Landshut – Brechts „Der aufhaltsame Aufstieg des Arturo Ui“

Theaterkritik "Der aufhaltsame Aufstieg des Arturo Ui" präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

Wolfgang Maria Bauer gelingt mit Brechts „Der aufhaltsame Aufstieg des Arturo Ui“ eine packende Inszenierung. Im Zweiviertel-Rhythmus des hämmernden Sounds bewegen sich die Menschen roboterhaft in Kolonne mit riesigen Masken entindividualisiert durch das Halbrund einer Säulenhalle und stapeln mühsam die Holzkisten. Die Mimik der Masken verrät die Mühe ihrer Fronarbeit. Wie ein Opfer wirkt der Kistenberg mit Kohlköpfen über der repräsentativen Treppe, der rote Catwalk mitten in das Zuschauerparkett wie die magische Blutspur des Verbrechens in die Dunkelheit.

Berlin – Musical – „That´s Life – Das Frank-Sinatra-Musical“ – Welturaufführung im Potsdamer Theater

Musicalkritik "That´s Life-das Frank-Sinatra-Musical" präsentiert von www.schabel-klutur-blog.de

Kann man Frank Sinatra nachmachen? Ja, man kann, wenn auch nicht ganz 1:1. Erfolgsproduzent Oliver Forster, inzwischen Spezialist für autobiografische Musicals, weiß um die Problematik Stars zu covern und die Tricks das bestmöglich umzusetzen. Nach „Falco – Das Musical“,  „BEAT IT“ „TIna Turner“  geht jetzt  „That´s Life – das Frank-Sinatra-Musical“ auf Tournee, sicher mit viel Erfolg.

Das Musical lässt Regisseur Stefan Warmuth geschickt aus der Retrospektive, mit dem Bühnenabschied Frank Sinatras 1971 in Los Angeles beginnen. Frank Sinatra, alias Tam Ward, geht ab von der Bühne, wo entlang von 28 Songs  die markantesten Lebensstationen noch einmal Revue passieren, aber eben nicht als reine Songrevue wie beispielsweise „Ring of Fire.“

Landshut – Dörte Hansens „Altes Land“ in einer Produktion der Theaterei Herrlingen in den Landshuter Kammerspielen

Dörte Hansens "Altes Land" präsentiert als Theaterkritik von www.schabel-kultur-blog.de

Mitreißendes Gastspiel der Theaterei Herrlingen  von Dörte Hansens „Altes Land“ im Kleinen Theater  

Das alte Haus stöhnt und wispert, als erzählte es selbst die Geschichte von drei Generationen, von den Flüchtenden vor sich selbst, von der Vereisung der Menschen und ihrem Kälteschutz, den sie sich zulegen und der durch Charakterzüge, Umfeld und Erfahrungen weitergereicht wird.

Ergreifend erzählen und spielen Ursula Berlinghof, Agnes Decker und Lisa Wildmann Dörte Hansens subtilen Roman „Altes Land“. Aus Rückblenden kristallisieren sich zwei Familiengeschichten zwischen Zweitem Weltkrieg in der Provinz und hippem Hamburg 2017 heraus, die in Talentwahnsinn und  Ökotourismus satirisch aufleuchten.

Berlin – „Der Lebenslauf des Boxers Samson-Körner“ nach einer Fortsetzungsgeschichte von Bertolt Brecht 

Theaterkritik "Der Lebenslauf des Boxers Samson-Körner"

Eine kreisrunde weiße Lichtfläche, Vollmond und Ring zugleich, genügt die Magie des Boxens zu beleuchten. 1924 lernte Bertholt Brecht den amtierenden deutschen Schwergewichtsmeister Paul Samson-Körner kennen. Er befreundete sich mit ihm und schrieb nach dessen Erzählungen die Fortsetzungsgeschichte  über den „Lebenslauf des Boxers Samson-Körner“. Ausverkauft ein Jahr nach der Uraufführung in der neuen Bühne des Berliner Ensembles, fragt man sich warum. 

Es  hat wohl viel mit dem Brechts Renommee zu tun, mit Oliver Kraushaars sehr präsenter, teilweise ironisch distanzierte Art die Geschichte dieses Samson-Körners auf der Bühne zu verkörpern. 

