Berlin – Paul Abrahams Operette „Die Blume von Hawaii“ in der Komischen Oper

Operettenkritik von "Die Blume von Hawaii" präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

„Paul Abraham ist der Soundtrack für Berlin, wie Johann Strauss für Wien“ bilanzierte Intendant Barrie Kosky nach der Premiere der „Blume von Hawaii“ freudestrahlend. Es war die fünfte und letzte konzertant aufgeführte Paul-Abraham-Operette, die unter Koskys Intendanz in der Komischen Oper Berlin auf die Bühne kam. Er gilt als Entdecker Paul Abrahams und das Publikum dankt es ihm mit tosendem Applaus. Obwohl nur szenisch konzertant aufgeführt oder gerade deshalb entwickelte sich ein hinreißender Gute-Laune-Abend ganz im Stil der Berliner 1920er Jahre…

Augsburg- Schostakowitschs musikalische Satire „Moskau. Tscherjomuschki“ im Staatstheater

Schostakowitschs "Moskau Tschernojuschki" präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

Mit seiner musikalischen Satire „Moskau, Tscherjomuschki“ hielt Schostakowitsch dem sozialistischen System  1959 einen sehr kritischen Spiegel entgegen. Sechs Jahre nach Stalins Tod war Kritik in der Tauwetterphase Chruschtschows möglich. In Deutschland wurde „Moskau Tscherjomuschki“ erst 2012 von Ralf Böhme mit reduzierter Orchesterfassung in der deutschen Übersetzung von Ulrike Patow uraufgeführt. Jetzt ist im Staatstheater Augsburg eine ausgesprochen amüsante und kurzweilige Version zu sehen…

Berlin – Leoš Janáčeks „Katja Kabanowa“ in der Komischen Oper 

Opernkritik "Katja Kabanova" präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

Schon in der Ouvertüre klingen Leoš Janáčeks Motive in extremer Dynamik zwischen Melancholie und wuchtig auftrumpfendem Getrampel, zwischen aufblühender Gelöstheit und heranreitendem Unheil an. Damit sind die Eckpunkte von „Katja Kabanowas“ Leben gesteckt, in dem Leoš Janáček nach dem in seiner Zeit sehr beliebten Schauspiel „Das Gewitter“ des russischen Dramatikers Aleksandr N. Ostrowski den Niedergang der bürgerlichen Familie vertont. Es ist eine kurze, keine zwei Stunden lange Oper, trist selbst in den Liebesszenen, in der Janáček sehr auf den Klang der tschechischen Sprache ausgelotete Musik die stumpfe Sprachlosigkeit der Protagonisten in ihrem Innersten enthüllt und das fulminante Dirigat Giedrė Šlekytės, das neue Supertalent aus Lettland, die seelischen Gewitter hörbar macht…

Berlin – Spannende Uraufführung von Peter Eötvös‘ Opernballade „Sleepless“ in der Staatsoper

Opernkritik von Peter Eötvöls "Sleepless" präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

Ein riesiger Lachs wird zum Mittelpunkt der Bühne. Grausilbrig symbolisiert er die Welt am norwegischen Fjord, wo Alida, hochschwanger, und ihr Freund Asle verzweifelt ein Quartier suchen. Dreht sich die Bühne eröffnet der aufgeschnittene Fisch unter der spitzig gefährlichen Gräte lachsfarben leuchtend billige Gemütlichkeit zwischen Wohnstube und Kneipe. 
Verloren wie Hänsel und Gretel, abgelehnt wie Maria und Josef bei der Herbergssuche steht das junge Paar, noch nicht volljährig zu jung zum Heiraten, verzweifelt vor dem Nichts. 
Nach der Trilogie „Sleepless“ von Jon Fosse hat Peter Eötvös seine neue gleichnamige Oper komponiert, ein gemeinsamer Auftrag der Berliner Staatsoper und des Grand Théâtre de Genève. Das Libretto in Englisch von Mari Mezei straff auf die wesentlichen Handlungsschritte im Sinne von Eötvös Opern-Ballade reduziert, ist somit offen für unterschiedliche Interpretationen und verwandelt die Prosavorlage vorwiegend in dramaturgisch wirkungsvolle Monologe und Duette. Die Version der Uraufführung trifft mit dem drastischen, symbolisch aufgeladenen Realismus des ungarischen Regisseurs Kornél Mundruczó und der Ausstatterin Monika Pormale voll ins Schwarze, erzählt sehr viel von unserer Gegenwart, wird zum bizarren Zerrspiegel unserer Gesellschaft und durch die Musik, Peter Eötvös steht selbst am Dirigentenpult zum tonalen Erlebnis…

München – Rossinis „L’occasione fa il ladro“ als ausgesprochen amüsante Opernposse im Prinzregententheater 

