Wien – Anna Gmeyners „Automatenbüffett“ vom Wiener Akademietheater beim Berliner Theatertreffen 

Theaterkritik "Das Automatenbüffett" beim Berliner Theatertreffen präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

Herr Adam rettet Eva aus dem Teich, wo sie sich aus Liebeskummer umbringen wollte. Am Schluss rettet Eva Herrn Adam, weil er seine Vision nicht realisieren konnte, die Teiche in Brutstätten für Süßwasserfische zu verwandeln, um die ganze Nation gesund zu ernähren. 
1932 schrieb Anna Gmeyner ihr Stück „Automatenbüffett“ als Volkstheater vom Reichtum durch innovatives ökonomisches Denken, das durch die Kleingeistigkeit und individuelle Profitgier verhindert wird. Die Wiederentdeckung mit Premiere im Oktober vergangenen Jahres am Wiener Akademietheater, nicht zuletzt die Aufzeichnung von 3sat ermöglichte eine Anerkennung beim Berliner Theatertreffen. Das großartige Bühnenbild (Martin Zehetgruber) entführt in die Dunkelheit einer düsteren Weltenszenerie…

Landshut – „Marilyn Monroes letztes Band“ in den Kammerspielen

Theaterkritik "Marilyn letztes Band" präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

„36 Jahre alt, hat sie die Kontrolle über ihr Leben …“ der Satz bleibt unvollendet und wird von einem Tonband aufgenommen. Im Leben folgte der Selbstmord Marilyn Monroes. Auf der Bühne der Landshuter Kammerspiele macht sich Schauspielerin Katharina von Harsdorf auf die Spurensuche nach der wahren Marilyn Monroe. Wie war Marilyn Monroe, Mythos und Wunschtraum vieler Männerphantasien, tatsächlich? 
Mit „Marilyn Monroes letztes Band“ kommt in den Landshuter Kammerspielen nicht ihr Abziehbild auf die Bühne. Regisseur Sven Grunert, Dramaturgin Gianna Madiar, Videokünstler Hagen Whiel und Schauspielerin Katharina von Harsdorf suchen anhand der Fragmente ihrer Biografie  nach der Frau hinter der Maske…

Landshut – „Lea Gudrich 300/50/30“ in der Galerie Kunstwerk Landshut

Liebe Frau Plath, herzlichen Dank für den Hinweis auf die Namensschreibung von Frau Wohlfart. Ich hatte das falsch ausgebessert. Jetzt müsste es stimmen. Sie können meine Texte unter Namensnennung meines Blogs gerne verwenden. Über eine Verlinkung meines Kulturblogs würde ich mich freuen. Einen schönen Sonntag und viel Erfolg mit der Ausstellung Michaela Schabel

„Die Natur ist und bleibt meine größte Liebe und deswegen wahrscheinlich auch mein größter Schmerz“, sagt Lea Gudrich über sich. Vater und Onkel machten sie schon als Kind mit exotischen Tieren vertraut. In den Wiesen entdeckte sie die Faszination der Schmetterlinge. Ihre Freude an und ihre Bewunderung für die Tiere spiegeln sich in ihren Bildern, der Mensch als höchstes Tier im Zentrum.
Die Ausstellung „Lea Gudrich 300/50/30“ in der Galerie Kunstwerk Landshut zeigt Bilder von Kindern, Tieren und Selbstporträts. Der Titel bezieht sich auf Lea Gudrichs Masterarbeit über die Arche Noah. 300 Ellen lang, 50 Ellen breit, 30 Ellen hoch ist die Arche Noah Sinnbild für die Rettung aller Arten…

Berliner Theatertreffen – Gob Squad „Show me a good time“ 

Berliner Theatertreffen "Show Me A Good Time" präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

Gob Squad ist bekannt dafür, aus banaler Alltäglichkeit so manche Quintessenz herauszukristallisieren. Im Juni 2020 präsentierte die Gruppe nach dem ersten Lockdown „Show me a good time“ als erste reine Online-Inszenierung im Berliner HAU.
In der 12-stündigen Performance der Schauspieler auf leerer Bühne in Kontakt mit der Welt draußen, in Kooperation mit Theaterhäusern Kampnagel Hamburg, Mousonturm Frankfurt, La Jolla Playhouse USA, Schlachthaus Bern treibt Gob Squad ihr Konzept in Zeiten der Pandemie ironisch auf die Spitze und wurde, wie zu erwarten zum Berliner Theatertreffen eingeladen…

Berliner Theatertreffen – „Einfach das Ende der Welt“ Inszenierung von Christopher Rüping nach dem Roman Jean-Luc Lagarce 

Berliner Theatertreffen "Einfach das Ende der Welt" präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

