Rüdiger von Fritsch „Zeitenwende. Putins Krieg und die Folgen“ 

Buchrezension Rüdiger von Fritsch "Zeitenwende. Putins Krieg und die Folgen" präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

Warum ist es zu dem Angriffskrieg in der Ukraine gekommen? Um diese Frage kreist Rüdiger von Fritsch in seinem neuen Buch. „Zeitenwende. Putins Krieg und die Folgen.“ Als deutscher Botschafter in Moskau von 2014 bis 2019 hat er eine klare, umfassende Sicht auf die Verhältnisse in Moskau. Prägnant gibt er in seinem neuen Buch aus der Perspektive des Westens und eines aktiv an der NATO-Osterweiterung Beteiligten einen interessanten Einblick in Putins Handeln und die Zeitenwende, die für die Ukraine schon 2014 mir der russischen Annexion der Krim und dem von Moskau entfachten Krieg im Donbas begann. Ein kritischer Blick auf die US-amerikanischen Strategien bleibt dabei völlig ausgespart…

Paul Mason „Faschismus – Und wie man ihn stoppt“ 

Buchrezension Paul Mason "Faschismus" präsentiert von ww

„Die Faschisten sind zurück – aber warum“,  konstatiert  Paul Mason in der Einleitung seines Buches. Was in den 1960er Jahren offiziell nicht mehr als existent erklärt wurde, ist wieder da, ständig angefeuert von den Möglichkeiten der Digitalisierung. Mit seinem neuen Buch „Faschismus – Und wie man ihn stoppt“ will Paul Mason, Autor des Bestsellers „Postkapitalismus“, die Ursachen erklären und bringt sie auf eine immer wiederholte Formel „Faschismus ist Furcht vor der Freiheit, geweckt durch eine Ahnung von Freiheit“…

Berlin – „Shortlist für den Internationalen Literaturpreis 2022“

Internationaler Literaturpreis 2022 präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

Zum vierzehnten Mal wird der Internationale Literaturpreis für Gegenwartsliteraturen in deutscher Erstübersetzung vom Haus der Kulturen der Welt und von der Stiftung Elementarteilchen in Berlin verliehen. Er würdigt den/die AutorIn mit 20000 Euro, den/die ÜbersetzerIn mit 15000 Euro. Bereits für die Nominierung zur Shortlist erhält jedes Team jeweils 1000 Euro. Ausgewählt wurden…

Joseph Henrich „Die seltsamsten Menschen der Welt – Wie der Westen reichlich sonderbar und besonders reich wurde“ 

Buchrezension Joseph Henrich „Die seltsamsten Menschen der Welt" präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

So ausführlich wie der Titel sind die Ausführungen Joseph Henrich in seinem Buch „Die seltsamen Menschen der Welt“. Im ersten Moment denkt man an individuelle zweibeinige Einzelexemplare, aber dem Anthropologen geht um nicht weniger als die ganze westliche weiße Zivilisation, die sich die ganze Welt unter. Die Probanden für Experimente immer aus den westlichen Industrieländern ausgewählt, weist er nach wie eingeschränkt und wenig valide die Forschungsergebnisse sind. 
Die „Westler“ wurden das Augenmaß auch in der Anthropologie. Was nicht ins Schema passte wurde sonderbar. Aber sonderbar sind sie selbst und dabei auch sonderbar reich…

Carolin Emcke „Für den Zweifel“ 

Buchrezension Carolin Emke "Für den Zweifel" präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

„Alles ist beschreibbar“ aus der Sicht Carolin Emckes. Es kommt nur darauf an, ob die Leser und Zuhörer, das, was man schreibt, wahrnehmen. In ihrem neuen Buch „Für den Zweifel“ nimmt sie in fünf Gesprächen mit Thomas Strässle dezidiert Stellung für das Schreiben gegen Gewalt, bringt viel Persönliches ein und reflektiert genau das, was jeden nachdenklichen Menschen in unserer Zeit umtreibt…

Kae Tempest „Verbundensein“

Buchkritik von Kae Tempest "Verbundensein" präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

Wie erkennt man seinen Selbstwert in der Welt, die vor allem auf Gewinn aus ist? Im Sinne einer kreativen Verbundenheit ist Kae Tempests Antwort. Kreativ ist für die bekannte Autorin, Lyrikerin und Rapperin, die sich binär fühlt, alles, was überrascht, erstaunt, nicht nur in der Kunst, sondern genauso im täglichen Tun. Die Verbundenheit ergibt sich aus der Verortung mit anderen Menschen, wo man gerade steht, egal welche Verhältnisse gerade herrschen. In dem 138-seitigen Essay „Verbundensein“, strukturiert nach den sechs symbolisch ausgeleuchteten Situationen eines Konzerts, spürt Kae Tempest statt propagierter Selbstoptimierung den Situationen kreativer Verbundenheit nach und trifft damit genau in die Mitte eines erfüllten Lebens. Ohne vertiefende Sinnfrage bleibt das Leben eine Folge von Pflichten orientiert am Mainstream aufoktroyierter üblicher Statussymbole…

