„Wir könnten schon tot sein“ – ein Thriller über die Angst

Filmkritik „Wir könnten alle schon tot sein“ präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de.

Voller Angst, wie verfolgt, hasten ein Mann und eine Frau, dazwischen der kleine Sohn durch den Wald. Sie wollen eine Wohngenehmigung auf der anderen Seite dieser Welt. Demütig, auf den Knien bittet der Mann um Fürsprache bei der jungen, militärisch wirkenden Sicherheitsbeauftragten. Doch das verrät Unsicherheit. Der Antrag wird abgelehnt. 

Thrillermäßig folgt nun die Kamera fast ausschließlich dieser Sicherheitsbeauftragten, aus deren Perspektive sich die Psychosen der Hausgemeinschaft immer mehr offerieren. Es entsteht eine düster dystrophe Parabel, die durch die ruhige Kameraführung eine außerordentliche bedrückende Kraft entwickelt. Der erste Langzeitfilm von der deutsch-russischen Regisseurin Natalia Sinelnikovas, aufgeführt auf der Berlinale 2022, entwickelt sich zu einem Thriller über die Entwicklung von  Angst in abgeschotteten, zu engen Systemen, egal welches ideologisches System zugrunde liegt…

Landshut – „Boeing Boeing“ im Landestheater Niederbayern immer noch eine Lachnummer

Theaterkritik "Boing, Boing" präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

Ein Globus leuchtet in der Nacht. Durch das Fenster schimmert der Eiffelturm. Bernard und Janet, Stewardess der PAA, frühstücken. Er drängt zur Abreise. In Kürze wird Jacqueline von der Air France eintreffen und danach Judith von der Swiss Air. Sein schüchterner Freund Robert staunt, als er überraschend zu Besuch kommt, über Bernards ausgeklügeltes Konzept. „Eine hier, eine landet und eine ist in der Luft.“ Doch als sich durch schnellere Linienflugzeuge die Ankunftszeiten ändern, kommt Bernard in die Bredouille, wobei sich Robert als talentierter Koordinator entpuppt…

Sylvia Plath „Das Herz steht nicht still“

Buchrezension Sylvia Plath "Das Herz steht nicht still" präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

Erstmals auf Deutsch wurden vor kurzem Sylvia Plaths späte Gedichte in einer zweisprachigen Ausgabe publiziert. Die US-amerikanisches Schriftstellerin (*1932 in Boston, †1963 in London“) galt als kreatives Schreibtalent, litt aber schon als Jugendliche  an Stimmungsschwankungen und Depressionen. Mit 21 Jahren versuchte sie sich das Leben zu nehmen. Ihre Lebens- und Eheerfahrungen mit dem Dichter Ted Hughes verarbeitete sie in ihren Gedichten und ihrem ersten und einzigen Roman „Die Glasglocke“. Der literarische Erfolg stellte sich erst postum  mit den Lyrikbänden „Ariel“ und „Collected Poems“ ein, für letzteren ehrte man sie mit dem Pulitzer-Preis. Wegen ihrer Bekenntnisliteratur wurde sie nach ihrem Tod zu einer Ikone der Frauenbewegung stilisiert. Jetzt präsentiert der Suhrkamp Verlag  zu ihrem 90. Geburtstag den Gedichtband „Das Herz steht nicht still“, eine  Sammlung von 51 späten Gedichten…

„Mallorca. Populäre Irrtümer und andere Wahrheiten“

Buchrezension „Mallorca. Populäre Irrtümer und andere Wahrheiten“ präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

Für manche Menschen, auch wenn sie viel reisen, ist Mallorca, die siebtgrößte Insel im Mittelmeer, wie ein Magnet. Reisejournalist Frank Rumpf gehört dazu. In seinem Buch „Mallorca. Populäre Irrtümer und andere Wahrheiten“ zeigt er abseits des Ballermanns die Traditionen und Highlights der Insel. Er rückt Vorurteile zurecht und man beginnt zu verstehen, warum für viele Deutsche Mallorca das 17. Bundesland zu sein scheint…

