Berlin – Das große „Kleinkunstfestival“ im Theater der Wühlmäuse

Großes Kleinkunstfestival im Berliner Theater der Wühlmäuse präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

Seit 20 Jahren ist „Das große Kleinkunstfestival“ eine der wichtigsten Preisverleihungen für Kabarett, Comedy und Varieté in Deutschland. Größen wie Mario Barth, Kurt Krömer, Cindy aus Marzahn oder Torsten Sträter feierten hier quasi ihren Durchbruch. 
Das 4-stündige Live-Event im Theater der Berliner Wühlmäuse war hochkarätig, vielseitig und ein Querschnitt unterschiedlicher Genres von Gestern und Heute, wobei sich Qualitätsunterschiede deutlich herauskristallisierten…

Landshut  – „Alexis Sorbas“ – Gastspielwochen im Theaterzelt der „Comoedia Mundi“

Theaterkritik "Alexis Sorbas" der Comoedia Mundi präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

Endlich ist die neue Seilbahn für den Kohleabbau auf Kreta fertig. Aber sie funktioniert nicht. Es beginnt zu donnern. Die Seilbahn kracht zusammen und damit das Großprojekt der beiden Freunde Basil und Sorbas. Jetzt werden sich ihre Wege trennen. Doch davor wird getanzt, der berühmte Sirtaki, komponiert von Mikis Theodorakis, der vor wenigen Wochen verstorben ist. Die intensiven Erinnerungen der Freundschaft bleiben und der Sirtaki, den Sorbas Basil in der Stunde des Abschieds beibringt. 
„Alexis Sorbas“ als Film unter der Regie von Michael Cacoyannis mit Anthony Quinn in der Titelrolle 1965 mit drei Oscars prämiert, entwickelt gerade unter dem Theaterzelt der Comoedia Mundi  einen zauberhaft nostalgischen Charme. Das Publikum jubelt begeistert, applaudiert nach jeder der rund zwei Dutzend Szenen, mit denen sich Loes Snijders und Fabian Schwarz in die Herzen der Zuschauer spielen…

Berlin „Tschewengur“ – im Maxim-Gorki-Theater nach dem Roman von Andrej Platonow

Theaterkritik "Tschewengur" im Maxim-Gorki-Theater Berlin präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

Was ist „Tschewengur“? Es ist nicht nur ein russischer Ort, weit weg von Moskau in Mittelsibirien. Diesen Ort wählte der russische Dichter Andrej Platonow für seinen in Russland verbotenen gleichnamigen Roman. In Tschewengur wohnt ein Fischer, der sich ertränkt, um das Leben danach zu finden. Sein Sohn Sascha macht sich auf den Weg  die Welt zu entdecken. Unter der Regie von Sebastian Baumgarten sollte der Roman für die Bühne des Maxim-Gorki-Theaters dramatisiert werden. Corona kam dazwischen. Statt einer Theaterfassung entstand der Film „Tschewengur. Die Wanderung mit offenem Herzen“, mit Premiere im Theater. Schon die erste Szene zieht in ihren Bann…

Berlin – Maja Zades „ödipus“ in der Schaubühne

Theaterkritik "ödipus" in der Berliner Schaubühne präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

Lichtschienen skizzieren in der Dunkelheit eine Villa, die durch Licht und Projektionen in ein Sommerhaus im Süden verortet wird. Aus der Vogelperspektive gefilmt wird die Landschaft verdorrt, ein Wagen nähert sich und die Gedanken des Fahrers verraten Katastrophenalarm. 
Eine einzige Katastrophe ist, was folgt. Mit der Ankunft von Christines Bruder Robert wendet sich der Urlaub in ein Desaster. Christine, die Chefin eines Chemiekonzerns, ist schwanger von Michael, den sie kurz nach dem tödlichen Unfall ihres Mannes kennengelernt hat. Der Wagen schleuderte aus einer Kurve. Die transportierten Chemikalien explodierten. Robert, auf die Chefposition seiner Schwester eifersüchtig, eröffnet ihr, dass Michael ein Bodengutachten erstellen lässt, was er selbst mit allen Mitteln verhindern möchte, um nicht schlafende Hunde zu wecken. Dabei fällt das Signalwort Verantwortung, der eine will Verantwortung im Vorfeld übernehmen und für eventuelle Folgeschäden aufkommen, für den anderen bedeutet sie alles zu vertuschen aus Verantwortung für die Firma. Um Verantwortung kreist Maja Zades Stück „ödipus“, ganz bewusst klein geschrieben, möglich in jedermanns Leben…

