Oberammergau – „Passionsspiele 2022“ – Oratorium und Mysterienspiel in historischen Panoramabildern 

Kritik "Oberammergauer Passionsfestspiele 2022" präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

Eine monumentale Spielstätte mit antikem Habitus, frühlingshafte Laubbäume und die Berge dahinter, ein 55-köpfiges Orchester im Graben, über 70 ChorsängerInnen mit vier SolistInnen, mit Hunderten von Mitwirkenden auf und hinter der Bühne sind die Oberammergauer Passionsspiele 2022 in jeder Beziehung außerordentlich, zumal sie zum vierten Mal unter der Regie von Christian Stückl in überaus profunder Hand sind. Im statischen Großformat wird die Geschichte Jesu erzählt, die 2000 Jahre lang die Kulturgeschichte der westlichen Welt über Europa hinaus prägte. Wer war dieser Jesus, der die Welt zugunsten der Armen verändern wollte?…

Vorankündigung – „Auf die Datscha!“ – Kultur als Ort des Widerstands in Augsburg

Projekt "Auf die Datscha" präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

©Lukas Stucki Ziel ist es die aktuelle kriegs- und krisenbedingten Zeiten durch  Diskussionen, Teilhabe-Projekte und Vorstellungen zu beleuchten Gemeinsam mit Kooperationen wie dem Institut für Bewegende Künste oder dem Friedensbüro der Stadt Augsburg wird ein ideeller Ort des Austauschs und der Gastfreundschaft geschaffen. Der detaillierte Veranstaltungskalender wird nach den Ostertage vom Staatstheater Augsburg bekannt gegeben. Voranmeldungen […]

Vorankündigung – „Das Gefühl des Krieges“ – ein Lesungs-Projekt mit ukrainischen Kurztexten

Lesungs-Projet Ukraine präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

Und plötzlich ist alles ganz anders. Eigentlich sollten 20 ukrainische DramatikerInnen Kurztexte für die Eröffnung eines neuen Theaters am 12. März 2022 in Kiew schreiben. Der Krieg machte alle Pläne zunichte. Einige AutorInnen verfassten stattdessen Texte, in denen sie sich mit ihren Erfahrungen nach Kriegsausbruch auseinandersetzen in der Hoffnung, dass ihre „Texte in verschiedenen Teilen der Welt gehört werden. Es ist wichtig, die Wahrheit zu vermitteln, dass Russland ein Aggressor und ein Verbrecher ist, dass Zivilisten und Kinder sterben. Trotz manipulierter Falschinformationen, mit denen Russland die Welt füttert, gibt es Fakten, gibt es ZeugInnen der Verbrechen.“.
Am 5. Mai kann jeder ab 19:30 Uhr beim Lesungs-Projekt  online über nachtkritik.plus live dabei sein…

Berlin – Anne-Cécile Vandalems „Kingdom“ beim Festival Internationale Neue Dramatik in der Schaubühne

Theaterkritik "KIngdom" präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

Eine helle Mondnacht in der sibirischen Taiga. Gemütlich schimmert Licht aus einer Holzhütte. Ein Hund bellt. Doch die Hintergrundperkussion trommelt bedrohllich. Noch scheint im „Kingdom“, das der Großvater gründen wollte, alles in Ordnung. Als ein Filmteam erscheint, enthüllen sich die Hintergründe, warum aus der friedlichen Utopie zweier Familien Feindschaft und Kampf wurden.
„Königreich“ frei nach Clément Cogitores Dokumentarfilm „Braguino oder die unmögliche Gemeinschaft“ inszeniert war nach „Tristesses“ und „Arctique“ als letzter Teil von Anne-Cécile Vandalems Trilogie 2021 auf dem Festival d’Avignon zu sehen und jetzt beim FIND 2022 in Berlin…

Berlin – „Mein Name sei Gantenbein“ im Berliner Ensemble

Theaterkritik "Mein Name sei Gantenbein" präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

