Berliner Schaubühne –  „Popular Mechanics“ aus Peking – Festival International Neue Dramatik

Theaterkritik präsentiert "Popular Mechanics" von schabel-kultur-blog.de

©Luo Chuhui
Wann hat man schon einmal Gelegenheit ein modernes chinesisches Theaterstück zu erleben? Das „Festival International Neue Dramatik“ an der Berliner Schaubühne macht es möglich. „Popular Mechanics“ ist eine Performance mit Sprechtexten. Ziel der Inszenierung ist es oft auftauchende menschliche Reaktionen auf gesellschaftliche Situationen zu zeigen.

Kammerspiele Landshut – „SPERR-tage“

SPERR-Tage bauen Brücken

©Michaela Schabel
Waren sie sperrig die  SPERR-tage in den Landshuter Kammerspielen? Die Antwort ist ein klares Ja. Mit Anspielung auf Martin Sperr, dem niederbayerischen Querdenker, der in seiner Heimat nie die Anerkennung fand, die sein Denken verdient hätte, entwickelte Intendant Sven Grunert ein überzeugendes Konzept vor drei Jahren, um Dialoge in Gang zu bringen. 160 Baumscheiben von Martina Kreitmeier gesägt und miteinander wie zu einem Trampelpfad über die Isar verbunden, symbolisieren derzeit unterhalb vom Maxwehr, dass wir Menschen alle aus einem Stamm sind

Landshuter Kammerspiele – Achterbuschs „Arkadia“

Achternbuschs "Arcadia" präsentiert von schabel-kultur-blog.de

©Michaela Schabel
Sie sitzen am Tisch und schweigen. In weißen Bademänteln, das Gesicht hinter weißen Masken wirken Sokrates und Alkibiades, blutverschmiert, wie eine skulpturale Installation. Der Wind fächelt einen Vorhang hin und her, der Wasserkocher brodelt. Achternbusch verortet sein letztes veröffentlichtes  Stück „Arkadia“, vor einem Monat in Ebersberg uraufgeführt, in der Antike und sich selbst in der Rolle des Sokrates im Dialog mit dessen Lieblingsschüler Alkibiades.Den Berliner Theatermachern Lea Barletti und Werner Waas gelingt es Achternbuschs sehr komplexen und sprunghaften Text „Arkadia“  als existentielle Parabel a la Becketts „Warten auf Godot“, gleichzeitig als  parodistische Synthese bayerischen Sprachkolorits und griechischen Mythos zu inszenieren.

Kammerspiele Landshut – Herrndorfs „Bilder deiner großen Liebe“

Bilder deiner großen Liebe

©Marco Bresdola
Sie atmet tief ins Mikrophon, schwer, leidend, als würde der Herzschlag jeden Moment stillstehen. Der Atem, seine Weiterführung als atmosphärisches Hintergrundgeräusch wird zum pulsierenden Leitfaden der Inszenierung vonWolfgang Herrndorfs Romanfragment „Bilder deiner Liebe“ zeigt eine kurze Lebenssequenz eines pubertierenden Mädchens. Doch in diesen wenigen Tagen leuchten die grundsätzlichen Lebensfragen von Zeit, Liebe, Verstehen auf.

Berlin – Schaubühne – Uraufführung von Marius von Mayenburgs „Stück Plastik“

Theaterkritik "Stück Plastik" präsentiert von schabel-kultur-blog.de

© Arno Declair/Schaubühne Berlin
Wenn die Putzfrau das Herzstück der Familie wird, an der sich alle wärmen, dann ist die Familie schon sehr in Schräglage. Michael, Arzt, und Ulrike, Assistentin eines Performancekünstlers und auch der Künstler selbst fühlen sich auf allen Gebieten überfordert. Sie fühlen sich depressiv, besser burnout, das hört sich cooler an, sind immer mit sich selbst beschäftigt und der 12-jährige pubertierende Sohn bleibt sich selbst überlassen.
Daraus macht Marius von Mayenburg ein schrilles Stück über den Stellenwert von Menschen und weitet es auf die globale Sicht von Arm und Reich.

