Holly Herndon & Mat Dryhurst, xhairymutantx, video made of images generated by a custom AI model (Ausschnitt) © Holly Herndon & Mat Dryhurst
Die Schirn Kunsthalle Frankfurt zeigt mit „The World Through AI“ eine große Ausstellung über Künstliche Intelligenz und zeitgenössische Kunst. Ein Vorbericht.
Ist das Bild analoge oder digitale Kunst? Als Kunstbetrachter erschließt sich das zuweilen nicht automatisch. Immer stärker dringt KI in die Kunstszene ein und verändert die zeitgenössische Kunst grundlegend. Durch die undurchsichtigen technischen Prozesse wird der Einfluss der KI gerade in der zeitgenössischen Kunstpraxis besonders deutlich. Die diesjährige große Sommerausstellung in der Schirn Kunsthalle Frankfurt zeigt, wie sich die Bearbeitung, Verbreitung, Beschreibung und Betrachtung von Bildern ändern.
„The World Through AI“ – breites Themenspektrum
In den beiden Ausstellungsräumen der Schirn Frankfurt werden rund 40 Werke aus den letzten zehn Jahren gezeigt, u.a. Videoinstallationen, Grafiken, Skulpturen und Fotografien, darunter mehrere eigens für die Ausstellung konzipierte Neuproduktionen, präsentiert von rund 25 internationalen Künstler*innen, darunter Nora Al-Badri, Nouf Aljowaysir, Julian Charrière, Grégory Chatonsky, Kate Crawford & Vladan Joler, Holly Herndon & Mat Dryhurst, Agnieszka Kurant, Trevor Paglen, Hito Steyerl, Sasha Stiles und Taller Estampa.
Mit 17 Themenbereichen ist „The World Through AI“ sehr breit ausgerichtet. Schwerpunkte sind Ressourcen und Umweltfaktoren, Fragen zur Wahrnehmung, zum maschinellen Sehen oder zur Gesichts- und Emotionserkennung. Von der Etablierung alternativer Geschichtsschreibungen bis hin zu möglichen Zukunftsvisionen werden Imagination und Erinnerung hinterfragt.
AI-Art, Slopaganda und Zeitkapseln
Ein ganz wichtiger Aspekt sind dabei der sogenannte AI Slop bzw. die Slopaganda, ein neuer Begriff, unter dem man Formen der politischen Propaganda mittels KI-generierter Bilder zusammenfasst.
Als parallele Erzählebene verbinden „Zeitkapseln“ die Gegenwart mit der Vergangenheit, wodurch gleichzeitig die aktuellen Veränderungen durch neue Technologien in einen
historischen Kontext eingebettet werden.
Künstliche Intelligenz in der Kunst
Ziel ist es, so Sebastian Baden, Direktor der Schirn, die technologischen und damit verbundenen gesellschaftlichen Umbrüche unserer Zeit sichtbar, plastisch erlebbar zu machen und dadurch Diskussionen über drängende ethische, ökologische und politische Fragen anzustoßen. Gerade beim Betrachten von KI-generierten Werken wird persönlich erlebbar, wie KI unser Denken, Fühlen und Leben beeinflusst und welche Konsequenzen sich daraus ergeben.
Ist eine andere KI möglich?
Die interaktive Arbeit xhairymutantx (2024) von Holly Herndon und Mat Dryhurst beweist: „Eine andere KI ist möglich“, indem sie der unternehmerischen Perspektive künstlerische Imagination und kollektive Schöpfung entgegensetzen. Ausgehend von den Fragen, wie das eigene Bild durch KI kodiert wird und wie die Kontrolle über Selbstdarstellungen zurückgewonnen werden kann, entwickelten die Künstler*innen ein eigenes öffentliches Text-to-Image-Modell mit Prompterstellung, das immer wieder Varianten einer rothaarigen, mutierten Holly-Herndon-Figur generiert. Die Arbeit ist Teil eines umfassenderen, fortlaufenden Werkkomplexes, in dem die Künstler*innen eine KI konzipieren und aktivieren wollen, die offen, transparent und kollektiv ist.
Man darf auf „The World Through AI„, 11. Juni bis 20. September 2026, gespannt sein.
Wie KI die Kunst verändert, macht derzeit auch in der Neuen Nationalgalerie Berlin über Beegles „Regular Animals“ nachdenklich. 2023 thematisierte bereits das Haus der Kunst mit „Wangshui Toleranzgrenze“, was KI in der Kunst plötzlich möglich machte.