Einsam steht er auf der Bühne. Er wirkt wie eine Fotografie auf einem Handydisplay von einer Lichtschiene umrahmt. Ein treffliches Bühnenbild, denn wie sich heute Menschen selbst bespiegeln, zeigte Max Frisch schon in den 1960er Jahren in einem assoziativen Gedankenspiel die Verwandlung des Lebens durch unterschiedliche Rollenklischees.
Ein anderer will der Protagonist sein. „Mein Name sei Gantenbein“ (1964)  nach „Stiller“ (1954) und „Homo Faber“ (1957) einer von Max Frischs Hauptromanen war immer schon umstritten, gelobt oder als zu klischeehaft und „intellektuelle Sackgasse“ kritisiert. Von den Hörspielfassungen in den 60er Jahren abgesehen gab es bislang keine Dramatisierungen. Jetzt präsentiert Oliver Reese, Intendant des Berliner Ensembles, eine Theaterfassung mit Matthias Brandt, bekannt durch Film und Fernsehen als Kommissar im Münchner „Polizeiruf 110“. Nach 20 Jahren Abstinenz kehrt der renommierte Schauspieler wieder auf die Bühne zurück…

Berlin – „Until the Flood“ beim FIND 2022, dem Festival Internationale Neue Dramatik in der Schaubühne 

Theaterkritik "Until the Flood" präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

In acht Rollen monologisiert Dael Orlandersmith über die Erschießung des schwarzen Teenagers Michael Brown 2014 durch zwölf Schüsse aus der Pistole des weißen Polizisten Darren Wilson in Fergueson. Es folgten Proteste und Demonstrationen, die sich verstärkten, als Darren Wilson von der Justiz freigesprochen wurde und die Bewegung „Black Lives Matter“ nach ihrer Gründung beflügelte.
Aus Dutzenden von Interviews schuf Dael Orlandersmith acht Figuren aus armen und bürgerlichen Schichten, aus deren Sicht sie die Ereignisse aus ganz verschiedenen Perspektiven beleuchtet…

Berlin – „Fraternité, Conte fantastique“, eine fantastische Geschichte über humanitäre Hilfe beim FIND 2022, dem Festival Internationale Neue Dramatik, in der Schaubühne 

Theaterkritik "Fraternité" präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

Eine große Sonnenfinsternis hat die Hälfte der Menschheit verschluckt. Die Überlebenden befinden sich in einer verzweifelten Lage. Deshalb gründet eine Gruppe von ehrenamtlichen Helfern ein „Zentrum für Trost und Sorge“. Dort können Menschen, die ihre Angehörigen verloren haben, Gefühle der Trauer und Verzweiflung teilen, Hoffnung schöpfen. Erinnerungen der Überlebenden werden gleichsam durch „eine emphatische Verwaltung“ gesammelt. Gleichzeitig wird die Herzfrequenz der Sprechenden gemessen.
Inspiriert von den humanen Zentren des Roten Kreuzes für Flüchtlinge, die Menschen helfen, die sich nahe sind, wieder zusammenführen, entwickelte Regisseurin Guiela Nguyen mit ihrem künstlerischen Team das Science-Fiction-Stück „Fraternité“, das hochemotional von LaiendarstellerInnen gespielt eine Situation spiegelt, die in unserer Zeit des Klimawandels und der Flüchtlingsszenarien gar nicht so weit weg von der Realität ist…

Berlin – „Aufzeichnungen aus dem Kellerloch“ von Fjodor M. Dostojewski im Berliner Ensemble

Theaterkritik "Aufzeichnungen aus einem Kellerloch" präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