Landestheater Niederbayern – Musical „Avenue Q“

Musicalkritik "Avenue Q" präsentiert von schabel-kultur-blog.de

©Peter Litvai
Ein Musical mit Muppets? Dass das durchaus funktionieren kann, beweist das Landestheater Niederbayern. Seit 2003 findet in den USA die „Avenue Q“, nach Jeff Whittys Buch und der Musik von Robert Lopez und Jeff Marx ihr Publikum.

Die „Avenue Q“ zwischen Müllsäcken und ruinöser Bausubstanz mit aufklappbarer Fassade und vogelperspektivischer Sicht auf Interieurs wie eine Bilderbuchseite  ist Treffpunkt der Loser, die ihren Frust in amerikanischer Manier verbal auskotzen. In einem Mix von Arbeitslosigkeit, Armut und Obdachlosigkeit, Rassismus, Homosexualität und Porno suchen sie nach ihrer Selbstbestimmung und machen dabei ihre Bauchlandungen, auch wenn die Botschaften permanent von den Internetvideos der Werbeflächen flimmern (Video: Florian Rödl). Grotesk, schrill entpuppt, sehr derb formuliert und parodiert präsentiert „Avenue Q“  amerikanische Comedy mit dem oberlehrerhaften Charme einer Kindersendung, wegen Sprache und Inhalt allerdings eher für Erwachsene, worauf im angloamerikanischen Raum mit dem „Parental Advisory Sticker“ extra hingewiesen wird.   

Straubing – Musical „Doktor Schiwago“

Musicalkritik "Doktor Schiwago" präsentiert von schabel-kultur-blog.de

© CMC Straubing
Nach der Deutschlandpremiere des „Doktor Schiwago“-Musical  2018 in der Neuen Oper Leipzig sorgt jetzt  Straubinger Crazy Musical Company e.V.  für Herzschmerz und Begeisterung. Wie bereits in der Regensburger Uraufführung der Opernversion rückt  im Gegensatz zu der berühmten David-Lean-Verfilmung mit Omar Sharif (1965), die Musicalversion (Buch Michael Weller)  unter der Regie von Andreas Wiedermann die politische Zeitenwende in den Vordergrund. 

Landestheater Niederbayern – „Sechs Tanzstunden in sechs Wochen“

Theaterkritik "Sechs Tanzstunden in sechs Wochen" präsentiert schabel-kultur-blog.de

©Peter Litvai
„Die verknöcherte alte Schachtel“ und der junge Tanzlehrer passen so gar nicht zusammen. Hübsch ist er, aber aggressiv und verletzend im Ton. Sie kontert elegant ironisch. „Schwamm drüber“, schließlich will sie nicht mehr so alleine sein. Er braucht das Geld. Dass sie schon tanzen kann, merkt er nach den ersten paar Bewegungen. Sich gegenseitig kennenzulernen dauert etwas länger und genau darum geht es. 

Berlin – Schaubühne – Brechts „Der gute Mensch von Sezuan“

Theaterkritik "Der gute Mensch von Sezuan" präsentiert von schabel-kultur-blog.de

©Gianmarco Bresadola
„Wie soll ich gut sein, wenn alles so teuer ist“, Brechts Shen Te spricht aus, was aktueller denn je ist. Sein Stück „Der gute Mensch von Sezuan“, seit 40 Jahren ein Klassiker im Kanon der Schullektüre, zeigt exemplarisch, dass die Gier des Kapitalismus das Gutsein verhindert. Shen Te kann nur hinter der Fassade des strengen Vetter Shui Ta überleben. 

