Vorankündigung – „Berlinale 2022“ fokussiert auf Präsenzveranstaltung

Berlinale 2022 präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

Mit einem facettenreichen Programm im Umfang wie 2020 und Stars auf rotem Teppich wollen die 72. Internationalen Filmfestspiele Berlin vom 10. bis 20. Februar 2022 wieder durchstarten.  „Das Bedürfnis nach dem Festivalerlebnis und Begegnungen vor Ort ist bei Branche wie beim Publikum groß“, so das Berlinale-Leitungsduo, Mariette Rissenbeek und Carlo Chatrian…

Philipp Stölzls „Schachnovelle“ nach Stefan Zweigs gleichnamiger Novelle

Filmkritik "Schachnovelle" präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

Das Schiff schaukelt auf rauher See entlang eines nebelverhangenen Kurses. Nebulös ist die Zukunft. Immer klarer dagegen kristallisiert sich die Vergangenheit des jüdischen Notars Dr. Josef Bartok während der Seereise bei einem Schachspiel gegen den Weltmeister Czentovic heraus. 
1942 hat Stefan Zweig in Brasilien die „Schachnovelle“ veröffentlicht. Drei Jahre lang hatte er daran gearbeitet. Es wurde sein bekanntestes Werk. Jetzt hat Philipp Stölzl den Text verfilmt. Es ist ein großartiger, berührender Film über die Grausamkeit der Folter, die selbst den willensstärksten Menschen bricht und die „Unabhängigkeit des Geistes“ in die Schizophrenie abgleiten lässt. Philipp Stölzl erzählt Zweigs „Schachnovelle“ nicht einfach nach. Er weitet durch Rückblenden, immer schnellere Schnitte, verkantete Perspektiven und Lichtstrukturen das Abgleiten des Protagonisten Bartok in den Wahnsinn derart raffiniert, dass man als Zuschauer erst im Laufe der Zeit die Spielebenen zwischen Gegenwart und Vergangenheit als Realität und Traumatisierung erkennt…

Der neue James Bond „Keine Zeit zu sterben“ 

James Bond "Keine Zeit zu sterben" präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

Der neue James Bond „Keine Zeit zu sterben“ signalisiert im Titel, worum die 25. Folge kämpft. Stirbt das Kultformat oder kann es sich weiterentwickeln?
James Bond, immer Spiegel der Zeit, thematisiert nach den langjährigen Feinbildern des Kalten Krieges, dann China und Internet in seiner 25. Folge im Umfeld der Pandemie die Gefahr gentechnisch ausgerichteter Biowaffen, die zielgenau nur das anvisierte Opfer töten und gleichzeitig alle Menschen mit ähnlicher DNA, womit der Massenmord ganzer Völkerschaften möglich wäre. Das herauszufinden und zu blockieren wird James Bond, eigentlich schon im Ruhestand, wieder aktiviert…

Dokumentarfilm – „Die Unbeugsamen“ von Torsten Körner

Mit Gruppenbildern nur mit Männern, untermalt mit der fulminanten Bläserpartie aus Dvoraks Symphonie Nr. 9, dirigiert von Herbert von Karajan, gespielt ebenfalls nur von Männern beginnt die Dokumentation „Die Unbeugsamen“. Gemeint sind allerdings nicht Männer, sondern die ersten wehrhaften Politikerinnen der Bundesrepublik Deutschland. Unter der klugen Regie von Torsten Körner gelingt  aus Archivmaterial und Live-Interviews eine aufschlussreiche Collage, die den Weg etlicher Politikpionierinnen in einer unglaublich arroganten Machogesellschaft zeigt. Torsten Körner weder argumentativ noch wertend ein, lässt das Dokumentationsmaterial sprechen. Ja, es hat sich viel geändert in Deutschland. Selbst Straßen sind inzwischen nach Frauen benannt. Der Film endet hoffnungsfroh mit einem Gruppenbild von Politikerinnen, dazu schwungvolle Musik  von der litauischen Dirigenten Mirga Gražinytė-Tyla.  Trotzdem gilt immer noch „Frauen, wenn wir nichts tun, leben wir morgen wie vorgestern“ (Annemirl Bauer)…

Mit Gruppenbildern nur mit Männern, untermalt mit der fulminanten Bläserpartie aus Dvořáks Symphonie Nr. 9, dirigiert von Herbert von Karajan, gespielt ebenfalls nur von Männern beginnt die Dokumentation „Die Unbeugsamen“. Gemeint sind allerdings nicht Männer, sondern die ersten wehrhaften Politikerinnen der Bundesrepublik Deutschland. Unter der klugen Regie von Torsten Körner gelingt aus Archivmaterial und Live-Interviews eine aufschlussreiche Collage, die den Weg etlicher Politikpionierinnen in einer unglaublich arroganten Machogesellschaft zeigt.
Torsten Körner greift weder argumentativ noch wertend ein, lässt das Dokumentationsmaterial sprechen. Ja, es hat sich viel geändert in Deutschland. Selbst Straßen sind inzwischen nach Frauen benannt. Der Film endet hoffnungsfroh mit einem Gruppenbild von Politikerinnen, dazu schwungvolle Musik von der litauischen Dirigentin Mirga Gražinytė-Tyla.  Trotzdem gilt immer noch „Frauen, wenn wir nichts tun, leben wir morgen wie vorgestern“ (Annemirl Bauer)…

