Hilkje Hänel „Wer hat Angst vorm Feminismus – Warum Frauen, die nichts fordern, nichts bekommen“

Hilkje Hänel „Wer hat Angst vorm Feminismus" präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

Gerade die Bewegung #MeToo zeigt, dass sexistisches Verhalten im Alltag überall zu finden ist. Männer und Frauen fügen sich in angedachte Rollen, die ihnen von einer sexsistischen Sozialisation aufoktroyiert wurden. Durch die Humangeschichte entstanden ritualisierte Praktiken, Stereotypen und Normen einer binären Geschlechterordnung mit ihren geschlechterrelevanten Regeln auf der Basis der Heterosexualität, in der die Männer immer noch das Sagen haben und ihren Anspruch auf Sex formulieren, der nach dem  Rollenmuster unterwürdige Frau und dominanter Mann funktioniert. In diesem System geben die Frauen, die Männer nehmen. Je mehr Macht sie haben, desto größer ist ihr Einfluss. Durch ihre Bewertungsstrukturen werden Frauen nicht nur wahrgenommen, sondern per se definiert. Frauen haben schön, fürsorglich, nachgiebig etc. zu sein. Entsprechen sie diesen Rastern nicht, wird ihnen die Weiblichkeit aberkannt. Frauen wollen erobert, gejagt, übermannt werden. Das passt in das Schema der Männer, die dabei keinerlei Schuldbewusstsein empfinden.
Wie stark Feminismus und Sexismus verflochten sind, dem spürt Philosophin Hilkje Hänel in ihrem Buch nach „Wer hat Angst vorm Feminismus – Warum Frauen, die nichts fordern, nichts bekommen“, eine spannende, perspektiverweiternde Lektüre. Feminismus wird hier zur natürlichen Weiterentwicklung gleicher Rechte für alle Menschen unabhängig von der sexuellen Ausrichtung…

Martin Walser „Sprachlaub oder Wahr ist, was schön ist“

Martin Walser "Sprachlaub" präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

Durch die inneren Konflikte der Antihelden in seinen Romanen wurde Martin Walser sehr bekannt. 1927 in Wasserburg am Bodensee geboren gehört er zu den deutschen Schriftstellern, deren Bücher neugierig erwartet und regelmäßig ausführlich, zuweilen recht kontrovers besprochen wurden. In seinem neuen Buch, ein schmaler Band mit Aquarellen seiner Tochter Alissa, beleuchtet Martin Walser noch stärker als in seinen letzten Romanen seine eigenen inneren Konflikte. Reduziert ist seine Sprache, statt Epik prosaische Lyrik. In drei- und mehrteiligen Sequenzen findet er schlichte Metaphern für das Abschiednehmen vom Leben. Es sind nicht mehr die Jahre der Ernte. Die Elegie des Abschiednehmens erlaubt nur noch „Sprachlaub“….

Barrie Kosky „On Ecstasy“

Barrie Koskys Buch "On Ecstasy" präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

Nach der Premiere präsentiert Barrie Kosky regelmäßig euphorisch, sehr liebenswürdig, ehrlich und authentisch sein Team. Als langjähriger Intendant der Komischen Oper Berlin hat er das positive Image dieses Hauses geweitet, als nachgefragter Regisseur auf den großen Bühnen des deutsch-österreichischen Sprachraums gelingt ihm eine innovative Inszenierung nach der anderen. Wie es dazu kam, dass er, ein gebürtiger Australier, so theaterbegeistert wurde, enthüllte er in dem autobiografischen Büchlein „On Ecstasy“ (2007), das jetzt aus dem Englischen übersetzt, in Deutsch erschienen ist, ergänzt durch ein Interview mit seinem Chefdramaturgen Ulrich Lenz. Ekstase als überraschende Überwältigung beim erstmaligen Erleben ist Barrie Koskys Urerlebnis, auf dem seine innovative Kreativität beruht…

