72. Berlinale – Isabelle Huppert bekommt den Goldenen Ehrenbären für ihr Lebenswerk

Berlinale 2022 Goldener Ehrenbär für "Isabelle Huppert" präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

„Isabelle Huppert ist mehr als eine gefeierte Schauspielerin, sie ist eine unnachahmliche Künstlerin, die nicht zögert, Risiken einzugehen oder sich dem Mainstream entgegenzustellen. Die Vergabe unseres prestigeträchtigsten Preises an Isabelle Huppert ist ein Bekenntnis zum Kino als unabhängige und bedingungslose Kunstform“, kommentiert die Entscheidung das Berlinale-Leitungsduo Mariette Rissenbeek und Carlo Chatrian. Isabelle Huppert ist ein Beispiel dafür, dass SchauspielerInnen nicht nur ein Werkzeug in den Händen von RegisseurInnen sind, sondern selbst filmische Konzepte mitgestalten und emotionale Impulse setzen können.

72. Berlinale – Start mit „Peter von Kant“

Eröffnunge Berlinale mit "Peter von Kant" präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

Wer ist „Peter von Kant“? François Ozons neuer Film ist eine freie Interpretation von Rainer Werner Fassbinders Meisterwerk „Die bitteren Tränen der Petra von Kant“ (1972). Ozon macht aus Petra einen Mann, gespielt von Denis Menochet, an seiner Seite Isabelle Adjani und Hanna Schygulla, zwei charismatische Schauspielerinnen. Ozons Film ist eine Hommage an den Originalfilm und gleichzeitig an Fassbinder…

Grandiose Verfilmung von Joel Coen „The Tragedy of Macbeth“ in limitierter Auflage in deutschen Kinos

Filmkritik Joel Coens "Macbeth" präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

Weit oben am Himmel kreisen drei Vögel. Sie wirken im Nebeldunst wie weiße Tauben, doch je tiefer sie tauchen, desto dunkler, größer, bedrohlicher werden sie. Sie sind ähnlich wie in „Krabat“ Symbole des bösen Zaubers, hier durch eine Hexe statt der drei in Shakespeares „Macbeth“. In der neuen Coen-Verfilmung werden die Vögel in Schwärmen dramatisches Überraschungsmoment wie bei Hitchcock, zusätzlich zum mythischen Bild des Bösen schlechthin. „Macbeth“ gehört zu den großen Königsdramen Shakespeares, zigmal verfilmt und jetzt wie ein wuchtiges expressives Theaterstück mit filmischen Ausdrucksmitteln. 
In Schwarz-Weiß-Optik zwischen stilisierter Betonburg und magischen Landschaften, in historischer Optik und altertümlich rhythmisiertem Englisch gelingt Coen, der zum ersten Mal ohne seine Bruder Ethan Regie führt, ein grandioses „Macbeth“-Epos, erstklassig besetzt mit Denzel Washington und Frances McDormand , zweifache Oscar-Preisträgerin und Ehefrau Joel Coens…

Ridley Scotts „House of Gucci“

Filmkritik "The House of Gucci" präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

Die Ermordung des Gucci-Erben Maurizio Gucci sorgte 1995 für Schlagzeilen. Plötzlich kam das ganze Familienunternehmen, das „House of Gucci“ auf den Prüfstand. Sara Gay Fordens gleichnamiger Roman mit „eine sensationelle Geschichte von Mord, Wahnsinn, Glamour und Gier“ untergetitelt, gibt die Eckdaten für Regisseur Ridley Scotts herrlich parodistischen Film, in dem das menschliche Elend aufblitzt, ohne wirklich weh zu tun, weil in der Welt der Superreichen Sorgen in Watte gebettet sind und die Menschen egal wie immer 150prozentig nur ihre Egos befriedigen. Untergang und Neuerfindung der Gucci-Marke bilden den Hintergrund, im Mittelpunkt stehen aber die Guccis dominiert von der eingeheirateten Patrizia Reggiani.
In Überlänge, fast drei Stunden, glaubt der Zuschauer hinter die Kulissen einer außerordentlich kultivierten Familie zu blicken und entdeckt nur, was er ohnehin kennt, menschliche Schwächen, Dummheit, Sturheit, skrupellose Gier nach Geld und Macht, Eigenschaften, wie sie die kapitalistische Gesellschaft am laufenden Band produziert. Dieses Leben ist nicht besonders spannend, aber angenehm wie ein Wellnessurlaub auf höchstem Level…

