Landshut – „Perception“ Bilder von Brigitte Yoshiko Pruchnow im Kunstwerk 

Ausstellung Brigitte Yoshiko Pruchow präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

Der fotorealistische Blick auf Brigitte Yoshiko Pruchnows großformatige Bilder ist ein Ereignis. Man taucht ein in das irisierende Farbspiel, das die Sonne auf Wasser und Haut projiziert. Eine junge Frau, die Augen geschlossen taucht hinab, genießt die Kühle des Wassers in der Wärme der Sonne. Luftblasen umblubbern sie, in denen sich durch Lichtbrechungen florale Muster entwickeln. Das ist Sommergefühl pur. 
Brigitte Yoshiko Pruchnow mit japanischen Wurzeln mütterlicherseits weiß um die Geheimnisse der Wahrnehmung, was man tun muss, dass etwas so wahrgenommen wird, wie man es möchte…

Alice Brauner „Also dann in Berlin! Artur und Maria Brauner – Eine Geschichte vom Überleben, von großem Kino und der Macht der Liebe“ 

Buchkritik Alice Brauner "Also dann in Berlin" präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

Zwei Landkarten zu Beginn und Ende der Biografie zeigen eindrücklich, die weiträumigen Reisen der beiden großelterlichen jüdischen Familien mit ihren Kindern im Zweiten Weltkrieg. Es ist ein Leben von Hunger, Kälte, Terror, Überlebensängsten geprägt, im Niemandsland zwischen sich ständig sich veränderten Machtbereichen. Dem „Überleben“ in der Hölle der Nazis und Sowjets folgt „Ein Leben für den Film“, erzählt aus der Perspektive Alice Brauners, der Enkelin bzw. Tochter von Artur und Maria Brauner. Sie  schwärmt von ihren „Jahrhunderteltern“, denen sie jeden Tag aufs Neue dankbar für den grenzenlosen Optimismus ist, den ihr ihre Eltern für das Leben mitgegeben haben…

Interview – Sopran Bruno de Sá singt Glucks „Orfeo“

Interview mit Bruno de Sá präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

2020 wurde Bruno de Sá von „Oper! Award“ zum Nachwuchssänger des Jahres gekürt. Er ist einer der großen Nachwuchstalente unter den Sopranen.
Fröhlich und voller Energie kommt Bruno de Sá in die Kantine des Stadttheaters Fürth. In wenigen Stunden wird er die Titelrolle in Glucks „Orfeo ed Euridice“ “singen. Davor ist noch ein Probe und das Interview für www.schabel-kultur-blog.de. Bruno de Sá strahlt. Man merkt ihm an, wie er sich auf diese Premiere freut. Völlig offen und locker geht er auf alle Fragen ein, lacht die ganze Zeit, rollt die Augen, erzählt sehr lebendig, spricht mimisch und gestisch und wirkt dabei überaus sympathisch, unkompliziert, jugendlich und authentisch…

Landshut – „The King’s Speech“ im Landestheater Niederbayern

Theaterkritik von "The KIng´s Speech" präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

Drei große mobile Kuben verwandeln die Bühne blitzschnell in neue Räumlichkeiten, diffuse Lichtstimmungen die Atmosphäre, in der royale Erhabenheit, politische Intrigen und psychopathische Veranlagungen aufeinandertreffen. 
Mit David Seidlers „The King´s Speech“ beginnt im Landestheater Niederbayern die neue Spielsaison amüsant und tiefgründig. Was tun, wenn der künftige König, die Stimme des Volkes, stottert?…

Landshut – „Die Wand“ nach Marlen Haushofer in den Kammerspielen 

Theaterkritik Haushofers "Die Wand" präsentier von www.schabel-kultur-blog.de

Im Verlauf des Schreibens sind ihr einige Tage abhanden gekommen. Auf einem Quader kauernd schreibt sie täglich ihre Gedanken auf lose Blätter, seit „Die Wand“ ihr Leben abrupt änderte. Während die Freunde, die sie für ein Wochenende in ihr Jagdhaus einluden noch einen Spaziergang ins Dorf machten, durchtrennt eine Glaswand plötzlich alle Kontakte zur Außenwelt. Völlig auf sich allein gestellt muss die Protagonisten in Marlen Haushofers Roman „Die Wand“ mitten im Wald das Leben meistern.