München – Bayerische Staatsoper glänzt durch Auszeichnungen – „Orchester des Jahres 2022“ und „Inszenierung des Jahres 2022“ 

Auszeichnungen "Orchester, Sänger, Inszenierung des Jahres 2022" präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

Das Bayerische Staatsorchester ist zum 8. Mal in Folge zum „Orchester des Jahres“ gekürt worden. Als eines der ältesten und traditionsreichsten Orchester der Welt ist das Bayerische Staatsorchester aus der Münchner Hofkapelle hervorgegangen. Seine Ursprünge lassen sich ein halbes Jahrtausend bis ins Jahr 1523 zurückverfolgen…

Witten – „Kunst und Bau, Perspektiven aus NRW“ im Saalbau Witten

"Kunst und Bau, Perspektiven aus NRW" präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

Wo Kunst und Bau zusammenfinden, gibt es immer wieder ganz besondere Synergieeffekte. Vor, neben, hinter, an oder auf öffentlichen Gebäuden oder Geschäftshäusern und Firmenzentralen wird Kunst zum Eyecatcher und oft auch zum Leitsymbol. 
Welche Wirkungen dabei erzielt werden, zeigt die Ausstellung „Kunst und Bau, Perspektiven aus NRW“, die gestern eröffnet wurde, entstanden in einer Kooperation mit der Stadt Witten und dem Wittener Kulturforum…

Oberammergau – „42. Passionsspiele“ – ein positives Resümee

"Oberammergauer Passionsspiele" präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

Wie schon 2021 die Salzburger Festspiele bewiesen auch die Oberammergauer Passionsspiele in diesem Jahr, dass kulturelle Großveranstaltungen bei umsichtigen Hygienemaßnahmen und einem vernünftigen Publikum durchaus gefahrenfrei realisiert werden können. Mit 110 Aufführungen, 412 000 verkauften Tickets, einer Auslastung von 91 % und keiner einzigen abgesagten Vorstellung ziehen die Organisatoren eine sehr positive Bilanz… 

Berlin – „Pure Bliss“ getanzt vom Stuttgarter Ballett

Ballettkritik "Pure Bliss" präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

Sie tanzen klassisch und modern, tanzen auf Spitze, in Socken oder barfuß, flexen witzig die Füße, springen athletisch, rennen gegen Mauern, vertanzen Flirt und Liebe, politische Spannungen und Trennungen und holen „Dornröschen“ in unsere Zeit. Mit drei Choreografien getanzt vom Stuttgarter Ballett begeistert Johan Inger das Berliner Publikum im Tempodrom auf hohem Tanzniveau drei Tage hintereinander…

„Igor Levit – No Fear“ – ein dokumentarisches Porträt von Regina Schilling

Filmkritik "Ivor Levit - No Fear" präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

Der Flügel wird die Treppen hochgeschleppt. Igor Levit sieht besorgt aus. „Im nächsten Leben spiele ich Querflöte“. Prägnante Kürze und unverblümte Ehrlichkeit zeichnen Igor Levit aus. Durch seine Hauskonzerte während der Lockdowns gelangte er ins Bewusstsein eines breiten Publikums. Mit seinen Konzerten setzte er für viele und auch für sich selbst ein Zeichen der Hoffnung. 
Jetzt zeigt der Film „Igor Levit – No Fear“ ein überaus subtiles und offenes Porträt dieses Pianisten. Weit weg vom üblichen Starrummel beleuchtet Regina Schilling (Drehbuch, Regie) sehr nahe und persönlich, was Igor Levit im Innersten bewegt…

Berlin – Luigi Nonos Oper „Intolleranza“ an der Komischen Oper – eine ungewöhnliche Inszenierung

Opernkritik Nonos "Intolleranza" präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

