Landshut – Shaffers „Amadeus“ im Landestheater Niederbayern

Theaterkritik Shaffers "Amadeus" präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

Was für ein „Amadeus“, was für ein Salieri! Stefan Tilch präsentiert eine zutiefst berührende, umwerfende „Amadeus“-Inszenierung im Landestheater Niederbayern
Eine weiße Flügeltür. Dahinter ein Todeskampf. Nein, nicht Mozart stirbt. Es ist der Vater Salieris. Jochen Decker als Salieri im Rollstuhl beginnt dessen Lebensgeschichte in der Version von Peter Shaffers Theaterstück „Amadeus“ zu erzählen und wie er das macht, ist beeindruckend, berührend,  trifft mitten ins Herz. 

München – Johnny-Cash-Musical „Ring of Fire“

Musical "Ring of Fire" präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

Fanjubel für Erstaufführung des Johnny-Cash-Musicals im Deutschen Theater München. Mit Spannung wurde im Deutschen Theater München die deutsche Erstaufführung  das Johnny-Cash-Musical  „Ring of Fire“  erwartet, zumal die Show nur in München zu sehen ist. 
Wer mit  Johnny-Cash-Songadaptionen zufrieden ist, erlebte einen soliden Bandabend.

Kassel – Verleihung des Deutschen Theaterpreises „DER FAUST 2019“

Deutscher Theaterpreis "Faust 2019" präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

Im Staatstheater Kassel wurden  zum 14. Mal die Preisträgerinnen und Preisträger des Deutschen Theaterpreises DER FAUST ausgezeichnet. Durch den Abend führte die Schauspielerin und Musikerin Wiebke Puls in Anwesenheit der hessischen Ministerin für Wissenschaft und Kunst, Angela Dorn, und des Kasseler Oberbürgermeisters Christian Geselle.

Berlin – Thomas Bernhards „Alte Meister“ im Deutschen Theater Berlin

"Alte Meister" von Thom Lux präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

Gesprächsgeraune im Museum verflüchtigt sich, Bruckners „Steiermärker“-Ohrwurm erklingt live am Klavier. Im Nebel wird der Bordone-Saal im Kunsthistorischen Museum imaginierbar. Aufgeregten Erklärungen folgt die Stille,  ritualisierte Durchsagen, Wiederholungsphrasen alternieren mit den Kernsätzen des Musikkritikers Reger, wenn er nach den „gravierenden Fehlern“ in den alten Meisterwerken forscht. Durch die Suche des Fragmentarischen legitimiert er seine Existenz. Indem er kritisiert, existiert er und fragmentiert gleichzeitig seine eigene Existenz.

Landshut- Buchheims „Das Boot“ in der Maschinenfabrik

Buchheims "Das Boot" in der Landshuter Maschinenfabrik präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

©Alexander Heil
Der Wellenschlag des Wassers rauscht. Der Blick vom U-Boot aus  auf das weite Meer täuscht Frieden vor. Fertig zur Fahrt ist die Mannschaft, junge Buben, alte Männer als letztes Aufgebot schon 1941. Fahl sind die Gesichter trotz der Siegerparolen. Dokumentarische Projektionen weiten den Blick auf Nazi-Deutschland, dessen Glorie ein Sprecher durch die nackten Tatsachen untergräbt. Von 40000 U-Boot-Leuten kehrten 30000 nicht zurück. 

Das Publikum, an den 13 Meter langen Längsseiten des U-Bootes platziert, erlebt in Thomas Eckers Inszenierung das Geschehen unmittelbar mit, die sonare Ortung direkt über den Köpfen, das Abtauchen über die gesicherte Zone von 90 Meter hinab bis ins größte Risiko von  250 Meter. Die Anspannung steigt, die Nerven liegen blank.

Berlin –  Jakob Noltes „Don Quijote“ als Erstaufführung  in einer Inszenierung von Jan Bosse im Deutschen Theater

Theaterkritik "Don Quijote" präesentiert von www.schabel-kultur-blog.de

Ein Holzcontainer umweht von Nebel, ein Einkaufswagen voller Habseligkeiten, zwei großartige Schauspieler, Musik und Licht, mehr braucht Jan Bosse nicht für seine grandiose „Don Quijote“-Inszenierung am Deutschen Theater Berlin.

