Berlin – Tanz im August – Uraufführung von Jérôme Bels Porträt von „Isadora Duncan“

Tanzkritik von Jerome Bels "Isadora Duncan" präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

Mit bloßen Armen und Beinen, barfuß mit flatternden antikisierenden Kostümen, freien Bewegungen revolutionierte Isadora Duncan Anfang des 20. Jahrhunderts den Tanz.
Genauso tritt Elizabeth Schwartz auf die Bühne und tanzt einzelne Choreografien, die Choreograf Jérôme Bel als Porträt dieser berühmten Tänzerin während des internationalen Tanzfestivals „Tanz im August“ in Berlin im Deutschen Theater präsentiert.

Berlin –  Tanz im August – Uraufführung von Deborah Hay „Animals on the beach & my choreographed body“

Tanzkritik von Deborah Hays "Animals on the beach" präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

Es ist schon eine außergewöhnliche Leistung nicht nur als Choreografin sondern auch als Tänzerin mit 78 Jahren noch auf der Bühne präsent zu sein. Deborah Hay vermag beides und stellt sich tapfer der Bewertung ihres Tanzstils minimalistischer Bewegungen. 
Bei den Uraufführungen ihrer beiden neuen Stücke präsentiert sie die Quintessenz ihrer tänzerischen Reduktion, ihren unverwechselbaren performativen Tanzstil, der sie, als sie ihre Tänzer beobachtete an Tiere erinnerte, woraus sich der Titel dieser Uraufführung „Animals on the beach“ entwickelte. 
Die zweiteilige Performance beginnt Deborah Hay selbst mit „My choreographed body“, eine Reverenz an die Schöpfung in tai-chi-mäßiger Langsamkeit.

Berlin –  Catherine Gaudets „The Fading of the Marvelous“ „Tanz im August“

Tanzkritik von Catherine Gaudets "The Fading of the Marvelous" präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

Zwei Frauen, drei Männer, bis auf Slips nackt, bewegen sich  in kleinen Kreuzschritten Richtung Publikum, jeder für sich, doch ganz nah in einer gemeinsamen Reihe als Ausdruck einer ritualisierten Lebensform. Gleichförmig schieben sie sich trapezförmig  zu den stereotypen Beats im Viervierteltakt  nach vorn, ganz präzise immer im selben Muster vier Schritte vor, seit oder zurück zu doppelt so vielen Takten. An der Bühnenrampe öffnen sie die geschlossenen Augen, blicken hochkonzentriert ins Publikum. Körper und Haltung völlig angespannt, als blickten sie in das eigene Spiegelbild weichen sie erschreckt zurück, kauern zusammen, gehen auf Abstand voneinander, deformieren in Schräglage nach hinten, degenerieren zu Puppen, deren feinmotorischer Rhythmus außer Kontrolle geraten ist. Sie  fangen sich in harmonischen, sehr differenzierten Posen wieder ein, in denen sich Lebensstile zwischen Muskelprotz, Macho, Naturbursche, Magersüchtigen und der selbstbewusst Sinnlichen spiegeln. 

Berlin – „Tanz im August“ – Deutschlands größtes Internationales Tanzfestival

"Tanz im August" präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

Zum 31. Mal startet „Tanz im August“ am 9. August. Bis zum Monatsende werden  70 Veranstaltungen, 31 Produktionen, 2 Installationen mit 160 Mitwirkenden  an 11 Veranstaltungsorten mit dem HAU Hebbel am Ufer in Berlin stattfinden. Mit 7 Uraufführungen und 18 Deutschlandpremieren bietet „Tanz im August“ dieses Jahr sehr viele neue Produktionen, mit 10 – 60 € für jeden Interessierten erschwinglich.

