Film – Tarantinos „Once Upon  a Time … in Hollywood“

Filmkritik "Once Upon a Time in Hollywood" präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

Da ist es wieder das großartige Hollywood der 60er Jahre, doch ganz anders, alles andere als großartig. Starregisseur Quentin Tarantino  präsentiert, nach monatelanger Geheimniskrämerei, ein amüsantes Hollywood-Remake, 1969 verortet, das hinter die Kulissen blicken lässt und legendäre Hollywood-Mythen ganz schlicht im Menschlichen verankert. Die existentielle Schere zwischen Star und Loser ist enorm, das emotionale Elend ziemlich ähnlich. 

Der Plot ist hollywoodadäquat simpel mit viel Raum und amüsant  parodistischen Blick auf soziale Unterschiede und den Konkurrenkampf in der Filmindustrie und die beiden Hauptdarsteller in ihrem schauspielerischen Talent bestens in Szene setzt. 

Berlin –  Tanz im August – Uraufführung von Deborah Hay „Animals on the beach & my choreographed body“

Tanzkritik von Deborah Hays "Animals on the beach" präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

Es ist schon eine außergewöhnliche Leistung nicht nur als Choreografin sondern auch als Tänzerin mit 78 Jahren noch auf der Bühne präsent zu sein. Deborah Hay vermag beides und stellt sich tapfer der Bewertung ihres Tanzstils minimalistischer Bewegungen. 
Bei den Uraufführungen ihrer beiden neuen Stücke präsentiert sie die Quintessenz ihrer tänzerischen Reduktion, ihren unverwechselbaren performativen Tanzstil, der sie, als sie ihre Tänzer beobachtete an Tiere erinnerte, woraus sich der Titel dieser Uraufführung „Animals on the beach“ entwickelte. 
Die zweiteilige Performance beginnt Deborah Hay selbst mit „My choreographed body“, eine Reverenz an die Schöpfung in tai-chi-mäßiger Langsamkeit.

Landestheater Niederbayern – „Als Regisseur ein Spielanstifter“ – Interview mit Regisseur Markus Bartl

Interview mit Regisseur Markus Bartl präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

Zehn Jahre war Markus Bartl Spielleiter am Landestheater Niederbayern. Mit dem Umzug ins Theaterzelt zog er sich aus dieser Arbeit zurück, um mehr Freiraum zum Inszenieren zu haben. Als freier Regisseur und Dozent an der Akademie für darstellende Kunst in Regensburg wird er künftig mit nur einer Produktion pro Jahr nicht mehr so präsent am Landestheater Niederbayern sein. Theaterbesucher, die die künstlerische Auseinandersetzung schätzen, bedauern das sehr. Für Markus Bartl ist es andererseits noch einmal eine Chance sich andere Theater kennenzulernen. Für die nächsten drei Jahre ist er schon ausgebucht.

Berlin –  Catherine Gaudets „The Fading of the Marvelous“ „Tanz im August“

Tanzkritik von Catherine Gaudets "The Fading of the Marvelous" präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

Zwei Frauen, drei Männer, bis auf Slips nackt, bewegen sich  in kleinen Kreuzschritten Richtung Publikum, jeder für sich, doch ganz nah in einer gemeinsamen Reihe als Ausdruck einer ritualisierten Lebensform. Gleichförmig schieben sie sich trapezförmig  zu den stereotypen Beats im Viervierteltakt  nach vorn, ganz präzise immer im selben Muster vier Schritte vor, seit oder zurück zu doppelt so vielen Takten. An der Bühnenrampe öffnen sie die geschlossenen Augen, blicken hochkonzentriert ins Publikum. Körper und Haltung völlig angespannt, als blickten sie in das eigene Spiegelbild weichen sie erschreckt zurück, kauern zusammen, gehen auf Abstand voneinander, deformieren in Schräglage nach hinten, degenerieren zu Puppen, deren feinmotorischer Rhythmus außer Kontrolle geraten ist. Sie  fangen sich in harmonischen, sehr differenzierten Posen wieder ein, in denen sich Lebensstile zwischen Muskelprotz, Macho, Naturbursche, Magersüchtigen und der selbstbewusst Sinnlichen spiegeln. 