Don Quijote und Sancho Panza entwickeln das Potential großer existentieller Figuren im Sinne Becketts. Ulrich Matthes (Don Quijote) und Wolfram Koch (Sancho Panza) geben diesen überdrehten Figuren den unwiderstehlichen Charme von idealistischen Visionären, in deren Irrungen und Wirrungen in Wiederholungsschleife sich die Welt weiterdreht und sich auf wenige markante Lebensweisheiten reduziert. Hier stehen zwei vereinsamte Loser auf der Bühne, die im Leben trotz ihrer desolaten Lebensbedingungen noch nach Höherem streben und sich dadurch, sehr humorvoll abgründig gespielt, der Lächerlichkeit preisgeben.

Landshut – „Frankenstein“ in der Version der Comoedia Mundi

"Frankenstein" der Comoedia Mundi präsentiert von www.schabel-klutlur-blog.de

Es donnert, blitzt in schauerromantischer Manier. Herabhängende Seile lassen Unheil ahnen. Im Nebel wird  nach einer Leiche gesucht, um im Labor ein neues Leben zu kreieren. In einem Leintuch beginnt ein Embryo zu wachsen und lässt als physisch erwachsener Körper die Fruchtblase platzen. Zwischen romantischer Musik und Elektrosound (Robert Stephan) wird Spannung hörbar, rückt Vergangenheit in den Puls unserer Zeit. Doch die neu belebte Kreatur ist nicht wie in Mary Shelleys weltweit berühmtem Gruselroman „Frankenstein“ ein Monster. 

Landshut – Euripides´“Medea“ in den Landshuter Kammerspielen

Theaterkritik "Medea" im Kleinen Theater Landshut präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

Das Meer rauscht und kräuselt sich auf der Spiegelfolie des Bühnenbodens,  Klangwindspiele werden hörbar, statt Horizont eine graue Mauer. Das karge Bühnenbild Helmut Stürmers und die Kompositionen von Philipp Degünther versetzen den Zuschauer in einen meditativen Schwebezustand, den Medeas Schrei durchschneidet und schon ist man mitten drin in der Tragik „Medeas“. Das hat Wucht und bleibt eineinhalb Stunden spannend. 

Intendant Sven Grunert und Dramaturgin Ganna Madiar kürzten Hubert Ortkempers „Medea“-Fassung auf ein kompaktes Format, behielten zwar den Sprachduktus, wagten aber eine zeitgenössische Überarbeitung. Das Ergebnis ist eine  spannende „Medea“. 

Berlin – Günter Grass´ „Die Blechtrommel“ im Berliner Ensemble

Theaterkritik "Die Blechtrommel" präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

Selbst in der 99. Vorstellung der „Blechtrommel“ gibt es noch einige Standing Ovations. Seit 2017 steht Günter Grass´ „Die Blechtrommel“ in der Theaterfassung von  Oliver Reese auf der Bühne. Der jetzige Intendant  des Berliner Ensemble hatte „Die Blechtrommel“  bereits zwei Jahre davor, 2015, in Frankfurt inszeniert.  
Aus Grass´  800-seitigem epischem Figuren-Kosmos aus der Perspektive Oskars  ist ein Ein-Personen-Stück geworden, exzellente gespielt von Nico Holonics als Oskar unter der Regie von Oliver Reese. Mit differenzierter Stimmmodulation und facettenreichem Bewegungsrepertoire wird  das unmittelbare soziale Umfeld gegenwärtig, der offizielle Vater Mazarath, die Mutter, der leibliche Vater Jan Bronski, immer noch der heimliche Liebhaber der Mutter, Anna, Mazarath Juniors erste Liebe, die er schwängert und vom Vater geheiratet wird, dazu Bebra, der Direktor der Mirakelshow und späteren Fronttheaters, das marschierende und zerbombte Deutschland klingt pantomimisch und akustisch an. 

