Berlin – Staatsoper – „Violetter Schnee“ – Uraufführung der Oper von Beat Furrer und Händl Klaus

Operkritik "Violetter Schnee" präsentiert von schabel-kultur-blog.de

©Monika Rittershaus
Die Musik flirrt, knistert, knackt, splittert wie gefrorenes Eis. Töne durchfurchen die Stille, ballen sich in Kleinstintervallen übereinander bedrohlich auf und machen Eindreiviertelstunden lang alle Facetten des Schneefalls, eisigen Gefrierens und Zerspringens lautmalerisch in dissonant kosmisch apokalyptischer  Verfremdung hörbar.   

Hinter einem Gazevorhang betrachtet eine Frau im Museum Brueghels berühmtes Gemälde „Jäger im Schne©Me“. Tanja, adaptiert aus Andrej Tarkowskis Film „Solaris“, taucht ein in die  Schneelandschaft und..

Berlin – Komische Oper Bernsteins Operette „Candide“

Kritk "Candide" präsentiert schabel-kultur-blog.de

©monikarittershaus
Fast erdrückt das Perückenungetüm, ironische Referenz an seine Zeit Voltaire und seinen großen Geist darunter. Sofort wird klar, dass „Candide“ in dieser Inszenierung extravagant amüsante Töne anschlägt.

Bernsteins musikalisches Feuerwerk „Candide“ nach einer Novelle Voltaires verwandelt Regisseur Barrie Kosky in einen witzigen Stilmix mit satirischen Tiefgang. Im fliegenden Wechsel ist jede Szene für sich ein Meisterwerk der Überraschung voller Esprit und raffinierter Ästhetik

Münchner Staatsoper – Smetanas „Die verkaufte Braut“

Unter dem Dirigat on Tomás Hanus weckt die Ouvertüre Spannung. Nervös vibriert der Geigenuntergrund während sich die einzelnen Motive entfalten. Kezals Werbespot als Heiratsvermittler als Gigalo der 60er Jahre mit Telefonnummer wie ein Callboy zielt schon auf simple Klischees. Es wird noch schlimmer. Regisseur David Bösch macht aus der „Verkauften Braut“, der tschechischen Nationaloper  einen dörflichen Komödienstadel.

©Winfried Hösl
Unter dem Dirigat on Tomás Hanus weckt die Ouvertüre Spannung. Nervös vibriert der Geigenuntergrund während sich die einzelnen Motive entfalten. Kezals Werbespot als Heiratsvermittler als Gigalo der 60er Jahre mit Telefonnummer wie ein Callboy zielt schon auf simple Klischees. Es wird noch schlimmer. Regisseur David Bösch macht aus der „Verkauften Braut“, der tschechischen Nationaloper  einen dörflichen Komödienstadel.

München – Opernuraufführung von Michael Ende Roman „Momo“

Uraufführung der Oper "Momo" präsentiert von schabel-kultur-blog.de

©Christian POPO Zach
Wenn die grauen Zeitdiebe in Lichtkrägen die Menschen  in hektische Workoholics verwandeln, entwickelt Michael Endes berühmte Geschichte „Momo“ (1973) eine faszinierende Aktualität. Arbeit wird zur Fron,  Erziehung zur Dressur. Das Ergebnis ist „Bibigirl“ (Caroline Adler), eine gelungene Barbiepuppen-Persiflage auf Konsum- und Kaufzwänge, die einzige neue Szene. Ansonsten folgt die Inszenierung unter der Regie von Nicole Claudia Weber in 18 Bildern Endes Roman.

München – Oper – „Otello“

Mit einem wahrlichen Donnerschlag beginnt Verdis „Otello“ in der Münchner Staatsoper. Dem Unwetter folgt der Donner der „Vittoria“-Tutti.  Kirill Petrenko lässt Orchester, Chor und Sänger so im Fortissimo erbeben  und findet nicht nur im letzten Akt die berührenden Momente im Pianissimo. Das sind die Eckpfeiler dieser großartigen „Otello“-Interpretation an der Münchner Staatsoper, die allerdings besser „Desdemona“ heißen sollte. Sie ist das Opfer, nicht Otello.

©Winfried Hoesl
Mit einem wahrlichen Donnerschlag beginnt Verdis „Otello“ in der Münchner Staatsoper. Dem Unwetter folgt der Donner der „Vittoria“-Tutti.  Kirill Petrenko lässt Orchester, Chor und Sänger so im Fortissimo erbeben  und findet nicht nur im letzten Akt die berührenden Momente im Pianissimo. Das sind die Eckpfeiler dieser großartigen „Otello“-Interpretation an der Münchner Staatsoper, die allerdings besser „Desdemona“ heißen sollte. Sie ist das Opfer, nicht Otello.

Berlin – „Vier Träume aus Linchuan“   Gastspiel der chinesischen Shanghai Kunqu Opera Company

Chinesische Oper präsentiert schabel-kultur-blog.de

©Shanghai Kunqu Opera Company
Was sich zunächst wie Katzengemauze anhört, entpuppt sich als ganz große chinesische Oper. Es dauert ein wenig, bis ein europäische Ohren sich an diese ganz ungewöhnlichen Tonalitäten gewöhnen. Doch schnell greift der Zauber der chinesischen Oper über, deren Ziel es immer ist, das Publikum zu emotionalisieren.