Berliner Festspiele –  „MEGA ISRAEL“ von der Gauthier Dance Company Theaterhaus Stuttgart 

"Mega Israel" präsentiert von schabel-kultur-blog.de

©Regina Brocke
Kein Wunder, dass sie international vorne mitspielt. Die Gauthier Dance Company begeistert durch ihre explosive Vitalität, ihre kraftvolle Eleganz, schwebende Transzendenz und unterhaltsame Komik.Zur Eröffnung des COLOURS International Dance Festivals 2017 in Stuttgart präsentierte als Gastgeber die Gauthier Dance Company ihr rasantes Programm  „MEGA ISRAEL“, jetzt in Berlin zu sehen. Dahinter stehen, titelgebend, die drei großartigen Choreografen aus Israel, die inzwischen mit den führenden Compagnien der Welt arbeiten. „Mega Israel“ zeigt die richtungsweisenden Werke dieser Choreographien, durch die sie berühmt wurden.

Berlin – August Bournonvilles „La Sylphide“ getanzt vom Berliner Staatsballett

Ballettkritik "La Sylphide" präsentiert von schabel-kultur-blog.de

©Yan Revazov
Neckisch, elegant, schwebend die Luftfeen der Sylphiden in Tutus , kraftvoll burlesk  die Tänzer in ihren flatternden Schottenröcken entführt  August Bournonvilles Ballett in  eine zauberhafte Märchenwelt von einst. 

Vier Jahre nach Taglionis Uraufführung choreografierte  August Bournonvilles  „La Sylphides“ (1836) für das dänische Ballett. Damit  schuf er das Urbild des klassischen Balletts mit Spitzentanz und halblangen  Tutus, einem weißen und einem bunten Akt, Vorbild für „Giselle“ und „Schwanensee“ und  einer Aufwertung der männlichen Hauptrolle durch anspruchsvolle Soli. „La Sylphide“ avancierte zu einem Vorzeigeballett und für etliche Tänzer zu einem Karrieresprungbrett. 

Regensburg – Ballett – „Gefährliche Liebschaften“ von Yuki Mori

Ballettkritik "Gefährliche Liebschaften" präsentiert von schabel-kultur-blog.de

©Bettina Stoess
Die Augen blitzen, begehren, Körper nähern sich magnetisch angezogen, Hände berühren zärtlich, Arme stoßen wehrhaft ab. Mit unglaublicher Subtilität und Leidenschaft verabschiedet sich Yuki Mori nach 19 Jahren vom zum Abschied seiner Regensburger Zeit als Chefchoreograph und künstlerischer Leiter der Branche Tanz das Publikum mit einem Tanzabend nach Laclos Briefroman „Gefährliche Liebschaften“, unterlegt mit einer wunderbaren Collage barocker Musik und modernen Adaptionen, rasant und leidenschaftlich gespielt vom Philharmonischen Orchester Regensburg unter der Leitung von Tom Woods.

Berlin – Gastspiel „Der größte Schwanensee der Welt“  getanzt vom Ballett Shanghai 

Über den "Schwanensee" des Balletts Shanghai berichtet schabel-kultur-blog.de

©Stardust Theatre BV
Als „Größter Schwanensee der Welt“  mit 100 Tänzern, allein 48 Schwäne statt der üblichen 16, assoziiert man sofort chinesische Gigantonomie, zum wirtschaftlichen Imperialismus auch noch den kulturellen, ganz nach dem Motto Chinas Nummer 1 in allen Bereichen globaler Macht- und Imagepositionen zu werden.
Doch Tschaikowskys  „Größter Schwanensee der Welt “  vom Ballett Shanghai ist tatsächlich berückend schön, voller Ausdruck getanzt  in großartigen, ganz klassisch gehaltenen Kostümen vor atmosphärisch spätromantischen, teilweise güldenen Bühnenbildern, die durch diagonale Tiefenperspektiven geheimnisvolle Wälder, ein prachtvolles Schloss, einen großen Festsaal und einen magischen See erleben lassen.