Landshut – „The King’s Speech“ im Landestheater Niederbayern

Theaterkritik von "The KIng´s Speech" präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

Drei große mobile Kuben verwandeln die Bühne blitzschnell in neue Räumlichkeiten, diffuse Lichtstimmungen die Atmosphäre, in der royale Erhabenheit, politische Intrigen und psychopathische Veranlagungen aufeinandertreffen. 
Mit David Seidlers „The King´s Speech“ beginnt im Landestheater Niederbayern die neue Spielsaison amüsant und tiefgründig. Was tun, wenn der künftige König, die Stimme des Volkes, stottert?…

Landshut – „Die Wand“ nach Marlen Haushofer in den Kammerspielen 

Theaterkritik Haushofers "Die Wand" präsentier von www.schabel-kultur-blog.de

Im Verlauf des Schreibens sind ihr einige Tage abhanden gekommen. Auf einem Quader kauernd schreibt sie täglich ihre Gedanken auf lose Blätter, seit „Die Wand“ ihr Leben abrupt änderte. Während die Freunde, die sie für ein Wochenende in ihr Jagdhaus einluden noch einen Spaziergang ins Dorf machten, durchtrennt eine Glaswand plötzlich alle Kontakte zur Außenwelt. Völlig auf sich allein gestellt muss die Protagonisten in Marlen Haushofers Roman „Die Wand“ mitten im Wald das Leben meistern.

 Julia Koschitz, in Landshut bekannt durch ihre kraftvollen Interpretationen von „Antigone“, „Nora“ und „Virginia Woolf“, inzwischen bundesweit durch ein breites Spektrum an Filmrollen, bringt unter der Regie von Intendant Sven Grunert neue Facetten dieser Romanfigur zum Leuchten. Schon im letzten Jahr geplant durch Corona immer wieder verschoben verdichtet gerade die Pandemie das Bewusstsein für die Problematik der Handlung, der Mensch, abgeschnitten von der Welt, zurückgeworfen auf seine ganz persönliche Existenz und ihre Abgründe…

Berlin – Sophokles´ „Oedipus“ am Deutschen Theater 

Theaterkritik "Oedipus" im Deutschen Theater Berlin präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

Und wieder schickt Ulrich Rasche eine Handvoll Schauspieler auf Wanderschaft. Barfuß versuchen sie mit Seitkreuzschritten, den Körper ganz verschraubt, voranzukommen und treten doch auf der Stelle infolge der Kreisbühne. Ein magisches Bild für die Kernaussage der Inszenierung „Furchtbar ist Wissen, wenn es nichts nutzt“. Schritt für Schritt muss aber dieses Wissen erst erforscht werden, was sich als äußerst mühsamer Prozess herausstellt, da sich in der antiken Welt nur wenige Assoziationen zur Gegenwart eröffnen.
Ulrich Rasche verzichtet wie immer auf jegliches dramatisierendes Spiel, fokussiert allein auf den Rhythmus der Sprache, den er zertrümmert. Er zerstückelt die Sätze, teilt die Wörter in Silben, denen die Schritte folgen. Das hat schon Wucht, schafft zumindest anfangs eine drängend spannende Atmosphäre, die antikes Theater in neuer Größe aufleben lässt…

Berlin – „Amok“ – Ein-Frau-Stück mit Cordelia Wege nach einer Novelle Stefan Zweigs im Berliner Ensemble