Mohammad Rasoulof „Doch das Böse gibt es nicht“ – ausgezeichnet mit dem „Goldenen Bären 2021“

Filmkritik "Das Böse gibt es nicht" präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

Der Titel irritiert, verschleiert bewusst, denn im Iran Filme zu drehen, kann das Leben kosten. Mohammad Rasoulof ist einer der angesehensten und politisch aktiven Filmregisseure in seiner Heimat. Zu kritisch für das System darf er seit 2017 das Land nicht mehr verlassen. Er wird beschuldigt „die nationale Sicherheit zu gefährden“ und „Propaganda gegen die muslimische Regierung zu verbreiten“. 
Unter dem Tarnmantel von vier Kurzfilmen unter der Regie von Freunden drehte Mohammad Rasoulof ohne Produktionsgenehmigung „Doch das Böse gibt es nicht“, immer in der Angst, dass die gegen ihn gerichtete 1-jährige Gefängnisstrafe vollzogen würde. Es entstand ein großartiger, berührender Film gegen die Todesstrafe, der darüber hinaus Verständnis und Empathie für die Tragik von Flüchtlingen weckt…

Neu im Kino – „New Order – Die neue Weltordnung“

Filmkritik "New Order" präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

Auch in der Oberklasse von Mexiko wird schick gefeiert. Man gibt sich smart, lässig elegant, auch bei einer Hochzeit, zu der gerade die Gäste eintreffen, darunter eine hohe politische Führungskraft mit Familie, die sich aber seltsamerweise schnell verabschiedet. Den Grund erfährt man erst am Schluss und er eröffnet dann Rückschlüsse auf die latenten Prozesse im Hintergrund. Ein schönes Fest, wäre das Wasser beim Händewaschen in der Toilette nicht plötzlich giftgrün…

Film – „Ich bin dein Mensch“ von Maria Schrader

Filmkritik "Ich bin dein Mensch" präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

Ein Date in Berlin in plüschiger Umgebung wie einst in den 20er Jahren. Alma, optisch eine Durchschnittsfrau, trifft Tom. Er sieht nicht nur blendend aus, er hat auch beste Manieren und tanzt rasant Rumba. Eine kleine Panne setzt ihn auf Wiederholungsschleife wie auf einer verkratzten Schallplatte und schon ist man mitten drin in Maria Schraders außergewöhnlicher Filmgeschichte „Ich bin dein Mensch“ nach der gleichnamigen Erzählung von Emma Braslavsky.
Ausgesprochen humorvoll, voller Esprit und Tiefgang kreist Maria Schraders Film um die komplexe Frage, wann ist ein Mensch ein Mensch…

Chloé Zhaos „Nomadland“

Filmkritik "Nomadland" präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

„Nomadland“ ist ein absoluter Ausnahmefilm, 2020 produziert, wegen der Pandemie erst jetzt in den Kinos zu sehen. Dass er mit dem Goldenen Löwen bei den Filmfestspielen in Venedig ausgezeichnet wurde und mehrere Oscars einheimste, könnte einer wohltuenden Entwicklung im Filmbusiness den Weg weisen. 
Fern, eine ältere Frau, Witwe, fährt mit ihrem Van gegen Westen. Sie ist eine fiktive Figur, aber die Geschichte folgt Jessica Bruders Sachbuch-Bestseller „Nomadland: Surviving America in the Twenty-First Century“.
Fern könnte bei der Schwester leben, aber sie will nicht. Nein, sie fühlt sich nicht obdachlos. Ihr Van ist ihre Heimat. Mit Leiharbeiterjobs kämpft sie sich durch das Leben. Die Begegnungen mit freundlichen, aufrechten Menschen in ähnlicher Lage, vor allem die stillen Momente in den Weiten der US-amerikanischen Landschaften, die Outdoor-Stimmungen am Lagerfeuer für viele erfüllen sie mit Glück…

Weltpremiere beim Dokumentarfestival 2021- „Der wilde Wald“ – ein Filmporträt des Nationalparks Bayerischer Wald

Filmkritik "Im Wald" beim Dok.festival 2021 präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