Berlin – Staatsoper – Uraufführung von Rameaus lyrischer Oper „Hippolyte et Aricie“

Opernkritik "Hippolyte und Aricie" präsentiert schabel-kultur-blog.de

©Karl und Monika Forster
Laserstrahlen formieren sich zu Käfigbauten eines fiktiven Palastes, fächern sich zu Farbfeldern auf, die der Bühne eine kosmische Tiefe verleihen. Die Sänger verwandeln sich in Licht- und Schattenwesen, glitzern und funkeln in goldenen Kostümen der Macht, agieren mit farbigen Licht-Kugel-Gittern um den Kopf, nicht ohne Ironie, mit göttlicher Aura. Spiegelungen duplizieren, multiplizieren die ohnehin schon sehr imposant gesetzten Effekte. Nebelschwaden ver- und enthüllen, lösen Körperlichkeit in schwerelose Transparenz auf. Wasserprojektionen weiten Raum und Zeit in mythische Vorzeiten.

Landestheater Niederbayern – Donizettis Belcanto-Oper „Anna Bolena“

Opernkritik von Donizettis "Anna Bolena" präsentiert von schabel-kultur-blog.de

©Peter Litvai
Die Bühne ist klein. Zwei in sich geschachtelte Guckkästen, schaffen den Rahmen für das Spiel im Spiel. In Ultz stimmiger Inszenierung erlebt das Publikum Donizettis „Anna Bolena“ aus der Perspektive der Paparazzi, die das  britische Königshaus auf der Jagd nach den neuesten Sensationen umlagern. So integriert Ultz den Chor als Handlungsträger, verlegt geschickt die Zeitebene ins Heute  und zeigt statt der pompös funkelnden Königinnenoper den grauen Alltag hinter den Kulissen  in einem mininalistischen Kammerspiel.
Und dennoch funkelt diese Oper auf hohem Niveau.

Berlin – Deutsche Oper – Alban Bergs „Wozzeck“

Opernkritik "Wozzeck" in deutscher Oper präsentiert schabel-kultur-blog.de

©Marcus Lieberenz
Wozzecks großes ernst trauriges Gesicht deckt die Bühne ab, jedes Mal wenn sein Leid sich gesanglos in der abgründigen Musik Alban Bergs verdichtet. Genau dieses Gesicht prägt sich tief in die Seele ein, gibt den wahnsinngen Tonskalen die expressive Optik von heute. Wir alle kennen diese Wozzeckschen Momente, in denen das Leid die Seele erstarren lässt.

Berliner Staatsoper – Uraufführung „Usher“

Opernkritik "Usher" in Berlin präsentiert MIchaela Schabel

©Martin Argyroglo
Ein Wohnzimmer der 80er Jahre wird zum Spielort für die Uraufführung der Oper „Usher“ in der Studiobühne der Berliner Staatsoper. Der Teppichboden dämpft die Schritte. Ein Treppe führt in die obere Etage. Der Ort wirkt wie ein Sanatorium. Der geisteskranke Roderick Usher, letzter Nachkomme einer alten verbrauchten Adelslinie, lebt hier  mit seiner Zwillingsschwester Madeline und – das ist neu – unter der Aufsicht eines Arztes. Als ein Freund Rodericks zu Besuch kommt, eskaliert das menschliche Miteinander in Mord und Herzstillstand.

Berliner Staatsoper – Cherubinis „Medea“

Opernkritik "Medea" an der Berliner Staatsoper präsentiert www.schabel-kultur-blog.de

©Bernd Uhlig
Die Bühne dreht sich, gibt Einblicke in die riesigen Hallen eines Zollraumlagers. Kunstschätze werden verpackt, um sie steuerfrei jeglicher Nutzung zu entziehen. Das Goldene Vlies liegt noch herum, wird noch gebraucht. Geschickt verweist so Andrea Breth auf den damit verbundenen Medea-Mythos und dessen Rezeptionsgeschichte  in über 300 Variationen. Unter ihrer Regie präsentiert sie  in Zusammenarbeit mit Bühnenbildner Martin Zehetgruber  in der Staatsoper eine neue Dimension „Medeas“, Medea als Opfer und Amokläuferin. Medea fährt nicht zur Hölle. Sie sinkt tod vor dem Bühnenvorhang nieder. Doch der Mythos lebt auweiter.

Berlin – Neuköllner Oper – Uraufführung von Rilkes   „Weise von Liebe und Tod“ 

schabel-kultur-blog berichtet über Uraufführung in der Neuköllner Oper Berlin

©Matthias Heyde.
„Sie  reiten, warten, wachen, Soldaten aus Burgund, den Niederlanden, Kärnten“. Nur wenige kennen Rilke heute Rilkes einst berühmte spätromantische „Weise von Liebe und Tod des Cornets Christoph Rilke“ (1899). Im Ersten und Zweiten Weltkrieg hatte jeder Soldat das todesselige Poem über den 18-jährigen Fahnenträger, der im Mitte des 17. Jahrhunderts verstorben war,  im Tornister. Warum? Rilkes poetische Suche nach Liebe wurde Kampfschrift für den Heldentod missbraucht. 

Der junge Soldat verlässt die Geliebte, eine geheimnisvolle Gräfin, nach der ersten Nacht, und stürzt sich waffenlos, aber heroisch mit der Fahne  in das Gemetzel, in dem er stirbt. So sollten Soldaten denken.