Berlin – August Bournonvilles „La Sylphide“ getanzt vom Berliner Staatsballett

Ballettkritik "La Sylphide" präsentiert von schabel-kultur-blog.de

©Yan Revazov
Neckisch, elegant, schwebend die Luftfeen der Sylphiden in Tutus , kraftvoll burlesk  die Tänzer in ihren flatternden Schottenröcken entführt  August Bournonvilles Ballett in  eine zauberhafte Märchenwelt von einst. 

Vier Jahre nach Taglionis Uraufführung choreografierte  August Bournonvilles  „La Sylphides“ (1836) für das dänische Ballett. Damit  schuf er das Urbild des klassischen Balletts mit Spitzentanz und halblangen  Tutus, einem weißen und einem bunten Akt, Vorbild für „Giselle“ und „Schwanensee“ und  einer Aufwertung der männlichen Hauptrolle durch anspruchsvolle Soli. „La Sylphide“ avancierte zu einem Vorzeigeballett und für etliche Tänzer zu einem Karrieresprungbrett. 

Regensburg – Ballett – „Gefährliche Liebschaften“ von Yuki Mori

Ballettkritik "Gefährliche Liebschaften" präsentiert von schabel-kultur-blog.de

©Bettina Stoess
Die Augen blitzen, begehren, Körper nähern sich magnetisch angezogen, Hände berühren zärtlich, Arme stoßen wehrhaft ab. Mit unglaublicher Subtilität und Leidenschaft verabschiedet sich Yuki Mori nach 19 Jahren vom zum Abschied seiner Regensburger Zeit als Chefchoreograph und künstlerischer Leiter der Branche Tanz das Publikum mit einem Tanzabend nach Laclos Briefroman „Gefährliche Liebschaften“, unterlegt mit einer wunderbaren Collage barocker Musik und modernen Adaptionen, rasant und leidenschaftlich gespielt vom Philharmonischen Orchester Regensburg unter der Leitung von Tom Woods.

Berlin – Gastspiel „Der größte Schwanensee der Welt“  getanzt vom Ballett Shanghai 

Über den "Schwanensee" des Balletts Shanghai berichtet schabel-kultur-blog.de

©Stardust Theatre BV
Als „Größter Schwanensee der Welt“  mit 100 Tänzern, allein 48 Schwäne statt der üblichen 16, assoziiert man sofort chinesische Gigantonomie, zum wirtschaftlichen Imperialismus auch noch den kulturellen, ganz nach dem Motto Chinas Nummer 1 in allen Bereichen globaler Macht- und Imagepositionen zu werden.
Doch Tschaikowskys  „Größter Schwanensee der Welt “  vom Ballett Shanghai ist tatsächlich berückend schön, voller Ausdruck getanzt  in großartigen, ganz klassisch gehaltenen Kostümen vor atmosphärisch spätromantischen, teilweise güldenen Bühnenbildern, die durch diagonale Tiefenperspektiven geheimnisvolle Wälder, ein prachtvolles Schloss, einen großen Festsaal und einen magischen See erleben lassen.

Berlin – „VIVID Grand Show“ im Friedrichstadt-Palast

"Vivid-Grand Show" in Berlin präsentiert von schabel-kultur-blog.de

©Brinkhoff/Moegenburg
Las Vegas in Berlin? Durchaus, mit der internationalen Produktion „VIVID Grand Show“ nach Text und Regie von Krista Monson aus Las Vegas,  übertrifft der Berliner Friedrichstadt-Palast alle bisher gezeigten Shows. Es ist eine Show optischer Superlative.  Phantastische Kostüme, exorbitante Hutkreationen, fantastische Akrobatik, rasante Revuetänze verdichten sich zu atemberaubenden  Bühnenperformances zwischen heroischen Kampfszenen und  lyrischen Momenten, komödiantischen Slapsticks und parodistischen Erotiksequenzen. Aufgepeppt mit einer gigantischen Lasershow über die riesige Bühne, um Seitenflügel erweitert bis mitten ins Publikum entwickelt sich eine einfache Geschichte, in der jeder Song eine neue Erlebniswelt entfaltet. 