„Wildnis beginnt, wenn man der Natur freien Lauf lässt und nicht immer als Mensch dazwischen funkt“, so Bastian Kalous. Er hat sich mit dem Wald zusammengerauft. Jetzt ist der Wald seine Heimat, seine „Spielwiese“ und sein bevorzugtes Fotomotiv. Filmemacherin Lisa Eder folgt den Spuren dieses Wanderers in wunderbaren Naturstimmungen, unterlegt mit unaufdringlich klangschöner Musik. Noch nie wurde der Bayerische Nationalpark mit so viel Empathie für die Schönheit des Waldes, seiner Pflanzen und Tiere, seinen Lichtstimmungen zwischen Tag und Nacht, biologischer Erneuerung und Emsigkeit in Szene gesetzt…

München – „Langsam vergesse ich eure Gesichter“ – Uraufführung während des Dok.festival 2021

Daniel Asadi Faezis erster Dokumentarfilm ist eine subtile Spurensuche, die durch ihre Authentizität sehr berührt. 

Klirrend langgezogene Tonspuren, dazwischen spielerische Töne. Zwei Männer sitzen an einem runden Tisch in einem nüchternen fensterlosen Raum. Es sind zwei Brüder, Hassan und Ebi, die sich gegenseitig Briefe, die dreißig Jahre ungelesen im Keller lagen, vorlesen. 
Hassans Sohn, Daniel Asadi Faezi, skizziert so die Geschichte seiner Familie und des Iraks, den er selbst erst mit 14 Jahren besuchte. Er selbst bleibt im Off, reagiert mit Fragen auf die Briefe. Sie öffnen etwas den Blick in die Vergangenheit, wie die geöffneten Türen des Raums, durch die die diffusen Bilder der Erinnerungen lebendig werden…

München – Helena Trestíkovás Film „Anny“ über eine Prostituierte bekommt den Hauptpreis des Dokumentarfilm-Festivals 2021

Filmkritik "Anny" beim Dok.festival 2021 präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

Anny ist 46 Jahre alt, putzt tagsüber eine öffentliche Männertoilette, verdient sich abends auf der Perlová-Straße in Prag als Prostituierte etwas dazu oder trifft sich mit ihrer Theatergruppe. 16 Jahre, von 1996 – 2012, folgt die tschechische Autorin und Regisseurin Helena Trestíková Annys Lebensweg im postsowjetischen Prag auf der Suche nach Glück und macht daraus einen schlichten, knapp zwei Stunden langen Dokumentarfilm, der schnörkellos das Leben an der existentiellen Basis zeigt und deshalb beim 36. Internationalen DOK.fest München 2021 mit dem Hauptpreis „VIKTOR Main Competition DOK.international“ ausgezeichnet wurde…

Dokumentarfilm – „Auf der anderen Seite des Flusses“ 

"On The Other Side of The River" , filmkritik präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

Zwischen dem Schein einer pompös ausstaffierten Braut mit Perspektive auf ein männerdominiertes Leben in Armut und einem kleinem Jungen, der nicht die Hand seiner Mutter, sondern deren Kalaschnikow greift, entfaltet der Dokumentarfilm „Auf der anderen Seite des Flusses“ eine ungewöhnlich authentische Aura. 
Ein Jahr begleitete das Filmteam die 19-jährige Hala, die mit ihrer Schwester Sosam vor der Zwangsverheiratung aus ihrer nordsyrischen Heimat in die kurdische Frauenarmee flieht. Sie will gegen den IS kämpfen, vor allem gegen die Unterdrückung durch die Männer und für die Freiheit der Frauen. Sie lässt sich an der Militärakademie ausbilden und will dann ihre acht anderen Schwestern zu sich holen, um ihnen eine gute Erziehung und ein gutes Leben zu ermöglichen. Sehr subtil und empathisch verfolgt der Dokumentarfilm die Ausbildung, Halas beruflichen Einsatz, ihre Vision von der Befreiung der Schwestern. Kämpfen und der Umgang mit Waffen sind für sie Ausdruck ihrer neuen Freiheit…

München – Dokumentarfilmfestival – „Soldaten“

Filmkritik "Soldaten" präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

Es wird täglich rasiert. Es gibt keinen Bart. Es ist egal, woher man kommt. Hier sind alle gleich. „Haben Sie verstanden? Haben Sie Fragen?“ Die Antwort auf den rigiden Kommunikationsstil ist Schweigen. Still, mit verschlossenen Gesichtern stehen die Rekruten da. Sie wissen nicht, was auf sie zukommt. Aber sie wollen es versuchen.
Ruhig und unaufgeregt, sehr alltäglich, ohne Action entwickeln Christian von Brockhausen und Willem Konrad, verantwortlich für Regie, Buch, Kamera, aus den Porträts von drei Rekruten, warum und mit welchen Zielvorstellungen sie zum Militär gehen, wie sie sich während der Grundausbildung verändern und welche Qualität letztendlich die Bundeswehr seit 2011 auf Freiwilligenniveau hat…