Berlin – Musical „The Band“ im Theater des Westens

Musicalkritik "The Band" präsentierte von www.schabel-kultur-blog-de

©Stage Entertainment
BBC-Nachrichten von 1993 flimmern zur Einstimmung über die Nachrichten(?)(Bildschirm?) und nach einer kurzen Anmoderation startet das britische Musical „Band“, das die Deutschlandpremiere im Berliner Theater des Westens zwei Jahre nach der Uraufführung in Manchester feierte,  nicht als Biografie der gecasteten Boygroup „Take That“, sondern als flott witzige Retrospektive aus der Perspektive von fünf Girlie-Fans.

Berliner Theatertreffen – „Das große Heft“ vom Staatsschauspiel Dresden

Theaterkritik "Das große Heft" präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

©Sebastian Hoppe
Eine schwere Eisenscheibe kreist, darauf zwei Menschen. Sie gehen, nein sie kämpfen sich vorwärts mit einer Expression wie aus einer von Kafkas Zeichnungen. Die Livemusik, ein pulsierender Sound aus harten Elektrobässen, tiefen Cellostrichen, eisigen Violintönen und pochender Perkussion, bestimmt den Rhythmus der Inszenierung.

München – Christopher Rüpings „Dionysos Stadt“ beim Berliner Theatertreffen

Theaterkritik "Dionysos Stadt" präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

©Julian Baumann
Die ganze Orestie an einem Theaterabend, damit sorgt  Regisseur  Christopher Rüping gelungen, was er wollte, für Aufsehen im Theaterbetrieb. „Wenn schon jeder Castorf acht Stunden dauert, dann doch lieber zehn“. Wie zu erwarten wurde sein in den Münchner Kammerspielen bejubeltes  Antikenprojekt „Dionysos Stadt“ von der Einladung zum Berliner Theatertreffen gekrönt und in den Räumlichkeiten der Berliner Festspiele  zwischen kostenloser Bewirtung und Abtanzen in den Pausen zum Mega-Event.

Berliner Theatertreffen – Simon Stones „Hotel Strindberg“ als Kooperation des Wiener Burgtheaters und des Theaters Basel 

Theaterkritik "Hotel Strindberg" bei Berliner Theatertreffen präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

©Reinhard Werner/Burgtheater
Groß angekündigt und würdig befunden  das Berliner Theatertreffen 2019 zu eröffnen, enttäuscht „Hotel Strindberg“. Vier Stunden streiten sich unterschiedliche Paarkonstellationen in verschiedenen Hotelzimmern, wobei der Zuschauer voyeuristisch partizipiert. 

Landestheater Niederbayern – Das Abschiedsdinner

Theaterkritik "Das Abschiedsdinner" präsentiert von schabel-kultur-blog.de

Wenn 35 % der freien Abende für Einladungen mit Freunden verplant sind, „braucht man einen Freundschaftsschutzschirm“. So argumentiert zumindest Pierre gegenüber seiner Frau Clotilde.
Foto:/Peter Litvai/Landestheater Niederbayern
Mit einem „Abschiedsdinner“ will er nach 30 Jahren Freundschaft  Antoine loswerden Clotilde ist begeistert. Endlich mehr Zeit füreinander, für neue Freunde, für neue Inspirationen und Überraschungen. 

Berliner Volksbühne – Gastspiel Schauspiel Hannover „Die Edda“

Theaterkritik "Die Edda" präsentiert von schabel-kultur-blog.de

©Katrin Ribbe
Vernebelt, nur ein Feuer flackert in der Ferne, sonore Musik entführt in den Weltenbeginn. Die Seherin Völva erzählt in einem 20-minütigen Monolog den Edda-Mythos von der Entstehung der Welt. Das Feuer wandelt sich in eine winzige Sonne, die den Nebel erhellt, Konturen eines riesigen Baumstammes und von Menschen in verschneiter Landschaft sichtbar macht. „Wisst ihr, was das bedeutet?“ Die Frage wird zum Leitmotiv. Ja, was bedeutet „Die Edda“? 

Berliner Schaubühne –  „Popular Mechanics“ aus Peking – Festival International Neue Dramatik

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©Luo Chuhui
Wann hat man schon einmal Gelegenheit ein modernes chinesisches Theaterstück zu erleben? Das „Festival International Neue Dramatik“ an der Berliner Schaubühne macht es möglich. „Popular Mechanics“ ist eine Performance mit Sprechtexten. Ziel der Inszenierung ist es oft auftauchende menschliche Reaktionen auf gesellschaftliche Situationen zu zeigen.

Kammerspiele Landshut – „SPERR-tage“

SPERR-Tage bauen Brücken

©Michaela Schabel
Waren sie sperrig die  SPERR-tage in den Landshuter Kammerspielen? Die Antwort ist ein klares Ja. Mit Anspielung auf Martin Sperr, dem niederbayerischen Querdenker, der in seiner Heimat nie die Anerkennung fand, die sein Denken verdient hätte, entwickelte Intendant Sven Grunert ein überzeugendes Konzept vor drei Jahren, um Dialoge in Gang zu bringen. 160 Baumscheiben von Martina Kreitmeier gesägt und miteinander wie zu einem Trampelpfad über die Isar verbunden, symbolisieren derzeit unterhalb vom Maxwehr, dass wir Menschen alle aus einem Stamm sind