Regensburg – Ballett – „Der Tod und das Mädchen“

Tanzkritik von "Der Tod und das Mädchen" in Regensburg präsentiert schabel-kultur-blog.de

©Jochen Klenk
Alles in Schwarz, vernebelt,  pulsierende Herzfrequenz, lauter Atmen, der Tod ist spürbar. Das Mädchen  kämpft dagegen, in blitzschnellen Bewegungen, abrupten Drehungen, verzweifelter Gestik. Lautlos fällt sie zu Boden und bäumt sich wieder. Im Spiegel ein Tänzer der ihre Bewegungen dupliziert. Der Tod nähert sich.

München – Staatsballet – Balanchines „Jewels“

Schön wie ein Edelsteincollier Perfekt getanzt Balanchines Meisterwerk „Jewels“ vom Münchner Staatsballett Die Tänzerinnen und Tänzer glitzern wie Juwelen und bringen die Musik auf höchsten technischen zum Strahlen. Alles funkelt betörend schön in Balanchines Meisterwerk „Jewels“, die Choreographie, Kostüme, Bühne, die Musik aus dem Orchestergraben unter der Leitung von Robert Reimer. Auch 51 Jahre nach der Uraufführung.verzaubert Balanchines neoklassischstes Ballett durch Schönheit und tänzerische Brillanz. Einer Anekdote nach inspirierte die Schaufensterauslage eines Juweliers in New York Balanchine zu diesem dreiteiligen Ballett. „Jewels“ erzählt keine Handlung, aber Ballettegeschichte und ist gleichzeitig eine Hommage an die Städte und deren Kulturen, in denen Balanchine lebte. Die drei Ballettsequenzen sind durch Farbstimmungen klar getrennt und dramaturgisch durch ein immer größeres Corps de ballet auf ein grandioses Finale zugespitzt. In „Emeralds“ formiert sich das Corps de Ballet in Smaragdgrün nach der spätromantischen Musik von Gabriel Faurés „Pelléas et Mélisande“ und „Shylock“ zu erhabenen Colliers und Diademen als Hommage an das elegante, sehr feminine Paris, wo Balanchine nach der russischen Revolution Fuß fasste. Grazil ständig auf Spitze in halblangen Tüllröcken mit fließenden, wogenden Armbewegungen wirken die zehn Tänzerinnen vor grüner Kulisse mit funkelnden Smaragden wie Elfen im Zauberwald voll schwebender Eleganz, intensiviert durch die beiden Solopaare. In immer höheren Hebungen entfalten die beiden Solistinnen (Prisca Zeisel, Jeanette Kakareka), verführerische Eleganz und anmutig zarte Weiblichkeit. „Rubies“ präsentiert das nervös schwungvolle und amüsierfreudige Lebensgefühl New Yorks. Geradlinig wie Werbegrafik leuchtet Rot auf schwarzen Bühnengrund. Kurz und kess signalisieren die rot funkelnden Kostüme Broadwayrevue, noch mehr der freche, sexy Tanzstil. Mit geflexten Händen und Füßen, viel Hüfte und Becken, damals zumindest gewagten Schieflagen zu Igor Strawinsky komplexem „Capriccio für Klavier und Orchester“ wirkt dieser Teil am modernsten und spritzigsten, mit Osiel Gouneo und Nancy Osbaldeston als sympathisch Revuestars und Prisca Zeisel rasante Soli. Solorolle. Mit 20 Tanzpaaren in glitzernden Weiß vor einer blau schimmernden Eishöhle beschwört Balanchine in „Diamonds“ den Prunk zaristischen Balletts seiner Heimatstadt Sankt Peterburg noch einmal herauf, durch den traditionellen Stil mit vielen Ports de bras, komplexer Beinarbeit, pittoresken Posen eine Reverenz an Ballettmeister Marius Pepita. Nach einem Feuerwerk von grandiosen aSoli mit spektakulären Sprüngen und rasanten Drehungen, einem festlichen Pas de deux (Ksenia Ryzhkova, Alexey Popov) nach Tschaikowkys „Sinfonie Nr. 3 D-Dur op. 29“ endet „Diamonds“ in einer majestätischen Polonaise. Das ist alles in allem Schönheit und Wohlklang pur, Balsam für die Seele. Michaela Schabel