 Julia Koschitz, in Landshut bekannt durch ihre kraftvollen Interpretationen von „Antigone“, „Nora“ und „Virginia Woolf“, inzwischen bundesweit durch ein breites Spektrum an Filmrollen, bringt unter der Regie von Intendant Sven Grunert neue Facetten dieser Romanfigur zum Leuchten. Schon im letzten Jahr geplant durch Corona immer wieder verschoben verdichtet gerade die Pandemie das Bewusstsein für die Problematik der Handlung, der Mensch, abgeschnitten von der Welt, zurückgeworfen auf seine ganz persönliche Existenz und ihre Abgründe…

Thomas Piketty „Der Sozialismus der Zukunft“

Buchkritik Thomas Piketty "Der Sozialismus der Zukunft" präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

„30 Jahre nach dem Mauerfall ist es wieder an der Zeit für Gleichheit, Kreislaufwirtschaft und partizipativen Sozialismus“ ist Pikettys These. Damit hat sich Thomas Piketty als lehrender und forschender Sozialwissenschaftler und Publizist einen Namen gemacht. Er sucht nach Konzepten gegen die soziale Ungleichheit, für eine innovative wirtschaftliche Entwicklung. In seinem Essayband „Der Sozialismus der Zukunft- Interventionen“ argumentiert er in 41 Texten, die er zwischen 2016 und 2021 publizierte, „Für eine andere Globalisierung“, analysiert die Ursachen für „Reagan hoch zehn“ und plädiert dafür „Wer Europa liebt, muss es verändern“. Verständlich und sachlogisch formuliert ergeben sich durch die chronologische Konzeption natürlich Überschneidungen, doch dadurch prägen sich seine Leitgedanken noch stärker ein…

Berlin – Sophokles´ „Oedipus“ am Deutschen Theater 

Theaterkritik "Oedipus" im Deutschen Theater Berlin präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

Und wieder schickt Ulrich Rasche eine Handvoll Schauspieler auf Wanderschaft. Barfuß versuchen sie mit Seitkreuzschritten, den Körper ganz verschraubt, voranzukommen und treten doch auf der Stelle infolge der Kreisbühne. Ein magisches Bild für die Kernaussage der Inszenierung „Furchtbar ist Wissen, wenn es nichts nutzt“. Schritt für Schritt muss aber dieses Wissen erst erforscht werden, was sich als äußerst mühsamer Prozess herausstellt, da sich in der antiken Welt nur wenige Assoziationen zur Gegenwart eröffnen.
Ulrich Rasche verzichtet wie immer auf jegliches dramatisierendes Spiel, fokussiert allein auf den Rhythmus der Sprache, den er zertrümmert. Er zerstückelt die Sätze, teilt die Wörter in Silben, denen die Schritte folgen. Das hat schon Wucht, schafft zumindest anfangs eine drängend spannende Atmosphäre, die antikes Theater in neuer Größe aufleben lässt…

Berlin – „Kopflos“ in der Galerie Schmalfuss

Ausstellung "Kopflos" in der Galerie Schmalfuss Berlin präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

Glasköpfe auf Stelen vor den Altbaufenstern der Galerie funkeln, doch die Gesichter sind grell mit Farbe „geschminkt“, Pupillen, Nase und Mund mit Rot, Blau, Grün in Linienstrukturen zeichnerisch hervorgehoben. Der Blick gleitet auf die Wand vis-a-vis mit den großen farbigen Fotosequenzen glitzernder Filmstars und Fotomodelle, mit einer Welt der Kurzlebigkeit.

