Berlin – „RCE #RemoteCodeExecution“ – ein Stück über den Neustart unserer Welt im Berliner Ensemble

Theaterkritik "RCE#RemoteCodeExecution" im Berliner Ensemble präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

In Bienenwaben segmentiert verwandelt sich die Theaterbühne des Berliner Ensembles zu einer gigantischen Projektionsfläche. Eine Wabe wird zur Minibühne. Wie ein Raumschiff schwebt sie dahin, umflirrt von aufblitzenden plakativen Sequenzen kapitalistischen Lebensstils. Fünf SchauspielerInnen in schwarzen Anzügen verwandeln sich durch rhetorische Eloquenz und roboterförmige Performance zu  stereotypen Mensch-Maschinen. Sie rappen zu dröhnenden Technobeats und liefern einen  Abgesang auf den Kapitalismus auf der Textbasis  von Sybille Bergs Roman „RCE“, dem  mittleren Teil ihrer gesellschaftskritischen Mammut-Trilogie, den Regisseur Kay Vogues für das Berliner Ensemble auf ein eineinviertel Stunden langes argumentatives Staccato einer Nerd-Revolution reduzierte…

Berlin – „Dämonen“ – eine Performance als Live-Stream im Maxim Gorki Theater von Sebastian Nübling und Boris Nikitin 

Theaterkritik "Dämonen" von Sebastian Nübling und Boris Nikitin präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

Fünf junge Menschen irren die Straßen entlang und suchen ihre Erinnerungen, ihre „Dämonen“, die ihr Ich ausmachen. Sie fühlen sich ausgegrenzt vor Bauzäunen, abgestoßen in der S-Bahn, einsam auf dem Berlin Alexanderplatz. Berlin wird zur Bühne. Das Gorki-Theater zum Kino. Via Live-Kamera sind die ZuschauerInnen bei der Odyssee der SchauspielInnen mit nur 15 Sekunden Verzögerung dabei… 

Immling im Chiemgau – Bertolt Brechts „Dreigroschenoper“ als zweiter Festivalhöhepunkt

Gut Immling Festival präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

Oberbayerisch romantische Naturidylle, mittendrin Brechts satirische „Dreigroschenoper“ und danach lukullische Genüsse. Das hat Charme. Die Festspiele auf Gut Immling wissen durch Kontraste zu begeistern und präsentieren diesen Sommer neben Verdis „Aida“ und Gounods „Roméo et Juliette“ Oper aus der Feder von Bertolt Brecht und Kurt Weill von der ganz anderen Art…

Berlin – „Spielerfrauen“ von Lena Brasch und Sina Martens im Berliner Ensemble

Theaterkritik von "Spielerfrauen" vonLena Brasch und Sina Mertens präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

„Fußball, Fußball, nochmals Fußball“. Sina Martens in der Rolle einer Sportreporterin ist auf Sendung über Beachvolleyball und würde doch viel lieber über die EM berichten, so das satirische Intro. 
Passend zur Fußball-Europameisterschaft präsentiert das Berliner Ensemble eine Uraufführung mit Blick auf die „Spielerfrauen“ von Lena Brasch und Sina Martens. Nach beider Erfolgsstück „It´s Britney, Bitch“, die Vorstellungen sind nach zweieinhalb Jahren immer noch ausverkauft, setzen sie ihre Auseinandersetzung mit der geschlechtspezifischen Ungleichheit in Anlehnung an das berühmten Fußballpaar David und Victoria Beckham fort. Wohlstand gegen absolute Unterordnung ist die Devise. Im Rampenlicht steht der Fussballstar, seine Frau ist Dekoration und hat so zu funktionieren, dass er auch privat funkeln kann…

Landshut – Igor Bauersimas „norway.today“ in den Kammerspielen

Theaterkritik "norway.today" in den Kammerspielen Landshut präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

Julie will nicht mehr leben. „Vielleicht liegt das Glück nur in der Erkenntnis, sich selbst nicht mehr zu gebrauchen“ philosophiert sie fröhlich in Ansprache an das Publikum vor sich hin, das in die Rolle einer medialen Chatgruppe schlüpft. Über das Mikro ist Julie online auf der Suche nach einem Partner, der mit ihr nach Norwegen zu einem verschneiten Plateau reist, wo es steil abwärts zu einem Fjord geht, ideal sich hinabzustürzen. August, ein junger Mann, meldet sich. Beide brechen auf…

