München – „Tristan und Isolde“ in der Staatsoper

Operkritik "Tristan und Isolde" präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

Es ist ein Traum, wie unter dem Dirigat von Kirill Petrenko das Bayerische Staatsorchester Wagners „Tristan und Isolde“ hörbar macht. Klangschönheit und Dynamik entführen in Wagners leitmotivische Melancholien und Liebessehnsüchte, die diese Oper so berühmt und beliebt machten. Mit Anja Harteros und Jonas Kaufmann in den Hauptrollen, für beide ein Debüt, schraubte Intendant Nikolaus Bachler zum Abschied noch einmal die Erwartungshaltungen während der diesjährigen Opernfestspiele ganz hoch…

Bayreuth- 2. „Bayreuth Baroque“-Opernfestival im Bayreuther Opernhaus

Opernkritik zu Poporas "Carlo di Calvo" präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

Trotz Pandemie wagte Countertenor Max Emanuel Cencic  2020 das 1. internationale Opernfestival „Bayreuth Baroque“ mit einer furiosen Aufführung von Nicola Antonio Porporas „Carlo il Calvo“ zum Auftakt. Damit bewies er nicht nur einmal mehr als exzellenter Regisseur und Sänger ist, sondern auch als mutiger Künstlerischer Leiter der Festspiele mit Nerven aus Drahtseil. Unter strengsten Hygienemaßnahmen kamen nur 200 Zuschauer  in den Genuss der Vorstellung. Der Erfolg beflügelte Max Emanuel Cencic zur Fortsetzung des Projekts in dem Theaterjuwel, das Markgräfin Wilhelmine einst mitten in Bayreuth bauen ließ. Vom 1. – 14. September  geht „Bayreuth Baroque“ in die zweite Runde…

„Wagner-Lesarten“ – eine 6-teilige Podcastfolge 

"Wagner-Lesarten" präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

Über kaum einen Komponisten ist so viel geschrieben worden wie über Richard Wagner, kein Opernzyklus ist bekannter als sein „Ring des Nibelungen“, als fester Bestandteil unseres kulturellen Gedächtnisses ständig  im besonderen Fokus von Wissenschaft, Musikpraxis und Feuilleton.  
Wagner und seine Werke sind auch ins Blickfeld der Alte-Musik-Bewegung geraten. Concerto Köln und Kent Nagano haben seit 2017 in Zusammenarbeit mit WissenschaftlerInnen verschiedener Disziplinen mit dem Projekt „Wagner-Lesarten“ eine umfassende aufführungspraktische Beschäftigung mit dem Ring aufgenommen…

„Aufstehen für die Kunst“ – Ein Plädoyer für die Kunst 

"Aufstehen in der Kunst" präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

Die Künste sind per se sehr individuell, nicht minder die KünstlerInnen. Sie haben ganz unterschiedliche Ausdrucksmittel, aber keine Stimme, die sie vertritt. Groß war der Aufschrei, als im Lockdown Oper, Theater und Museen als Freizeitbeschäftigungen mit Fitnessstudios und Bordellen gleichgesetzt wurden, was einmal mehr die Ignoranz der Politiker gegenüber der Kultur unter Beweis stellte. Aber erst jetzt im dritten Lockdown nach einem Jahr existentieller Perspektivlosigkeit reichen vier Künstler aus dem klassischen Musikgenre eine Verfassungsklage ein. Christian Gerhaher, hervorragender Lied- und Operninterpret, Kevin Conners, seit 1990 Tenor an der Bayerischen Staatsoper, Charaktertenor Wolfgang Ablinger-Sperrhacke und Hansjörg Albrecht, Leiter des Münchner Bach-Chors wollen wissen, welchen Schaden die Kultur seit dem zweiten Lockdown im November genommen hat, obwohl es bereits schützende Hygienekonzepte gab. Das „Salzburger Modell“…

München  –  Rossinis Einakter „Il Signor Bruschino“ als XVIII. Montagsstück 

Opernkritik "Il Signor Bruschino" in Münchner Staatsoper präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