Michael Schmalfuß versteht zu kuratieren. Er findet nicht nur ansprechende, leicht ironisierende Titel für seine Ausstellungen und dazu eine treffsichere Auswahl ganz unterschiedlicher Exponate, ihm gelingt es auch durch eine inspirierende Positionierung bereits ausgestellter und neuer Arbeiten, nicht zuletzt durch die gekonnte Mischung von Malerei und Skulpturen immer neue Narrative zu initiieren. „Kopflos“ lässt nachdenken, was über unsere Gehirnstrukturen gesellschaftlich passiert…

Tirol – „Tischofer Höhle“, „Urtanne“ – Spirituelle Kraftorte

"Spirituelle Orte in Tirol im Kufsteinland" präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

„Die Natur ist nicht ein Ort, den man besucht, sie ist Heimat“, so der US-amerikanische Schriftsteller und Umweltaktivist Gary Snyder. Unter diesem Motto fasziniert Harald Löffel in Tirol seine Mitwandernden, wenn er mit ihnen unterwegs ist. Er ist nicht nur Bergwanderführer, sondern auch harmonie- und umweltbewusster Qi Gong-Lehrer. Mit ihm entdeckt man im Kufsteinerland drei ganz besondere Kraftorte, in denen ganz unterschiedliche Naturkräfte wirken, die durch Qi-Gong-Übungen noch stärker bewusst werden. Die Energie in der Natur aktiviert Energien im Körper und fördert die Gesundheit von Körper, Geist und Seele…

Dokumentarfilm – „Die Unbeugsamen“ von Torsten Körner

Mit Gruppenbildern nur mit Männern, untermalt mit der fulminanten Bläserpartie aus Dvoraks Symphonie Nr. 9, dirigiert von Herbert von Karajan, gespielt ebenfalls nur von Männern beginnt die Dokumentation „Die Unbeugsamen“. Gemeint sind allerdings nicht Männer, sondern die ersten wehrhaften Politikerinnen der Bundesrepublik Deutschland. Unter der klugen Regie von Torsten Körner gelingt  aus Archivmaterial und Live-Interviews eine aufschlussreiche Collage, die den Weg etlicher Politikpionierinnen in einer unglaublich arroganten Machogesellschaft zeigt. Torsten Körner weder argumentativ noch wertend ein, lässt das Dokumentationsmaterial sprechen. Ja, es hat sich viel geändert in Deutschland. Selbst Straßen sind inzwischen nach Frauen benannt. Der Film endet hoffnungsfroh mit einem Gruppenbild von Politikerinnen, dazu schwungvolle Musik  von der litauischen Dirigenten Mirga Gražinytė-Tyla.  Trotzdem gilt immer noch „Frauen, wenn wir nichts tun, leben wir morgen wie vorgestern“ (Annemirl Bauer)…

Mit Gruppenbildern nur mit Männern, untermalt mit der fulminanten Bläserpartie aus Dvořáks Symphonie Nr. 9, dirigiert von Herbert von Karajan, gespielt ebenfalls nur von Männern beginnt die Dokumentation „Die Unbeugsamen“. Gemeint sind allerdings nicht Männer, sondern die ersten wehrhaften Politikerinnen der Bundesrepublik Deutschland. Unter der klugen Regie von Torsten Körner gelingt aus Archivmaterial und Live-Interviews eine aufschlussreiche Collage, die den Weg etlicher Politikpionierinnen in einer unglaublich arroganten Machogesellschaft zeigt.
Torsten Körner greift weder argumentativ noch wertend ein, lässt das Dokumentationsmaterial sprechen. Ja, es hat sich viel geändert in Deutschland. Selbst Straßen sind inzwischen nach Frauen benannt. Der Film endet hoffnungsfroh mit einem Gruppenbild von Politikerinnen, dazu schwungvolle Musik von der litauischen Dirigentin Mirga Gražinytė-Tyla.  Trotzdem gilt immer noch „Frauen, wenn wir nichts tun, leben wir morgen wie vorgestern“ (Annemirl Bauer)…