Sébastien Jondeau „Ça va, cher Karl? Erinnerungen an Karl Lagerfeld“

Buchrezension Sébastien Jondeaus "Ça va, cher Karl?" präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

1999 freut sich der Möbeltransporteur Sébastien Jondeau über das überaus großzügige Trinkgeld Karl Lagerfelds. Wenig später wagt der Jugendliche aus der Pariser Banlieue um einen Job anzufragen. Sein Traum erfüllt Als Chauffeur, Organisator, Bodyguard lernt Sébastien Jondeau die Welt des Glamours und Luxus kennen. 1919 stirbt Karl Lagerfeld an Krebs. Sébastien Jondeau war der letzte, der ihm die Hand gegeben hat. 20 Jahre „Ziemlich beste Freunde“ wurden jäh beendet. Die Fotografien in der Hand erinnert sich Sébastian Jondeau an diese Ausnahmejahre mit Karl Lagerfeld, einer Zeit, in der sich in ganz anderen Welten zu leben begann, ohne seine alten zu vergessen. Der tägliche Guten-Morgen-Gruß „Ça va, cher Karl?“ wurde Sébastien Jondeau zum Symbol einer lebenslangen, sehr tief verankerten Freundschaft …

Peter Handkes „Zwiegespräch“

Buchrezension Handke "Zwiegespräch" präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

Von Juni 2021 bis Januar 2022 kreist Peter Handke in wechselnden Perspektiven um ein Zwiegespräch zweier „besonderer Narren“. Der eine erinnert sich an seinen Theaterbesuch, weniger an das Stück als an das Rundherum des Spielorts eines Kindertheaterhauses, der andere an seinen Großvater, einen Spieler. 
In diesem rhetorischen Spiel wird der Großvater zum provokanten Akteur und gleichzeitig zur Marionette, der andere zum Traumhausjäger quer durch das Land… 

Falko Liecke „Brennpunkt Deutschland – Armut, Gewalt, Verwahrlosung – Neukölln ist erst der Anfang“ 

Buchrezension "Brennpunkt Deutschland" präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

Den Berliner Bezirk Neukölln kennt Falko Liecke wie seine Westentasche. Seit 2009 arbeitet er in diversen Funktionen in diesem sozialen Brennpunkt, als Mikrokosmos mit 330000 Menschen ein komplexes, extrem schwieriges System. Neukölln ist in seiner Widersprüchlichkeit und Vielfalt, seinen sozialen, kulturellen und politischen Spannungen ein Spiegel unseres Landes. „Neukölln ist erst der Anfang“ bezüglich „Armut, Gewalt, Verwahrlosung“. Die Untertitel lesen sich als bedrohliche Prophezeiung für Berlin als „Brennpunkt Deutschland“. 
Was wird aus Neukölln? Diese Frage treibt Liecke um. Er winkt nicht entnervt ab, sondern ist süchtig nach Erfolgen, auch wenn sie nur in ganz kleinen Schritten erfolgen. Wie ein Krimi liest sich sein Buch. Er nimmt kein Blatt vor den Mund, schreibt Klartext, lässt mitunter emotional Dampf ab, wobei er sich immer wieder selbstbewusst als mutigen Kämpfer für die gute Sache stilisiert. Was man ihm nicht verübeln kann, denn viel zu lange wurden die Probleme in Neukölln ignoriert oder beschwichtigt…

Ulrich Greiner – „Dienstboten – Von den Butlern bis zu den Engeln“ 

Buchrezension von "Dienstboten" präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

Diener sind Ausdruck der gesellschaftlichen Verhältnisse. Am Hofe Ludwig XIV. arbeiteten 4000 Dienstboten. Im Viktorianischen Zeitalter gab es in England mehr Dienstboten als Industriearbeiter. Bis zum Ersten Weltkrieg musste, wer angesehen sein wollte, einen Diener haben, auch wenn er ihn gar nicht beschäftigen konnte. Danach verschob sich vieles. Wie hat sich das Berufsbild des Dieners verändert? 

