München – Verdis „Falstaff“ als Live-Stream-Premiere in der Staatsoper

Opernkritik "Falstaff" präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

Als Gipfel seines Werks gilt Verdis „Falstaff“ in der Operngeschichte. Mit 80 Jahren komponierte er nach 24 ernsten Opern diese lyrische Werk. Librettist Boito destillierte aus Shakespeares Vorlage „Die lustigen Weiber von Windsor“ ein eloquentes, dichtes Libretto, das Verdi in eine hochkomplexe Partitur verwandelte, begeistert bejubelt bei der Uraufführung 1893 an der Mailänder Scala. Viel Applaus hätte es sicher auch für den „Falstaff“ in der Münchner Staatsoper gegeben, dessen Premiere, eigentlich für die Münchner Opernfestspiele im Sommer geplant, man jetzt leider nur als Live-Stream-on-Demand erleben kann.  
Regisseurin Mateja Koležnik macht in der Münchner Staatsoper aus Verdis „Falstaff“ eine gelungene Parodie auf Neureiche der 1960er Jahre, die das Geld überschwänglich verschleudern, und aus dem ursprünglichen Raubritter einen hedonistisch betrügerischen Egozentriker am Rande der Gesellschaft, der sich nach dem Motto „Mit Anstand stehlen, im richtigen Moment“  durch das Leben schummelt…

München – Puccinis „La Bohème“ als Video-Stream  

Münchner Staatsoper "La Boheme" präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

Sehr konservativ inszeniert kommt Puccinis „La Bohème“ noch einmal auf die Bühne der Münchner Staatsoper. Kein Wunder, Otto Schenks Inszenierung stammt von 1969. Über 50 Jahre alt hat sie trotzdem nichts von ihrer Strahlkraft verloren. Was heute etwas altbacken wirkt, bekommt durch die hervorragende Besetzung  und unter der subtilen musikalischen Leitung von Asher Fisch einen nostalgischen Charme, der bestens zu Puccinis „La Bohème“ passt. Vor leeren Zuschauerreihen gelang eine emotional mitreißende Wiederbelebung, die zu Tränen rührte. Als Livestream in der Reihe der Montagskonzerte der Münchner Staatsoper wird „La Bohème  durch die Kameraführung zum intensiven Kammerspiel…

München – Walter Braunfels´ „Die Vögel“ in der Staatsoper 

Braunfels Oper "Die Vögel" präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

Mit größter Spannung erwartet konnten aufgrund der ständig verstärkten Sicherheitsvorschriften im Kulturbereich nur 50 Zuschauer die Premiere von Walter Braunfels´ Oper „Die Vögel“ miterleben, bevor der zweite Lockdown die Türen aller Kultureinrichtungen verschloss, eine Regelung, die nur einmal mehr zeigt, wie derzeit mit zweierlei Maß gemessen wird. Jedes Möbelhaus, jeder Großmarkt ist bezüglich der Virenverbreitung wesentlich gefährlicher als die vollkommen unterbesetzten Opernhäuser.  
Der Livestream am Premierenabend, jetzt noch on Demand auf der Webseite der Münchner Staatsoper zu sehen, vermittelt dennoch den Charme dieser Musik, eine Mischung aus spätromantischer Melodiosität und modernen Stilformen. Unter dem Dirigat von Ingo Metzmacher bringt das Bayerische Staatsorchester das facettenreiche Klangspektrum dieser Partitur großartig, überaus präzise und subtil zum Ausdruck. SängerInnen, Chor und Orchester berauschen, auch wenn der inzwischen schon sehr verbrauchte Inszenierungsstil von Castorf und Denić nervt…

München – Camille Schnoor bekommt den Kunstförderpreis 2020 für Darstellende Kunst

Kunstförderpreis für Camille Schnoor präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

Der Bayerische Kunstförderpreis in der Sparte »Darstellende Kunst« geht in diesem Jahr an Camille Schnoor. Sie ist seit der Spielzeit 2016 I 2017 im Ensemble des Staatstheaters am Gärtnerplatz, wo sie u. a. als Julie in der Uraufführung der Oper »Liliom«, Donna Elvira (»Don Giovanni«), Mimì (»La bohème«) und Hanna Glawari (»Die lustige Witwe«) zu hören war. Gerade gab sie ihr umjubeltes Rollendebüt als Tatjana in Tschaikowskys Oper »Eugen Onegin«…

Landshut/Passau – Johann Strauss´“Fledermaus“ als Corona-Persiflage

Strauss´ "Die Fledermaus" präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

Kokettiert wird aus eineinhalb Meter Entfernung, geküsst mit einer Plexiglasscheibe dazwischen, und Papa Söder observiert per Foto zwischen den Akten des Gefängnisbüros und das Motiv der Operette avanciert zur Wuhan-Fledermaus.  