Mit einer Schnee-Eis-Landschaft im Parkett überrascht das neue Intendantenpaar Susanne Moser und Philip Bröking bei der ersten gemeinsamen Premiere. Ganz in Weiß gehüllt bis hinauf zu den Rängen wirkt der Zuschauerraum zur Metapher vereister Menschlichkeit. Einige Besucher sitzen am Rand des Parketts in weißen Hemdchen als Erweiterung der Eiswüste, alle anderen auf der Bühne und im ersten Rang. Das Orchester mit 12 SchlagzeugerInnen logiert darüber im zweiten Rang. Das hat Wucht und wird unter der musikalischen Leitung von Gabriel Feltz und Regie von Marco Štorman zu einem einmaligen Opernerlebnis…

Berlin – „Brechts Gespenster“ – im Berliner Ensemble

Kafka, Gott, Marx, Lenin, Freud, Thatcher und Skelette hängen schlapp in einer übervollen Marionetten-Requisite ab, mittendrin die Hauptperson Bertolt Brecht. Es sind seine Gespenster, seine zu menschenähnlichen Gestalten visualisierte Gedanken, die Suse Wächter (Regie und Puppenbau) mit Hans-Jochen Menzel auf der Bühne des Berliner Ensemble lebendig macht.  Rasant mit Musik unterlegt, mit erstaunlich authentischen Stimmlagen reanimiert entwickelt sich eine charmant unterhaltsame  Theaterrevue als rhetorisches Feuerwerk aus ironischer Distanz. Die verblüffend authentischen Physiognomien der Marionetten und subtielnen Stimmimitationen geben "Brechts Gespenstern" eine sympathische Aura. Jede Szene sorgt für überraschende Lacher. Es ist ein amüsantes Marionettenspiel für Erwachsene, allerdings ohne größeren Tiefgang, mehr eine liebevolle Hommage an Brecht und das Theaterhaus…

Kafka, Gott, Marx, Lenin, Freud, Thatcher und Skelette hängen schlapp in einer übervollen Marionetten-Requisite ab, mittendrin die Hauptperson Bertolt Brecht. Es sind seine Gespenster, seine zu menschenähnlichen Gestalten visualisierten Gedanken, die Suse Wächter (Regie und Puppenbau) mit Hans-Jochen Menzel auf der Bühne des Berliner Ensemble lebendig macht. 
Rasant mit Musik unterlegt, mit erstaunlich authentischen Stimmlagen reanimiert entwickelt sich eine charmant unterhaltsame Theaterrevue als rhetorisches Feuerwerk aus ironischer Distanz. Die verblüffend authentischen Physiognomien der Marionetten und subtilen Stimmimitationen geben „Brechts Gespenstern“ eine sympathische Aura. Jede Szene sorgt für überraschende Lacher. Es ist ein amüsantes Marionettenspiel für Erwachsene, allerdings ohne größeren Tiefgang, mehr eine liebevolle Hommage an Brecht und das Theaterhaus…

François Ozon „Peter von Kant“

"Peter von Kant" präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

Die 72. Berlinale rückt Rainer Werner Fassbinder mit dem Eröffnungsfilm „Peter von Kant“ ins Zentrum der Internationalen Filmfestspiele Berlin. Seine großartigen Filme sind in Deutschland in der Versenkung verschwunden, werden aber in Frankreich noch sehr geschätzt. 1972 drehte Fassbinder „Die bitteren Tränen der Petra von Kant“, eine Auseinandersetzung über Liebe mit der Einsicht „Man muss lernen zu lieben, ohne zu fordern“.
Regisseur François Ozon macht aus Petra Peter und weitet den Film so zu einem Porträt Fassbinders. In der Ästhetik der 70er Jahre, in intensiven, schwülen Farben und Songs gelingt ein subtiles Kammerspiel, das Außenwirkung und Innenleben, Liebe und Macht, Abhängigkeit und Freiheit in allen menschlichen Beziehungen der Geschichte nachspürt, die Wechselhaftigkeit und Sensibilität Fassbinders offenlegt und sein vergebliches Suchen nach Liebe bis in Rausch, Aggression und Zusammenbruch nachzeichnet. Es entfaltet sich ein weichgezeichnetes, ästhetisch gestyltes Fassbinder-Porträt des ehemaligen Enfant Terrible des deutschen Films zwischen der Ernsthaftigkeit eines Kammerspiels und Hollywood-Glamour…