©Winfried Hösl
Die Tlnzerinnen und Tänzer glitzern wie Juwelen und bringen die Musik auf höchsten technischen zum Strahlen. Alles funkelt betörend schön in Balanchines Meisterwerk „Jewels“, die Choreographie, Kostüme, Bühne, die Musik aus dem Orchestergraben unter der Leitung von Robert Reimer. Auch 51 Jahre nach der Uraufführung.verzaubert Balanchines neoklassischstes Ballett durch Schönheit und tänzerische Brillanz.

Berliner Staatsballett „Celis/Eyal“

Doch die bewusste Langeweile, die tanzende Menschen unserer wie robotermäßige Schaufensterpuppen vorführt, wandelt sich schnell in magische Bewegungsrhythmik für sieben Tänzer und sechs Tänzerinnen allesamt in unisex Nacktoptik, nebelumhüllt. 

©Jubal Battisti
Eine Mann und eine Frau bewegen sich in immer gleich, reduziert auf ein paar ruckartige Bewegungen zu den monotonen, durchdringenden Elektrobeats wie eine gefühlte Ewigkeit. Scheppernde und schleifende Akustik (Musik Ori Lichtik) vermitteln die Schwere und Monotonie des Lebens wo der alle betroffen sind. Aus der Ferne nähert sich ein Pulk in gleicher Manier. Doch die bewusste Langeweile, die tanzende Menschen unserer wie robotermäßige Schaufensterpuppen vorführt, wandelt sich schnell in magische Bewegungsrhythmik für sieben Tänzer und sechs Tänzerinnen allesamt in unisex Nacktoptik, nebelumhüllt. 

Berliner Tanzfestival – Wayne McGregors „Autobiography“

schabel-kultur-blog.de präsentiert Tanzkritik Wayneik vom Tanzfestival Berlin "Waayne McGregor

©Andrey Uspenski
Mit seiner neuen Choreografie „Autobiography“ weist Wayne McGregor weit über die eigene 25-jährige Lebensgeschichte als Tänzer hinaus. In möglichen autobiografischen Momenten spiegelt sich in erster Linie das Leben ganz allgemein zwischen Individualität und Beziehung, Freiheit und Unterdrückung. 

Für zehn Tänzer entwickelte der renommierte britische Choreograph eine mitreißende, Szenencollage, eine Sequenz dynamischer als die andere. Seine eigene DNS ließ er für dieses Projekt entschlüsseln und spiralförmig verkreuzt in immer neuen Varianten ist auch diese Choreographie, die wie in einem zersplitterten unterschiedlichste Lebenssituationen zeigt. 

Berliner Tanzfestival – Isabelle Schad „Inside out“

schabel-kultur-blog.de berichtet über Tanzfestival Berlin

©Dajana Lothert
Isabelle Schad fusioniert in ihren Choreographien Tanz und skulpturale Kunst. Die drei Ebenen des Berliner Kindl, Zentrum für zeitgenössischen Tanz verwandelt sie in eine Tanzgalerie. Die Besucher können zwischen fünf Tanzperformances herum wandeln. Zu entdecken gibt es viel und man merkt, wie stark Isabelle Schads Choreographien von der Energetik des Aikido-Zen beeinflusst sind. 