Rebecca Solnit – „Unziemliches Verhalten – Wie ich Feministin wurde“

„Der Tod einer schönen Frau ist fraglos das poetischste Motiv, das es gibt.“ Mit diesem Zitat von Edgar Allen Poe charakterisiert die US-amerikanische Autorin Rebecca Solnit das Frauenbild quer durch die Welt der Literatur und  Medien. In ihrem neuen autobiografischen Roman resümiert sie, „Wie ich Feministin wurde“, so der Untertitel und positioniert sich mit „Unziemliches Verhalten“ auf Augenhöhe von Joan Didion und Susan Sontag.
Schon als Kind erlebte sie in der Familie und im sozialen Umfeld die Gewalt an Frauen. Ihre Mutter war Opfer, der Vater der Täter wie in der Generation davor. Das Sozialisationsmuster für Mädchen war sich kleinzumachen und wegzuducken. Um dieses Grundmotiv baut Rebecca Solnit ihre autobiografischen Retrospektiven in ihrem neuen Roman „Unziemliches Verhalten“. 
Ihre persönliche Geschichte wird zum Spiegelbild der sich emanzipierenden Frau, die durchschaut „Es liegt nicht an dir, sondern am Patriarchat“, ihrem berühmtesten Satz aus ihrem Essay „Wenn Männer mir die Welt erklären“.
Auf der Suche nach vergessenen Verhaltensmustern, bevor die Welt in Brüche ging, findet Rebecca Solnit neue, die anderen Frauen helfen, nicht nur Systeme mit anderen Augen zu sehen, sondern auch neue Verhaltensweisen zu verinnerlichen… 

Heribert Prantl „Not und Gebot – Grundrechte in Quarantäne

Buchkritik Heribert Prantl "Not und Gebot" präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

„Nicht die Freiheit soll sich rechtfertigen, sondern ihre Beschränkung.“ Von diesem Denkansatz konzeptioniert Heribert Prantl sein neues Buch.

Im Kampf gegen die Pandemie werden Maßnahmen ergriffen, die sonst nur in Kriegszeiten erfolgen. Die Freiheit der Menschen wird beispiellos eingeschränkt. „Nicht nur Menschen, auch Grundrechte sind in Quarantäne“ resümiert Prantl. Er greift die Befürchtungen der Corona-Kritiker auf, emotionalisiert durch Einzelschicksale und schreibt ein flammendes Plädoyer für ein selbstbestimmtes Leben unter Einhaltung der Hygienevorschriften.

Prantl beschäftigte von Beginn der Pandemie an die Verhältnismäßigkeit der eingesetzten Maßnahmen. In der Sehnsucht nach einem schützenden Staat werden die Grundrechte unterhöhlt, woraus sich ein Nährboden für Totalitarismus ergibt. Die Würde des Menschen ist aber auch in Pandemiezeiten unantastbar. Die Demokratie darf keine Virolokratie werden…

Carolin Emcke „Ja heißt ja und…“

Buchrezenison "Ja heißt ja...und" präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

„Lass dich nicht mitschnacken“, sagten früher die Mütter in Carolin Emckes plattdeutschem Umfeld zu ihren Kindern, ohne irgendwelche Erklärungen. Mit derart verschleiernden Formulierungen machte man möglich, was verhindert werden sollte, sexuelle Übergriffe, rassistisches Verhalten, Gewalt gegenüber sozial Unterprivilegierten. 
Die Wechselwirkung von Sexualität, Gewalt und  Demokratie ist das große Thema Carolin Emckes. Ihre Bücher wurden in 15 Sprachen übersetzt und mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet.
Auch ihr 105-seitiger Monolog „Ja heißt ja und…“ kreist um geduldete, oft verharmloste Gewalt und formuliert bereits im Titel eine entschlossene Stellungnahme zu einer neuen Wahrnehmung, mit der der schweigenden Zustimmung Einhalt geboten werden soll. Die Betroffenen haben oft nicht den Mut sich zu erheben. Umso mehr ist es Aufgabe der Gesellschaft ein Klima zu schaffen, das erlaubt latente Gewalt zu formulieren. 
Als Individuum nicht als Stellvertreter einer Gruppierung sollte jeder Mensch wahrgenommen und respektiert werden…