Film – „Der unerhoffte Charme des Geldes“

Filmkritik "Der unerhoffte Charme des Geldes" präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

Als studierter Philosoph ist  Pierre-Paul (Alexandre Landry) viel zu intelligent, um Ungerechtigkeiten des Lebens nicht zu durchschauen. Groß in Gedanken, klein im praktischen Leben ermöglicht er sich als Kurier ein bescheidenes Leben und hilft,  wo immer er kann, den ganz Armen und Obdachlosen. Als ausgerechnet ihm, dem  schüchternen Philosophen, Millionen Gaunergeld  bei einem Banküberfall regelrecht zu Füßen fallen, kann auch er dem „Unverhofften Charme des Geldes“ nicht widerstehen. Mit Hilfe eines haftentlassenen Ganoven (Rémy Girand), der den Knast für ein Ökonomiestudium genutzt hat, dem besten Off-Shore-Banker (Pierre Curzi), einem Exkunden der Edelprostituierten Aspasias (Maripier Morin), die Pierre-Paul verzaubert, gelingt der große Coup die Millionen trotz polizeilicher Überwachung über eine Stiftung in London effektiv anzulegen. 

Berlin – „Garten der irdischen Freuden“ Ausstellung im Gropiusbau

Ausstellung "Garten der irdischen Freuden" im Berliner Gropiusbau präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

Immer wieder inspiriert der Garten Künstler. Als Metapher für den Zustand der Welt präsentieren über 20 internationale Künstler ihre Interpretationen zum „Garten der irdischen Freuden“.
Kuratorin Stephanie Rosenthal, seit 2018 Direktorin des Gropiusbaus hat die Ausstellung in Zusammenarbeit mit Clara Meister sehr vielschichtig konzipiert, kombiniert Historie und Zeitgeist, Entspannung und Chaos, Eros und Perversion, Paradies und Kontrollraum, psychedelische Erlebniswelten und dokumentarische Bewusstseinsbildung. Die Gärten, Installationen unterschiedlichster Art, mit und ohne Pflanzen, wachsen, duften, werden hörbar und fühlbar, erotisieren, inspirieren, irritieren, kritisieren.

Berlin – Das Programmkino „Babylon“ feiert 90-jähriges Jubiläum 

Theaterkritk "Metropolis" und Programmkino Babylon präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

5076 Kinos gab es 1929 in Deutschland, 378 allein in Berlin und dann machte das „Babylon“ am Bülow-Platz, dem heutigen Rosa-Luxemburg-Platz vis-a-vis von der Volksbühne auch noch auf, ausgerechnet in einer Gegend, die schon völlig overscreent war. Straßennamen  wurden geändert, politische Systeme wechselten einander ab. Das „Babylon“ behielt seinen Namen und blieb, besitzt die älteste Stummfilmorgel und anlässlich des Jubiläums nun als  einziges Kino in Europa ein Stummfilmorchester.

Mallorca – ein schöne Insel mit immer mehr Problemen 

Reisebericht Mallorca präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

Was tun, wenn die Touristen zur Plage werden?  Mallorca Schönheit wird den Inselbewohnern zunehmend zum Problem. Trotz Ballermann-Image kommen immer Touristen. 

Alle Küsten sind inzwischen zugebaut. Der Boden versiegelt, das Wasser knapp, Verkehrsstaus ohne Ende, Unmengen von Müll, jedes Jahr 1,5 Millionen Plastikflaschen und Getränkedosen,  steigender Energiebedarf, jetzt auch noch die Wohnungsnot durch Airbnd and Homeaway.

Berlin – Das neue „Babylon Orchester Berlin“

Konzertkritik "Babylon Stummfilmorchester Berlin

Kino wie Oper mit Live-Orchester ist schon ein ganz besonderes Erlebnis, nur an einem Ort in Deutschland möglich, und zwar im Berliner Programm-Kino „Babylon“. 