Berlin – „Ku’damm 59. Das Musical“ im Theater des Westens toppt „Ku´damm 56“

"Ku´damm 59. Das Musical" in Berlin präesentiert von www.schabel-kultur-blog.de

„Ku’damm 56“ war schon flott und witzig. Zweieinhalb Jahre später gelingt es Peter Plate und Ulf Leo Sommer mit der Fortsetzung „Ku’damm 59“ zusammen mit Drehbuchautorin Annette Hesse und Regisseur Christoph Drewitz (Regie) das Kunststück sich selbst zu toppen. Tanz, Gesang und Musik finden zu einer zündenden Symbiose. Die Story aus den 1950er Jahren wirkt phasenweise durchaus noch aktuell. Es funkt vom ersten bis zum letzten Song…

Mitreißende Premiere von der „Wanderhure“ unter der Regie von Thomas Ecker im Theater Nikola

Theaterkritik "Die Wanderhure" Theater Nikola in Landshut präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

Donnernde Trommeln, geflötete Melodien und Gesang lassen das Mittelalter lebendig werden. Die Bühne irritiert durch die Optik einer riesigen Geisterinstallation. Es wird düster. Die Kirchturmglocke läutet um Mitternacht dreizehn Mal, ein Symbol dafür, dass etwas Besonderes geschieht. Ein Schrei ertönt, und schon taucht man in die Geschichte der „Wanderhure“ ein. Marie, die schöne Tochter eines rechtschaffenen und vermögenden Tuchhändlers, wird von ihrem adeligen Bräutigam durch eine Intrige der Hurerei beschuldigt, im Gefängnis vergewaltigt, verurteilt und ausgepeitscht zur Wanderhure. Durch ihr mutiges und beherztes Handeln kann sie sich schließlich rehabilitieren…

Berlin – Gelungenes Theaterspektakel „Bau auf! Bau ab!“ als Rückblick auf den Palast der Republik im Humboldt Forum

Theaterspektakel "Bau auf! Bau ab!" anlässlich 30 Jahre Palast der Republik in Berlin präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

Das Opening des Theaterfestivals „Bau auf! Bau ab!“ im Foyer des Humboldt Forums überrascht. Die 300 Gäste werden mit jazzig beschwingtem Sound und Sekt begrüßt. Das Foyer ist in orangefarbenes Licht getaucht. Die Rede zur Eröffnung des Palastes der Republik 1976 wird noch einmal verlesen und verweist auf die Bedeutung des „Palastes für alle“. Nur 14 Jahre war er geöffnet. Nach der Wende wurde er 1990 wegen der Emission krebserregender Asbestfasern geschlossen, von 2006 – 2008 abgerissen, um stattdessen das Berliner Schloss als Humboldt Forum als Ort der Begegnung zu etablieren. 

Die demokratisch beschlossenen Entscheidungen waren und sind immer noch umstritten und rücken jetzt durch die Gedächtnisjahre von Aufbau und Abbau wieder in den Mittelpunkt. Statt einer Jubiläumsfeier fokussiert das Theaterspektakel „Bau auf! Bau ab!“ auf kontroverse Meinungen und unterschiedliche Perspektiven… 

Berlin – Roland Schimmelpfennigs „Laios. Anthropolis II“ beim Berliner Theatertreffen

Theaterkritik "Laios. Anthropolis" Schauspielhaus Hamburg

Was wäre gewesen, wenn die Geschichte von Ödipus schon bei seinem Vater Laios begonnen hätte? Hätte sich der Mythos von Ödipus verändert? In fünf Folgen setzte sich Roland Schimmelpfennig in „Anthropolis. Ungeheuer. Stadt. Theben“ mit der Grundschuld des Ödipus in der Spielzeit 2023/24 am Schauspielhaus Hamburg auseinander. „Laios“, Teil 2, wurde zum Berliner Theatertreffen eingeladen und mit Standing Ovations gefeiert.