Nach 12 Jahren kommt der verlorene Sohn Benjamin, ein Videokünstler, zurück in sein Elternhaus und findet sich genau wieder in der Situation wie früher, anders und ungeliebt. Dieselben Gefühle haben Bruder, Schwester und Mutter, statt Nähe Distanz, statt Wiedersehensfreude Streit und Geschrei. 
Christopher Rüping löst sich  von der Familienstory der literarischen Vorlage. „Einfach das Ende der Welt“ entsteht durch die Sturheit der eigenen Bilder im Kopf. Die eigenen Raster werden zu Brettern vor Hirn und Gefühl, die Familie zum Minenfeld…

Dokumentarfilm – „Auf der anderen Seite des Flusses“ 

"On The Other Side of The River" , filmkritik präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

Zwischen dem Schein einer pompös ausstaffierten Braut mit Perspektive auf ein männerdominiertes Leben in Armut und einem kleinem Jungen, der nicht die Hand seiner Mutter, sondern deren Kalaschnikow greift, entfaltet der Dokumentarfilm „Auf der anderen Seite des Flusses“ eine ungewöhnlich authentische Aura. 
Ein Jahr begleitete das Filmteam die 19-jährige Hala, die mit ihrer Schwester Sosam vor der Zwangsverheiratung aus ihrer nordsyrischen Heimat in die kurdische Frauenarmee flieht. Sie will gegen den IS kämpfen, vor allem gegen die Unterdrückung durch die Männer und für die Freiheit der Frauen. Sie lässt sich an der Militärakademie ausbilden und will dann ihre acht anderen Schwestern zu sich holen, um ihnen eine gute Erziehung und ein gutes Leben zu ermöglichen. Sehr subtil und empathisch verfolgt der Dokumentarfilm die Ausbildung, Halas beruflichen Einsatz, ihre Vision von der Befreiung der Schwestern. Kämpfen und der Umgang mit Waffen sind für sie Ausdruck ihrer neuen Freiheit…

Italien – 40 Radtouren rund um Grado in der Region Friaul 

Radfahren in Grado präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

Die 15. Etappe des 104.Giro d´Italia startet am 23. Mai in Grado. Sie zählt zu den schönsten Etappen dieses Sportereignisses, bei dem  3450 Kilometer in 21 Etappen zurückgelegt werden müssen. Die meist recht flache Strecke ist vor allem bei Sprintern beliebt. Leider bleibt für die Sportler wenig Zeit, die wunderbare und abwechslungsreiche Natur des Lagunengebietes rund um Grado zu genießen. Für den Grado ist  der diesjährige Giro d´Italia die beste Werbung…

Dr. Lucy Pollock „Das Buch über das Älterwerden (für Leute, die nicht darüber sprechen wollen)“

Buchkritik von Lucy Pollock "Das Buch über das Älterwerden" präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

Gesund und munter, dann schnell tot, dieses Modell funktioniert durch die wesentlich höhere Lebenserwartung aufgrund der Verbesserung der Medizin, Hygiene und Ernährung nicht mehr. Langes Leben geht meist einher mit einer Reihe von Krankheiten, ein Thema, über das man nicht so gern spricht. Erst wenn es in der Familie zum Problem wird, merkt man die eigene Hilflosigkeit. 
Lucy Pollock, weiß, wovon sie schreibt im „Buch über das Älterwerden (für Leute, die nicht darüber sprechen wollen)“. Seit über dreißig Jahren arbeitet sie in Großbritannien in der Geriatrie. Ihr Buch versteht sie als Botschaft, dass ein langes Leben ein Geschenk ist. Es ist ein Buch für Einsteiger in die Thematik. Aber selbst wer schon mit der Problematik altersbedingter Krankheiten befasst ist, findet zuweilen hilfreiche Impulse…

München – Dokumentarfilmfestival – „Soldaten“

Filmkritik "Soldaten" präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

Es wird täglich rasiert. Es gibt keinen Bart. Es ist egal, woher man kommt. Hier sind alle gleich. „Haben Sie verstanden? Haben Sie Fragen?“ Die Antwort auf den rigiden Kommunikationsstil ist Schweigen. Still, mit verschlossenen Gesichtern stehen die Rekruten da. Sie wissen nicht, was auf sie zukommt. Aber sie wollen es versuchen.
Ruhig und unaufgeregt, sehr alltäglich, ohne Action entwickeln Christian von Brockhausen und Willem Konrad, verantwortlich für Regie, Buch, Kamera, aus den Porträts von drei Rekruten, warum und mit welchen Zielvorstellungen sie zum Militär gehen, wie sie sich während der Grundausbildung verändern und welche Qualität letztendlich die Bundeswehr seit 2011 auf Freiwilligenniveau hat…

München – „Lieder ohne Gesang mit erfolgreichen VerliererInnen“ beim Hidalgo-Festival 2021