Es schneit, leise Klangspiele im Hintergrund. Oliver Kraushaar, weiß geschminkt, verharrt in Schritthaltung, den Aktenkoffer in der Hand. „So viel Bewusstsein in eine Krankheit“, konstatiert er und kreist in dieser Haltung 20 Minuten lang. Dabei entwickelt sich ein spannender Monolog, der sich durch Erinnerungsphasen zum Spiel weitet, in dem er als gedemütigter Mensch ständig zwischen den Niederungen einer schnöden Wirklichkeit, idealistischen Träumen und ausbaufähigen Aggressionen chargiert. 
1864 erschienen Dostojewskis „Aufzeichnungen aus dem Kellerloch“, die über 150 Jahre viele Dichter und Denker inspirierten. Der stark reduzierte, von regionalen Zuordnungen befreite und damit generalisierte Text fokussiert weniger auf die Person und ihre Geschichte als auf das Umkreisen eines philosophischen Gedankens. Was ist letztendlich Vernunft? Wer entscheidet, was vernünftiges Handeln ist. Angesichts der Pandemie und des russischen Angriffskrieges ergeben sich viele aktuelle Assoziationen und Fragestellungen…

Landshut – „Die Narretei der Liebe“ – eine Begegnung von Stefan Zweig und Maurice Ravel 

"Narretei der Liebe" präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

Pianist Elias Haslauer liebt Ravel. Schauspielerin Paula-Maria Kirschner sucht dazu Texte. Bei Stefan Zweigs Legenden wird sie fündig. Seine holzschnittartige Geschichte „Rahel rechtet Gott“ (1927) aus dem Alten Testament trifft auf Ravels impressionistisch schäumende Musik, wobei sich musikalisch und sprachlich eine wuchtige Expression entwickelt, jeder Teil für sich wirkt und trotzdem eine gemeinsame Taktung entsteht, die weit mehr in die Tiefe trifft, als der publikumswirksame Titel „Narretei der Liebe“ vermuten lässt…

Landshut – Ingrid Lausunds Text „Bin nebenan – Monologe für Zuhause“ in den Landshuter Kammerspielen

Theaterkritik Lausunds "Bin nebenan-Monologe für zuhause" präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

„My home is my castle“, in heutigen Zeiten natürlich nur wenn es zielgruppengerecht gestylt ist. Entnervt, nahe am Explodieren rennt Mann (Christian Mark) auf der Suche nach einem Sofa die Markierungsleitlinien des Möbelhauses entlang. Der „Zielgruppe Leander“ zugehörig ist sein Geschmack bestens analysiert und umgesetzt. Selbst als er sich aus Protest für ein kitschig geblümtes Kanapee entscheidet, entgeht er der Kategorisierung nicht. Als „Lifestyle-Rebell“ ist sein neu erwachtes Rock’n’Roll-Lebensbedürfnis von den Markforschern längst marketingmäßig erfasst. Es gibt keine noch so irren Antworten auf ihre simplen Fragen. Jede Antwort wird nach psychologischen Kriterien konsumtechnisch verarbeitet, ein Szenario, eloquent und überaus satirisch in Szene gesetzt, lauert hinter Kaufentscheidung der blanke Manipulationswahnsinn. Der einzige Ausweg wäre Konsumverweigerung…

Berlin – Berliner Theatertreffen vom 6. bis 22. Mai dieses Jahr wieder live

Berliner Theatertreffen 2022 präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

Jedes Jahr eine Mammutaufgabe ist die Auswahl der Inszenierungen für das Berliner Theatertreffen. Die Jurymitglieder besuchten innerhalb von zwölf Monaten 540 Produktionen von 867 eingegangenen Voten in 63 Städten. 32 Inszenierungen wurden für eine Einladung zum Theatertreffen 2022 vorgeschlagen und diskutiert, zehn ausgewählt. Davon mussten 50 Prozent von Regisseurinnen sein. Neun Beiträge des 10er Treffens stammen von deutschen Bühnen. Videoproduktionen und rein digitale Produktionen wurden akzeptiert.
Der Trend geht eindeutig weg von den Klassikern und vom Mainstream-Theater. Ausgewählt wurden in erster Linie Uraufführungen und Theaterperformances, die unsere Gegenwart spiegeln und reflektieren, extrem schrill inszeniert wie Pinar Karabuluts „Like Lovers do“ oder als sinnverschiebende oder Claudia Bauers eklektische Wiederbelebung von Ernst-Jandl-Texten in „Humanistää! eine abschaffung der sparten“…