Berlin – „Amok“ – Ein-Frau-Stück mit Cordelia Wege nach einer Novelle Stefan Zweigs im Berliner Ensemble

BERLINER ENSEMBLE: "Amok"nach Stefan Zweig von/mit Cordelia Wege

An Seilen festgezurrt hängt Cordelia Wege 90 Minuten wie in einem Foltergerüst. Mit jedem Wort, mit jedem Satz dringt sie ein in die Welt des verzweifelten Stefan Zweig, der in enger Anlehnung an Sigmund Freud seine Zeitgenossen analysierte. Cordelia Wege spielt eine Geschichte aus Stefan Zweigs „Amok – Novellen einer Leidenschaft“. Wie sie das macht ist großartig, wird mit Standing Ovations bejubelt…

Berlin – „Social Fabric Earth Return“ – Claudia Hills Poncho-Kunstprojekt in der Efremidis Gallery

Claudia Hiller und Megan Marrin in der Galerie Efremidis präsentier von www.schabel-kultur-blog.de

Weben ist für Claudia Hill eine Geste der Zuwendung und des Zusammenseins und immer schon eine Domäne der Frauen. Sie lebt als interdisziplinäre Künstlerin in Berlin mit Schwerpunkt auf somatischen Formen, Kostüm- und Bühnendesign. Zehn Jahre lang schickte sie einen von ihr selbst gewebten Poncho um die Welt an unterschiedlichste KünstlerInnen mit der Aufforderung ihn zu benutzen, zu bearbeiten und wieder zurückzuschicken…

Berlin – Mark-Anthony Turnages Oper „Greek“ auf dem Parkdeck der Deutschen Oper

Opernkritik "Greek" an der Deutschen Oper Berlin präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

Schrill und bunt, poppig und lustig wird die Öpidus-Parodie „Greek“ von Mark-Anthony Turnage und Jonathan Moore unter der Regie von Pınar Karabulut. Musik und Visualisierung finden eine schmissige Synthese, die auf der Basis von Sophokles großer Tragödie musikalisch, inhaltlich und optisch ganz neue Wege geht.

1988 wurde „Greek“ im Rahmen der 1. Münchner Biennale für Neues Musiktheater uraufgeführt. Jetzt feiert man die Inszenierung an der Deutschen Oper, das krasse Gegenteil zu George Enescus wuchtigem „Œdipe“ in der Komischen Oper. Wie ein überdrehtes Musical bietet „Greek“ 90 Minuten lang eine Comic-Seifenblase  nach der anderen…

Berlin – George Enescus „Œdipe“ in der Komischen Oper 

Opernkritik von Enescus "Œdipe" präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

„Ich bin unschuldig“ schreit der blinde, verstümmelte Öpidus zornig. Das wäre ein großartiger Schluss gewesen und hätte die Schicksalsfrage noch mehr in den Vordergrund gerückt, auf die George Enescu in seiner erweiterten „Œdipus“-Oper von dessen Geburt in Theben bis zum Tod vor Athen fokussiert. Warum erfüllt Ödipus die Wünsche und Voraussagen der Götter, obwohl er es gar nicht will? Dieser völlig fremd bestimmte Ödipus ist uns ganz nahe. Er wäre ein Ansatz für eine spannende Aktualisierung. Das aber wäre Regisseur Evgeny Titov zu banal. Er inszeniert George Enescus Version klassisch, expressiv reduziert, um das Wesentliche herauszuarbeiten. „Was ist größer als das Schicksal?“ formuliert es die Sphinx. Die Eigenverantwortung ist die Antwort von Musik und Regie…