwig II“ als bayerische Kultfigur liebevoll satirisch, gleichzeitig mit empathischen Tiefgang präsentiert.

Nürnberg – Cavallis „La Calisto“ im Staatstheater

Opernkritik "La Calisto" präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

Cavallis Barockoper „La Calisto“ begeistert in Nürnberg durch originelle Regie und erstklassige Sänger.

Aus dem Orchestergraben erklingen  ungewohnte Instrumente. Der Steg einer Barockgitarre verweist auf das Bühnenbild, wo die Sterne funkeln und ein großer Bär zugleich Tanzbär und Sternbild suggerieren lässt. Genau darum dreht sich alles in Francesco Cavallis venezianischer Barockoper „La Calisto“, eine Liebesgeschichte zwischen Menschen und Göttern auf drei Ebenen, tänzerisch beschwingt musikalisiert, sternenklar koloriert und atmosphärisch frech inszeniert.

München-Korngolds „Die tote Stadt“ in der Münchner Staatsoper

Opernkritik von Korngold "Die tote Stadt" präsentiert von www.schabel-kulltur-blog.de

Nicht den Glamour der 20er Jahre wie in Berlin unter Robert Carsen, Bauhaus-Sachlichkeit wählt Regisseur Simon Stones für seine Inszenierung von Korngolds „Toter Stadt“. Nach drei Jahren ist sie jetzt nach Basel in München zu sehen, wiedereingerichtet von Stones´ Assistentin Maria-Magdalena Kwaschik, weil Stones wegen eines Filmprojekts keine Zeit hatte. Seine Inszenierung setzt auf Realismus und fokussiert auf die psychotische Krise eines Zeitgenossen.

Landshut – Donizettis „Maria Stuarda“ im Landestheater Niederbayern

Opernkritik "Maria Stuarda" präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

Passt alles zusammen gelingt ein Kunstwerk der besonderen Art. Man kann nur staunen und sich freuen, wie wunderbar Kobie van Rensburg, das Sängerteam und das Orchester unter der Leitung von Basil H.E. Coleman Donizettis „Maria Stuarda“ zum Leben erwecken. 
Kobie van Rensburg  brachte mit der Verdi Monteverdi-Trilogie „Poppea“, „Ulisse, ‚ „L’Orfeo“  und  Händels „Alcina“  originelle Inszenierungen auf die Bühne. Jetzt zeigt Kobie van Rensburg seine Qualitäten als Videokünstler und sein großes Talent die großartigen, aber handlungsarmen Arien dieser Belcanto-Oper  durch eindrucksvolle Bildwelten zu emotionalisieren und dramatisieren.
„Maria Stuarda“ kreist um die berühmte Begegnung von Elisabeth I., Königin von England, und ihrer inhaftierten Halbschwester und Konkurrentin Maria, eine dramaturgische Erfindung, die so historisch nie stattgefunden hat, aber angeblich 57 Opernkompositionen bewirkte.

Berlin – Hans Werner Henzes Oper „The Bassarids“ in der Komischen Oper

Henzes Oper "The Basserids" präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

Am Ende tötet und zerstückelt die Mutter ihren Sohn und die antike  Rache-Tragik hat wieder ein Fortsetzungskapitel. „Das unbeschreibliche Mysterium ist nicht für Sterbliche gestimmt“, konstatiert das Libretto, dennoch vermittelt die hochdramatische Oper nach zweieinviertel Stunden doch sehr viel über die Grundsätzlichkeit der menschlichen Existenz, nämlich den Kampf der ewig menschlichen Polaritäten zwischen Vernunft und Rausch.

Bayreuth – Wagners „Die Meistersinger von Nürnberg“

Bayreuther Festspiele, Opernkritik "Die Meistersinger von Nürnberg" präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

Der Jubel um Barrie Koskys Inszenierung der „Meistersinger von Nürnberg“ ist ungebrochen. Die gelungene Fusion dieser erstklassigen, sehr humorvollen, doch tiefgründigen Version mit musikalischen Spitzenniveau wurde auch dieses Jahr Beifallsstürmen gewürdigt. Barrie Koskys Konzept wirkt im traditionsverhafteten Festspielhaus Bayreuth äußerst erfrischend. Es gelingt ihm aus dem langatmigen Sängerwettbewerb ein bewegungsintensives Spiel zu entwickeln, Richard Wagners doch sehr fragwürdiges Gedankengut in den Mittelpunkt zu stellen, ohne ihn vom Sockel zu stürzen, denn so satirisch die Inszenierung auch ist, sie bleibt trotz allem immer charmant verspielt oder grob überzogen wie in der Commedia dell´arte mit überraschenden Bühneneffekten.