Sebastian Meises „Große Freiheit“ – ein Film über die Kriminalisierung von Homosexuellen

Filmkritik "Große Freiheit" präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

Hans  liebt Männer und deshalb verbringt er sein Leben in Gefängnissen. Franz Rogowski spielt diesen Homosexuellen, der von der „Großen Freiheit“ nur hinter Gittern träumen kann. Erst 1968 wird der § 175 endlich abgeschafft. Sebastian Meises Film „Große Freiheit“ setzt viel früher ein mit Hitlers Überwachungsmethoden, der Übernahme der gefangenen Homosexuellen durch die Amerikaner 1945 bis zu den  immer noch katastrophalen Haftbedingungen 1968 in deutschen Gefängnissen. Es ist ein Film, der betroffen macht und Homosexualität genauso mit emotionalem und menschlichem Tiefgang zeigt wie heterosexuelle Liebe …

Andreas Kleinerts „Lieber Thomas“ – ein Künstlerfilm nach der Vita des ehemaligen DDR-Schriftstellers Thomas Brasch 

Filmkritik "LIeber Thomas" präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

„Was ich habe, will ich nicht verlieren / aber wo ich bin, will ich nicht bleiben /aber die ich liebe, will ich nicht verlassen / aber die ich kenne, will ich nicht mehr sehen / aber wo ich lebe / da will ich nicht sterben / aber wo ich sterbe, da will ich nicht hin / Bleiben will ich, wo ich nie gewesen bin.“
Es sind diese sieben tiefgründigen Gedichtzeilen, um die der Film „Lieber Thomas“ kreist. In sieben Kapiteln handelt Thomas Wendrich im Drehbuch die Vita des aufmüpfigen DDR-Schriftstellers ab, aus dem Regisseur Andreas Kleinert mit Albrecht Schuch als Thomas Brasch eine spannende Künstlerbiografie konstruiert. Trotz dokumentarischer Einspielungen fehlen zwar manche historische Eckpunkte, zeitliche Bezüge stimmen mitunter nicht, aber es geht weniger um die biografische Genauigkeit als vielmehr um das Schicksal eines unangepassten Autoren, um den Balanceakt zwischen Ost- und Westklischees, immer mit Fokus auf die jeweiligen gesellschaftspolitischen Schwächen, denn Freiheit wird auf beiden Seiten ironisch hinterfragt. Nichts hat sich verändert seit Gorki. Im Osten sperrt man ein, im Westen gängelt man durch Geld…

„Wagner, Bayreuth und der Rest der Welt“

"Wagner. Bayreuth und der Rest der Welt" präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

Schon der Titel verrät eine gewisse Ironie. Der große Wagner zwischen der oberfränkischen Provinzstadt Bayreuth und dem Rest der Welt. Drehbuchautor und Regisseur Axel Brüggemann, renommierter Autor, Publizist, Redakteur, Kolumnist und Moderator mit Hintergrund eines Geschichte-, Kunstgeschichte und musikwissenschaftlichen Studiums überrascht, indem er den Wagner-Mythos auf mehreren Ebenen belächelt und ihn gewissermaßen ad absurdum führt. Die Dokumentation, wie eine Fuge durch die Provinzposse des Bayreuther Metzger-Ehepaares Rauch im Originalton immer wieder leitmotivisch unterbrochen, umkreist den Mythos Wagner… 

Vorankündigung – „Berlinale 2022“ fokussiert auf Präsenzveranstaltung

Berlinale 2022 präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

Mit einem facettenreichen Programm im Umfang wie 2020 und Stars auf rotem Teppich wollen die 72. Internationalen Filmfestspiele Berlin vom 10. bis 20. Februar 2022 wieder durchstarten.  „Das Bedürfnis nach dem Festivalerlebnis und Begegnungen vor Ort ist bei Branche wie beim Publikum groß“, so das Berlinale-Leitungsduo, Mariette Rissenbeek und Carlo Chatrian…

Philipp Stölzls „Schachnovelle“ nach Stefan Zweigs gleichnamiger Novelle

Filmkritik "Schachnovelle" präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