Opernkritik "L'occasione fa il ladro" präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

Jung, voller Esprit, modern mutig, mit pulsierendem Herzschlag amüsiert Rossinis selten gespielte Opera buffa „L’occasione fa il ladro“, zu deutsch „Gelegenheit macht Diebe“ im Prinzregententheater. Giacomo Rossini wurde mit diesen Opera buffe reich, angesehen und vielfach imitiert…

Berlin – Wagners „Rheingold“ an der Deutschen Oper 

Wagners "Rheingold" an der Deutschen Oper Berlin präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

Und wieder ein neuer Ring. Dreimal wird er in dieser Spielsaison an der Deutschen Oper jeweils in einer Wagner-Woche aufgeführt. Insgesamt 15 Stunden dirigiert Sir Donald Runnicles Wagner. Mit „Rheingold“ beginnt ein attraktiv konzipierter Ring, bejubelt vom Publikum, das vom Ensemble der Deutschen Oper mit seinen ständigen Gästen begeistert ist auch wenn es eine gewisse Zeit dauert, bis die Inszenierung in ihren Bann zieht und das „Rheingold“ schon im Sommer seine Premiere feierte…

München – Schostakowitschs Oper „Die Nase“ setzt ein innovatives Zeichen zu Saisonbeginn unter der neuen Intendanz 

Opernkritik Schostakowitsch "Die Nase" in der Staatsoper München präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

Schräg ist die Bühne, schräg die Oper. Mit 21 Jahren komponierte Schostakowitsch seine erste Oper „Die Nase“, als er noch als Stummfilmbegleiter am Klavier seine musikalischen Experimente inklusive Schlagzeug ausprobierte und in Sekundenschnelle Stimmungen zu erzeugen lernte. Grotesk und vielschichtig wie die literarische Vorlage, Nikolai Wassiljewitsch Gogols gleichnamige Erzählung, ist die Musik. Fast ohne Arien, nur in Sprechgesängen in 16 Szenen setzt das Orchester spannungsreiche Akzente zwischen kriegerischen Tonfetzen und subtilen Melodiesplittern. Mussorgski, Alban Berg, Elemente der Sakralmusik flossen ein. Deutlich hört man schon Schostakowitschs spätere wuchtige Instrumentierung und seine kämpferischen Klangmuster. Die Münchner Inszenierung wird zu einem hochpolitischen Opern-Erlebnis…

Regensburg – Massenets „Werther“ im Stadttheater

Massenets Oper "Werther" am Theater Regensburg präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

Wehmütig lenkt die Musik schon in der Ouvertüre auf den Schluss, auf Werthers Selbstmord. Mit dem Gegenmotiv freudvoller Liebessehnsucht dreht sich die Bühne aus dem Dunkel in Charlottes Wohnzimmer. Wie eine Rückblende rollt Nurkan Erpulat in seiner ersten, sehr vielschichtigen Operninszenierung Massenets „Werther“ auf. Während Werther als unglücklich Verliebter bei Goethe im Mittelpunkt steht, gibt Massenet Charlotte mehr Raum und den nützt Nurkan Erpulat mit seinem künstlerischen Team, Modjgan Hashemian (Choreographie), Katrin Nottrodt (Bühne, Kostüme) und Martin Stevens (Licht) für große Oper in eindrucksvollen, zeitübergreifenden Szenen immer im Schnittpunkt von Gestern und Heute, Anpassung und Ausbruch, Pflicht und Leidenschaft gespielt und tänzerisch intensiviert in realen und parodistisch bis surreal verfremdenden Szenen. Das Orchester unter der Leitung von Tom Woods macht die Achterbahn der Gefühle zwischen Leidenschaft und Leid, sturm- und drängerisch fulmiant und subtil simultan erlebbar..

München – „How to Oper“ – neue Podcasts-Formate vor Premieren der Staatsoper und des Staatsballetts

"How to Oper" neue Podcasts an der Staatsoper präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

Unter dem neuen Führungsduo von Intendant Serge Dorny und Generalmusikdirektor Vladimir Jurowski will das Bayerische Nationaltheater noch mehr Interesse für Oper und Ballett wecken, zum einen durch moderne Operninszenierungen aus dem 20. Jahrhundert und zum anderen durch interessante Podcasts im Vorfeld. Das Motto der neuen Spielzeit „Jeder ist ein König“ soll auch in die Fläche wirken.
Für die neuen Opern- und Ballettinszenierungen im Nationaltheater, auf das Thema Kunst ganz allgemein und ganz speziell hofft man so schon vor jeder Premiere  mittels Radio, Fernsehen und elektronische Endgeräte mehr Interesse und Aufmerksamkeit zu wecken…