Margarete Stokowski „Untenrum frei“

Buchrezension Margarete Stokowski "Unterum frei" präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

Wie frei sind wir tatsächlich? Um diese Frage kreist Margarete Stokowskis Debütroman „Untenrum frei“. Am Umgang mit Sexualität und den damit verbundenen Rollenklischees zeigt sie, wie Frauen immer noch von Männern dominiert werden, dass der Feminismus einiges, aber längst noch nicht alles erreicht hat, sexuelle Freiheit nur funktioniert, wenn der gesellschaftliche Oberbau stimmt.  
Margarete Stokowski kreiert kein neues Label, reiht sich bewusst in die Tradition der Feministinnen ein, die die weibliche Befreiung vorangetrieben haben, allen voran Simone de Beauvoir, „Man wird nicht als Frau geboren. Man wird es.“ Berufsbedingt als Kolumnistin von „Spiegel online“ schreibt Margarete Stokowski locker lässig, recherchiert vielseitig, argumentiert fundiert und bringt in der Ich-Perspektive viele autobiografische Erfahrungen stellvertretend für ihre Generation ein. „Untenrum frei“, inzwischen Standardwerk des modernen Feminismus, ermöglicht LeserInnen generationenübergreifend einen hohen Identifikationsgrad…

Alexander Kekulé – „Der Corona-Kompass. Wie wir mit der Pandemie leben und was wir daraus lernen können“

Alexander Kekulé - „Der Corona-Kompass. Wie wir mit der Pandemie leben und was wir daraus machen“ präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

Alexander Kekulé blickt in seinem Buch „Der Corona-Kompass“ auf das Jahr 2020 zurück. Als einer der renommiertesten Virologen Deutschlands hat er eine ganz dezidierte Meinung „wie die Regierungen der westlichen Staaten nahezu jeden Fehler machen, die die Wissenschaftler im schlimmsten Fall für möglich gehalten hatten“. Trotz dieser kritischen Einstellung sieht er Chancen in der Krise und erklärt in einem Dutzend Kapitel sehr verständlich, kompakt und spannend formuliert die Zusammenhänge ergänzt durch leicht eingängige Zeichnungen und Strukturskizzen. Sein Ziel ist von der Pandemie zu lernen und dem Leser einen „Corona-Kompass“ als Orientierung durch die Krise zu geben. Je mehr die Menschen wissen, desto geringer ist die Panik…

Oliver Woog „Schmücket die Locken mit duftigen Kränzen Franz Schubert und sein Freundeskreis in den Schlössern Atzenbrugg und Aumühle“

Oliver Woog „Franz Schubert und sein Freundeskreis in den Schlössern Atzenbrugg und Aumühle: Schmücket die Locken mit duftigen Kränzen“ präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

Wie Phoenix aus der Asche wuchs Schloss Atzenbrugg in Niederösterreich zu einem liebevoll eingerichteten Museum und Veranstaltungsort, etwas später entwickelte sich Schloss Aumühle in alter Pracht. In beiden Orten wirkte Franz Schubert. Ihre Erhaltung als Denkmal ist zugleich eine Hommage an den Ausnahmekünstler, der 1821 und 1822 an diesen Orten verweilte. 200 Jahre nach Schuberts erstem Besuch in Atzenbrugg lässt Oliver Woog in einer Sonderpublikation in detaillierten Recherchen das Leben der Schubertianer durch Bilder und Zitate aufleben. 
Neu ist, sich Franz Schubert, den man durch diverse Porträts nur nachdenklich kennt, als Gast fröhlicher Landpartien vorzustellen. 1821 komponierte Schubert seine sechs Atzenbrugger Tänze. Wenige Jahre später starb er.
Die 50-seitige Publikation mit dem umständlichen Titel „Schmücket die Locken mit duftigen Kränzen Franz Schubert und sein Freundeskreis in den Schlössern Atzenbrugg und Aumühle“ will Schlösser in ihrer einstigen Bedeutung als Vergnügungsorte aufleben lassen, vor allem die Menschen, die dort wirkten, in Erinnerung rufen…