Das Schiff schaukelt auf rauher See entlang eines nebelverhangenen Kurses. Nebulös ist die Zukunft. Immer klarer dagegen kristallisiert sich die Vergangenheit des jüdischen Notars Dr. Josef Bartok während der Seereise bei einem Schachspiel gegen den Weltmeister Czentovic heraus. 
1942 hat Stefan Zweig in Brasilien die „Schachnovelle“ veröffentlicht. Drei Jahre lang hatte er daran gearbeitet. Es wurde sein bekanntestes Werk. Jetzt hat Philipp Stölzl den Text verfilmt. Es ist ein großartiger, berührender Film über die Grausamkeit der Folter, die selbst den willensstärksten Menschen bricht und die „Unabhängigkeit des Geistes“ in die Schizophrenie abgleiten lässt. Philipp Stölzl erzählt Zweigs „Schachnovelle“ nicht einfach nach. Er weitet durch Rückblenden, immer schnellere Schnitte, verkantete Perspektiven und Lichtstrukturen das Abgleiten des Protagonisten Bartok in den Wahnsinn derart raffiniert, dass man als Zuschauer erst im Laufe der Zeit die Spielebenen zwischen Gegenwart und Vergangenheit als Realität und Traumatisierung erkennt…

Der neue James Bond „Keine Zeit zu sterben“ 

James Bond "Keine Zeit zu sterben" präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

Der neue James Bond „Keine Zeit zu sterben“ signalisiert im Titel, worum die 25. Folge kämpft. Stirbt das Kultformat oder kann es sich weiterentwickeln?
James Bond, immer Spiegel der Zeit, thematisiert nach den langjährigen Feinbildern des Kalten Krieges, dann China und Internet in seiner 25. Folge im Umfeld der Pandemie die Gefahr gentechnisch ausgerichteter Biowaffen, die zielgenau nur das anvisierte Opfer töten und gleichzeitig alle Menschen mit ähnlicher DNA, womit der Massenmord ganzer Völkerschaften möglich wäre. Das herauszufinden und zu blockieren wird James Bond, eigentlich schon im Ruhestand, wieder aktiviert…

Dokumentarfilm – „Die Unbeugsamen“ von Torsten Körner

Mit Gruppenbildern nur mit Männern, untermalt mit der fulminanten Bläserpartie aus Dvoraks Symphonie Nr. 9, dirigiert von Herbert von Karajan, gespielt ebenfalls nur von Männern beginnt die Dokumentation „Die Unbeugsamen“. Gemeint sind allerdings nicht Männer, sondern die ersten wehrhaften Politikerinnen der Bundesrepublik Deutschland. Unter der klugen Regie von Torsten Körner gelingt  aus Archivmaterial und Live-Interviews eine aufschlussreiche Collage, die den Weg etlicher Politikpionierinnen in einer unglaublich arroganten Machogesellschaft zeigt. Torsten Körner weder argumentativ noch wertend ein, lässt das Dokumentationsmaterial sprechen. Ja, es hat sich viel geändert in Deutschland. Selbst Straßen sind inzwischen nach Frauen benannt. Der Film endet hoffnungsfroh mit einem Gruppenbild von Politikerinnen, dazu schwungvolle Musik  von der litauischen Dirigenten Mirga Gražinytė-Tyla.  Trotzdem gilt immer noch „Frauen, wenn wir nichts tun, leben wir morgen wie vorgestern“ (Annemirl Bauer)…

Mit Gruppenbildern nur mit Männern, untermalt mit der fulminanten Bläserpartie aus Dvořáks Symphonie Nr. 9, dirigiert von Herbert von Karajan, gespielt ebenfalls nur von Männern beginnt die Dokumentation „Die Unbeugsamen“. Gemeint sind allerdings nicht Männer, sondern die ersten wehrhaften Politikerinnen der Bundesrepublik Deutschland. Unter der klugen Regie von Torsten Körner gelingt aus Archivmaterial und Live-Interviews eine aufschlussreiche Collage, die den Weg etlicher Politikpionierinnen in einer unglaublich arroganten Machogesellschaft zeigt.
Torsten Körner greift weder argumentativ noch wertend ein, lässt das Dokumentationsmaterial sprechen. Ja, es hat sich viel geändert in Deutschland. Selbst Straßen sind inzwischen nach Frauen benannt. Der Film endet hoffnungsfroh mit einem Gruppenbild von Politikerinnen, dazu schwungvolle Musik von der litauischen Dirigentin Mirga Gražinytė-Tyla.  Trotzdem gilt immer noch „Frauen, wenn wir nichts tun, leben wir morgen wie vorgestern“ (Annemirl Bauer)…