BERLINER ENSEMBLE: "Amok"nach Stefan Zweig von/mit Cordelia Wege

An Seilen festgezurrt hängt Cordelia Wege 90 Minuten wie in einem Foltergerüst. Mit jedem Wort, mit jedem Satz dringt sie ein in die Welt des verzweifelten Stefan Zweig, der in enger Anlehnung an Sigmund Freud seine Zeitgenossen analysierte. Cordelia Wege spielt eine Geschichte aus Stefan Zweigs „Amok – Novellen einer Leidenschaft“. Wie sie das macht ist großartig, wird mit Standing Ovations bejubelt…

Berlin – Brechts „Dreigroschenoper“ im Berliner Ensemble

Theaterkritik "Dreigroschenoper" im Berliner Ensemble präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

Es lärmt schräg, jahrmarktmäßig. Der Glitzervorhang indes verweist auf die große Show und sie beginnt mit Lichtspot auf Josefin Platt als funkelnder Mond über Soho und Brechts berühmtestem Song „Und der Haifisch, der hat Zähne“. Schon ist man mittendrin in Bertolt Brechts „Dreigroschenoper“, die unter der Regie von Barrie Kosky im Berliner Ensemble zum spannenden Theaterabend wird.
Immer wieder durch die Lockdowns verschoben konnte die lang ersehnte Version von Barrie Koskys „Dreigroschenoper“ endlich Premiere im Theater am Schiffbauerdamm feiern. Er holt Brechts Bettleroper aus dem Armenmilieu, konzipiert sie in kühner Reduktion zeitlos, existentiell auf Rebecca Ringsts kafkaesker Bühne. Dinah Ehm pointiert mit raffiniert satirischen Kostümen und Ulrich Eh intensiviert mit kontrastreichen Lichteffekten die gelungenen Überraschungsmomente. Genauso facettenreich lässt das 7-köpfige Orchester unter der Leitung von Adam Benzwi Kurt Weills Musik als Klangfeuerwerk aufleuchten mit Raum für lyrische Momente, krass verfremdende Dissonanzen, lärmende Trommelwirbel, opernhafte Tutti und rappende Rezitative. Diese Vielschichtigkeit zieht in ihren Bann ganz im Sinne Brechts nicht als Theaterillusion, sondern als verfremdend ausgestelltes Spektakel…

München – „Der Sprung vom Elfenbeinturm“ nach Texten von Gisela Elsner in den Kammerspielen

Theaterkritik "Der Sturz vom Elfenbeinturm" präsentiert www.schabel-kultur-blog.de

Ein Endlosmonolog, der in nominalen Aufzählungen von jeglicher Logik reduziert schnell zu nerven beginnt, entfaltet Gisela Elsners Gedanken-Kosmos (1937-1992). Sie galt als Enfant terrible unter den westdeutschen Schriftstellerinnen. Aus großbürgerlichem Hause stammend legte sie Finger in die Wunden des deutschen Faschismus, die folgenden kapitalistischen Auswüchse und sympathisierte mit dem DDR-Sozialismus ohne ihn jemals real erlebt zu haben. Gleichzeitig etablierte sie sich als Feministin und Hedonistin. 
Als „Abend gegen deine spießbürgerlichen Phantasien, deine Lebenslügen und deine Kompromisse“ konzipieren Pinar Karabulut und Mehdi Moradpour fast 30 Jahre nach dem Selbstmord Gisela Elsners die Uraufführung „Der Sprung vom Elfenbeinturm“ als Textcollage und Mix aus Freak-, Comic- und Gameshow inklusive Videoclip …

Berlin – Heinrich von Kleists „Michael Kohlhaas“ in der Schaubühne

Theaterkritik "Michael Kohlhaas" in der Schaubühne Berlin präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

„Michael Kohlhaas“ (1810)  ist ein spröder, aus der Zeit gefallener Text, glaubt man in Erinnerung an ehemalige Schullektüren. Dass dem nicht so ist, beweist die Schaubühne in Berlin. In der Fassung und unter der Regie von Simon McBurney in Kooperation mit Annabel Arden gelingt eine umwerfend dynamische und aktuell dramatisierte Version von Kleists Novelle „Michael Kohlhaas“…