Das Orchester in kleiner Besetzung auf der Bühne, davor ein paar Requisiten genügen Regisseur Rosenmüller Rossinis Einakter „Il Signor Bruschino“ in Szene zu setzen. Er setzt auf Stummfilmoptik, lässt schwarz-weiß streamen, und inszeniert in Manier eines improvisierten Stegreifspiels, ganz nach dem opernimmanenten Motto „Lasst der Komödie ihren Lauf“, einen sehr ausgestellten und burlesken Minioper-Film.
Ein Wollknäuel kugelt während der Ouvertüre via Projektion durch die Opernräumlichkeiten. Florville wickelt es wieder auf und bringt es Sofia zurück. Ein Blick und es ist Liebe auf den ersten Blick…

München – Richard Strauss´ „Der Rosenkavalier“ als erfrischende Neuinszenierung in der Staatsoper

Koskys "Rosenkavalier" in München präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

Die Wanduhr schlägt die Stunde. Die Zeiger bewegen sich rückwärts. Das Ziffernblatt rotiert vor schwarzem Bühnenhintergrund, während unter der Leitung von Vladimir Jurowski  das Orchester die Ouvertüre zu Richard Strauss´ „Der Rosenkavalier in zarten Tonfarben entfaltet.
Nach 50 Jahren Spielzeit gibt es jetzt eine neue Inszenierung von Barrie Kosky. Mit mutigem Regietheater, Metamorphosen des Bisherigen hat er sich einen Namen gemacht und zusammen mit Vladimir Jurowski schon etliche Produktionen entwickelt. 
Trotz der Pandemie bedingten Sonderregelungen, das Orchester spielt nur mit der Hälfte der Musiker, erwartet das Publikum eine erfrischend neue „Rosenkavalier“-Version dieses künstlerischen Duos. Sieht man davon ab, dass gerade bei Richard Strauss ein Live-Stream nie das Hörerlebnis einer Live-Aufführung vermitteln kann, ist die neue Konzeption des „Rosenkavaliers“ durchaus ein absolutes Highlight…

München – Carl Maria von Webers „Der Freischütz“ – Das Dunkle in jedem –  in der Staatsoper 

Münchner Staatsoper "Der Freischütz" präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

Spannend ist der neue „Freischütz“ in der Bayerischen Staatsoper. Die Musik bleibt unter dem Dirigat von Antonello Manacorda nahromantisch an Weber, beginnt ganz zart, dynamisiert, während im Laufband über der Bühne bereits die Problematik der nahenden Hochzeit angekündigt wird und einzelne Rollen frech karikiert werden. 
Ganz nüchtern macht Dmitri Tcherniakov aus dem „Freischütz“ eine kapitalistische Realsatire. Man sieht nicht nur, was vordergründig passiert, sondern gleichzeitig, was die Figuren heimlich denken, ein sehr innovativer Ansatz. Das Konzept funktioniert, wenn auch das Lesen zuweilen nervt, weil es zu sehr vom Hören ablenkt…

Budapest – Jake Heggies Oper „Dead Man Walking“ am Rande des Kitsches in der ungarischen Nationaloper

"Dead Man Walking" in der Budapester Oper präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

„Dead Man Walking“ – Wenn dieser Ruf erschallte, wurde in den USA wieder ein Häftling auf dem elektrischen Stuhl hingerichtet. Die Todesstrafe war und ist in den USA immer noch umstritten. 1993 schrieb Ordensschwester Helen Prejean ihren bewegenden Roman „Dead Man Walking“ nach einem authentischen Mordfall, woraufhin Jim Robbins nach zwei Jahren seinen weltberühmten Film „Dead Man Walking“ präsentierte. In der Geschichte dieser Nonne, die einen Mörder zum Eingeständnis seiner Schuld bewegte, fand der Komponist Jake Heggie zusammen mit Librettist Terrence McNally das perfekte Material für seine erste Oper. Nach der gefeierten Uraufführung in San Francisco erfolgte 2006 die europäische Premiere an der Dresdner Semperoper. Jetzt ist „Dead Man Walking“ als Live-Stream an der ungarischen Staatsoper in Budapest zu sehen…

München – Igor Strawinskys „Die Geschichte vom Soldaten“ als XIV. Montagsstück 

Staatsoper München "Die Geschichte des Soldaten" präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