In Kooperation mit Dramaturgin Swantje Schmid-Bundschuh gelingt Stefan Tilch ein turbulentes Operettenspektakel, das die Corona-Maßnahmen persifliert. Ja, „als Künstler hat man es dieser Tage nicht leicht.“ 
Die Figuren werden zeitaktuell aufpeppt, doch die  Story bleibt gleich. Doktor Falke will sich bei seinem Freund Eisenstein auf einem Maskenball für einen Streich revanchieren, bei dem Falke als Fledermaus verspottet wurde. Jetzt ist Eisenstein der Düpierte, als er auf dem Maskenball mit der eigenen Frau anbandelt. 
Regisseur Stefan Tilchs Inszenierung oszilliert zwischen operettenhafter Nostalgie und deren amüsant ironischer Brechung…

Berlin –  Wagners „Die Walküre“ in der Deutschen Oper

Wagners "Walküre" an der Deutschen Oper präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

Was macht ein Flügel mitten im Bühnenbild von Wagners „Walküren“? Er wird zur Zauberkiste und zum Karaokezentrum. Alternierend agieren die Sänger in pathetischer Wagnerpose und aus dem Korpus wallen die Nebel, tauchen die Figuren in zuweilen schrägen Kostümen auf und ab als parodistische Anspielungen auf Wagners unerschöpflichen Ideenreichtum und Vorliebe für Pomp. Regisseur Stefan Herheim in Kooperation mit Silke Bauer (Bühne) weiß mit Bühneneffekten, Statisten und Licht (Ulrich Niepel) die langatmige Handlung zu beleben. Aus der parodistischen Überzeichnung taucht man dennoch in den verkorksten Götter-Mythos ein. Die Inszenierung ist sicherlich nicht jedermanns Geschmack, wahrnehmbar in den Buhrufen für die Regie, erlaubt aber durch die hintergründige, sehr stringente Konzeption einen ungewohnt humorvollen Blick auf „Die Walküre“. Großartig sind die Sängerinnen. In der jetzt wieder sehr angespannten Corona-Situation Wagner in voller Länge auf die Bühne zu bringen, zeugt von der mutigen Intendanz an der Deutschen Oper…

Halle – Händels Oper „Teseo“ als Medea Pasticcio

Opernkritik "Teseo" in Halle präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

Was tun, wenn Händelfestspiele wegen der Pandemie ausfallen mussten  und deren Highlight „Teseo“ ein halbes Jahr später unter den strengen Parametern der Hygieneregeln nur noch 90 Minuten lang, unter Einhaltung der Abstandsregeln auf die Bühne kommen soll?
Dramaturg Philipp Amelungsen und Regisseur Martin B. Berger leisteten Großartiges, machten aus der barocken Eifersuchtsgeschichte um König Teseo ein überwältigendes  Medea-Opus, in dem einfach alles passt…

München – Opernstudio entdeckt „Mignon“ von Ambroise Thomas neu

Opernkritik "Mignon" präsentiert von www.schabel-kutlur-blog.de

„Kennst du das Land, wo die Zitronen blühn…“ Mignons Lied ist die berühmteste Stelle aus Goethes Bildungsroman „Wilhelm Meisters Lehrjahre“. Das Mädchen Mignon, bei einem Feuer von Wilhelm Meister gerettet, von Zigeunern geraubt und als Tänzerin ausgebeutet, findet schließlich ihren Vater Lotario. Dieser Handlungsstrang aus Goethes komplexem Alterswerk, von Michel Carré und Jules Barbier in ein Libretto verwandelt, inspirierte den französischen Komponisten Ambroise Thomas zu der Oper „Mignon“. Der bejubelten Uraufführung 1866  folgten über 1000 Vorstellungen, beflügelt durch Mignon-Postkarten und Mignon-Pralinen, zuerst mit tragischem Ende, dann wegen des Publikumsgeschmacks mit Happyend. Die Oper geriet schnell in Vergessenheit. Jetzt versucht eine Studioproduktion der Staatsoper München „Mignon“ neu zu beleben…

München – Opernprojekt „7 Deaths of Maria Callas“ von Marina Abramović

Opernkritik "7 Deaths of Callas" von Marina Abramovic präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

Großartig ist es wieder in die Oper gehen zu können. Doch die Zuschauer erwartete mit den „7 Deaths of Maria Callas“ keine Oper, sondern eine sehr cinematisch geprägte Performance mit Opernarien.

