„theaternetzwerk.digital“- digitale Bühnenvisionen im Verbund

theaternetz.digital präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

Die Digitalisierung der Kultur schreitet voran und ist längst kein Nebenschauplatz unseres täglichen Lebens mehr und beeinflusst seit der Pandemie ganz besonders stark das Wirken auf der Bühne.

15 Theater im deutschsprachigen Raum haben sich deshalb zum theaternetzwerk.digital zusammengeschlossen, um sich dem digitalen Kulturwandel auf der Bühne zu stellen. Initiiert wurde das theaternetzwerk.digital vom der Akademie Dortmunder Akademie für Theater und Digitalität und vom Theater Augsburg.  Ziel ist es, Wissen und Erfahrungen im Bereich Digitaltheater und Theaterdigitalisierung auszutauschen…

Vorankündigung – „Dekalog“ vorerst als Stream-Premiere im Münchner Residenztheater

"Dekalog" im Residenztheater präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

Wieder wirbelt der dritte Lockdown die bereits parat liegenden  Spielpläne der deutschen Bühnen durcheinander. Der heiß erwartete Bühnenstart im April wird noch einmal  verschoben. Das Residenztheater zeigt deshalb die neue Premiere „Dekalog“ nach dem 1983 international gefeierten Filmzyklus sozusagen als Sneak Preview am 25. April vor der Bühnenpremiere. Auf die Inszenierung von Calixto Bieito im Residenztheater darf man gespannt sein. „Was, im Innersten, ist richtig und was ist falsch?“…

Landshut – „I cried for you. Storytelling Jazz“ in den Kammerspielen 

"I cry for you.Storytelling Jazz" präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

Das kleine Format der Landshuter Kammerspiele  „I cried for you. Storytelling Jazz“ entwickelt auch als Live-Stream einen swinging Charme. Die junge Sängerin Alma Naidu ist optisch eine sehr aparte, natürliche Erscheinung mit großer Bühnenpräsenz, und ausbaufähigem Stimmvolumen. Lässig, unaufgeregt interpretiert sie die Evergreens diverser Jazzgrößen zusammen mit Tizian Jost, der am Piano mit viel Raum zum Improvisieren sein Können zeigt. Sehr akzentuiert und schwungvoll moderiert Nicola Trub mit biografischem Hintergrundwissen aus dem Liebesleben der Jazz-Stars und einigen Schlagworten, was der Jazz erzählt. “I cried for you“ ist mehr als die Sehnsucht nach der Liebe. Es ist die Leidenschaft für den Jazz, in dem sich allerdings immer wieder das Auf und Ab der Liebe spiegelt …

Vorankündigung – „Heartland“ – ein Album von Schauspieler James Newton  als Livestream im Metropoltheater München  

"Heartland" James Newton präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

„Dieses Album ist ein Versuch der Kommunikation, wenn Worte nicht mehr ausreichen.“ So kündigt James Newton sein Album „Heartland“ an.
James Newton, Schauspieler, Musiker, Ensemblemitglied im Münchner Metropoltheater, wurde bekannt durch „Ach, diese Lücke, diese entsetzliche Lücke“, eine Produktion, die mit dem Monica-Bleibtreu-Preis ausgezeichnet wurde.
Nach dem Tod seiner Mutter im Juli 2019 begann James Newton Songs zu schreiben, um nach dem großen Verlust seine Sprache wieder zu finden…

Theater – Thiemo Strutzenberger bekommt sat3-Theaterpreis 2021

Thiemo Strutzenberger sat3-Preis-Träger präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

Einer der Höhepunkte des Berliner Theatertreffens ist jedes Jahr die Preisverleihung des sat3-Theaterpreises, der mit 10000 Euro dotiert ist. Seit 1997 vergibt 3sat als Medienpartner des Berliner Theatertreffens diesen begehrten Theaterpreis an SchauspielerInnen für künstlerisch innovatives Können aus der Runde der zehn Produktionen, die zum Berliner Theatertreffen eingeladen werden. 
Bisherige PreisträgerInnen waren unter anderen Herbert Fritsch, Sandra Hüller, Wiebke Puls, Milo Rau, Christoph Schlingensief und zuletzt Alexander Giesche. Dieses Jahr bekommt den sat3-Preis Thiemo Strutzenberger für die Titelrolle in Max Frischs selten gespieltem Stück „Graf Öderland“ unter der Regie von Stefan Bachmann…

