München – „Kamerablick“ Fotografien von Gunter Sachs im Künstlerhaus

Lieber Geld als Liebe Mit Molières Komödie „Der Geizige“ zeigt das Kulturmobil dieses Jahr einen witzig aufgepeppten Klassiker Vorbildlich hält das Schauspielteam unter der Regie von Florian von Hoermann die Hygieneregeln ein. Mit Visier wird gespielt und der Clou ist, es stört überhaupt nicht, ein Requisite die bestens in Florian von Hoermann Regiekonzept passt. Er peppt Moliéres inzwischen schon recht altbackene Komödie als überzogene Commedia dell´Arte originell auf, hält die Figuren mit einer lustigen Distanzstange auf Abstand, die zuweilen kernige Hau-den-Lukas-Funktion übernimmt, lässt die Schauspieler entweder auf einem alten thronartigen Sessel oder auf einen silberglänzenden Cat-Walk posieren, der die Bühne teilt und erzielt damit trotz Coruna-Regeln ein quirliges Durcheinander (Bühne: Günther Brendel). Das Team spielt sich schnell in die Herzen der Zuschauer, agiert clownesk geschminkt (Maske Sabine Tanriyiöver), in witzigen knallbunten Kostümen (Theresia Breiteneicher), eine Mischung aus historischen Zitaten und modischen Label- und Klischeeironismen, als Crew fröhlich typisierter Stehaufmännchen, die in den gespiegelten Flächen oder im Fenster, das immer wieder als Bilderrahmen fungiert, als Shot-up bestens zur Wirkung kommen. Peter Papakostidis verwandelt die Titelfigur des Geizigen in einen lüsternen Tattergreis, der nur in Geldscheinen denkt, geplagt von der Sorge, wie er sein Vermögen sichern und vermehren kann. Seine beiden erwachsenen Kinder dagegen sind ganz auf die Liebe fixiert, nicht minder stur als der Vater. Elisabeth Küchle überrascht im rosa Tutu durch charmante Grandezza im XXL-Format, Artur Hieb als Bonvivant. Beide knicksen pliémäßig um die Wette, signalisieren Gehorsam und tun doch, was sie wollen, Unterstützt von den beiden Dienern, Johannes Schön und Robert Erby gelingt die Revolte mit so manchen unerwarteten Gag. Carmen Jahrestorfer setzt als intrigante Heiratsvermittlerin, Kommissarin und Anselmo erotisch parodistische Akzente. Das typisierte Spiel unterstreicht der ebenso extrem rustikale Musikmix (Neil Vaggers) gegen Ende immer öfter mit dissonanten Absturz adäquat zur szenischen Schieflage. Das Desaster für den Geizigen könnte nicht größer sein. Sein Vermögen scheint sich symbolisch in weiße Luftballons zu verwandeln. Oder doch nicht? In lauer Sommeratmosphäre bringt das Kulturmobil auf jeden Fall mit Moliéres „Der Geizige“ Theaterflair vor Ort zurück, eine wunderbare Abwechslung zur digitalen Reduzierung der letzten Monate. Im Vorfeld verzaubern die „Märchen vom Theater Maskara“ mit drei Ein-Mann-Stücken Jung und Alt. Der Tourneeplan ist unter www.kulturmobil.de einzusehen. Michaela Schabel

Als einer der bekanntesten und charmantesten Playboys befeuerte Gunter Sachs (1932 – 2011) durch seinen Lebensstil die Klatschkolumnen. Immer umgeben vom Schönsten und den Schönsten war er als  Ästhet und Perfektionist auch ganz nah an der Kunst. Schon 1974 publizierte er seinen ersten Fotoband „Mädchen in meinen Augen“. Sein finanzieller Hintergrund gab ihm die Möglichkeit sich die teuersten Ausstattungen leisten zu können  und damit zu experimentieren. Schon in den 80er Jahren bearbeitete er viele Bilder digital. Dennoch blieb sein künstlerisches Schaffen im Schatten seines Society-Lebens. Jetzt zeigt das Münchner Künstlerhaus über 90 Fotografien von Gunter Sachs und dazu im Rahmenprogramm seine Filme…

