Berlin – Massenets Oper „Don Quichotte“ in der Deutschen Oper

Opernkritik "Don Quichote" präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

Zwischen Bar und kantineartiger Wirtschaft in Grau und Mint einschließlich der Kostüme beginnt Massenets „Don Quichotte“  im seelenlosen Alltag  zwischen Hüften schwingenden Bedienungen und glatten Kavalieren, der Mensch als Massenware. Nur eine strahlt mit ihrer Stimme  heraus und wenig später, das Publikum durch fliegende Rosenblätter abgelenkt, steht diese Dulcinée,  im roten Kleid als Inkarnation  wallender Verführung mitten unter ihren Verehrern, darunter wenig später Don Quichotte. Es ist das Feuerwerk von Zaubertricks und zunehmender Surrealisierung des Bühnengeschehens, was die Inszenierung von Massenets Oper „Don Quichotte“ an der Deutschen Oper in Berlin so faszinierend macht.

München – Glucks „Alceste“ in der Staatsoper

Opernkritik "Alceste" Präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

Linear, klar strahlt die Tempelanlage in reduzierter architektonischer Art unserer Tage. Umso temperamentvoller pulst das Leben darin. Der Clou der neuen Inszenierung von Glucks „Alceste“ ist, dass der Choreograf Sidi  Larbi Cherkaoui die Oper mit seiner Compagnie Eastman choreografieren und inszenieren durfte. Chor und Sänger bestens integriert, das Bayerische Staatsorchester tänzerisch schwungvoll  dirigiert verwandelt sich die extrem handlungsarme „Alceste“  in ein flirrendes, ineinander verwobenes Spiel  von Tanz, Gesang und Musik.

Berlin – Uraufführung von Detlev Glanerts „Oceane“ in der Deutschen Oper

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Musik und Chor flirren. Wind tost, eisiges Klirren. Tragisch, geheimnisvoll umhüllen die Töne das groß projizierte Frauenantlitz, immer größer herangezoomt mit Fokus auf die linke Pupille, in der sich der Wellenschlag spiegelt, der sich zum Bühnenbild weitet.Detlev Glanert gelingt mit seiner neuen Oper „Oceane“ ein kleines Meisterwerk in der Motivtradition der Nixen von „Undine“, „Melusine“ und „Rusalka“. Inspiriert von Theodor Fontanes Novellenfragment „Oceane von Parceval“ (1882) komponierte er anlässlich des 200-jährigen Fontanejubiläums dieses „Sommerstück für Musik in zwei Akten“ in Kooperation mit dem Textdichter Hans-Ulrich Treichel. Doch dieser Sommer ist düster.

München – Oper Incognita – Puccinis „Tosca“

Statt der Ouvertüre öffnet sich der rote Samtvorhang im Dorfener Jakobmayer-Jugendstilsaal und Tosca singt ein beschwingtes Chanson. Es wird in melancholischer Abdunklung zum Leitmotiv zwischen den Akten einer überaus spannenden „Tosca“-Inszenierung, mit der die Opera Incognita in Dorfen bei der Vorpremiere begeisterte. Mit einem Miniorchester  von nur sieben Instrumenten und verringerten Nebenrollen auf der Bühne stemmt die Opera Incognita Puccinis rasante „Tosca“ in einer Bearbeitung von Ernst Bartmann, dem musikalischen Leiter,

©Oper Incognita
Statt der Ouvertüre singt Tosca ein beschwingtes Chanson. Es wird in melancholischer Abdunklung zum Leitmotiv zwischen den Akten einer überaus spannenden „Tosca“-Inszenierung, mit der die Opera Incognita begeistert. Mit einem Miniorchester  von nur sieben Instrumenten und verringerten Nebenrollen auf der Bühne stemmt die Opera Incognita Puccinis „Tosca“ in einer rasanten Bearbeitung von Ernst Bartmann, dem musikalischen Leiter.

