Berlin – „Starke Frauen“ – Diana Anders und Barbara Kratz präsentieren großes Theater mit einfachsten Mitteln

Theater-Barbara Kratz

Als „Irrwischkönigin“, „Orlando“, „Alexandra“, „Frau Luther kocht“ und zur Zeit als „Geierwally“ bleibt Barbara Katz den Besuchern ihrer Vorstellungen im Kopf. Sie spielt in jedem Stück nicht eine, sondern eine  Vielzahl von Rollen. Selbst die „Nibelungen“ sind in ihrem Programm.

Dass das immer so herrlich klappt, liegt an Barbara Kratzs Lebenspartnerin. Diana Andres schreibt und inszeniert die Stücke. Beide entwickeln die Kostüme, die Bühne, das Licht, die Musik. Hochprofessional decken sie alle Jobs ab, die einem Theaterbetrieb anfallen…

Berlin – „Ku’damm 56“ – die Serie jetzt als Musicaluraufführung im Theater des Westens

Musicalkritik "Ku'damm 56" präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

„Ich habe mich gerade in mich selbst verliebt“. Monika, alles andere als eine Bombe, strahlt am Schluss. Gerade sie, die ständig von ihrer Mutter als „unmöglich“ degradiert wird, wagt inspiriert vom in Mode kommenden Rock’n’Roll als einzige der drei Töchter ein Leben in Freiheit.
Was dazwischen passiert in der Tanzschule „Galant“ wurde durch den ZDF-Dreiteiler „Ku’damm 56“ vor fünf Jahren zum TV-Hit. Jetzt soll sich auf Initiative von Drehbuchautorin Annette Hesse der Hype auf Musicalebene wiederholen. Die Weltpremiere als Musical am Berliner Theater des Westens besticht durch eine dichte Inszenierung und flotte Musik aus der Feder von Peter Platz und Ulf Leo Sommer. Markante Szenen aus der TV-Produktion fehlen, dafür sorgen das Drehbuch für parodistischen Witz und die Mutter-Brause Band für einen mitreißenden Rhythmus…

Hörspiel „Flashback“ von Thomas Ecker produziert im Landestheater Niederbayern

Hörspiel "Flashback" produziert vom Landestheater NIederbayern präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

„Genau das ist das Problem. Ich kann nicht sagen, wer ich bin.“ Eine junge, hübsche Frau wird bewusstlos in Unterwäsche mit einem wertvollen Ring am Finger, zwei Tattoos auf der Haut und einer blutenden Wunde am Kopf an einem Novembermorgen in der Landshuter Altstadt bei St. Martin gefunden. Nach der Entlassung aus der Klinik sucht sie im Gespräch mit ihrer Psychotherapeutin nach einem Trigger für einen Flashback. Unter der Regie von Thomas Ecker gelingt ein spannender Krimi in drei Teilen…

Berlin – „Auf der Straße“, ein Stück über Obdachlosigkeit von Karen Breece & Ensemble mit Obdachlosen im Berliner Ensemble

Theaterkritik "Auf der Straße" von Karen Breece im Berliner Ensemble präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

„Sie schwelgen in Reichtum, und verstehen nicht ihre Gier nach Zuviel im Zaum zu halten…“ Mit einer Textpassage aus Solons (640 – 560 v.Chr.) „Eunomia“ stellt Bettina Hoppe im sprachmagischen Versmaß das Obdachlosenproblem unserer Tage in einen epochal staatsphilosophischen Zusammenhang. Solon war einer der sieben Weisen Griechenlands und Mitbegründer der attischen Demokratie. „Es ist die Ungesetzlichkeit Athens, die die Stadt ins Unglück bringt. Die Wohlgesetzlichkeit dagegen macht alles wohl, schön und vollkommen.“ Davon ist man 2021 noch immer weit entfernt, wie Karen Breece am Berliner Ensemble zeigt. Sie recherchierte über die Obdachlosen in Berlin und entwickelte 2018 durch Gespräche mit Obdachlosen in Zusammenarbeit mit den Schauspielern das politisch-dokumentarische Stück „Auf der Straße“. Jetzt steht die packende Inszenierung wieder auf dem Spielplan des Berliner Ensembles…

Hörspiel – Edgar Wallace „Der Hexer“

Hörspiel "Der Hexer" präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

Früher hochspannend haben die Krimis von Edgar Wallace (1875-1932), Begründer des modernen Thrillers, inzwischen einen nostalgischen Charme, nicht zuletzt wegen ihrer nachvollziehbaren konsequenten Logik. Genau die arbeitet die neue Hörspielfassung produziert vom Landshuter Theater Nikola sehr exakt heraus. Man ist ganz Ohr, nicht zuletzt, weil über ein Dutzend Stimmen, allesamt vom Theater Nikola auf ihre ganz spezifische Weise Edgar Wallace Figurenkabinett geheimnisvoll ironisch intonieren…

Landshut – „Geierwally“ mit Barbara Kratz in den Kammerspielen

Theaterkritik "Geierwally" präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

Ein Jodler im Hintergrund, eine Metallschaukel wie ein Halbmond wippt. Aus ihr krabbelt Barbara Katz ganz in Hellblau und beginnt in knappen zwei Stunden die „Geierwally“ nach dem Heimatroman von Wilhelmine von Hillern nach der Theatralisierung von Diana Anders zu erzählen und über ein Dutzend Rollen zu spielen. Sie kann das mit Bravour. Man hat ihre großartig rustikal packende Inszenierung von „Frau Luther“ noch im Kopf.

