München – „Schmetterling“ – Choreografien mit Kultcharakter getanzt vom Bayerischen Staatsballett

Ballettkritik "Schmetterling" in München präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

Eine Tänzerin osteopathisch gebückt spaziert in der Pause über die Bühne und verschwindet. Nur zu gern würde sie noch einmal tanzen, verrät ihre witzige Mimik, doch der Körper kann nicht mehr. Oder doch? Von einem jungen Mann zärtlich umarmt und gehoben, gestützt und gedreht, gelingt kurz darauf das Unmögliche, werden Arme und Beine immer gestreckter, kehrt die Anmut der Jugend zurück, wenn auch krakelige Bewegungen, geflexte Füße und gewitzte Mimik dazwischen ganz bewusst den endorphinisierten Zustand parodieren. Mit diesen sich wiederholenden Sequenzen in „Schmetterling“ entstand ein Kultballett, das 13 Jahre später immer noch bejubelt wird.
Mit Standing Ovations feierte das Münchner Publikum den Ballettabend „Schmetterling“, dessen Choreografen die große Kunst beherrschen, zusammen mit dem Ensemble Geschichten zu erzählen. Der Titel lässt buntes Flirren assoziieren, doch die in vorwiegend  Schwarz-Weiß-Kontrasten gehaltenen beiden Choreografien dieses Ballettabends zielen tiefer, werden zur Metapher für die Eckpunkte menschlicher Existenz zwischen Liebe und Tod und die damit verbundenen Transformationen durch die verschiedenen Zeitphasen…

Düsseldorf „Flamenco-Festival 2023“ im tanzhaus nrw

Flamenco-Festival Düsseldorf präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

Wie stark sich Flamenco in den letzten Jahren verändert hat, zeigt immer wieder aufs Neue das „Flamenco-Festival“ in Düsseldorf, kuratiert von Juan Carlos Lérida. Hier trifft sich die Avantgarde der FlamencotänzerInnen. Das Publikum erlebt zeitgenössischen Flamenco vom Feinsten und kann gleichzeitig über die Workshops Flamenco in „Theorie und Praxis“ kennenlernen oder sich auf Master-Niveau nach den Rhythmen von Alegria, Taranto und Tango weiterbilden. Das diesjährige Programm ist ausgesprochen interessant…

Berlin – „Ek/Ekman“ – mitreißende Choreografien getanzt vom Berliner Staatsballett in der Deutschen Oper

Tanz "Ek/Ekman" Staatsballett Berlin präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

Mit zwei sehr unterschiedlichen Stücken, jedes auf seine Art mitreißend, begeistern die schwedischen Choreografen Mats Ek und Alexander Ekman in der Deutschen Oper mit dem Berliner Staatsballett. Musik, Bewegung und Bühnenbild entwickeln in beiden Arbeiten eine faszinierende Synergie und spannen den großen Bogen zwischen lyrischer Zartheit und furiosem Temperament zu einer optimistischen Grundhaltung gegenüber dem Leben…

Berlin – Emanuel Gat Dance mit „Lovetrain2020“ zu Gast bei den Berliner Festspielen

Emanuel Gat "Lovetrain2020" präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

Dunkel ist die Bühne, Nebelschwaden steigen auf. Sichtschlitze eröffnen einen voyeuristischen Blick auf glitzernde TänzerInnen adäquat zum Song „Ideas as Opiates“. In wechselnden Gruppierungen erscheinen die KünstlerInnen auf der Bühne und entwickeln mit „Lovetrain2020“ ein tänzerisches Feuerwerk. Choreograf Emanuel Gat lässt damit die Musikepoche von „Tears for Fears“ noch einmal aufleuchten. Mitten in der Pandemie hatte das Tanzmusical 2020 Premiere. Jetzt wurde Emanuel Gats Kompanie beim Gastspiel in den Berliner Festspielen begeistert gefeiert…

Berlin – „Pure Bliss“ getanzt vom Stuttgarter Ballett

Ballettkritik "Pure Bliss" präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

Sie tanzen klassisch und modern, tanzen auf Spitze, in Socken oder barfuß, flexen witzig die Füße, springen athletisch, rennen gegen Mauern, vertanzen Flirt und Liebe, politische Spannungen und Trennungen und holen „Dornröschen“ in unsere Zeit. Mit drei Choreografien getanzt vom Stuttgarter Ballett begeistert Johan Inger das Berliner Publikum im Tempodrom auf hohem Tanzniveau drei Tage hintereinander…

Berlin – Internationales Festival „Tanz im August“ eröffnet mit australischer Tanzkompanie Marrugeku 

Tanz im August 2022 "Marrugeku" präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

Der metallisch glänzende Bühnenhintergrund dient als Projektionsfläche des Tanzgeschehens. Es verwandelt sich aus der Schrägluftaufnahme in dokumentarischer Prägnanz in Gefängniszellen, wo indigene Häftlinge und Asylsuchende malträtiert und Aggressionen an Mithäftlingen abreagiert werden. Einschwebende Kronleuchter signalisieren die Gegenwelt der Weißen im Zustand der Dominanz, aber auch des Niedergangs. Zu sphärisch kraftvoller Musik und wuchtigem Sounddesign entwickelt Choreografin Dalisa Pigram die Szenencollage „Jurrungu Ngan-ga/Straight Talk “, die konzeptionell auf Rassendiskriminierung, Gewalt und Kriminalisierung von Underdogs zielt. Sie will „marginalisierten Gruppen eine Stimme verleihen“…

Berlin – Tschaikowskys Märchenballett „Dornröschen“ in der Choreographie von Marcia Haydée

Ballettkritik "Dornröschen" Staatsballett Berlin präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

Carabosse, die böse Fee, ist das Ereignis in der neuen „Dornröschen“-Choreographie von Marcia Haydée, die jetzt auch an der Deutschen Oper zu sehen ist. Für sie ist Carabosse das Zentrum und sie kann „Dornröschen“ nur choreographieren, wenn im Haus ein Tänzer die Rolle der Carabosse tanzen kann, ganz zu schweigen von der aufwändigen Inszenerierung und dem märchenhaften Bühnenbau. Die Staatsoper Berlin musste 177 Figuren auf die Bühne bringen, 300 Kostüme aus kostbaren Stoffen per Hand anfertigen..