Berlin – „VIVID Grand Show“ im Friedrichstadt-Palast

"Vivid-Grand Show" in Berlin präsentiert von schabel-kultur-blog.de

©Brinkhoff/Moegenburg
Las Vegas in Berlin? Durchaus, mit der internationalen Produktion „VIVID Grand Show“ nach Text und Regie von Krista Monson aus Las Vegas,  übertrifft der Berliner Friedrichstadt-Palast alle bisher gezeigten Shows. Es ist eine Show optischer Superlative.  Phantastische Kostüme, exorbitante Hutkreationen, fantastische Akrobatik, rasante Revuetänze verdichten sich zu atemberaubenden  Bühnenperformances zwischen heroischen Kampfszenen und  lyrischen Momenten, komödiantischen Slapsticks und parodistischen Erotiksequenzen. Aufgepeppt mit einer gigantischen Lasershow über die riesige Bühne, um Seitenflügel erweitert bis mitten ins Publikum entwickelt sich eine einfache Geschichte, in der jeder Song eine neue Erlebniswelt entfaltet. 

Regensburg – Ballett – „Der Tod und das Mädchen“

Tanzkritik von "Der Tod und das Mädchen" in Regensburg präsentiert schabel-kultur-blog.de

©Jochen Klenk
Alles in Schwarz, vernebelt,  pulsierende Herzfrequenz, lauter Atmen, der Tod ist spürbar. Das Mädchen  kämpft dagegen, in blitzschnellen Bewegungen, abrupten Drehungen, verzweifelter Gestik. Lautlos fällt sie zu Boden und bäumt sich wieder. Im Spiegel ein Tänzer der ihre Bewegungen dupliziert. Der Tod nähert sich.

München – Staatsballet – Balanchines „Jewels“

Schön wie ein Edelsteincollier Perfekt getanzt Balanchines Meisterwerk „Jewels“ vom Münchner Staatsballett Die Tänzerinnen und Tänzer glitzern wie Juwelen und bringen die Musik auf höchsten technischen zum Strahlen. Alles funkelt betörend schön in Balanchines Meisterwerk „Jewels“, die Choreographie, Kostüme, Bühne, die Musik aus dem Orchestergraben unter der Leitung von Robert Reimer. Auch 51 Jahre nach der Uraufführung.verzaubert Balanchines neoklassischstes Ballett durch Schönheit und tänzerische Brillanz. Einer Anekdote nach inspirierte die Schaufensterauslage eines Juweliers in New York Balanchine zu diesem dreiteiligen Ballett. „Jewels“ erzählt keine Handlung, aber Ballettegeschichte und ist gleichzeitig eine Hommage an die Städte und deren Kulturen, in denen Balanchine lebte. Die drei Ballettsequenzen sind durch Farbstimmungen klar getrennt und dramaturgisch durch ein immer größeres Corps de ballet auf ein grandioses Finale zugespitzt. In „Emeralds“ formiert sich das Corps de Ballet in Smaragdgrün nach der spätromantischen Musik von Gabriel Faurés „Pelléas et Mélisande“ und „Shylock“ zu erhabenen Colliers und Diademen als Hommage an das elegante, sehr feminine Paris, wo Balanchine nach der russischen Revolution Fuß fasste. Grazil ständig auf Spitze in halblangen Tüllröcken mit fließenden, wogenden Armbewegungen wirken die zehn Tänzerinnen vor grüner Kulisse mit funkelnden Smaragden wie Elfen im Zauberwald voll schwebender Eleganz, intensiviert durch die beiden Solopaare. In immer höheren Hebungen entfalten die beiden Solistinnen (Prisca Zeisel, Jeanette Kakareka), verführerische Eleganz und anmutig zarte Weiblichkeit. „Rubies“ präsentiert das nervös schwungvolle und amüsierfreudige Lebensgefühl New Yorks. Geradlinig wie Werbegrafik leuchtet Rot auf schwarzen Bühnengrund. Kurz und kess signalisieren die rot funkelnden Kostüme Broadwayrevue, noch mehr der freche, sexy Tanzstil. Mit geflexten Händen und Füßen, viel Hüfte und Becken, damals zumindest gewagten Schieflagen zu Igor Strawinsky komplexem „Capriccio für Klavier und Orchester“ wirkt dieser Teil am modernsten und spritzigsten, mit Osiel Gouneo und Nancy Osbaldeston als sympathisch Revuestars und Prisca Zeisel rasante Soli. Solorolle. Mit 20 Tanzpaaren in glitzernden Weiß vor einer blau schimmernden Eishöhle beschwört Balanchine in „Diamonds“ den Prunk zaristischen Balletts seiner Heimatstadt Sankt Peterburg noch einmal herauf, durch den traditionellen Stil mit vielen Ports de bras, komplexer Beinarbeit, pittoresken Posen eine Reverenz an Ballettmeister Marius Pepita. Nach einem Feuerwerk von grandiosen aSoli mit spektakulären Sprüngen und rasanten Drehungen, einem festlichen Pas de deux (Ksenia Ryzhkova, Alexey Popov) nach Tschaikowkys „Sinfonie Nr. 3 D-Dur op. 29“ endet „Diamonds“ in einer majestätischen Polonaise. Das ist alles in allem Schönheit und Wohlklang pur, Balsam für die Seele. Michaela Schabel