Landestheater Niederbayern – Wagners „Rheingold

Opernkritik "Rheingold" präsentiert von schabel-kultur-blog.de

©Peter Litvai/Landestheater Niederbayern
Das Theaterzelt ausverkauft, das Orchester erhöht, die Bühne groß, das Publikum überaus konzentriert, baut sich selten gefühlte Spannung im Landshuter Theaterzelt auf. Wagners „Ring“-Projekt in Landshut ist zweifelsohne ein Mammutprojekt, das das Landestheater Niederbayern in seiner musikalischen Bedeutung überregional aufwertet.  Zwischen riesigen Bibliothekswänden wird das erste Kapitel der Mythengeschichte aufgeschlagen, Wagners Sicht auf die  große nordische Sagenwelt, seine Kombination von „Edda“ und „Nibelungensage“, die er in seiner „Ring“-Tetralogie mit „Rheingold“, „Die Walküre“, „Siegfried“ und „Götterdämmerung“ in einzigartiges Musikwerk verwandelte, dessen roter Faden der Fluch der Macht ist. Die Liebe verliert, wer sich der Macht verschreibt. Der Goldring als Ausdruck der Macht führt ins Verderben. 

Berliner Staatsoper – „Die Verlobung im Kloster“ nach Sergej Prokofjew

Opernkritik "Die Verlobung im Kloster präsentiert von schabel-kultur-blog.de

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Erst mit einem mächtigen Schlusschor der Hochzeitsgäste aus unterschiedlichsten Epochen, Märchen und Literatur und Fortissimo mit wuchtigem Paukenschlag aus dem Orchestergraben endet die  eigenwillige  Inszenierung von Prokofjews „Verlobung im Kloster“  in der Berliner Staatsoper. Es ist der zweite Schluss, den etliche Besucher nicht mehr erleben, weil sie schon beim ersten mit einem Filmabspann enteilten. 

München – Oper – Puccinis „La fanciulla del west“

Opernkritik "La fanciulla dell west" präsentiert schabel-kultur-blog.de

©Wilfried Hösl
Eine gebogene Linie weitet die Bühne zum Bergwerk, aus dem die Jungs direkt in Minnies Kneipe landen, womit das Geschehen abstrahiert, überall und jederzeit verortet wird, weniger Goldrausch als Kohleabbau durch den Bezug zu Michael Glawoggers Dokumentarfilm «Workingman’s Death» (2005), der in der Pause gezeigt wurde. 

Dass Puccini 1910 den Goldrausch Kaliforniens als Wildwestoper komponierte war einem Auftrag für die Metropolitan Oper geschuldet. Doch weder dort noch in Europa konnte sich die Oper nach David Belascos Schauspiel „The Girl of the Golden West“ durchsetzen. 

85 Jahre blieb  „Fanciulla del West“  in der Münchner Staatsoper ungespielt. Jetzt strahlt dieses Werk unter der musikalischen Leitung James Gaffigans in Andreas Dresens Inszenierung als Neuentdeckung, allerdings anders als man Pucchini kennt, ohne die großen Arien. 

Landestheater Niederbayern – Händels Barockoper „Ariodante“

Opernkritik "Ariodante" präsentiert von schabel-kultur-blog.de

©Peter Litvai
Schon mit den ersten Tönen aus dem Orchestergraben wird eine wunderbare Klangstimmung hörbar. Mit großen Armbewegungen, akzentuierenden  Händen dirigiert Kapellmeisterin Margherita  Colombo die Niederbayerische Philharmonie in kleiner Besetzung. Tänzerisch beschwingt, genussvoll, sehr klar intoniert und klangschön stimmt das Orchester ein in Händels Oper „Ariodante“, die so fröhlich frech beginnt, weil die irische Prinzessin Ginevra ihren geliebten Ritter Ariodante „als Preis der edlen Tugend“ gleich zu Beginn bekommt, so die erste Botschaft.
Doch das Happyend wird durch eine Intrige Polinessos, des ehrgeizigen Herzogs von Albany, durchkreuzt.

