Film – „Kirschblüten & Dämonen“ von Doris Dörrie

Filmkritik-Kirschblüten und Dämonen präsentiert schabel-kultur-blog.de

©Constantin Film 
Das Voralpenland glitzert japanisch, die Schneeberge wirken wie auf  japanischen Holzschnitten, mitten auf der Weide ein Kirschbaum. Zwischen Allgäu und Japan, ihrem Lieblingsfremdland oszilliert Doris Dörries wunderbare Filmmetapher „Kirschblüten & Dämonen“, Nachfolgefilm von „Kirschblüten – Hanami“.
Die junge Yu taucht ins Japanische Meer ein und im oberbayerischen See auf. Sie sucht ihren deutschen Vater Rudi und findet stattdessen seinen Sohn Karl, geschieden, Alkoholiker, von den Dämonen seiner Erinnerungen von einem Delirium ins andere gejagt. Es scheint sich ganz zart eine Liebesgeschichte anzubahnen, doch Doris Dörries Geschichte entpuppt sich als tiefgründige Selbstfindung in faszinierenden Bildsequenzen einer sich zum Puzzle zusammenfügenden Familienaufstellung. 

Film – „Green Book – Eine besondere Freundschaft“

Filmkritik "Green Book" präsentiert schabel-kultur-blog.de

©2018eOneGermany
Die schwarzen Landarbeiter kommen aus dem Staunen nicht mehr heraus. Wie angewurzelt stehen sie in Reih und Glied da und gaffen auf die Straße. Ein Weißer chauffiert einen Schwarzen, was in den 60er Jahren tatsächlich noch ein absolutes Novum war.
Das ist tatsächlich eine große Szene, die wie ein Genrebild die Zeiten der Sklaverei noch einmal in Erinnerung ruft. Ansonsten ist „Green Book – Eine besondere Freundschaft“  ein konventionelles Buddy-Road-Movie, das von Ort zu Ort eilt und vom Situationswitz lebt, indem es manche Klischees auf den Kopf stellt.

69. Internationale Filmfestspiele Berlin – Eine Ära geht zu Ende

Berlinale präsentiert von schabel-kultur-blog.de

©Michaela Schabel
Mit dem Abschied von Dieter Kosslick geht mit der Berlinale 2019 eine Ära zu Ende. Dieter Kosslick hat die Berlinale zu dem gemacht, was sie heute ist, eine der drei größten internationalen Filmfestspiele. 
Das Angebot an Filmen war im Durchschnitt beeindruckend, aber ohne den Film schlechthin, der über allen glänzt, was die wechselnden Umfragewerte bestätigten.

69. Internationale Filmfestspiele Berlin  – „Gully Boy“ – Sektion Berlinale Special

Kinokritik Berlinale "Gully Boy" präsentiert schabel-kultur-blog.de

©Excel Entertainment Pvt.Ltd.
Nein,  Murad will nicht Autos knacken in der indischen Supermetropole Mumbasa, auch wenn er  in Armut lebt. Er macht als Rapper seinen Weg  und bei diesem Weg, werden die traditionellen Schranken in der indischen Gesellschaft zum Prüfstein individueller Durchsetzungsfähigkeit.
Regisseur Zoya Akthar gelingt eine mitreißende Milieustudie zwischen Moslems und  Hindus, den Demütigungen der Armen angesichts der indischen Oberschicht.

69. Internationale Filmfestspiele Berlin – „Mr. Jones“- Sektion Wettbewerb

Berlinale Filmkritik "Mr. Jones" präsentiert schabel-kultur-blog.de

©Robert Palka/Film Produkcja
Grunzende propere Schweine fressen im Zwielicht. Simultan formuliert ein einsamer Mann, dass er nicht mehr in diese Zeit passe. Aus dem Rätsel entwickelt sich eine die spannende Geschichte um den jungen britischen Journalisten Gerath Jones, der bei seinen Recherchen über die Sowjetunion die ukrainische Hungerkatastrophe am eigenen Leib erlebte. Das Getreide, das Gold der Ukraine, wurde nach Moskau transportiert und die Kolchosebauern verhungerten.

69. Internationale Filmfestspiele Berlin – „Der goldene Handschuh“ – Rubrik Wettbewerb

Berlinale Filmkritik "Der goldene Drache" präsentiert von schabel-kultur-blog.de

©gorden timpen/2018 bombero.int/Warner Bros Ent
Zum Erbrechen ist dieser Film, so grausam, brutal im Morden, so ehrlich unästhetisch und hässlich in der Personen- und Milieuzeichnung im Hamburgs verruchten St. Pauli der 70er Jahre.
„Der goldene Handschuh“, ein Titel wie für ein Märchen, ist die Geschichte des Massenmörders Honke, der in den 70er Jahren Frauen auf das Übelste vergewaltigte, tötete und die Leichen zerstückelte und sie in seiner schäbigen Wohnung aufbewahrte, bis ein Brand die Morde an den Tag brachte.