Berlin – „Erste Tode“, eine Inszenierung des Theaterkollektivs „Die Spalter“

Theaterkritik "Erste Tode" präsentiert von schabel-kultur-blog.de

©Jason Krüger
Wolf, Panther, Löwe als Allegorien des menschlichen Lebens blicken auf die menschliche Existenz, die sich in Kraftprotzerei, Triebsteuerung und Alpha-Dominanz nicht allzu sehr von der Tierwelt unterscheiden. Die drei Schauspieler  legen ihre Masken ab und spielen drei Lebensmodelle mit dem Tod am Ende.

Landestheater Niederbayern – „Wer hat Angst vor Virginia Woolf?“

theaterkritik "Wer hat Angst vor Virginia Woolf?" präsentiert schabel-kultur-blog.de

©Peter Litvai

Wie Szenen einer Ehe mal Zwei  gelingt Landestheater Niederbayern eien  spannende Inszenierung von Albees „Wer hat Angst vor Virginia Woolf?“
Schick und kontrastreich ist das Wohnambiente zwischen Dunkelrot, Beige und Türkis, Wärme und Kühle. Trapezförmig öffnet es sich die Bühne  zum Zuschauerraum und bündelt die Konzentration der Zuschauer in die Mitte des Geschehens. Wie das riesige Bücherregal fallen die zwei Ehepaare aus dem Rahmen, vollgepackt mit dramatischen Lebensgeschichten.

Kammerspiele Landshut – Assous Stück „Glück“

Das kleine Theater Landshut präsentiert mit Éric Assous Erfolgsstück „Glück“ als  Botschaft zum Glücklichsein. Ein roter Apfel auf dem Tisch leuchtet verführerisch und schon ist man mitten im Geschehen. Ungeniert, ziemlich angeheitert verführen sich Louise und Alexandre, die sich an diesem Abend irgendwo kennenlernten. Voller Lust  landen sie im Bett hinter dem roten Segel, das mit grünen, gelben über die Bühne gespannten Segeln sehr gelungen atmosphärisches Ambiente und Fragilität des anvisierten Liebesglücks symbolisieren (Bühne Irina Kollek). Kaum erwacht zerbröckelt die nächtliche Leidenschaft. Als er sich verduften will, sperrt sie ihn einfach ein. Zwei unterschiedliche Welten prallen aufeinander auf der Suche nach Glück. 

©Hilda Lobinger
Das kleine Theater Landshut präsentiert mit Éric Assous Erfolgsstück „Glück“ als  Botschaft zum Glücklichsein.

Ein roter Apfel auf dem Tisch leuchtet verführerisch und schon ist man mitten im Geschehen. Ungeniert, ziemlich angeheitert verführen sich Louise und Alexandre, die sich an diesem Abend irgendwo kennenlernten. Voller Lust  landen sie im Bett hinter dem roten Segel, das mit grünen, gelben über die Bühne gespannten Segeln sehr gelungen atmosphärisches Ambiente und Fragilität des anvisierten Liebesglücks symbolisieren (Bühne Irina Kollek). Kaum erwacht zerbröckelt die nächtliche Leidenschaft. Als er sich verduften will, sperrt sie ihn einfach ein. Zwei unterschiedliche Welten prallen aufeinander auf der Suche nach Glück. 

München-Teamtheater-Thomas Manns „Zauberberg“ in einer Inszenierung von Andreas Wiedermann

Theaterkritik "Der Zauberberg" präsentiert von schabel-kultur-blog.de

©Uli Scharrer
Die singende Säge flirrt in Eistönen. Nebel wallt bis in die Zuschauerreihen. Ingenieur Hans Castorp ist angekommen im Sanatorium, zwischen seinen beiden Koffern im Lichtspot wirkt die Szenerie tatsächlich wie auf Bergeshöhen irgendwo und überall. 

Bei Thomas Mann ist es das Sanatorium „Berghof“ in Davos, in dem der Ingenieur Castorp seinen Cousin besucht. Aus den geplanten drei Wochen werden sieben Jahre. 1924 veröffentlicht ist „Der Zauberberg“ ein gesellschaftliches Kaleidoskop vor dem Ersten Weltkrieg