Mohammad Rasoulof „Doch das Böse gibt es nicht“ – ausgezeichnet mit dem „Goldenen Bären 2021“

Filmkritik "Das Böse gibt es nicht" präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

Der Titel irritiert, verschleiert bewusst, denn im Iran Filme zu drehen, kann das Leben kosten. Mohammad Rasoulof ist einer der angesehensten und politisch aktiven Filmregisseure in seiner Heimat. Zu kritisch für das System darf er seit 2017 das Land nicht mehr verlassen. Er wird beschuldigt „die nationale Sicherheit zu gefährden“ und „Propaganda gegen die muslimische Regierung zu verbreiten“. 
Unter dem Tarnmantel von vier Kurzfilmen unter der Regie von Freunden drehte Mohammad Rasoulof ohne Produktionsgenehmigung „Doch das Böse gibt es nicht“, immer in der Angst, dass die gegen ihn gerichtete 1-jährige Gefängnisstrafe vollzogen würde. Es entstand ein großartiger, berührender Film gegen die Todesstrafe, der darüber hinaus Verständnis und Empathie für die Tragik von Flüchtlingen weckt…

Neu im Kino – „New Order – Die neue Weltordnung“

Filmkritik "New Order" präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

Auch in der Oberklasse von Mexiko wird schick gefeiert. Man gibt sich smart, lässig elegant, auch bei einer Hochzeit, zu der gerade die Gäste eintreffen, darunter eine hohe politische Führungskraft mit Familie, die sich aber seltsamerweise schnell verabschiedet. Den Grund erfährt man erst am Schluss und er eröffnet dann Rückschlüsse auf die latenten Prozesse im Hintergrund. Ein schönes Fest, wäre das Wasser beim Händewaschen in der Toilette nicht plötzlich giftgrün…

Film – „Ich bin dein Mensch“ von Maria Schrader

Filmkritik "Ich bin dein Mensch" präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

Ein Date in Berlin in plüschiger Umgebung wie einst in den 20er Jahren. Alma, optisch eine Durchschnittsfrau, trifft Tom. Er sieht nicht nur blendend aus, er hat auch beste Manieren und tanzt rasant Rumba. Eine kleine Panne setzt ihn auf Wiederholungsschleife wie auf einer verkratzten Schallplatte und schon ist man mitten drin in Maria Schraders außergewöhnlicher Filmgeschichte „Ich bin dein Mensch“ nach der gleichnamigen Erzählung von Emma Braslavsky.
Ausgesprochen humorvoll, voller Esprit und Tiefgang kreist Maria Schraders Film um die komplexe Frage, wann ist ein Mensch ein Mensch…

Chloé Zhaos „Nomadland“

Filmkritik "Nomadland" präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

„Nomadland“ ist ein absoluter Ausnahmefilm, 2020 produziert, wegen der Pandemie erst jetzt in den Kinos zu sehen. Dass er mit dem Goldenen Löwen bei den Filmfestspielen in Venedig ausgezeichnet wurde und mehrere Oscars einheimste, könnte einer wohltuenden Entwicklung im Filmbusiness den Weg weisen. 
Fern, eine ältere Frau, Witwe, fährt mit ihrem Van gegen Westen. Sie ist eine fiktive Figur, aber die Geschichte folgt Jessica Bruders Sachbuch-Bestseller „Nomadland: Surviving America in the Twenty-First Century“.
Fern könnte bei der Schwester leben, aber sie will nicht. Nein, sie fühlt sich nicht obdachlos. Ihr Van ist ihre Heimat. Mit Leiharbeiterjobs kämpft sie sich durch das Leben. Die Begegnungen mit freundlichen, aufrechten Menschen in ähnlicher Lage, vor allem die stillen Momente in den Weiten der US-amerikanischen Landschaften, die Outdoor-Stimmungen am Lagerfeuer für viele erfüllen sie mit Glück…