Landshut – Kunstwochenende Anfang September

Kunstwochenende in Landshut präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

Viele Menschen machen dieses Jahr zu Hause Urlaub, würden sich gerne etwas anschauen, aber das kulturelle Angebot dünnt im August aus.  Die privaten Landshuter Galerien sorgten zwar nach dem Lockdown schnell wieder für Ausstellungen, haben aber  im August wie jedes Jahr geschlossen. Röcklturm und Rathausgalerien blieben nach der Pandemie, von der Verlängerung der „Ursula-Erb“-Ausstellung abgesehen, gleich geschlossen, nachdem wegen der Pandemie vier Ausstellungen im Röcklturm und vier Ausstellungen im Rathaus abgesagt werden mussten. 
Erst Anfang September bekommen Kunstfreunde vor Ort mit der traditionellen Kunstnacht wieder neue Ausstellungen zu sehen…

München – Gärtnerplatz wird zur Bühne für innovative, urbane Kultur

Atelier Frauenberg vor Münchner Gärtnerplatztheater präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

Das Gärtnerplatztheater lanciert in Zusammenarbeit mit den Fraunberg Ateliers vom Kulturzentrum Thalkirchen eine Bühne für innovative, urbane Kultur. Die Open-Air Galerie ist während der Theaterferien vom 24. Juli bis 6. September kostenfrei vor dem Haupteingang des Theaters zu sehen. Verarbeitet werden die Themen »Freiheit braucht Respekt« und »Autonomie verlangt Verantwortung«, zwei besonders wichtige und starke Positionen der Demokratie…

München – Ausstellung „Raffael 1520-2020“ in der Alten Pinakothek

Öl auf Holz, 131 x 107 cm

In Raffaels 500. Todesjahr gibt es etliche große Ausstellungen, die seinen Ruhm, die Geschichte dahinter aufleuchten lassen. Mit seiner Bildsprache prägte der junge Maler, der nur 37 Jahre alt wurde, Jahrhunderte lang die westliche Malerei. Ludwig I. von Bayern und sein Galeriedirektor Johann Georg von Dillis verehrten ihn als „König von der Mahlerei“ und setzten 1826 den Grundstein für die Alte Pinakothek an Raffaels Geburtstag. Jetzt wird dort in einer sehr konzentrierten Ausstellung mit Werken aus der eigenen Sammlung  Raffaels Bedeutung hervorgehoben …

Frankfurt –  „Zurück in die Gegenwart – Neue Perspektiven, neue Werke, die Sammlung von 1945 bis heute“,  eine Neupräsentation der Sammlung im Städel Museum 

"Zurück in die Gegenwart" Ausstellung im Städel-Museum präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

Seit seiner Gründung vor mehr als 200 Jahren erweitert das Städel Museum die eigene Sammlung kontinuierlich, sei es durch die Kunst der Nazarener zu Beginn des 19. Jahrhunderts oder später durch Werke des Impressionismus und Expressionismus. 

Mit der Gründung der Städtischen Galerie im Städel durch die Stadt Frankfurt erhielt die Kunst der Gegenwart einen festen Platz im Museum. Mit den Erwerbungen zwischen 1974 und 1994 wurde der Grundstein der heutigen und im Umfang deutlich vergrößerten Sammlung der Kunst nach 1945 gelegt.