Als Geierwally spannt Barbara Kratz den Bogen vom Baby, ein Mädchen in Hellblau, weil der Vater immer einen Sohn haben wollte, bis zur mutigen Frau, die für ihre Liebe kämpft und doch den Kampf gegen die Männerwelt verliert, die sie nur für das eigene Ego benutzen…

Landshut – „Die kleine Hexe“ im Landestheater Niederbayern

Theaterkritik "Die kleine Hexe" im Landestheater Niederbayern präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

„Simsalabim“, „Hokuspokus“, ja die kleine Hexe muss noch etwas üben. Nicht jeder Zauberspruch gelingt. Aber ihr Freund, der Rabe Abraxas ist zuversichtlich. Erst 127 Jahre jung wird die kleine Hexe schon noch das Zaubern lernen. In dem Alter darf sie nicht einmal bei der Walpurgisnacht auf dem Blocksberg mit den anderen Hexen mittanzen. Sie will trotzdem hin, heimlich am Rand dabei sein. Der Vorhang öffnet sich und schon ist  das Publikum mittendrin in der Walpurgisnacht mit drei wuchtig kostümierten Hexen und dazu einer Oberhexe wie ein Wurzelwerk…

Landshut – Jean-Paul Sartres „Geschlossene Gesellschaft“ in einer Inszenierung des Theater Nikola

Sartres "Geschlossene Gesellschaft" präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

Drei Stühle, drei Mikros, eine kaputte Klingel mehr braucht Regisseur Reinhart Hoffmann nicht. Er fokussiert ganz auf die schauspielerische Umsetzung von Jean-Paul Sartres „Geschlossene Gesellschaft“ und es gelingt ihm ein spannender Theaterabend. Was auf der Bühne verhandelt wird, sind wir selbst…

Berlin – Das große „Kleinkunstfestival“ im Theater der Wühlmäuse

Großes Kleinkunstfestival im Berliner Theater der Wühlmäuse präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

Seit 20 Jahren ist „Das große Kleinkunstfestival“ eine der wichtigsten Preisverleihungen für Kabarett, Comedy und Varieté in Deutschland. Größen wie Mario Barth, Kurt Krömer, Cindy aus Marzahn oder Torsten Sträter feierten hier quasi ihren Durchbruch. 
Das 4-stündige Live-Event im Theater der Berliner Wühlmäuse war hochkarätig, vielseitig und ein Querschnitt unterschiedlicher Genres von Gestern und Heute, wobei sich Qualitätsunterschiede deutlich herauskristallisierten…

Landshut  – „Alexis Sorbas“ – Gastspielwochen im Theaterzelt der „Comoedia Mundi“

Theaterkritik "Alexis Sorbas" der Comoedia Mundi präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

Endlich ist die neue Seilbahn für den Kohleabbau auf Kreta fertig. Aber sie funktioniert nicht. Es beginnt zu donnern. Die Seilbahn kracht zusammen und damit das Großprojekt der beiden Freunde Basil und Sorbas. Jetzt werden sich ihre Wege trennen. Doch davor wird getanzt, der berühmte Sirtaki, komponiert von Mikis Theodorakis, der vor wenigen Wochen verstorben ist. Die intensiven Erinnerungen der Freundschaft bleiben und der Sirtaki, den Sorbas Basil in der Stunde des Abschieds beibringt. 
„Alexis Sorbas“ als Film unter der Regie von Michael Cacoyannis mit Anthony Quinn in der Titelrolle 1965 mit drei Oscars prämiert, entwickelt gerade unter dem Theaterzelt der Comoedia Mundi  einen zauberhaft nostalgischen Charme. Das Publikum jubelt begeistert, applaudiert nach jeder der rund zwei Dutzend Szenen, mit denen sich Loes Snijders und Fabian Schwarz in die Herzen der Zuschauer spielen…

Berlin „Tschewengur“ – im Maxim-Gorki-Theater nach dem Roman von Andrej Platonow

Theaterkritik "Tschewengur" im Maxim-Gorki-Theater Berlin präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

Was ist „Tschewengur“? Es ist nicht nur ein russischer Ort, weit weg von Moskau in Mittelsibirien. Diesen Ort wählte der russische Dichter Andrej Platonow für seinen in Russland verbotenen gleichnamigen Roman. In Tschewengur wohnt ein Fischer, der sich ertränkt, um das Leben danach zu finden. Sein Sohn Sascha macht sich auf den Weg  die Welt zu entdecken. Unter der Regie von Sebastian Baumgarten sollte der Roman für die Bühne des Maxim-Gorki-Theaters dramatisiert werden. Corona kam dazwischen. Statt einer Theaterfassung entstand der Film „Tschewengur. Die Wanderung mit offenem Herzen“, mit Premiere im Theater. Schon die erste Szene zieht in ihren Bann…