69. Internationale Filmfestspiele Berlin – „Systemsprenger“ – Sektion Wettbewer

Berlinale Filmkritik "Systemsprenger" präsentiert von schabel-kultur-blog.de

©Peter Harwig/kineo/Weydemann Bros/Yunus Roy Imer
Benni hasst alle. Sie schmeißt Spielzeug, Möbeln durch die Gegend, wird von einem Heim zum anderen. Dazwischen sind Aufenthalte in der Intensivstation. Neun Jahre ist Benni erst. Eigentlich heißt sie Bernadette. Wo sie hinkommt, gibt es Ärger. Sie beleidigt mit den übelsten Schimpfwörtern rauft, schlägert, rennt davon, klaut und reagiert auf Hilfe mit Tobsuchtsanfällen. Schon als Baby wurde sie traumatisiert, als ihr der Vater nasse Windeln ins Gesicht drückte.

69. Internationale Filmfestspiele Berlin – „Es hätte schlimmer kommen können“ – Sektion Berlinale Special

Berlinale Filmkritik "Es hätte auch schlimmer kommen können" präsentiert von schabel-kultur-blog.de

©Coin Film
„Von meinem Körper war ich nicht so begeistert“, gesteht Mario Adorf. „Ich empfand mich nicht als schön“. Mario Adorf spricht sehr sachlich, aber auch humorvoll über sich und sein Leben. Er blickt auf 88 Jahre zurück, die Regisseur Dominik Wessely in dem Film „ Es hätte schlimmer kommen können“ Revue passieren lässt. 

69. Internationale Filmfestspiele Berlin – „L´Adieu à la nuit“

Berlinale Filmkritik "L' Adieu à la nuit" präsentiert von schabel-kultur-blog.de

©Curiosa, Adieu à la nuit 2019
„Blick nicht in die Sonnenfinsternis. Das schädigt die Augen“. Dieser ganz alltägliche Appell an Muriel lässt schon in den ersten Sekunden aufhorchen, verfremdet die Landidylle durch ein traumatisches  Halbdunkel und offeriert die raffinierte Doppelbödigkeit des französischen Spielfilms „ L’Adieu à la nuit“. Noch blühen die Kirschbäume, Kinder reiten auf den Ponys. Pflanzen, Tiere und Menschen vermitteln ein ruhiges harmonisches Miteinander. Doch schon bald wird sich Muriel Leben verdunkeln.   

69. Internationale Filmfestspiele Berlin – „Fortschritt im Tal der Ahnungslosen“ – Sektion „Forum“

Berlinale präsentiert von schabel-kultur-blog.de

©tsb/Joanna Pieschotta
Mitten in Sachsen, aber schon recht abseits Richtung polnischer Grenze, weg von gut funktionierenden Fernsehanschlüssen wurde Neustadt zu DDR-Zeiten im Volksmund zum Mittelpunkt des „Tals der Ahnungslosen“. In seinem Film „Fortschritt im Tal der Ahnungslosen“ spielt Florian Kunerts auf sehr liebenswert ironische Weise das Miteinander von Syrien und Deutschen über den innerdeutschen Systemwechsel hinweg an.

69. Internationale Filmfestspiele Berlin – „Erde“ – Sektion Forum 

Filmkritik Berlinale "Erde" präsentiert schabel-kultur-blog.de

©Nikolaus Geyrhalter Filmprodukiton
Ein Bagger schiebt Geröll den Steilhang hinab. Der Mensch macht sich wichtig in der Millionen Jahre alten Geschichte der Mutter Erde und wirkt noch lachhaft klein. 
In sieben Szenen fängt Regisseur Nikolaus Geyhalter die negative Entwicklung menschlicher Gier. Berge werden abgetragen, ausgehöhlt, ausgebeutet, 156 Millionen Tonnen Material von Menschen  jährlich bewegt. Nicht der einzelne handelt, sondern die Menschheit an sich, obwohl das Anthropozän nur einen Wimpernschlag in der Weltgeschichte darstellt.

69. Internationale Filmfestspiele – „Öndög“ – Rubrik Wettbewerb

Berlinale Filmkritik "Öndög" von schabel-kultur-blog.de

©Wang Quan´an
Weit ist der blaue Horizont über den gelben mongolischen Steppen. Eine Leiche wird gefunden. Polizisten ermitteln. Einer muss nachts Wache schieben, denn die Gesetze sind auch in der Steppe einzuhalten. Er trifft den Jüngsten und Naivsten. Nach Elvis Presley „Lovely Tender“ hüpft er herum, um sich gegen Kälte, Einsamkeit und Angst zu schützen. Doch er wäre erfroren, hätte ihn die Viehhirten nicht vor dem Erfrieren gerettet. Sie nutzt die Chance, sich schwängern zu lassen und nimmt später den Nachbarn zum Mann, der sie immer schon mochte, aber keine Kinder zeugen konnte. 
Dennoch ist „Öndög“ weder Mord- noch Liebesgeschichte.

69. Internationale Filmfestspiele Berlin –  „Easy Love“  – Sektion Perspektive Deutsches Kino 

Berlinale Filmkritik "Easy Love" präsentiert von schabel-kultur-blog.de

©Janis Mazuch
Sieben Männer und Frauen suchen nach der Liebe, die nicht einengt, nur Genuss bringt. Das funktioniert natürlich nur in den ersten Nächten und nur solange nicht Dritte ins Spiel kommen. Zwischen Dokumentar- und Spielfilm lässt  Jamar Jandali die Facetten durchdeklinieren. Neue Facetten ergeben sich nicht.