Berlin – Theodor Storms „Der Schimmelreiter“ im Deutschen Theater 

Theaterkritik "Der Schimmelreiter" im Deutschen Theater Berlin präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

Der stürmische Applaus bei der Premiere überrascht. Er erklärt sich aus der Zusammenarbeit des Deutschen Theaters mit dem RambaZamba Theater. „Der Schimmelreiter“ ist das erste inklusive Großprojekt. Es verdient Anerkennung und Respekt, nicht minder die Thematik, der Mensch im Kampf gegen Naturgewalten. Man wundert sich, warum Theodor Storms Novelle bislang nicht für die Bühne dramatisiert wurde…

Berlin – Ferdinand Schmalz’ „hildensaga. Ein Königinnendrama“ im Deutschen Theater

Theaterkritik "hildensaga" im Deutschen Theater Berlin präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

„Wir spinnen an dem Faden unseres Netzes…dürfen den roten Faden nicht verlieren“ sinniert Ulrich Matthes in rotem Kleid, alle drei Nornen, Schicksalsfrauen, vereinend. An welchen Knoten müsste die Geschichte neu erzählt werden, um das Morden von Völkern zu verhindern? Gemeint ist die Nibelungensage. Deshalb rollt Ferdinand Schmalz seine sehr interessante Version „hildensaga“ von hinten her auf, genauer vom Streit der beiden Königinnen Brünhild und Kriemhild. Statt zu konkurrieren solidarisieren sich die beiden Frauen, um sich vom Machismo der Burgunden-Elite zu befreien und deren sexuelle Instrumentalisierung zu rächen. 
Seit der Uraufführung 2022 in Worms ist diese neue Interpretation des Nibelungen-Mythos ein Hit auf den Bühnen des deutschsprachigen Raums. Regisseur Markus Bothe macht daraus im Deutschen Theater Berlin ein buntes Spektakel mit großem Unterhaltungswert und Tiefgang zum Nachdenken…

Berlin – „Malina“, Ingeborg Bachmanns Roman in der Bühnenfassung von Regisseurin Fritzi Wartenberg im Berliner Ensemble als spannendes Psychogramm

Theaterkritik "Malina" am Berliner Ensemble präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

Malina mal drei, jung unbeschwert, mitten im Leben voller Widersprüchlichkeiten, im Alter zunehmend abgeklärt. Gesplittet verwandelt Fritzi Wartenberg die divergierende Gedanken- und Gefühlswelten von Ingeborg Bachmanns autobiografischer Protagonistin „Malina“ in eine dramaturgisch effektvolle Bühnenfassung.  Geschrieben in Wien, 1971 veröffentlicht, zwei Jahre vor Ingeborg Bachmanns Tod setzt Regisseurin Fritzi Wartenberg abgesehen von Telefon und Schreibmaschine „Malina“ in zeitloser Gegenwärtigkeit an. Die Problematik, wenn das Ich nicht zum gesellschaftlichen Wir passt, hat nichts von ihrer Aktualität eingebüßt…

Berlin – Theatertreffen 2024

Berliner Theatertreffen 2024 präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

Es ist bald wieder soweit. Die Liste der ausgewählten zehn bedeutsamsten Theaterstücke im deutschsprachigem Raumes steht. 1105 Inszenierungen wurden eingereicht 690 Produktionen in 82 Städten wurden analog oder digital von den Jurymitgliedern vom 21. Januar 2023 bis 17. Januar 2024 besucht, davon 43 für das Theatertreffen 2024 vorgeschlagen und diskutiert. Der Imagegewinn für die ausgewählten Produktionsteams ist begehrt…

Landshut Arthur Millers „Tod eines Handlungsreisenden“ im Landestheater Niederbayern

Theaterkritik "Tod eines Handlungsreisenden" am Landestheater Niederbayern präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

„Wie hast du das geschafft?“ Das ist die große Frage, die sich Willy Loman tagtäglich stellt, wenn er als Handlungsreisender auf Provision Tausende von Kilometern durch die USA fährt und kaum etwas verdient. Zutiefst deprimiert träumt er immer vergeblich von der großen Karriere, die auch seinen beiden Söhnen verwehrt wird…