Braunschweig – „Flamenco Superhéroes de Baile 2.0 Next Generation“ im Ku-Fa-Haus

Amsterdamer VIII Flamenco Biennale präsentier von www.schabel-kultur-blog.de

Rüschenkleider, Fächer, Kastagnetten – das durch den Massentourismus verbreitete Klischee von Flamenco grassiert immer noch um die Welt. Doch diese Folklore-Version hat sich schon in den 1990er Jahren mit den spektakulären Auftritte von Joaquín Cortés weiterentwickelt, als er mit nacktem Oberkörper, einer unkonventionellen Synthese aus Modern Dance, Klassischem Ballett und Flamenco weltweit das Publikum begeisterte. Wegen seines extrovertierten Tanzstils mitunter sehr kritisiert öffnete er doch die Tür für weitere Experimente. Diese zeigt die Ausstellung „Flamenco Superhéroes de Baile 2.0 Next Generation“. 2020 war sie in Sevilla zu sehen, jetzt wird sie in Braunschweig präsentiert…

Regensburg – Uraufführung „Mozart Mozart“- ein Tanzabend von Luca Signoretti und Georg Reischl

Tanzkritik "Mozart, Mozart" präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

Mozarts erster Auftritt mit fünf Jahren war ein Tanz, wenige Monate später debütierte er am Klavier. Die Musik machte ihn berühmt. Der Tanz inspirierte ihn immer und war ihm persönlich die liebere Muse. Mit „Mozart Mozart“ entdecken die Choreografen Luca Signoretti und Georg Reischl unter den vielen Mozartklischees eine neue, sehr originäre Facette, ganz nach der Einsicht „Jede Zeit kreiert ihren eigenen Mozart“…

München – „Passagen“ – Eröffnung der Münchner Ballett-Festspielwoche mit fulminanten Uraufführungen von Dawson und Goecke und einer Neueinstudierung von Ratmansky

Tanzkritik "Passagen" präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

Mit „Passagen“, Reisen durch verschiedene Choreografiestile und Betrachtungsweisen des Lebens, fand die Münchner Ballettfestwoche ein vortreffliches Motto für höchst expressive Tanzkunst. Mit der Neueinstudierung von Alexei Ratmansky „Bilder einer Ausstellung“, umrahmt von den Uraufführungen David Dawsons „Affairs of the Heart“ und Marco Goeckes „Sweet Bones´ Melody“ gelang ein spektakulärer Auftakt, dem in dieser Woche die Höhepunkte des Repertoires 2021-22 mit mehreren Rollendebüts folgen…

Tanz – Uraufführung von Sasha Waltz’ „Sym-Phonie MMXX“ in der Berliner Staatsoper als Epos der Menschheitsgeschichte 

Tanzkritik "Sym-Phon MMXX" präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

„Wir verurteilen den Krieg in der Ukraine. Die Waffen müssen schweigen. Der Traum von Freiheit und Demokratie ist unzerstörbar…Der Krieg muss aufhören im Namen der Menschlichkeit“, fordert das Berliner Staatsballett anlässlich der neuesten Uraufführung. Und genau dieser Schrecken menschlicher Dualitäten, immer wieder kontrastiert von der Idee eines „Zusammen-Klangs“ der Gegensätze bringt Sasha Waltz in ihrer Choreografie „Sym-Phonie MMXX“ auf die Bühne. 21 TänzerInnen formieren sich in immer neuen Konstellationen zur sphärenhaften Musik Georg Friedrich Haas, die er eigens für dieses Projekt komponierte, eine Sonate mit „vielen kleinen Geschichten“, die sich fortsetzen und wiederholen.
Der heftige Buhschrei zeugt nur vom völligen Unverständnis und verliert sich schnell im jubelnden Applaus für eine Uraufführung, die schon lange geplant, wegen Corona verschoben, durch die derzeitige politische Situation einen ganz aktuellen Bezug findet, kaum an den im Programmheft angekündigten digital provozierten Transformationsprozess denken lässt, sondern an das Kriegsgeschehen in der Ukraine. Vor diesem Hintergrund sind selbst musikalisch bedingte Längen und Wiederholungsstrukturen, vor allem die Phasen der Stille als Ausdruck von tabula rasa sehr authentisch. Durch das exzellente Zusammenspiel von Tanz und Musik, Bühne, Kostümen und Licht entsteht eine Symphonie des 21. Jahrhunderts, ein Epos der Menschheitsgeschichte, das den Menschen regelrecht vertreibt…

Vorankündigung – „Cinderella“ aus dem Münchner Staatstheater online

Ballettpremiere "Cinderella" in München präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

In diesen schweren Tagen eröffnet der Blick auf alte Geschichtsprototypen wie „Cinderella“ wider alle Logik Hoffnung und Kraft, dass sich das Gute durchsetzen kann. Als Vorgeschmack auf die Ballettwoche 2022 im Nationaltheater München, die am 26. März beginnt, gibt es am Samstag 5. März „Cinderella“ auf staatsoper.tv. ab 19:30 Uhr online zu sehen. Die Kunst erhält den Glauben an die Schönheit des Lebens…