Florian Heinzen-Ziob – „Dancing Pina“ – eine Hommage an Pina Bauschs Tanzstil und wie er sich weiterentwickelt 

Pina Bausch (1940-2009) gehört zu den großen ErneuerInnen des modernen Tanzes. Wim Wenders filmte 2011 ein Epos über ihre Arbeit. Ihre Tanzkompagnie, die sie Anfang der 1970er Jahre in Wuppertal gründete, war nicht auf ein optisches Einheitsmaß zurechtgestutzt. Es kam nicht auf eine gewisse Größe und Körperlichkeit an, sondern auf die Persönlichkeit der TänzerInnen. „Die Bewegungen müssen sprechen.“ Florian Heinzen-Ziob zeigt diese Botschaft in wunderbaren Filmsequenzen simultan während der Proben in Afrika und in der Dresdner Semperoper, wie Pina Bauschs Tanzstil weiterentwickelt wird…

Pina Bausch (1940-2009) gehört zu den großen ErneuerInnen des modernen Tanzes. Wim Wenders filmte 2011 ein Epos über ihre Arbeit. Ihre Tanzkompanie, die sie Anfang der 1970er Jahre in Wuppertal gründete, war nicht auf ein optisches Einheitsmaß zurechtgestutzt. Es kam nicht auf eine gewisse Größe und Körperlichkeit an, sondern auf die Persönlichkeit der TänzerInnen. „Die Bewegungen müssen sprechen.“ Florian Heinzen-Ziob zeigt diese Botschaft in wunderbaren Filmsequenzen simultan während der Proben in Afrika und in der Dresdner Semperoper, wie Pina Bauschs Tanzstil weiterentwickelt wird…

Werner Herzog „Jeder für sich und Gott gegen alle – Erinnerungen“

Buchrezension Werner Herzog "Jeder für sich und Gott gegen alle" präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

Werner Herzog war sich völlig sicher, sein achtzehntes Lebensjahr nicht zu erreichen. Deshalb wollte er in seinen Filmen von Anfang zeigen, was ihm wichtig war, keine Unterhaltung, sondern das Essentielle. Er lebt immer noch und anlässlich seines 80. Geburtstags erschienen seine Memoiren „Jeder für sich und Gott gegen alle – Erinnerungen“ spannend, voller unglaublicher Überraschungen. Hat man sich nach den ersten acht Kapiteln über die komplexe Familiengeschichte eingelesen, erzählt er sein Leben seinen Filmen entlang und man beginnt seine Filme von einer neuen Warte aus als abenteuerlichen, selbst erlebten Herzogkosmos zu erleben, den man auch begreift, wenn man nicht alle Filme kennt…

Berlin – „Positions Berlin Art Fair“ avanciert zum Macher der „Berlin Art Week“ 

Berlin "Positions Art Fair" 2022 präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

Die 9. „Positions Berlin Art Fair“ hat sich ihren Platz als wichtigste Kunstmesse der Hauptstadt erobert. Was vor zehn Jahren als Treffpunkt der KunstliebhaberInnen und HändlerInnen begann, Teil der Berlin Art Week wurde, ist jetzt ihr Messehighlight. Mit 88 Galerien aus 20 Ländern aus allen Kontinenten zeigt die Positions Berlin Art Fair zeitgenössische Kunst, so manche moderne Klassiker, vor allem die Tendenzen und auch die medial lancierten Spekulationen des Kunstmarkts.
Mit 25000 Besuchern fand die „Positions Berlin Art Fair“ einen großen Zuspruch. Bilder im Wert bis 60000 € wechselten den Besitzer…