Niederbayern – Kulturmobil auf Tour – Wandertheater früher und heute

Kulturmobil 2021 präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

Man hörte schon von weitem das Nahen der Theaterleute. Mit Musik und viel Getöse zogen sie mit ihrem Leiterwagen durch die Städte, um auf sich aufmerksam zu machen. Das Volk freute sich. Es war die einzige kulturelle Unterhaltung, die es gab. Man hatte weder das Geld, die Zeit noch die fahrtechnischen Möglichkeiten, woanders hinzukommen. Deshalb kam das Theater zu den Leuten. Lustig  und derb musste dieses Theater sein, damit die moralischen Botschaften beim „Pöbel“ ankamen. 
Seit über 20 Jahren tourt inzwischen schon das Kulturmobil durch Niederbayern. Unterhaltung ist wichtig, aber mehr noch der Bildungsaspekt, die Möglichkeit in digitalen Zeiten gerade in der Provinz auch Theateratmosphäre live zu erleben…

Landshut – „Der Watzmann ruft“ – das Kult-Musical im Landestheater Niederbayern 

Theaterkritik "Der Watzmann ruft" präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

„Wie schallt´s von der Höh…“, kraftvoll erhebt sich der Gesang nach Alphornruf und einem langen Gitarren-Medley. Das Ensemble positioniert sich wehrhaft zwischen drei riesig gestaffelten Plakattafeln, vorn der Blick auf eine üppige Bikini-Schönheit, dann auf eine Limousine im Sonnenlicht metallisch glänzend, dahinter fast unscheinbar auf den mächtigen Watzmann. Sofort wird der Bruch zwischen Tradition und Moderne spürbar. In der Inszenierung von Marcus Everding in Kooperation mit Ausstatterin Claudia Weinhart wird „Der Watzmann ruft“ gekonnt in die Gegenwart geholt.

Mitte der 1970er Jahre entstand aus einem Konzeptalbum von Wolfgang Ambros, Manfred Tauchen und Joesi Prokopetz das Kult-Rustikal, wie die drei Freunde es nannten, ein parodistisches Alpendrama, das aus einer Watzmann-Sage eine humorvolle Parabel über Imponier- und Potenzsucht macht, die Marcus Everding in einen rustikalen „Jedermann“ über die Konsumgier nach immer schneller, weiter, lustbetonter mit flotten Texten und den originalen Live-Songs verwandelt, weniger Popshow, die Band vom Bernd Meyer spielt verdeckt hinter der Bühne, dafür mehr Theater …

Berlin – Virginie Despentes‘ „Das Leben des Vernon Subutex 1“ in der Schaubühne

Theaterkritik von Despentes "Das Leben des Vernon Subutex 1" präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

Zwischen Rock- und Technosongs präsentiert Thomas Ostermeier in seiner neuen Inszenierung von Virginie Despentes´ „Das Leben des Vernon Subutex 1“ ein düster groteskes Karussell quer durch alle Gesellschaftsschichten. Die Bühne kreist und präsentiert in lockerer Szenenfolge Einzelschicksale von Menschen, die wie Vernon Subutex  plötzlich und völlig unverschuldet aus der Bahn geworfen werden, weil sich die gesellschaftlichen Bedingungen verändert haben…

Landshut – „Alles was ich liebe“ mit Louisa Stoux 

Louisa Stoux "Alles was ich liebe" präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

Mit Theatertexten und Gedichten setzt Louisa Stoux bei „Alles was ich liebe“ vielfältige Akzente, beginnend im 19. Jahrhundert bis in die Gegenwart, wo sie durch zwei Literaturnobelpreisträgerinnen die Bedeutung der Lyrik in dieser Lesung besonders hervorhebt. Durch die Verschiedenartigkeit der Texte verflüchtigt sich allerdings schnell ihre Wirkung, bleibt nur ein buntes Allerlei im Nachhall, auch wenn Louisa Stoux  die Texte ausdrucksvoll mit viel Mimik als Mittel des Einvernehmens oder der Distanzierung in Szene setzt…