©Winfried Hösl
Die Tlnzerinnen und Tänzer glitzern wie Juwelen und bringen die Musik auf höchsten technischen zum Strahlen. Alles funkelt betörend schön in Balanchines Meisterwerk „Jewels“, die Choreographie, Kostüme, Bühne, die Musik aus dem Orchestergraben unter der Leitung von Robert Reimer. Auch 51 Jahre nach der Uraufführung.verzaubert Balanchines neoklassischstes Ballett durch Schönheit und tänzerische Brillanz.

Berliner Staatsballett „Celis/Eyal“

Doch die bewusste Langeweile, die tanzende Menschen unserer wie robotermäßige Schaufensterpuppen vorführt, wandelt sich schnell in magische Bewegungsrhythmik für sieben Tänzer und sechs Tänzerinnen allesamt in unisex Nacktoptik, nebelumhüllt. 

©Jubal Battisti
Eine Mann und eine Frau bewegen sich in immer gleich, reduziert auf ein paar ruckartige Bewegungen zu den monotonen, durchdringenden Elektrobeats wie eine gefühlte Ewigkeit. Scheppernde und schleifende Akustik (Musik Ori Lichtik) vermitteln die Schwere und Monotonie des Lebens wo der alle betroffen sind. Aus der Ferne nähert sich ein Pulk in gleicher Manier. Doch die bewusste Langeweile, die tanzende Menschen unserer wie robotermäßige Schaufensterpuppen vorführt, wandelt sich schnell in magische Bewegungsrhythmik für sieben Tänzer und sechs Tänzerinnen allesamt in unisex Nacktoptik, nebelumhüllt. 

Berliner Tanzfestival – Wayne McGregors „Autobiography“

schabel-kultur-blog.de präsentiert Tanzkritik Wayneik vom Tanzfestival Berlin "Waayne McGregor

©Andrey Uspenski
Mit seiner neuen Choreografie „Autobiography“ weist Wayne McGregor weit über die eigene 25-jährige Lebensgeschichte als Tänzer hinaus. In möglichen autobiografischen Momenten spiegelt sich in erster Linie das Leben ganz allgemein zwischen Individualität und Beziehung, Freiheit und Unterdrückung. 

Für zehn Tänzer entwickelte der renommierte britische Choreograph eine mitreißende, Szenencollage, eine Sequenz dynamischer als die andere. Seine eigene DNS ließ er für dieses Projekt entschlüsseln und spiralförmig verkreuzt in immer neuen Varianten ist auch diese Choreographie, die wie in einem zersplitterten unterschiedlichste Lebenssituationen zeigt.