Landshuter Kammerspiele – Achterbuschs „Arkadia“

Achternbuschs "Arcadia" präsentiert von schabel-kultur-blog.de

©Michaela Schabel
Sie sitzen am Tisch und schweigen. In weißen Bademänteln, das Gesicht hinter weißen Masken wirken Sokrates und Alkibiades, blutverschmiert, wie eine skulpturale Installation. Der Wind fächelt einen Vorhang hin und her, der Wasserkocher brodelt. Achternbusch verortet sein letztes veröffentlichtes  Stück „Arkadia“, vor einem Monat in Ebersberg uraufgeführt, in der Antike und sich selbst in der Rolle des Sokrates im Dialog mit dessen Lieblingsschüler Alkibiades.Den Berliner Theatermachern Lea Barletti und Werner Waas gelingt es Achternbuschs sehr komplexen und sprunghaften Text „Arkadia“  als existentielle Parabel a la Becketts „Warten auf Godot“, gleichzeitig als  parodistische Synthese bayerischen Sprachkolorits und griechischen Mythos zu inszenieren.

Kammerspiele Landshut – Herrndorfs „Bilder deiner großen Liebe“

Bilder deiner großen Liebe

©Marco Bresdola
Sie atmet tief ins Mikrophon, schwer, leidend, als würde der Herzschlag jeden Moment stillstehen. Der Atem, seine Weiterführung als atmosphärisches Hintergrundgeräusch wird zum pulsierenden Leitfaden der Inszenierung vonWolfgang Herrndorfs Romanfragment „Bilder deiner Liebe“ zeigt eine kurze Lebenssequenz eines pubertierenden Mädchens. Doch in diesen wenigen Tagen leuchten die grundsätzlichen Lebensfragen von Zeit, Liebe, Verstehen auf.

Berlin – Schaubühne – Uraufführung von Marius von Mayenburgs „Stück Plastik“

Theaterkritik "Stück Plastik" präsentiert von schabel-kultur-blog.de

© Arno Declair/Schaubühne Berlin
Wenn die Putzfrau das Herzstück der Familie wird, an der sich alle wärmen, dann ist die Familie schon sehr in Schräglage. Michael, Arzt, und Ulrike, Assistentin eines Performancekünstlers und auch der Künstler selbst fühlen sich auf allen Gebieten überfordert. Sie fühlen sich depressiv, besser burnout, das hört sich cooler an, sind immer mit sich selbst beschäftigt und der 12-jährige pubertierende Sohn bleibt sich selbst überlassen.
Daraus macht Marius von Mayenburg ein schrilles Stück über den Stellenwert von Menschen und weitet es auf die globale Sicht von Arm und Reich.

Landestheater Niederbayern – Musical „Avenue Q“

Musicalkritik "Avenue Q" präsentiert von schabel-kultur-blog.de

©Peter Litvai
Ein Musical mit Muppets? Dass das durchaus funktionieren kann, beweist das Landestheater Niederbayern. Seit 2003 findet in den USA die „Avenue Q“, nach Jeff Whittys Buch und der Musik von Robert Lopez und Jeff Marx ihr Publikum.

Die „Avenue Q“ zwischen Müllsäcken und ruinöser Bausubstanz mit aufklappbarer Fassade und vogelperspektivischer Sicht auf Interieurs wie eine Bilderbuchseite  ist Treffpunkt der Loser, die ihren Frust in amerikanischer Manier verbal auskotzen. In einem Mix von Arbeitslosigkeit, Armut und Obdachlosigkeit, Rassismus, Homosexualität und Porno suchen sie nach ihrer Selbstbestimmung und machen dabei ihre Bauchlandungen, auch wenn die Botschaften permanent von den Internetvideos der Werbeflächen flimmern (Video: Florian Rödl). Grotesk, schrill entpuppt, sehr derb formuliert und parodiert präsentiert „Avenue Q“  amerikanische Comedy mit dem oberlehrerhaften Charme einer Kindersendung, wegen Sprache und Inhalt allerdings eher für Erwachsene, worauf im angloamerikanischen Raum mit dem „Parental Advisory Sticker“ extra hingewiesen wird.   

Straubing – Musical „Doktor Schiwago“

Musicalkritik "Doktor Schiwago" präsentiert von schabel-kultur-blog.de

© CMC Straubing
Nach der Deutschlandpremiere des „Doktor Schiwago“-Musical  2018 in der Neuen Oper Leipzig sorgt jetzt  Straubinger Crazy Musical Company e.V.  für Herzschmerz und Begeisterung. Wie bereits in der Regensburger Uraufführung der Opernversion rückt  im Gegensatz zu der berühmten David-Lean-Verfilmung mit Omar Sharif (1965), die Musicalversion (Buch Michael Weller)  unter der Regie von Andreas Wiedermann die politische Zeitenwende in den Vordergrund. 

Landestheater Niederbayern – „Sechs Tanzstunden in sechs Wochen“

Theaterkritik "Sechs Tanzstunden in sechs Wochen" präsentiert schabel-kultur-blog.de

©Peter Litvai
„Die verknöcherte alte Schachtel“ und der junge Tanzlehrer passen so gar nicht zusammen. Hübsch ist er, aber aggressiv und verletzend im Ton. Sie kontert elegant ironisch. „Schwamm drüber“, schließlich will sie nicht mehr so alleine sein. Er braucht das Geld. Dass sie schon tanzen kann, merkt er nach den ersten paar Bewegungen. Sich gegenseitig kennenzulernen dauert etwas länger und genau darum geht es.