Berlin „Tanz im August“  – „Trrr“ Uraufführung von und mit Thiago Granato

schabel-kultur-blog.de berichtet über Tanz im August in Berlin

©Sebastian Gabsch
Es bleibt hell. Thiago Granato, in Brasilien geborener Performer mit Wahlheimat Berlin, umschreitet das Bühnenquadrat im orangefarbenen, wassergefüllten Gummimantel.  Mit großen Schritten, spastischen Armbewegungen  schiebt er wie Darwins Homo Erectus sein Körpergewicht Runde um Runde nach vorn. Schweißperlen tropfen vom Kinn. Das Wasser gluckert. Er beginnt den rechten Arm zu schwenken, als wolle er sich Luft zufächeln, kauert sich in plötzlicher Dunkelheit  auf einem fahrbaren Tisch zusammen und streckt sich ganz langsam im Atemrhythmus in die Vertikale und wieder zurück, rollt rückwärts lauscht dem Schall seiner Codewörter und beginnt zum wuchtigen Sounddesign David Kiers ganz nackt und langsam seinen perfekten Körper in minimalistischen Mustern in einer einstündigen Performance zu bewegen.

Berlin „Tanz im August“  Ballet de l`Opéra de Lyon „Trois Grandes Fugues“ 

schabel-kultur-blog-de. präsentiert Tanzkritik Berlin "Trois Grandes Fugues"

©Stofleth
„Tanz in Berlin“ hat sich in drei Jahrzehnten zum führenden Tanzfestival in Deutschland entwickelt. Zum Auftakt des  30-jährigen Jubiläum präsentierte man ein Novum, drei Choreographien zu  Ludwig van Beethovens „Großer Fuge, op. 133“ getanzt vom Ballet de l´Opéra de Lyon.

Wie Beethovens „Großer Fuge“, seinerzeit wegen ihrer neuen Kompositionsprinzipien sehr umstritten war, heute ein Klassiker, der sehr modern klingt, so sind sind Choreographien von Anne Teresa De Keersmaeker, 1992 und Maguy Marin, 2001, renommierte Arbeiten im Rahmen der Historie des zeitgenössischen Tanzes.

Berliner Staatsballett „Herrumbe“ -getanzter Terror

Nacho Duato begeistert im Berliner Staatsballett mit seiner Choreographie „Herrumbe“  Unter dem Geknatter der Maschinengewehre zucken im Spotlight der Suchscheinwerfer angeschossene Menschen. Eine graue Monumentalmauer schiebt nach hinten, schafft in den Drehbewegungen immer neue Nischen des Schreckens. Terror davor, dahinter, darunter und am Schluss die Totenlichter darauf.

Nacho Duato begeistert im Berliner Staatsballett mit seiner Choreographie „Herrumbe“ 
©Fernando Marcos
Unter dem Geknatter der Maschinengewehre zucken im Spotlight der Suchscheinwerfer angeschossene Menschen. Eine graue Monumentalmauer schiebt nach hinten, schafft in den Drehbewegungen immer neue Nischen des Schreckens. Terror davor, dahinter, darunter und am Schluss die Totenlichter darauf.

Münchner Staatsballett „Anna Karenina“

schabel-kultur-blog präsentiert Ballettkritik Münchner Staatsoper "Alice im Wunderland"

©Wilfried Hösl
Tonal rattert ein Zug durch die Nacht. Alle trauern um Anna Karenina. Vom Schluss her choreografiert Christian Spuck Tolstois berühmten Roman „Anna Karenina“  mit dem Münchner Staatsballett, drei Jahre nach der Uraufführung in Zürich zum ersten Mal in Deutschland. Im Wechsel von Lutoslawskis Dissonanzen und Rachmaninows Herz-Schmerz-Musik (Sound-Collagen Martin Donner) gelingt eine mitreißendes  Erzählballett mit Fokus auf drei Liebespaare, die nicht nur schön tanzen, sondern mit schauspielerischer Expression die Facetten drei sehr unterschiedlicher Liebesbeziehungen authentisch berührend vermitteln und die glatte Eleganz des klassischen Balletts mit sinnlicher Leidenschaftlichkeit, der  Dramatik moderner Ausdrucksformen, grotesker Gestik  weiten.