Dieses Jahr wurde zum 90-jährigen Jubiläum des  „Babylon“  das Babylon-Orchester-Berlin gegründet.  Profis spielen Stummfilmmusik auf einem exzellentem Niveau. 16 bis 21 Musiker umfasst das Babylon-Hausorchester. 

Film – Almodóvars „Leid und Herrlichkeit“

„Ich will, dass du mich spielst, aber ich will es nicht sehen“, sagt Salvador Mallo

Der kleine Bub singt wunderbar, ist in allen Dingen begabt und lernt spielerisch. Später wird er, Salvador Mallo ein spanischer Starregisseur, in dem ganz viel Pedro Almodóvar steckt, ein Wrack, einsam, krank und schließlich heroinabhängig. Mit einer verblüffenden Offenheit präsentiert Pedro Almodóvar die Problematik des Alterns zwischen Erfolg, deprimierenden Resümees durch nicht überwundene menschliche Verluste, wodurch der Film die autobiografische Frage völlig in den Hintergrund stellt und zur großen Parabel „Zwischen Leid und Herrlichkeit“ des Lebens wird. „Ich will, dass du mich spielst, aber ich will es nicht sehen“, erklärte Antonio Banderas in einem Interview, Pedro Almodóvar wollte, dass er die Rolle spiele. Das ist ihm perfekt gelungen. 

Bayreuth – Wagners „Die Meistersinger von Nürnberg“

Bayreuther Festspiele, Opernkritik "Die Meistersinger von Nürnberg" präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

Der Jubel um Barrie Koskys Inszenierung der „Meistersinger von Nürnberg“ ist ungebrochen. Die gelungene Fusion dieser erstklassigen, sehr humorvollen, doch tiefgründigen Version mit musikalischen Spitzenniveau wurde auch dieses Jahr Beifallsstürmen gewürdigt. Barrie Koskys Konzept wirkt im traditionsverhafteten Festspielhaus Bayreuth äußerst erfrischend. Es gelingt ihm aus dem langatmigen Sängerwettbewerb ein bewegungsintensives Spiel zu entwickeln, Richard Wagners doch sehr fragwürdiges Gedankengut in den Mittelpunkt zu stellen, ohne ihn vom Sockel zu stürzen, denn so satirisch die Inszenierung auch ist, sie bleibt trotz allem immer charmant verspielt oder grob überzogen wie in der Commedia dell´arte mit überraschenden Bühneneffekten.

Frisch gekocht ist besser als jedes Fertigprodukt

"Gesund essen" präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

Jahrtausende hat der Mensch Essen selbst gekocht. Das Zeitalter der Fertigprodukte untergräbt unsere Esskultur. Das Ergebnis war zuerst in den USA zu sichten und verbreitet sich  seit einigen Jahren mit rasanter Geschwindigkeit im XXXL-Format. Ursache sind in erster Linie die billigen Fertigprodukte. 
Wer mit Kultur essen will und nicht das Portemonnaie hat, gut essen zu gehen, kocht am besten selbst. Die kleine Küche zu Hause ist zigmal besser als jegliches Fertigmenü. 

München – Hypo-Kunsthalle „In einem neuen Licht Kanada und der Impressionismus 1880 – 1930“

Ausstellung "Kanada und der Impressismus" präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

Schnee- und Herbstlandschaften, gemütlich erleuchtete kleine Orte, Ernteszenarien, Menschen im Einklang mit der Natur gemalt in impressionistischer Manier, das sind die Bilder, die zur Zeit in der Münchner Hypo-Kunsthalle  Kanada in einem neuen Licht zeigen.

120 Gemälde von 36 Künstlerinnen und Künstlern aus Kanada sind zu sehen. Größtenteils noch nie öffentlich gezeigt gibt die Ausstellung zum ersten Mal einen Überblick über den kanadischen Impressionismus.