Staatsballett München – Roland Petits „Coppelia“

Ballettkritik "Coppelia" präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

Etwas lange spielt die Drehorgel als Einstimmung in vergangene Zeiten. Doch sobald sich der Vorhang öffnet verzaubern szenische Atmosphäre und kesse Choreographien. Grau ist die Hausfassade, doch in den Fenstern leuchten die Tänzerinnen in Rose. Nur eine blickt distanziert mit spanischer Grandezza, schwarz gekleidet, aus dem Fenster. Es ist Coppelia, eine mechanische Puppe, was aber nur der Erfinder Coppelius weiß.
Und schon ist man mitten drin in der Thematik um die Traumfrau nach der  E.T.A. Hoffmanns romantischer Geschichte „Der Sandmann“ Roland Petit verwandelte sie 1975 in ein witziges Handlungsballett.

Film – Todd Philips „Joker“

Die Oberschenkel beginnen zu vibrieren, das Gesicht verzieht sich zu einem explosiven Lachen, das nicht mehr aufzuhören scheint. In Großaufnahme herangezoomt, erkennt man die  immer größere Traurigkeit dahinter, auch die zunehmende Gewalt, intensiviert durch den leitmotivisch immer lauter  hämmernden Soundtrack. 
Schon im Vorfeld viel diskutiert, die  Grausamkeit eines Mörders im Fokus als Gewaltverherrlichung bemängelt,  spiegelt  Todd Philips „Joker“ doch nur die Grausamkeit der ökonomischen Spaltung in den Metropolen der Welt  und was sie aus uns Menschen macht. 

Landshut – „Frankenstein“ in der Version der Comoedia Mundi

"Frankenstein" der Comoedia Mundi präsentiert von www.schabel-klutlur-blog.de

Es donnert, blitzt in schauerromantischer Manier. Herabhängende Seile lassen Unheil ahnen. Im Nebel wird  nach einer Leiche gesucht, um im Labor ein neues Leben zu kreieren. In einem Leintuch beginnt ein Embryo zu wachsen und lässt als physisch erwachsener Körper die Fruchtblase platzen. Zwischen romantischer Musik und Elektrosound (Robert Stephan) wird Spannung hörbar, rückt Vergangenheit in den Puls unserer Zeit. Doch die neu belebte Kreatur ist nicht wie in Mary Shelleys weltweit berühmtem Gruselroman „Frankenstein“ ein Monster. 

Dorfen – „Manuel Randi und Marco Stagni“ begeistern im Jakobmayer

Manuel Ranfi und Marco Stagni präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

Manuel Randi sieht aus wie ein Spanier, ist durch und durch ein charmanter Italiener und spielt brillant Gitarre. Er betritt die Bühne mit Marco Stagni,  schließt die Augen und ab geht die Post, denn was und wie er spielt, ist an Rasanz kaum noch zu überbieten als Crossover durch sämtliche Genre ein spannendes Hörererlebnis, intensiviert, klanglich erweitert und verfeinert  an diesem Abend im Dorfener Jakobmayer durch den Kontrabassisten Marco Stagni, der der Gitarre den warm pulsierenden  Herzschlag seines Instruments entgegensetzt. 

Landshut – Euripides´“Medea“ in den Landshuter Kammerspielen

Theaterkritik "Medea" im Kleinen Theater Landshut präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

Das Meer rauscht und kräuselt sich auf der Spiegelfolie des Bühnenbodens,  Klangwindspiele werden hörbar, statt Horizont eine graue Mauer. Das karge Bühnenbild Helmut Stürmers und die Kompositionen von Philipp Degünther versetzen den Zuschauer in einen meditativen Schwebezustand, den Medeas Schrei durchschneidet und schon ist man mitten drin in der Tragik „Medeas“. Das hat Wucht und bleibt eineinhalb Stunden spannend. 

Intendant Sven Grunert und Dramaturgin Ganna Madiar kürzten Hubert Ortkempers „Medea“-Fassung auf ein kompaktes Format, behielten zwar den Sprachduktus, wagten aber eine zeitgenössische Überarbeitung. Das Ergebnis ist eine  spannende „Medea“. 