Berlin –  Immigrationsstück „Amir“ am Berliner Ensemble 

Theaterkritik "Amir" präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

Eine große Mauer dreht sich, abwechselnd im Laufschritt beschleunigt von den Darstellern, die sich mit Liegestützen und Boxen fit machen für ihr raues Leben, in das sie der neue Status als Flüchtling„geduldet“ in Deutschland stigmatisiert. 
Wie ein Angeklagter sitzt Amir vor der Mauer, die als Chiffre sozialer Trennung, Projektions- und Zeichenfläche fungiert. Überdimensional verzerrt verkündet darauf der Richter (Owen Peter Read) das Urteil, eines von Hunderten, wie die Strichliste über seinem Konterfei bewusst macht. „Flüchtlingsstatus geduldet. Erwerbstätigkeit nicht gestattet. Sie dürfen nichts machen.“

Landshut – Michael Frayn „Der nackte Wahnsinn“ im Landestheater Niederbayern

„Der nackte Wahnsinn“ packt die Schauspieler eines Tourneetheaters, als  bei der Hauptprobe, die eigentlich eine Generalprobe sein sollte, immer noch nichts funktioniert, die Schauspieler nicht einmal ihre Rolle kapiert haben, wo doch alles so einfach ist. Es kommt nur „auf die Sardinen und Türen“ an, erklärt entnervt der Regisseur.  Die müssen im richtigen Timing knallen und die Sardinen da sein, wo sie sein sollen.

„Der nackte Wahnsinn“ packt die Schauspieler eines Tourneetheaters, als  bei der Hauptprobe, die eigentlich eine Generalprobe sein sollte, immer noch nichts funktioniert, die Schauspieler nicht einmal ihre Rolle kapiert haben, wo doch alles so einfach ist. Es kommt nur „auf die Sardinen und Türen“ an, erklärt entnervt der Regisseur.  Die müssen im richtigen Timing knallen und die Sardinen da sein, wo sie sein sollen.

Landestheater Niederbayern – „Als Regisseur ein Spielanstifter“ – Interview mit Regisseur Markus Bartl

Interview mit Regisseur Markus Bartl präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

Zehn Jahre war Markus Bartl Spielleiter am Landestheater Niederbayern. Mit dem Umzug ins Theaterzelt zog er sich aus dieser Arbeit zurück, um mehr Freiraum zum Inszenieren zu haben. Als freier Regisseur und Dozent an der Akademie für darstellende Kunst in Regensburg wird er künftig mit nur einer Produktion pro Jahr nicht mehr so präsent am Landestheater Niederbayern sein. Theaterbesucher, die die künstlerische Auseinandersetzung schätzen, bedauern das sehr. Für Markus Bartl ist es andererseits noch einmal eine Chance sich andere Theater kennenzulernen. Für die nächsten drei Jahre ist er schon ausgebucht.

Landshut – Victor Hugos „Der Glöckner von Notre Dame“ bei den Burgenfestspielen des Landestheater Niederbayern

Theaterkritik "Der Glöckner von Notre Dame" präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

Das Licht schimmert geheimnisvoll rot-lila. Die Schimären des Notre Dame, halb Mensch, halb Tier blicken tückisch von den Brüstungen hinab auf den Hof, wachen gelassen über das Treiben der Menschen. Steile Seittreppen und mehrere Brüstungen  lassen im schlicht modernen Bühnenbau Notre Dame assoziieren, mit den roten Fensterausschnitten mehr auf das Grundmotiv sexueller Ausbeutung Eros zugeschnitten denn als Ort des Glaubens. Eine projizierte Hand bringt Victor Hugo schreibend ins Spiel, verankert die Inszenierung des „Glöckner von Notre Dame“ in der spätromantische Zeit seines Entstehens. 

Berlin – Musical „The Band“ im Theater des Westens

Musicalkritik "The Band" präsentierte von www.schabel-kultur-blog-de

©Stage Entertainment
BBC-Nachrichten von 1993 flimmern zur Einstimmung über die Nachrichten(?)(Bildschirm?) und nach einer kurzen Anmoderation startet das britische Musical „Band“, das die Deutschlandpremiere im Berliner Theater des Westens zwei Jahre nach der Uraufführung in Manchester feierte,  nicht als Biografie der gecasteten Boygroup „Take That“, sondern als flott witzige Retrospektive aus der Perspektive von fünf Girlie-Fans.