Mit Igor Strawinskys Moritat „Die Geschichte vom Soldaten“ gelingt unter der musikalischen Leitung von Vladimir Jurowski wieder ein spannender Musikabend im Rahmen der Montagsstücke der Münchner Staatsoper. 1917 hatte Strawinsky unter den Auswirkungen des Ersten Weltkrieges in Anbetracht der angespannten finanziellen Situation und der sich dadurch entwickelnden „Ästhetik zur Einfachheit“ diese erzählte Moritat für Schauspieler und Orchester so klein wie möglich besetzt. Umso wirkungsvoller, nicht zuletzt durch die Zooms der Kamera, treffen die wenigen Instrumentalisten mit Fagott, Trompete, Posaune, Schlagzeug, Violine, Kontrabass aufeinander und finden eine vortreffliche Klangatmosphäre zu Strawinskys kantiger „Geschichte vom Soldaten . 
Doch im Mittelpunkt steht in dieser Inszenierung Dagmar Manzel als Sprecherin…

Budapest –  Weltpremiere von Levente Gyöngyös´Musicaloper  „Der Meister und Margarita“ an der Budapester Oper mit englischen Untertiteln

Gyöngyös´Weltpremiere "Der Meister und Margarita" präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

Als musikalisches Kaleidoskop setzt der ungarische Komponist Levente Gyöngyös Michail Bulgakows Kultroman „Der Meister und Magarita“ um.  Die Musik ist so komplex wie die literarische Vorlage, changiert zwischen großer Oper und Musical, zwischen flottem Ragtime, Rock und Pop.
Schon als Jugendlicher war Gyöngyös vom schwarzen Humor dieser Lektüre begeistert, der ähnlich wie Goethes „Faust“ über das Böse in der Welt den Sinn des Lebens zu fassen sucht und darüber hinaus das rigide kommunistische System der 30er Jahre karikiert. Als  Gyöngyös 2013 von Dirigent Gábor Hollerung den Auftrag für ein großes Opernwerk bekam, konnte er endlich „Der Meister und Magarita“ komponieren, jetzt nach der Online-Weltpremiere in der Budapester Oper weltweit zu sehen…

München – „Schön ist die Welt“ im Operettentakt in der Staatsoper

Operettenkritik "Schön ist die Welt" präsentiert von www.schabe-kultur-blog.de

Das Staatsorchester lässt temperamentvoll aufhorchen. Mit Lehárs „Schön ist die Welt“ stimmt die Münchner Staatsoper nostalgisch charmant auf die Woche ein, in der sich ein noch schärferer Lockdown abzeichnet. Kronleuchter schweben ein. Max Hopp erklärt als Conférencier in Altherrenmanier, dass sich alle gerade im Hotel des Alpes befinden. Mit nostalgischen Melodien, kessem Posieren und heißen Küssen kommt trotz Reduzierung auf ein konzertantes Format schnell beschwingte Operettenstimmung auf…

München – „Eight Songs for a Mad King“- experimenteller Klassiker als Live-Stream in der Staatsoper 

München Staatsoper "Eigth Songs for a Mad King" präsentiert von www.schabel-kulturl-blog.de

Ja, so könnte sich das Klanggewitter im Kopf eines Verrückten anfühlen, schrille Dissonanzen, die wahnsinnig machen, dazwischen lyrische Momente der Normalität. Genau darauf zielt Peter Maxwell Davies´ Monodrama „Eight Songs for a Mad King“. Es soll den Irrsinn des Königs, seine latente Pein und die lichten Momente befreiender Erleichterung hörbar machen. Gemeint ist nicht der alterswirre Richard III, sondern George III, dessen Worte die Basis von Randolph Stows Libretto bilden. Dieser Herrscher, den das Volk wegen seiner Bescheidenheit als Bauern titulierte, litt an einer unheilbaren Geisteskrankheit.
1969 wurde die Minioper für das Ensemble des Komponisten, die Pierrot Players geschrieben. Sie hat nichts von ihrer irrlichternden Klanglichkeit verloren…

Landshut/Passau – Mozarts „Zauberflöte“ im Landestheater Niederbayern als Live-Stream in einer spannenden Kammermusikfassung 

Mozarts "Zauberflöte" präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

Mit der „Zauberflöte“ beglückte das Landestheater Niederbayern das Opernpublikum trotz Lockdowns über die Weihnachtstage und Jahreswende. In der reduzierten kammermusikalischen Fassung von Roger Janotta für elf Musiker unter der Leitung von Basil H. E. Coleman und der dynamischen Regie von Christina Piegger kommt Mozarts große rätselhafte Oper als spielfreudiges Märchenstück auf die Bühne, in dem die Liebe die treibende Kraft der Befreiung ist…