Cornelia Künne und Daniel Kampa (Hg) „Leonard Cohen So long. Ein Leben in Gesprächen“

Buchrezension "Leonard Cohen So long. Ein Leben in Gesprächen präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

„Suzanne“, „Hallelujah“, „So long, Marianne“, wer die Songs von Leonard Cohen im Ohr hat, wird sie nie vergessen und sich jedes Mal an die Momente erinnern, in denen seine Songs die eigenen Lebensabschnitte begleiteten. 
Weltweit berühmt, von keinem geringeren als Bob Dylan hoch gelobt, war und ist Leonard Cohen alles andere als ein Star für die Massen. Seine weltweite Fangemeinde blieb klein. 
„So long. Ein Leben in Gesprächen“ erinnert durch fünf Interviews im Zeitraum von 1988 bis 2009 an den Künstler Leonard Cohen, der vor vier Jahren starb. Aus einem Puzzle von Fragen und Antworten kristallisieren sich Leben und Schaffensprozess des Künstlers heraus. Den unterschiedlichen Gesprächspartnern, den Fragen immer auf die bedeutendsten Songs orientiert ist es geschuldet, dass sich in den Antworten Wiederholungen ergeben, wodurch sich andererseits das Wesentliche von Leonard Cohens künstlerischem Ringen besonders herauskristallisiert. Die Quintessenz des Buches lässt sich allerdings recht knapp zusammenfassen. Das Schreiben war für Leonard Cohen immer ein „sehr mühsamer Prozess“. Seine Botschaft ist die Kraft der Liebe. Als Poet der Sehnsucht bleibt er unvergesslich …

Lisa Eckhart „Omama“

Buchrezension von Lisa Erhardt "Omama" präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

Wortgewaltig, grotesk bis zum Anschlag von einer Sprachpointe zur anderen überrascht Lisa Eckharts Romandebüt „Omama“ in jeder Beziehung. Schon der liebenswürdige Titel täuscht. Diese Omama wird zum Ungetüm, und damit sie sich so auftürmen kann, beginnt Lisa Eckharts erzählerisches Ich, eine Mischung zwischen Autobiografie und überquellender Realsatire als Horrorbild zweier Omamas, die sich an ihr, der Enkelin, abarbeiten.
Wer den abartigen Prolog übersteht, taucht abrupt ein in eine überaus naturalistisch sprachvoluminöse Rückblende, wie aus einem Dorfmädchen im steiermärkischen Sankt Peter-Freienstein eine herrisch dominante Omama wird…

„Nachhaltige Verantwortlichkeit“ – Bücherliste für den BuchAward der ITB 2021

Im Rahmen der Internationalen Tourismusmesse Berlin erfolgt auch dieses Jahr, wenn auch nur online, die Prämierung des BuchAwards „NOW“. Im Vorfeld hat die ITB-Beauftragte für Corporate Social Responsibility, Frau Rika Jean-François, eine umfangreiche Bücherliste über „nachhaltige Verantwortlichkeit“ zusammengestellt, darunter Bücher von Entwicklungsminister Gerd Müller, des Dalai Lama und von Greta Thunberg…

Haruki Murakami „Erste Person Singular“

Buchrezension Murakami "Erste Person Singular" präsentiert www.schabel-kultur-blog.de

Wer einmal Haruki Murakamis Welt für sich entdeckt hat, wartet sehnsüchtig auf seine Neuerscheinungen. Nach seinem 1000-seitigen Meisterwerk „Die Chroniken des Aufziehvogels“ im vergangenen Jahr, erschien jetzt ein vergleichsweise einfacher Erzählband, bedingt durch die Kürze der neun Geschichten, die die „Erste Person Singular“, das erzählerische Ich, sprich Murakami aus Alltagssituationen entwickelt. Viele autobiografische Details lässt er einfließen, seine Vorliebe für Musik, Basketball, seine Begegnungen mit Frauen. Nach dem Prinzip der Steigerung, werden die Geschichten immer rätselhafter…