Berlin – Maja Zades „ödipus“ in der Schaubühne

Theaterkritik "ödipus" in der Berliner Schaubühne präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

Lichtschienen skizzieren in der Dunkelheit eine Villa, die durch Licht und Projektionen in ein Sommerhaus im Süden verortet wird. Aus der Vogelperspektive gefilmt wird die Landschaft verdorrt, ein Wagen nähert sich und die Gedanken des Fahrers verraten Katastrophenalarm. 
Eine einzige Katastrophe ist, was folgt. Mit der Ankunft von Christines Bruder Robert wendet sich der Urlaub in ein Desaster. Christine, die Chefin eines Chemiekonzerns, ist schwanger von Michael, den sie kurz nach dem tödlichen Unfall ihres Mannes kennengelernt hat. Der Wagen schleuderte aus einer Kurve. Die transportierten Chemikalien explodierten. Robert, auf die Chefposition seiner Schwester eifersüchtig, eröffnet ihr, dass Michael ein Bodengutachten erstellen lässt, was er selbst mit allen Mitteln verhindern möchte, um nicht schlafende Hunde zu wecken. Dabei fällt das Signalwort Verantwortung, der eine will Verantwortung im Vorfeld übernehmen und für eventuelle Folgeschäden aufkommen, für den anderen bedeutet sie alles zu vertuschen aus Verantwortung für die Firma. Um Verantwortung kreist Maja Zades Stück „ödipus“, ganz bewusst klein geschrieben, möglich in jedermanns Leben…

Landshut – „The King’s Speech“ im Landestheater Niederbayern

Theaterkritik von "The KIng´s Speech" präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

Drei große mobile Kuben verwandeln die Bühne blitzschnell in neue Räumlichkeiten, diffuse Lichtstimmungen die Atmosphäre, in der royale Erhabenheit, politische Intrigen und psychopathische Veranlagungen aufeinandertreffen. 
Mit David Seidlers „The King´s Speech“ beginnt im Landestheater Niederbayern die neue Spielsaison amüsant und tiefgründig. Was tun, wenn der künftige König, die Stimme des Volkes, stottert?…

Landshut – „Die Wand“ nach Marlen Haushofer in den Kammerspielen 

Theaterkritik Haushofers "Die Wand" präsentier von www.schabel-kultur-blog.de

Im Verlauf des Schreibens sind ihr einige Tage abhanden gekommen. Auf einem Quader kauernd schreibt sie täglich ihre Gedanken auf lose Blätter, seit „Die Wand“ ihr Leben abrupt änderte. Während die Freunde, die sie für ein Wochenende in ihr Jagdhaus einluden noch einen Spaziergang ins Dorf machten, durchtrennt eine Glaswand plötzlich alle Kontakte zur Außenwelt. Völlig auf sich allein gestellt muss die Protagonisten in Marlen Haushofers Roman „Die Wand“ mitten im Wald das Leben meistern.

 Julia Koschitz, in Landshut bekannt durch ihre kraftvollen Interpretationen von „Antigone“, „Nora“ und „Virginia Woolf“, inzwischen bundesweit durch ein breites Spektrum an Filmrollen, bringt unter der Regie von Intendant Sven Grunert neue Facetten dieser Romanfigur zum Leuchten. Schon im letzten Jahr geplant durch Corona immer wieder verschoben verdichtet gerade die Pandemie das Bewusstsein für die Problematik der Handlung, der Mensch, abgeschnitten von der Welt, zurückgeworfen auf seine ganz persönliche Existenz und ihre Abgründe…

Berlin – Sophokles´ „Oedipus“ am Deutschen Theater 

Theaterkritik "Oedipus" im Deutschen Theater Berlin präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

Und wieder schickt Ulrich Rasche eine Handvoll Schauspieler auf Wanderschaft. Barfuß versuchen sie mit Seitkreuzschritten, den Körper ganz verschraubt, voranzukommen und treten doch auf der Stelle infolge der Kreisbühne. Ein magisches Bild für die Kernaussage der Inszenierung „Furchtbar ist Wissen, wenn es nichts nutzt“. Schritt für Schritt muss aber dieses Wissen erst erforscht werden, was sich als äußerst mühsamer Prozess herausstellt, da sich in der antiken Welt nur wenige Assoziationen zur Gegenwart eröffnen.
Ulrich Rasche verzichtet wie immer auf jegliches dramatisierendes Spiel, fokussiert allein auf den Rhythmus der Sprache, den er zertrümmert. Er zerstückelt die Sätze, teilt die Wörter in Silben, denen die Schritte folgen. Das hat schon Wucht, schafft zumindest anfangs eine drängend spannende Atmosphäre, die antikes Theater in neuer Größe aufleben lässt…