Hidalgo-Festival 2021 präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

Und wieder konnte das Hidalgo-Festival nicht live stattfinden. Als Nachzügler der letztjährigen Hidalgo-Fuck-up-Night“ mussten sich die Zuschauer bei „Lieder ohne Gesang mit erfolgreichen VerliererInnen“ mit der Stream-Version zufrieden geben. Das Programm dieses Abends war ungewöhnlich, in seiner Stimmigkeit erst auf den zweiten Blick erkennbar. Was haben elektronische Tonstimmungen mit den Bekenntnissen von erfolgreichen VerliererInnen zu tun?…

Berlin – „A Bouquet of Love. I Saw In The Universe“ – Yayoi Kusama: Eine Retrospektive“ im Gropiusbau

Ausstellung Yayoi Kusama im Gropiusbau präsentiert von www.schabel-kultur-blog.dea

Punkte, „Polka Dots“, wohin man blickt. Sie wurden Yayoi Kusamas Markenzeichen. Ganze Räume punktete sie inklusive des Mobiliars, Alltagsgegenständen, Kleidern und Haut. Mit ihren Performances und Installationen wurde sie in den 60er Jahren zur Pop-Ikone und schrieb während ihres 80-jährigen Schaffens Kunstgeschichte. Ihr Werk zielt weniger auf Betrachtung als auf Erleben. Es geht Yayoi Kusama um nichts Geringeres als die Selbstentgrenzung in der Unendlichkeit. „A Bouquet of Love. I Saw In The Universe“ , so der Titel der Ausstellung und die Botschaft der inzwischen 92-jährigen Künstlerin. Ihre Kunst bunt, leuchtend, kosmisch entgrenzend kommt deshalb auch bei jungen Menschen sehr gut an und ist durch das holistische Denken, die Digitalisierung, nicht zuletzt durch die Pandemieerfahrung unserer Zeit hochaktuell …

Landshut – Online-Uraufführung „Zeitenwenden – Einmal ist man nur jung“ – in den Kammerspielen

Uraufführung "Zeitenwenden-Einmal ist man nur jung" präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

Adrett wie einst sitzt Katharina von Harsdorf da im dezent gemusterten Kleid mit weißem Spitzeneinsatz hinter einem Tisch, die blonden Haare mit einer neckischen türkisen Schleife seitlich zusammengesteckt und kess rot geschminkten Lippen. Sie liest aus einem Tagebuch, das sie als Italianistin in ihrer Forschungsarbeit entdeckte und transkribierte. Zusammen mit Regisseur Sven Grunert und Dramaturgin Gianna Madiar entstand die Uraufführung als szenische Lesung „Zeitenwenden – Einmal ist man nur jung“, formuliert aus der Perspektive von Margret Pracht, einem deutschen 13-jährigen Mädchen zwischen 1939 und 1943…

Berlin – „Bilder ohne Namen“ von Tammam Azzam in der Galerie Kornfeld

Ausstellung "Bilder ohne Namen" von Tammam Azzam präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

Winzige Farbpartikel fügen sich zu großen Formaten, zu abstrakten Landschaften bis zum Horizont. Ohne Titel, ohne Anzeichen von Gegenständlichkeit kristallisiert sich aus dem subtilen Liniengewirr und kleinen Farbfragmenten dennoch die Düsternis von Krieg und Zerstörung heraus. Schon zu Beginn des Syrienkriegs floh Tammam Azzam, 1980 in Damaskus geboren, aus seiner Heimat nach Dubai. 2016 wurde er Fellow des Hanse-Wissenschaftskollegs, Institute for Advanced Study, in Delmenhorst und lebt seit 2018 als freischaffender Künstler in Berlin. Jetzt sind bereits zum zweiten Mal seine Arbeiten in der Galerie Kornfeld zu sehen und darüber hinaus international in Sammlungen und Ausstellungen in Europa, im Nahen Osten und in Nordamerika. „Bilder ohne Namen“ nennt Tammam Azzam seine Ausstellung, doch seine Bilder erzählen sehr viel…

Bayreuth- 2. „Bayreuth Baroque“-Opernfestival im Bayreuther Opernhaus

Opernkritik zu Poporas "Carlo di Calvo" präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

Trotz Pandemie wagte Countertenor Max Emanuel Cencic  2020 das 1. internationale Opernfestival „Bayreuth Baroque“ mit einer furiosen Aufführung von Nicola Antonio Porporas „Carlo il Calvo“ zum Auftakt. Damit bewies er nicht nur einmal mehr als exzellenter Regisseur und Sänger ist, sondern auch als mutiger Künstlerischer Leiter der Festspiele mit Nerven aus Drahtseil. Unter strengsten Hygienemaßnahmen kamen nur 200 Zuschauer  in den Genuss der Vorstellung. Der Erfolg beflügelte Max Emanuel Cencic zur Fortsetzung des Projekts in dem Theaterjuwel, das Markgräfin Wilhelmine einst mitten in Bayreuth bauen ließ. Vom 1. – 14. September  geht „Bayreuth Baroque“ in die zweite Runde…