Landshut – Marc Camolettis Stück „Das (perfekte) Desaster Dinner“ – traditionell amüsante Boulevardkomödie 

Camolettis "Das perfekte (Desaster) Dinner" präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

Wenn ein Paar gleichzeitig fremd geht, wird es zuweilen kompliziert. Elegantes Vertuschen durch Rollentausch gerät schnell außer Kontrolle. Genau darum kreist Marc Camolettis Stück „Das (perfekte) Desaster Dinner“, unter der Regie von Veronika Wolff eine klassisch inszenierte, flott überzogene Boulevardkomödie.
Wie wäre es, wenn die Geliebte des Hausherrn, Susanna, Model und Schauspielerin, die Rolle der für diesen Abend akquirierten Köchin Susanne übernimmt, Susanne dann in die der Geliebten von Freund Robert schlüpft und später auch den Part der Halbschwester spielt? Für „noch 100 €“ sorgt Susanne in jeder Rolle für Heiterkeit und einen sich im Spieltempo steigernden Running Gag…

Landshut – Nick Paynes Variationsspiel „Konstellationen“ in den Kammerspielen gekonnt in Szene gesetzt   

Nick Paynes „Konstellationen“ präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

Was wäre, wenn man eine Beziehung wieder auf null stellen könnte? In immer neuen Varianten dekliniert Nick Payne in seinem Stück die möglichen „Konstellationen“ (2012) von Mariannes und Rolands Beziehung durch. Sie ist Quantenphysikerin, er Imker. Zwei ganz unterschiedliche Denk- und Lebensweisen treffen aufeinander, finden eine Wegstrecke gemeinsam, trennen sich und treffen sich wieder. Beide müssen durch ein Labyrinth von verkorksten Möglichkeiten, bis sie sich finden. Nicht der gesellschaftliche Status zählt, sondern die menschliche Wärme…

Landshut – Ayad Akhtars „Die unsichtbare Hand“ im Landestheater Niederbayern

Ahtars "Die unsichtbare Hand" präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

Schnell viel Geld verdienen, das kann Nick, ein US-amerikanischer Banker. Als Gefangener der Dschihadisten in Pakistan soll er nicht weniger als 10 Millionen in einem Jahr für seine Freilassung für den Iman erwirtschaften und Bashir, dem Ziehsohn des Imans das Traden beibringen. Unter der Regie von Heinz Oliver Karbus entwickelt sich ein intensives Kammerspiel um die These. Nicht die Religion, sondern das Geld ist das Opium für das Volk. Einmal in den Bannkreis der großen Gewinne gekommen, lässt einen die Gier nach noch mehr Geld nicht mehr los…

Berlin – „Starke Frauen“ – Diana Anders und Barbara Kratz präsentieren großes Theater mit einfachsten Mitteln

Theater-Barbara Kratz

Als „Irrwischkönigin“, „Orlando“, „Alexandra“, „Frau Luther kocht“ und zur Zeit als „Geierwally“ bleibt Barbara Kratz den Besuchern ihrer Vorstellungen im Kopf. Sie spielt in jedem Stück nicht eine, sondern eine  Vielzahl von Rollen. Selbst die „Nibelungen“ sind in ihrem Programm.
Dass das immer so herrlich klappt, liegt an Barbara Kratzs Lebenspartnerin. Diana Anders schreibt und inszeniert die Stücke. Beide entwickeln die Kostüme, die Bühne, das Licht, die Musik. Hochprofessionell decken sie alle Jobs ab, die in einem Theaterbetrieb anfallen…