München – „Liebesverbot“ – Richard Wagners zweite Oper im Sugar Mountain in einer Inszenierung der Opera Incognita 

Richard Wagners "Liebesverbot" präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

Was die Opera Incognita inszeniert ist im Vorfeld schon Kult. Grund sind die ungewöhnlichen Münchner Aufführungsorte, beispielsweise Benjamin Brittens „The Turn of the Screw“ im Müllerschen Volksbad, Glucks „Orfeo ed Euridice“ in der U-Bahn und jetzt Richard Wagners „Liebesverbot“ im Sugar Mountain, ein Betonwerk in Obersendling, das in ein Event-Zentrum umfunktioniert wurde.
Der Richard Wagner Verband München gab anlässlich seines 150-jährigen Jubiläums im Rahmen eines mehrtägigen Kongresses der Opera Incognita den Auftrag, Richard Wagners „Liebesverbot“, seine zweite Oper auf die Bühne zu bringen, ein Werk, das nur ganz selten auf den Spielplänen zu finden ist. Nach der Aufführung weiß man warum…

München – „Amors Fest“ – Barockspektakel Gärtnerplatztheater

Oper "Amors Fest" im Gärtnerplatztheater präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

„Liebesleben erwache!“ Das ist nach den Lockdowns die ausgelassene Botschaft barocker Opernleidenschaft, wie sie zur Zeit im Münchner Gärtnerplatztheater zu sehen ist. Aus einem Mix von vier Opernkomponisten zauberten Howard Arman (Musikalische Leitung) und Karl Alfred Schreiner (Regie und Choreographie) ein musikalisches und optisches Feuerwerk als allegorische Hommage an die Liebe und an die Kunst…

Interview – Sopran Bruno de Sá singt Glucks „Orfeo“

Interview mit Bruno de Sá präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

2020 wurde Bruno de Sá von „Oper! Award“ zum Nachwuchssänger des Jahres gekürt. Er ist einer der großen Nachwuchstalente unter den Sopranen.
Fröhlich und voller Energie kommt Bruno de Sá in die Kantine des Stadttheaters Fürth. In wenigen Stunden wird er die Titelrolle in Glucks „Orfeo ed Euridice“ “singen. Davor ist noch ein Probe und das Interview für www.schabel-kultur-blog.de. Bruno de Sá strahlt. Man merkt ihm an, wie er sich auf diese Premiere freut. Völlig offen und locker geht er auf alle Fragen ein, lacht die ganze Zeit, rollt die Augen, erzählt sehr lebendig, spricht mimisch und gestisch und wirkt dabei überaus sympathisch, unkompliziert, jugendlich und authentisch…

Berlin – Mark-Anthony Turnages Oper „Greek“ auf dem Parkdeck der Deutschen Oper

Opernkritik "Greek" an der Deutschen Oper Berlin präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

Schrill und bunt, poppig und lustig wird die Öpidus-Parodie „Greek“ von Mark-Anthony Turnage und Jonathan Moore unter der Regie von Pınar Karabulut. Musik und Visualisierung finden eine schmissige Synthese, die auf der Basis von Sophokles großer Tragödie musikalisch, inhaltlich und optisch ganz neue Wege geht.

1988 wurde „Greek“ im Rahmen der 1. Münchner Biennale für Neues Musiktheater uraufgeführt. Jetzt feiert man die Inszenierung an der Deutschen Oper, das krasse Gegenteil zu George Enescus wuchtigem „Œdipe“ in der Komischen Oper. Wie ein überdrehtes Musical bietet „Greek“ 90 Minuten lang eine Comic-Seifenblase  nach der anderen…

Berlin – George Enescus „Œdipe“ in der Komischen Oper 

Opernkritik von Enescus "Œdipe" präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

„Ich bin unschuldig“ schreit der blinde, verstümmelte Öpidus zornig. Das wäre ein großartiger Schluss gewesen und hätte die Schicksalsfrage noch mehr in den Vordergrund gerückt, auf die George Enescu in seiner erweiterten „Œdipus“-Oper von dessen Geburt in Theben bis zum Tod vor Athen fokussiert. Warum erfüllt Ödipus die Wünsche und Voraussagen der Götter, obwohl er es gar nicht will? Dieser völlig fremd bestimmte Ödipus ist uns ganz nahe. Er wäre ein Ansatz für eine spannende Aktualisierung. Das aber wäre Regisseur Evgeny Titov zu banal. Er inszeniert George Enescus Version klassisch, expressiv reduziert, um das Wesentliche herauszuarbeiten. „Was ist größer als das Schicksal?“ formuliert es die Sphinx. Die Eigenverantwortung ist die Antwort von Musik und Regie…