Ulrich Greiner, versierter Feuilletonredakteur, recherchierte sorgfältig über Diener und Herren. In seinem Essayband „Dienstboten – Von den Butlern bis zu den Engeln“ kreist er in 15 Kapiteln um das Thema und eröffnet interessante und amüsante Aspekte, von der Hängeschlafkoje in der Küche bis zum Butler für Herzensangelegenheiten…

Samira El Ouassil, Friedemann Karig „Erzählende Affen. Mythen, Lügen, Utopien – wie Geschichten unser Leben bestimmen“ 

Buchrezension "Erzählende Affen" präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

Von Kindesbeinen bis ins hohe Alter begleiten die Menschen in allen Kulturen Geschichten. Sie erklären uns die Welt, unsere Existenz, bestimmen unser Denken und Handeln. Samira Ouassil und Friedemann Karig, beide publizieren online und in Printmedien, zeigen in ihrem ersten gemeinsamen Buch das Spektrum der „Erzählenden Affen“, sprich Menschen, deren Geschichten sich nach immer gleichen Mustern zusammensetzen. Sie beweisen, dass unsere Heldengeschichten entlang der Gewalt die Maßlosigkeit der Mächtigen darstellen. Damit sich die Welt ändert, brauchen wir neue Geschichten. Wer „Erzählende Affen“ liest, wird diesen Transformationsprozess beim Denken erleben und heutigen Narrativen wesentlich kritischer gegenüberstehen…

Hans Kollhoff  „Architekten. Ein Metier baut ab“

Endlich einmal ein Buch, das die Misere der modernen Architektur sehr gut darstellt. Hans Kollhoff benennt den Etikettenschwindel klar, argumentiert überzeugend und entlarvt die gegenwärtig forcierte Bauweise als reine Nachhaltigkeit der Profitmaximierung ohne jegliche bauliche Nachhaltigkeit. Was jetzt gebaut wird, ist in 20 Jahren wieder abrissreif. Statt Lebensqualität zu schaffen bietet moderne Architektur nichts weiter als rüden Funktionalismus. „Ein Metier baut ab“…

Michel Houellebecq  „Vernichten“

Buchkritik Houellebecqs "Vernichten" präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

Ein Hinrichtungsvideo des Wirtschaftsministers Bruno Juge sorgt für Irritationen, zumal es keine Animation zu sein scheint, sondern eine Tötung durch die Guillotine live. Doch was wie ein Thriller beginnt, endet in Michel Houellebecqs neuem Roman „Vernichten“ als  Auseinandersetzung mit dem Alter und – reichlich klischeehaft – als rosarote Ode an die Liebe. Michel Houellebecq kratzt an Klischees, formuliert wie immer die Schwächen der französischen Gesellschaft und Politik und erklärt, das ist neu,  Sex als Ausdruck zutiefst empfundener Liebe. Aufgepeppt mit Alpträumen, die das real Erlebte bizarr abwandeln, und einer Mixtur unterschiedlichster Philosophiesplitter kommt „Vernichten“ über eine belanglose Unterhaltungslektüre nicht hinaus, obwohl die Grundkonstellation durchaus interessant ist…

Hans Blossey „Mallorca von oben. Die schönsten Luftbilder der Insel“

Buchkritik "Mallorca von oben" präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

Mallorca ist eines der wichtigsten Reiseziele der Deutschen. Als Ballermann-Partyzone und Rentnerüberwinterungsinsel hat Mallorca ein zwiespältiges Image. Man assoziiert Massentourismus von der negativsten Art. Doch die Massen kamen nicht von ungefähr. Wie schön die Insel ist, zeigen die Schräg- und Senkrechtaufnahmen Hans Blosseys. Nicht aus dem Cockpit des eigenen Fliegers, sondern vom Rücksitz einer gecharterten Piper PA-18 fotografierte er „Mallorca von oben – Die schönsten Luftbilder der Insel“. Er entdeckt die landschaftlichen Schönheiten abseits des Fremdenverkehrs, kulturelle Kleinode wie die Klosterberge Randa und Petra. In Zeiten der Pandemie lässt er selbst normalerweise stark frequentierte Strände und Innenstädte als Orte der Ruhe und Entspannung erleben…

Siegfried Kohlhammer „Piraten. Vom Seeräuber zum Sozialrevolutionär“

Buchrezension von Kohlhammer "Piraten" präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

Schon kleine Kinder zeigen im Fasching ihre Liebe zu Piraten. Als Robin Hood der Armen, Symbol eines freien Lebens sind Piraten in der Literatur und in Filmen immer noch sympathisch gezeichnet, wie die Erfolge der Störtebeker-Festspiele und der „Fluch der Karibik“ beweisen.
Siegfried Kohlhammer räumt mit dem edlen Mythos der Piraten auf. Piraterie war von Anfang an nichts anderes als gutorganisiertes Verbrechen. Seeräuber fingen nicht Fische, sondern Menschen und verbreiteten Schrecken auf dem Meer und an der Küste. Anhand von Quellen beweist Siegfried Kohlhammer, sachlich, aber trotzdem sehr spannend geschrieben, dass die These von der Entwicklung vom Seeräuber zum Sozialrevolutionär eine Romantisierung ist, die so nicht stimmt…