München – Opernfestspiele – Richard Strauss´“Salome“ in ganz neuen Facetten

Operkritik "Salome" in München präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

„Hättest du mich angesehen,  du hättest mich geliebt… Und das Geheimnis der Liebe ist größer als das des Todes…“, das ist die Quintessenz von Salome. Aus diesem Satz ergibt sich das Drama dieses Mythos, der so schwer abstrus scheint. Salome, die Tochter Herodes, fordert den Kopf des Propheten, weil der ihre Liebe nicht erwidert. 

Nach Oskar Wildes „Salome“ komponiert entdeckt hier Regisseur Krzysztof Warlikowski wie Richard Strauss in der Musik ein Netz von erotischen Komponenten als analytisches Ursachenfeld und transponiert den biblischen Mythos vom  historisch römisch antiken Kontext in den Holocaust. 

Berlin – Festspiele Korngolds „Die tote Stadt“ an der Komischen Oper Berlin

Opernkritik "Die tote Stadt" präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

©Iko Freese Eine Oper, in der sich alles um die Liebe dreht, passt natürlich bestens ins Schlafzimmer. Genau dorthin verortet sie Robert Carsen, und zwar ganz epochentypisch in die 1920er Jahre. Alles spielt sich in einem großen mondänen Schlafzimmer (Michael Levine)  des Fin de Ciecle ab. Das Zimmer kreist wie die Gedanken des Protagonisten um […]

Berlin – Festspielwoche  Paul Abrahams Operette „Roxy und ihr Wunderteam“ in der Komischen Oper

Operettenkritik "Roxy" präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

Während der Ouvertüre moderiert ein Radioreporter das Fußballmatch. Ungarn gegen England 1937. Das verquatscht zwar die Musik, aber schon ist man mittendrin in Paul Abrahams  Fußballoperette  „Roxy und ihr Wunderteam“, und zwar mit viel „Tempo, Tempo, Tempo!“ Von Matthias Grimminger und Henning Hagedorn etwas rekonstruiert und umarrangiert, ist trotzdem das ganze Material aus Paul Abrahams Komposition, die Hitler als zu satirisch verbieten ließ. 

„Toooor!“ – Ungarn siegt. Jetzt gilt es im Rückspiel in Budapest den Pokal zu verteidigen, aber statt ohne Sex und Alkohol auf einem abgelegenen Gut zu trainieren, kommt der Mannschaft eine entlaufene Braut und ein Mädchenpensionat in der Sommerfrische dazwischen. 

Der Kitsch der Handlung ist kaum zu übertreffen und kulminiert unter der musikalischen Leitung von Kai Tietje und der Regie von Stefan Huber zu einer herrlich aberwitzigen Fußball- und Liebesparodie mit ständigen überaus originellen Überraschungseffekten. 

Berlin – Festspielwoche Händels „Poros“ in der Komischen Oper  

Opernkritik "Poros" präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

Sensationell atmosphärisch ist schon das Bühnenbild. Dschungel wuchert Schwarz-Weiß im Hintergrund an den Seiten bis über die Decke hinweg und wandelt sich in dreidimensionales grünes, üppiges Urwalddickicht als Metapher für barocke Verschwendungssucht und indischen Prunk.Harry Kupfer weiß immer noch das Publikum zu faszinieren. Der 83-jährige Grandseigneur des Regietheaters macht aus Händels barocker Eifersuchtsgeschichte „Poros“  eine gelungene Kolonialparodie. 

Berlin – Festspielwoche „M – Eine Stadt sucht einen Mörder“ als gesungenes Psychogramm eine Uraufführung in der Komischen Oper

Opernkritik "M-Eine Stadt sucht einen Mörder" präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

Ist er überhaupt der Mörder? Alles bleibt offen in Moritz Eggerts Auftragsoper „M – Eine Stadt sucht einen Mörder.“ Von der berühmten Verfilmung Fritz Langs verwenden Barrie Kosky, Intendant der Komischen Oper Berlin und Ulrich Lenz, das stark gekürzte Drehbuch. Mit Gedichten von Walter Mehring und Kinderliedern aus den 30er Jahren gelingt eine atmosphärische Verdichtung, die im Gegensatz zur dokumentarischen Außensicht im Film, auf der Bühne die Innenansichten des Mörders spiegelt, in denen die Realität in surreale Albträume abtaucht.

Landshut – Verdis „Nabucco“ bei den Burgenfestspielen des Landestheater Niederbayerns

Opernkritik "Nabucco" präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

Eine kluge Entscheidung des Intendanten Stefan Tilch war es, die Opern- Open-Air-Premiere im Prantlgarten trotz regnerischen Intermezzos nicht abzusagen. Wer nach der halbstündigen Regenpause nicht zurückkehrte, hat  einiges verpasst.Verdis populäre Choroper „Nabucco“ kreist um die komplexe Thematik von Religion und Macht. Es kommt nicht auf eine bestimmte  Religion, sondern  auf die Funktion der Religion als Glaube an eine zentrale Macht.