Im Jahr 2012 konnte die Sammlung Gegenwartskunst in den Gartenhallen erstmals umfassend präsentiert werden. Durch die kontinuierlichen Erweiterungen wurde das Profil der  Sammlung mit dem Schwerpunkt deutsche Malerei geschärft, wodurch sich wichtige Querverbindungen innerhalb der Nachkriegskunst, Neu- und Wiederentdeckungen und internationale Verbindungen ergaben und jetzt zum ersten Mal zu sehen sind…

Landshut – „Unternehmerinnen“ – Galerie Belleparais zeigt in Kooperation mit der Neuen Galerie Landshut drei Künstler-Generationen  

Ausstellung "Unternehmerinnen" der Galerie Belleparais präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

„Raum für Kunst“ hat die Galeristin Julia Lachenmann mit einer umgebauten Werkstatt in der Münchner Schellingstraße 54 geschaffen. Ihre Ausstellung „Unternehmerinnen II“ zeigt sie jetzt in Kooperation mit der Neuen Galerie in Landshut. 
Die vielfältigen Arbeiten von drei Künstlerinnen-Generationen lohnen den Besuch, geben ein breites Spektrum unterschiedlichster Techniken und Themen und werden während der Ausstellung schrittweise ergänzt bzw. ausgetauscht, so dass sich das Erscheinungsbild der Ausstellung ständig ändert…

Regensburg – „Fernweh. Von Jugendstil bis zur zeitgenössischen Fotografie“ im Kunstforum Ostdeutsche Galerie

Ausstellung "Fernweh" in Regensburg präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

So schön die Heimat sein mag, trotzdem lockt immer wieder die Ferne. Fernweh war ein wichtiger Impuls für KünstlerInnen. Das Unbekannte reizte MalerInnen quer durch die Kulturgeschichte. Sie prägten durch ihre Bilder vor Ort oder auch nur nachgestellt im Atelier die Vorstellungen der Menschen, wie es anderswo aussah. Fotografien steigerten später den Realismus.
Mit ihrer ersten Ausstellung „Fernweh. Von Jugendstil bis zur zeitgenössischen Fotografie“ im Kunstforum Ostdeutsche Galerie greift Dr. Verena Hein, die neue Leiterin der Sammlung Gemälde und Skulptur, ein populäres Thema auf, das bestens in Corona-Zeiten passt. Sich wegträumen in schöne Landschaften, sich von exotischer Atmosphäre beflügeln lassen, diese Ausstellung macht es möglich…

Bonn – „State of the Arts. Die Verschmelzung der Künste“ im Bundeskunstmuseum

Unter dem Begriff Intermedia wurde bereits in den 60er Jahren mit dem Zusammenwirken von Musik, Theater, bildender Kunst und Literatur experimentiert. Über die Happenings der Fluxus-Bewegung weitete sich Kunst zum Synergieerlebnis. Inzwischen ist Intermedia gängige Praxis in der Kunst. Die Ausstellung „State of the Arts“ präsentiert im Bonner Bundeskunstmuseum die spannenden Kunstprojekte unserer Zeit, nicht nur zum Sehen, sondern teilweise zum physischen Erleben, wobei der Zuschauer manchmal selbst Teil des Werkes wird…

Wolfsburg – „Barbara Kasten, Works“ – große Retrospektive im Kunstmuseum 

"Barbara Kasten, Works" in Braunschweig präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

Mit Licht und Schatten verwandelt Barbara Kasten mit ihrer Kamera Alltagsmaterialien in frühen Arbeiten in Schwarz-Weiß-Ästhetik, später durch meist buntfarbige Inszenierung in ganz subtile und fragile Kunstobjekte. Das Werk von Barbara Kasten stellt eine singuläre Position im internationalen Kunstbetrieb dar und nimmt in Zeiten von Photoshop und den unbegrenzt erscheinenden Möglichkeiten der digitalen Manipulation von Bildern eine Avantgarde-Position des Analogen ein. Jetzt widmet ihr das Kunstmuseum Wolfsburg erstmals in Europa eine große Retrospektive… 

Berlin – „All Shadows Belong To The Light“  Bilder und Skulpturen von Lluis Lleó in der McLaughlin Galerie 

Lluis Lleo in der Mc Laughlin Galerie Berlin präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