Einzigartig ist sicher die Konzeption, die Marina Abramović für ihre erste Performance für die Oper entwickelte, überaus interessant das Thema. Über das Sterben von sieben großen Opernheldinnen reflektiert Marina Abramović die Lebensdramatik von Maria Callas, die sie seit sehr verehrt…

Bayreuth – Porporas „Carlo il Calvo“ als Auftakt des Bayreuther Baroque Opera Festivals

Opernkritik zu Poporas "Carlo di Calvo" präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

Chapeau auf allen Ebenen! Was Countertenor Emanuel Cencic trotz der Pandemie als Initiator des Bayreuth Baroque Opera Festivals gelungen ist, verdient größte Hochachtung. Durch dieses Festival rückt das Bayreuther Opernhaus, das sich Markgräfin Wilhelmine als Pendant zur Berliner Opernhaus ihres Bruders Friedrich des Großen bauen ließ und heute Weltkulturerbe ist, in den Mittelpunkt der musikalischen Barockszene, zumal Emanuel Cencic es sich als Ziel gesetzt hat in Vergessenheit geratene Komponisten der barocken Opernliteratur neu zu entdecken…

München – Albert Lortzings „Die Opernprobe“ und Eugen d´ Alberts „Abreise“ als Produktion der Opera Incognita in der Allerheiligen Hofkirche

Opera Incognita "Opernprobe" und "Die Abreise" präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

Auf die Produktionen der Opera Incognita darf man jedes Jahr gespannt sein. Schon die Örtlichkeit in der Allerheiligen Hofkirche ist dieses Jahr wieder eine Überraschung und auch die Auswahl abseits des üblichen Repertoires. Warum Ernst Bartmann (musikalische Leitung, Klavier) und Regisseur Andreas Wiedermann im Grunde zwei sehr triviale Liebesstücke auswählten, wird schnell erkennbar…

Berlin – Komische Oper startet bis Dezember mit völlig neuem Spielplan 

Spielplan der Komischen Oper Berlin präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

Zwei Worte sind an der Komischen Oper in Berlin derzeit verboten. „Klein“ und „reduziert“ will Intendant Barrie Kosky nicht hören. Ziel ist große Kunst in höchster Qualität. Er sieht die Pandemie als Herausforderung und ist sich dessen bewusst, dass er durch die Ensemble-Struktur seines Hauses in einer sehr privilegierten Lage ist. 
Sein Budget bleibt. Seine Aufgabe ist es damit auszukommen und unter den gegebenen Umständen seiner Verantwortung für 540 Mitarbeiter und dem Publikum gerecht zu werden. Mit humorvoll pragmatischem Optimismus machte er in der heutigen Pressekonferenz Lust auf den völlig neuen Spielplan von September bis Dezember und überraschte mit Witz und Esprit…

Wiesbaden/München – Manche Staatstheater spielen wieder live vor Publikum

Staatsopern eröffnen Spielbetrieb präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

Kai-Uwe Laufenberg, Intendant des Hessischen Staatstheaters, erweist sich als Pionier. Auf der großen und kleinen Bühne wird wieder gespielt. Das können sich natürlich nur die großen Häuser leisten. Von den möglichen 1000 Sitzplätzen werden nur 200 belegt, um den Hygienevorschriften gerecht zu werden. Gespielt werden nur kleine Formate, Liederabende, konzertante Opernausschnitte mit kammermusikalischer Begleitung. Dafür gibt es jeden Tag Programm. Nächste Woche feiert das 5-Spartenhaus eine „Beckett-Trilogie“ Premiere. An drei aufeinander folgenden Tagen stehen „Glückliche Tage“, „Warten auf Godot“ und „Endspiel“ auf dem Programm. Die Sparte Tanz bringt 12 Tanzstücke von 14 Choreographinnen an zwei Tagen auf die Bühne. München eröffnet am Mittwoch 27. Mai… 

Linz – Erfolgsmusical „Der Hase mit den Bernsteinaugen“

Musical "Der Hase mit den Bernsteinaugen" online präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

Der komplette Video-Mitschnitt der Uraufführung des Musicals „Der Hase mit den Bernsteinaugen“ in Linz ist am Samstag online um 19:30 Uhr als You-tube-Premiere zu sehen und für 48 Stunden abrufbar. Vor einem Jahr sorgte das Musical um eine ergreifende Familiengeschichte für Furore und gewann auf Anhieb beim Deutschen Musical Theater Preis 2019 in den Kategorien „Bestes Musical“, „Beste Komposition, „Beste Liedtexte und „Bestes Musikalisches Arrangement“…