Theater – „Wir öffnen“ immer noch eine Vision – kritische Gedanken

Was den Berlinern gelingt, ist in Bayern immer noch unvorstellbar und zeigt einmal mehr die irritierende Pandemiestrategie bedingt durch den deutschen Föderalismus. Während das Berliner Ensemble wenigstens mit zwei Vorstellungen an zwei Tagen über ein Pilotprojekt mit getestetem Publikum erfolgreich zeigen konnte, dass Kultur durchaus live wieder stattfinden kann, bleiben andernorts die Theater mit ebenso wirksamen Konzepten geschlossen. Während der Flugtourismus erlaubt ist, fährt man Kultur konsequent seit Monaten an die Wand…

Bochum – „Hydra“ nach Texten von Heiner Müller im Schauspielhaus 

"Hydra" in Bochum präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

Das Theaterkollektiv Bochum sucht sich aktuelle Themen, dann die Texte. Noch vor der Pandemie  kreiste es um „Arbeit“ und fand in Heiner Müllers Text „Herakles 2 oder Die Hydra“ die Inspiration für das Theaterstück „Hydra“, das jetzt als Live-Stream noch einmal Premiere feierte.
Hydra, die neunköpfige Monsterschlange, gehört zu den großen Mythen der Antike. Schlug man ihr einen Kopf ab, wuchsen zwei neue nach. Sie zu töten war eine der zwölf Aufgaben des Herakles. 
Für das Theaterkollektiv wurde Hydra zum Symbol der Arbeit. Heiner Müllers Texte bilden den katharsischen Hintergrund des erzählerischen Rahmens, dazwischen eröffnen sich Fragen, was Arbeit bedeutet, welche göttlichen Botschaften in ihr stecken. „Macht euch die Erde untertan!“ Arbeit ermöglicht das Überleben, zerstört aber auch den Lebensraum. Viele Narrative ergeben sich von der Entfremdung durch Arbeit bis zur Selbstfindung.
Gleichzeitig wird „Hydra“ zum musikalischen Abenteuer, das gerade durch den Live-Stream im Halbnah, Nah, aus den verschiedenen Perspektiven der Kamera bedeutungswirksamer wird. Man erlebt auch Bühnenbildner Michael Graessner, die Musiker Moritz Bossmann und Sandro Tajouri bei der Arbeit, sieht wie die tonale Atmosphäre über Rückkoppelungen von Verstärker und Mikrophonen entsteht, sich die Möbellandschaft langsam verändert, statt einer Hydra quert ein Krokodil als urzeitlich gefährliches Relikt die Bühne…

Landshut – Ayad Akhtars „Die unsichtbare Hand“ im Landestheater Niederbayern

"Die unsichtbare Hand" präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

Wer träumt nicht davon durch Börsenspekulationen reich zu werden. Der digitale Kapitalismus macht es möglich selbst in Zeiten der Pandemie. Wie eine „unsichtbare Hand“ bescheren die richtigen Klicks und entsprechendes Insiderwissen Millionengewinne. Doch längst hat die Metapher der „unsichtbaren Hand“ ihre ursprüngliche Bedeutung verloren. Der schottische Ökonom und Moralphilosoph Adam Smith (1723-1790)  glaubte, dass ein sich selbst regulierender liberaler Markt das Gemeinwohl fördere. Dem Volk zu helfen, die Güter gerecht zu verteilen ist indes nur noch eine Plattitüde, hinter der sich grenzenloser Egoismus versteckt. 
Genau darum geht es in Ayad Akhtars zeitkritischem Theaterstück „Die unsichtbare Hand“, 2012 uraufgeführt. Der US-amerikanische Schauspieler und vielfach ausgezeichnete Schriftsteller spürt in der Heimat seiner Eltern in Pakistan dem Verhältnis zwischen dem Terrorismus und dem Sog von Finanzspekulationen nach…

Landshut – „Alles was ich liebe“ Stefan Lehnen liest Texte über Alkohol in den Landshuter Kammerspielen

"Alles was ich liebe" mit Stefan Lehnen präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

Lehnen legt sein Handy auf den Tisch. Ein Klick, sein Lieblingssong ertönt. „Die kleine Kneipe in unserer Stadt“ spiegelt ein Stück seiner Sozialisation als Sohn von niederrheinischen Wirtsleuten. Für die literarische Lesungen „Alles was ich liebe“ in den Landshuter Kammerspielen wählte Stefan Lehnen Texte, deren Protagonisten eine große Affinität zu Alkohol haben. 
Stefan Lehnen liest nicht einfach Text um Text. Er performt sie wie ein Rondo…