Berlin – Brechts Lehrstück „Der kaukasische Kreidekreis“ in der Schaubühne

Schaubühne "Der kaukasische Kreidekreise" präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

Eine Band treibt kommentierend mit zackigem Sound die Spielhandlung voran.  Mit Philine Schmölzer als Moderatorin bekommt der epische Part einen rasanten Drive. Schnell eine Perücke, eine Kappe auf den Kopf verwandeln sich  die Musiker in die Spielfiguren mit ständigen Rollenwechsel . Als Bühnenbild genügen weiße Vorhänge, die Räumlichkeiten vorspiegeln, das brennende Dorf durch Lichteffekte, die Verfolgung als Schattenspiel und die gleichzeitig  als Requisite dienen. 
Mit epischer Distanz, ständigem Verfremdungseffekten präsentierten die Schauspielabsolventen der Hochschule für Schauspielkunst Ernst Busch in der Schaubühne zwar einen flotter, aber allzu klamaukigen Brecht.

Landshut – „Edgar“ – eine inszenierte Lesung in den Landshuter Kammerspielen

Theaterkritik von "Edgar", Geschichten von Edgar Allen Poe präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

Die inszenierte Lesung „Edgar“ eröffnet im Kleinen Theater Landshut einen interessanten Blick auf Edgar Allan Poe und seine skurril grauseligen Geschichten.
Sie, Luise Eberth, sitzt im Lichtkreis, singt und improvisiert am Klavier, die blonden Haare hochgesteckt, im langen Kleid aus fließendem Stoff Inkarnation einer romantischen Frau aus einer von Edgar Allan Poes romantischen Geschichten. Vis-a-vis liest Matthias Eberth in der Rolle Edgar Allan Poes aus dessen Texten.

Landshut – „Rote Schuh nur  für´s Bett“ – Josef Brustmann in den Landshuter Kammerspielen

Josef Brustmann präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

Mit „Das Leben ist kurz – kauf die roten Schuh“ sorgt Josef Brustmann  im ausverkauften Kleinen Theater für einen vergnüglichen Abend

Kaum ein Satz, ohne dass die Zuschauer lachen. Josef Brustmann,  gebürtiger Oberbayer, kann die Menschen unterhalten. Ganz schlicht steht er kerzengerade  mit leuchtend roten Schuhen da und erzählt selbstironisch Privates mit langen Atem in Endlossätzen, wobei man  sich genau auf jedes Wort konzentrieren muss, um sich mittendrin, befeuert durch  ein originelles Wortspiel, über die Ecken und Kanten unseres Leben aus seiner  ironischen Perspektive amüsieren zu können.

Landshut – „Die Geschichte der Frau“ in den Landshuter Kammerspielen

Sarah Kohr "Die Geschichte der Frau" präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

Wie reagieren kluge Frauen? Sarah Grunert lässt im Kleinen Theater Landshut  „Die Geschichte der Frau“ als szenische Lesung aufleuchten.

Aus dem Glasfenster eines alten Schrankes lächelt Sarah Grunert. Sie öffnet die  Schranktür, steigt heraus, und beginnt im Scheinwerferspot fünf geschickt ausgewählte Frauenschicksale aus Feridun Zaimoglus „Die Geschichte der Frau“ vorzulesen, jede ganz anders in einer anderen Epoche von der Gegenwart bis in isländische Sagenwelt.

Landshut – Shaffers „Amadeus“ im Landestheater Niederbayern

Theaterkritik Shaffers "Amadeus" präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

Was für ein „Amadeus“, was für ein Salieri! Stefan Tilch präsentiert eine zutiefst berührende, umwerfende „Amadeus“-Inszenierung im Landestheater Niederbayern
Eine weiße Flügeltür. Dahinter ein Todeskampf. Nein, nicht Mozart stirbt. Es ist der Vater Salieris. Jochen Decker als Salieri im Rollstuhl beginnt dessen Lebensgeschichte in der Version von Peter Shaffers Theaterstück „Amadeus“ zu erzählen und wie er das macht, ist beeindruckend, berührend,  trifft mitten ins Herz. 

München – Johnny-Cash-Musical „Ring of Fire“

Musical "Ring of Fire" präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

Fanjubel für Erstaufführung des Johnny-Cash-Musicals im Deutschen Theater München. Mit Spannung wurde im Deutschen Theater München die deutsche Erstaufführung  das Johnny-Cash-Musical  „Ring of Fire“  erwartet, zumal die Show nur in München zu sehen ist. 
Wer mit  Johnny-Cash-Songadaptionen zufrieden ist, erlebte einen soliden Bandabend.