Zum ersten Mal stellt der Spanier Lluis Lleó in Berlin aus. Galerist Daniel McLaughlin lernte den Künstler 2004 in New York kennen und ist begeistert von seinen Bildern und Skulpturen. Jetzt will er Lluis Lleó in Deutschland bekannt machen. Der Ausstellungstitel ist Konzept. „All Shadows Belong To The Light“. Für Lluis Lleó ist die Malerei eine Reise in die Dualität von Licht und Schatten, gleichzeitig immer eine Mischung von Abstraktion und Erzählung…

Berlin – „Pop on Paper Von Warhol bis Lichtenstein“ im Kulturforum

Ausstellung "Pop on Paper" präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

Andy Warhol machte Pop Art weltberühmt. In den 1950er Jahren tauchte der Begriff „popular art“ zum ersten Mal in Großbritannien im Zusammenhang mit den Werbecollagen Eduardo Paolozzis und Richard Hamiltons auf. In den USA wandten sich Robert Rauschenberg und Jasper Johns von der vorherrschenden abstrakt expressiven Malerei ab, um ganz unterschiedliche Realitätsebenen miteinzubeziehen. 
Jetzt präsentiert das Berliner Kulturforum erstmals die Highlights seiner Pop Art-Sammlung, die zu den bedeutendsten in Europa zählt. Über den auf die Stars fokussierten, zu einengenden Titel „Pop on Paper Von Warhol bis Lichtenstein“ hinaus zeichnet die Ausstellung den Siegeszug der Pop Art von den USA bis nach Europa in zehn Kapiteln sehr übersichtlich und strukturiert  nach…

Berlin – „World Press Photo Award 2020“ im Willy-Brandt-Haus 

World Press Foto Award präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

Ein junger Mann von Handys beleuchtet, liest ein Protestgedicht vor, während Demonstranten infolge eines Stromausfalls in Khartum, Sudan, am 19. Juni 2019 Slogans für eine Zivilregierung skandieren.
„Straight Voice“ nennt Yasuyoshi Chibas dieses Foto. Es wurde von der Jury des Fotowettbewerbs 2020 zum World Press Photo of the Year gewählt… 

Berlin – „Überleben im Müll“ – Fotoausstellung im Willy-Brandt-Haus

und Hartmut Schwarzbach begleitet Kinder, die den schwimmenden Plastikmüll der globalen Wegwerf-Gesellschaft in der Bucht von Manila auf den Philippinen einsammeln.

Die Plastikkrise der Menschheit – 400 Millionen Tonnen Plastik werden ungefähr jährlich weltweit produziert. Kunststoffe sind allgegenwärtig. Dabei werden auch die Trends von heute zum Müll von Morgen. Aber es gibt Ansätze, wie die Menschheit dem Plastik-Zeitalter entkommen kann. Der Europäische Plastik-Pakt sieht bis 2025 vor, eine funktionierende Kreislaufwirtschaft in Europa zu etablieren.
Zwei Fotojournalisten holen für uns die Müllberge aus der sicheren Entfernung und zeigen uns Momente aus der Wirklichkeit vor Ort…

Landshut – Michael Sailstorfer präsentiert „Cést la vie.Sellerie“ in der Galerie Jahn

Michael Sailsdorfer in der Galerie Jahn präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

In Velden 1979 geboren, zur Zeit in Berlin lebend, ist Michael Sailstorfer inzwischen international nachgefragt. Einige seiner Arbeiten,  jetzt in Landshut zu sehen, macht umso mehr Freude, zumal die Galerie Jahn in einer sehr konzeptionellen Ausstellung humorvoll als Reimspiel „C’est la vie, Sellerie“ getitelt, durch kleine ausgewählte Kunstwerke Sailsdorfers Serie Brains in den Mittelpunkt stellt. Faszinierend ist wie er mit Witz und Poesie, sehr ästhetisch und konzeptionell aus unterschiedlichsten Materialien tiefgründige Metaphern über das Leben kreiert…