Landshut – „In einem Jahr mit 13 Monden“ – Schauspiel nach dem Film von Rainer Werner Fassbinder als beeindruckender Live-Stream des Landestheaters Niederbayern

"In einem Jahr mit 13 Monden" präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

Die Kamera zoomt auf den schmalen Gang der Theater-Container. Er wird zum Symbol eines Lebensweges in Einsamkeit. Aus Liebe zu Anton ließ sich Erwin in Elvira verwandeln. Trotzdem wurde seine Liebe nicht erwidert. Jetzt schämt er sich als Elvira durch das Leben.
Rainer Werner Fassbinder drehte den Film „In einem Jahr mit 13 Monden“ 1978 als Aufarbeitung seiner persönlichen Lebenskrise. Sein Freund hatte sich umgebracht, als Fassbinder sich von ihm getrennt hatte.
Der poetische Titel beruht auf dem Mondzyklus. Jedes 7. Jahr ist ein Jahr mit 13 Neumonden, dann leiden besonders viele Menschen an Depressionen. 1978 war so ein Jahr. Die Live-Stream-Bühnenversion des Landestheaters Niederbayern vergegenwärtigt in starken Bildern durch die großartige schauspielerische Expression die Problematik seelischer Vereinsamung…

München – „Die Wolken, die Vögel, der Reichtum“, eine musikalische Uraufführung im Residenztheater

"Wolkendienste" im Residenztheater präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

Was haben Wolken, Vögel und Reichtum gemeinsam? Die Flüchtigkeit meinte schon Aristophanes, der in seinen surrealen Komödien bereits in der Antike so den Nagel auf den Kopf traf, dass er heute noch KünstlerInnen inspiriert, zum Beispiel Thom Luz zu seiinem musikalischen Abend „Die Wolken, die Vögel, der Reichtum“.  Die Uraufführung für Januar geplant konnte wegen des Lockdowns nicht realisiert werden, aber es gibt schon einen interessanten Probenfilm als Aperitif…

Bochum – Yasmina Rezas „Drei Mal Leben“ im Schauspielhaus als Live-Stream

Theaterkritik Schauspiel Bochum "Drei Mal Leben" präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

Vor 20 Jahren geschrieben hat Yasmina Rezas Stück „Drei Mal Leben“ nichts von seiner Aktualität eingebüßt. Immer noch gehört ihre Boulevardkomödie neben „Kunst“ und „Gott des Gemetzels“ zu den Dauerbrennern auf deutschen Bühnen. 
Im vergangenen Herbst inszenierte Martina Eitner-Acheampong im Schauspielhaus Bochum „Drei Mal Leben“ ganz nah am Originaltext, nur um einige Gedichte von Rilke, Hölderlin und Storm erweitert. Jetzt wurde in extrem kurzer Probenzeit eine spannende Live-Stream-Version erarbeitet, in der Stimmungen und Gefühle, um die Yasmina Rezas Texte kreisen, durch kosmische Einblendungen sehr lyrisch zur Wirkung kommen.
„Drei Mal Leben“ zeigt drei Versionen derselben Situation, in der sich Konventionen und Klischees unserer Lebenswirklichkeit satirisch spiegeln, in dieser Inszenierung Sehnsüchte durch Projektionen und Gedichte poetisch anklingen …

Landshut – „Alles was ich liebe“ – Teil 2 – Lesung mit Katja Amberger in den Kammerspielen

"Alles, was ich liebe", Lesung mit Katja Amberger, präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

Ein Mensch als Schatten vor gelblich düsterem Hintergrund schafft Spannung, davor Katja Amberger, ganz in Schwarz, so dass ihr Gesicht bestens zur Wirkung kommt. Sie ist nicht nur Schauspielerin, sondern auch Sprecherin und Moderatorin und weiß damit aus verschiedenen Perspektiven um die dramatische Inszenierung. 
Ausgewählt hat sie für die zweite Folge der Literaturlesung „Alles was ich liebe“ in den Landshuter Kammerspielen drei sehr theatralische, fast filmische Geschichten, die sich derart überdehnen, dass die  Wahrheit zur Lüge und die Lüge zu Wahrheit wird…