Kassel – Verleihung des Deutschen Theaterpreises „DER FAUST 2019“

Deutscher Theaterpreis "Faust 2019" präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

Im Staatstheater Kassel wurden  zum 14. Mal die Preisträgerinnen und Preisträger des Deutschen Theaterpreises DER FAUST ausgezeichnet. Durch den Abend führte die Schauspielerin und Musikerin Wiebke Puls in Anwesenheit der hessischen Ministerin für Wissenschaft und Kunst, Angela Dorn, und des Kasseler Oberbürgermeisters Christian Geselle.

Berlin – Thomas Bernhards „Alte Meister“ im Deutschen Theater Berlin

"Alte Meister" von Thom Lux präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

Gesprächsgeraune im Museum verflüchtigt sich, Bruckners „Steiermärker“-Ohrwurm erklingt live am Klavier. Im Nebel wird der Bordone-Saal im Kunsthistorischen Museum imaginierbar. Aufgeregten Erklärungen folgt die Stille,  ritualisierte Durchsagen, Wiederholungsphrasen alternieren mit den Kernsätzen des Musikkritikers Reger, wenn er nach den „gravierenden Fehlern“ in den alten Meisterwerken forscht. Durch die Suche des Fragmentarischen legitimiert er seine Existenz. Indem er kritisiert, existiert er und fragmentiert gleichzeitig seine eigene Existenz.

Landshut- Buchheims „Das Boot“ in der Maschinenfabrik

Buchheims "Das Boot" in der Landshuter Maschinenfabrik präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

©Alexander Heil
Der Wellenschlag des Wassers rauscht. Der Blick vom U-Boot aus  auf das weite Meer täuscht Frieden vor. Fertig zur Fahrt ist die Mannschaft, junge Buben, alte Männer als letztes Aufgebot schon 1941. Fahl sind die Gesichter trotz der Siegerparolen. Dokumentarische Projektionen weiten den Blick auf Nazi-Deutschland, dessen Glorie ein Sprecher durch die nackten Tatsachen untergräbt. Von 40000 U-Boot-Leuten kehrten 30000 nicht zurück. 

Das Publikum, an den 13 Meter langen Längsseiten des U-Bootes platziert, erlebt in Thomas Eckers Inszenierung das Geschehen unmittelbar mit, die sonare Ortung direkt über den Köpfen, das Abtauchen über die gesicherte Zone von 90 Meter hinab bis ins größte Risiko von  250 Meter. Die Anspannung steigt, die Nerven liegen blank.

Berlin –  Jakob Noltes „Don Quijote“ als Erstaufführung  in einer Inszenierung von Jan Bosse im Deutschen Theater

Theaterkritik "Don Quijote" präesentiert von www.schabel-kultur-blog.de

Ein Holzcontainer umweht von Nebel, ein Einkaufswagen voller Habseligkeiten, zwei großartige Schauspieler, Musik und Licht, mehr braucht Jan Bosse nicht für seine grandiose „Don Quijote“-Inszenierung am Deutschen Theater Berlin.

Don Quijote und Sancho Panza entwickeln das Potential großer existentieller Figuren im Sinne Becketts. Ulrich Matthes (Don Quijote) und Wolfram Koch (Sancho Panza) geben diesen überdrehten Figuren den unwiderstehlichen Charme von idealistischen Visionären, in deren Irrungen und Wirrungen in Wiederholungsschleife sich die Welt weiterdreht und sich auf wenige markante Lebensweisheiten reduziert. Hier stehen zwei vereinsamte Loser auf der Bühne, die im Leben trotz ihrer desolaten Lebensbedingungen noch nach Höherem streben und sich dadurch, sehr humorvoll abgründig gespielt, der Lächerlichkeit preisgeben.

Landshut – „Frankenstein“ in der Version der Comoedia Mundi

"Frankenstein" der Comoedia Mundi präsentiert von www.schabel-klutlur-blog.de

Es donnert, blitzt in schauerromantischer Manier. Herabhängende Seile lassen Unheil ahnen. Im Nebel wird  nach einer Leiche gesucht, um im Labor ein neues Leben zu kreieren. In einem Leintuch beginnt ein Embryo zu wachsen und lässt als physisch erwachsener Körper die Fruchtblase platzen. Zwischen romantischer Musik und Elektrosound (Robert Stephan) wird Spannung hörbar, rückt Vergangenheit in den Puls unserer Zeit. Doch die neu belebte Kreatur ist nicht wie in Mary Shelleys weltweit berühmtem Gruselroman „Frankenstein“ ein Monster.