Münchner Staatsoper – Ernst Kreneks Theater für Musik „Karl V.“

Opernkritik "Karl V." präsentiert von schabel-kultur-blog.de

©Wilfried Hösl
Mit Bühnenbildner Carlus Padrissa und seinem Akrobatenteam La Fura dels Baus ist die Richtung „Karl V“ zum optischen Spektakel vorgegeben. Mit einem Spiegelkabinett verwandelt Padrissa Ernst Kreneks „Karl V.“  in einen Fieberwahn zwischen Orgie und Apokalypse, Schneelandschaft und Blutgemetzel, existenzieller Einsamkeit und Volksmassen. Tizians Gemälde „Das jüngste Gericht“ wird lebendig. Körper hängen sadomasochistisch in den Trapezen, sind Marionetten, Opfer, Objekte der Lust und der Folter, wandeln sich von Masse  in filigrane DNS-Formationen.

Berlin – Staatsoper – „Violetter Schnee“ – Uraufführung der Oper von Beat Furrer und Händl Klaus

Operkritik "Violetter Schnee" präsentiert von schabel-kultur-blog.de

©Monika Rittershaus
Die Musik flirrt, knistert, knackt, splittert wie gefrorenes Eis. Töne durchfurchen die Stille, ballen sich in Kleinstintervallen übereinander bedrohlich auf und machen Eindreiviertelstunden lang alle Facetten des Schneefalls, eisigen Gefrierens und Zerspringens lautmalerisch in dissonant kosmisch apokalyptischer  Verfremdung hörbar.   

Hinter einem Gazevorhang betrachtet eine Frau im Museum Brueghels berühmtes Gemälde „Jäger im Schne©Me“. Tanja, adaptiert aus Andrej Tarkowskis Film „Solaris“, taucht ein in die  Schneelandschaft und..

Berlin – Komische Oper Bernsteins Operette „Candide“

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©monikarittershaus
Fast erdrückt das Perückenungetüm, ironische Referenz an seine Zeit Voltaire und seinen großen Geist darunter. Sofort wird klar, dass „Candide“ in dieser Inszenierung extravagant amüsante Töne anschlägt.

Bernsteins musikalisches Feuerwerk „Candide“ nach einer Novelle Voltaires verwandelt Regisseur Barrie Kosky in einen witzigen Stilmix mit satirischen Tiefgang. Im fliegenden Wechsel ist jede Szene für sich ein Meisterwerk der Überraschung voller Esprit und raffinierter Ästhetik

Münchner Staatsoper – Smetanas „Die verkaufte Braut“

Unter dem Dirigat on Tomás Hanus weckt die Ouvertüre Spannung. Nervös vibriert der Geigenuntergrund während sich die einzelnen Motive entfalten. Kezals Werbespot als Heiratsvermittler als Gigalo der 60er Jahre mit Telefonnummer wie ein Callboy zielt schon auf simple Klischees. Es wird noch schlimmer. Regisseur David Bösch macht aus der „Verkauften Braut“, der tschechischen Nationaloper  einen dörflichen Komödienstadel.

©Winfried Hösl
Unter dem Dirigat on Tomás Hanus weckt die Ouvertüre Spannung. Nervös vibriert der Geigenuntergrund während sich die einzelnen Motive entfalten. Kezals Werbespot als Heiratsvermittler als Gigalo der 60er Jahre mit Telefonnummer wie ein Callboy zielt schon auf simple Klischees. Es wird noch schlimmer. Regisseur David Bösch macht aus der „Verkauften Braut“, der tschechischen Nationaloper  einen dörflichen Komödienstadel.

München – Opernuraufführung von Michael Ende Roman „Momo“

Uraufführung der Oper "Momo" präsentiert von schabel-kultur-blog.de

©Christian POPO Zach
Wenn die grauen Zeitdiebe in Lichtkrägen die Menschen  in hektische Workoholics verwandeln, entwickelt Michael Endes berühmte Geschichte „Momo“ (1973) eine faszinierende Aktualität. Arbeit wird zur Fron,  Erziehung zur Dressur. Das Ergebnis ist „Bibigirl“ (Caroline Adler), eine gelungene Barbiepuppen-Persiflage auf Konsum- und Kaufzwänge, die einzige neue Szene. Ansonsten folgt die Inszenierung unter der Regie von Nicole Claudia Weber in 18 Bildern Endes Roman.