Berlin – Günter Grass´ „Die Blechtrommel“ im Berliner Ensemble

Theaterkritik "Die Blechtrommel" präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

Selbst in der 99. Vorstellung der „Blechtrommel“ gibt es noch einige Standing Ovations. Seit 2017 steht Günter Grass´ „Die Blechtrommel“ in der Theaterfassung von  Oliver Reese auf der Bühne. Der jetzige Intendant  des Berliner Ensemble hatte „Die Blechtrommel“  bereits zwei Jahre davor, 2015, in Frankfurt inszeniert.  
Aus Grass´  800-seitigem epischem Figuren-Kosmos aus der Perspektive Oskars  ist ein Ein-Personen-Stück geworden, exzellente gespielt von Nico Holonics als Oskar unter der Regie von Oliver Reese. Mit differenzierter Stimmmodulation und facettenreichem Bewegungsrepertoire wird  das unmittelbare soziale Umfeld gegenwärtig, der offizielle Vater Mazarath, die Mutter, der leibliche Vater Jan Bronski, immer noch der heimliche Liebhaber der Mutter, Anna, Mazarath Juniors erste Liebe, die er schwängert und vom Vater geheiratet wird, dazu Bebra, der Direktor der Mirakelshow und späteren Fronttheaters, das marschierende und zerbombte Deutschland klingt pantomimisch und akustisch an. 

Berlin –  „Micro Era. Medienkunst aus China“ – Ausstellung im Berliner Kulturforum

Ausstellung "Micro Era.Medienkunst aus China" präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

Die Volksrepublik China feiert ihr 70-jähriges Bestehen und gleichzeitig denAufstieg zur Weltmacht mit Ziel Supermacht zu werden. Wie sehen chinesische Künstler diese Entwicklung?
Die Ausstellung „Micro Era – Medienkunst aus China “  im Berliner Kulturforum gibt Antworten, von China aus betrachtet ungewöhnlich kritische.  

Film – „Nurejew – White Crow“

Filmkritik "Nurejew White Crow" präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

Inzwischen ist Rudolf Nurejew eine Legende. In den 60er Jahren war der russische Balletttänzer ein Weltstar. Er wagte es, sich in den Westen abzusetzen und den klassischen Tanz zu modernisieren. 
Nurejews Geschichte verfilmte der englische Schauspieler und Regisseur Ralph Fiennes. 20 Jahre dauerte es, bis “Nurejew – The White Crow“ „Nurejew – der Außenseiter“ auf die Leinwand kam. Nach der Premiere 2018 ist er jetzt auch in Deutschland zu sehen.

Berlin –  Immigrationsstück „Amir“ am Berliner Ensemble 

Theaterkritik "Amir" präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

Eine große Mauer dreht sich, abwechselnd im Laufschritt beschleunigt von den Darstellern, die sich mit Liegestützen und Boxen fit machen für ihr raues Leben, in das sie der neue Status als Flüchtling„geduldet“ in Deutschland stigmatisiert. 
Wie ein Angeklagter sitzt Amir vor der Mauer, die als Chiffre sozialer Trennung, Projektions- und Zeichenfläche fungiert. Überdimensional verzerrt verkündet darauf der Richter (Owen Peter Read) das Urteil, eines von Hunderten, wie die Strichliste über seinem Konterfei bewusst macht. „Flüchtlingsstatus geduldet. Erwerbstätigkeit nicht gestattet. Sie dürfen nichts machen.“

Berlin – Wiederaufnahme von „Giselle“ vom Berliner Ballettensemble an der Deutschen Oper

„Hui“, schreit ein Besucher voller Überraschung und Bewunderung, als Giselle durch eine Luke in der Bühne nach ihrem faszinierenden Soli verschwindet. Seit über 270 Jahren wird „Giselle“ getanzt und begeistert immer noch das Publikum. Dieses Ballett ist das Meisterwerk der französischen Romantik, wird nie altmodisch, weil diese Zeit in ihrer Wald-, Liebes- und Feenromantik immer die Sehnsüchte der Menschen bedient.

„Hui“, schreit ein Besucher voller Überraschung und Bewunderung, als Giselle durch eine Luke in der Bühne nach ihrem faszinierenden Solo verschwindet. Seit über 270 Jahren wird „Giselle“ getanzt und begeistert immer noch das Publikum. Dieses Ballett ist das Meisterwerk der französischen Romantik, wird nie altmodisch, weil diese Zeit in ihrer Wald-, Liebes- und Feenromantik immer die Sehnsüchte der Menschen bedient.

Berlin  – Das Frühwerk des Fotografen „Robert Franke. Unseen“ im C/O 

Berlin  - Das Frühwerk des Fotografen „Robert Franke. Unseen“ im C/O 

Der Bildband „The Americans“ hat Jahrzehnte  lang das Image von Amerika geprägt. Auf einer Reise von der Ost- zur Westküste machte der junge Fotograf Robert Franke über 30000 Bilder. 83 wählte er für sein Fotobuch „The Americans“ aus, eine Mischung aus Reisetagebuch, Dokumentation und Roadmovie. Beat-Literat Jack Kerouac schrieb dazu einleitende Gedanken. Es wurde ein grandioser Erfolg.  Robert Frankes Blick auf Amerika  enthüllt sehr subtil den hohlen Patriotismus,  Rassismus,  Autofetischismus, Konsumorientierung der Amerikaner.