Cornelia Künne und Daniel Kampa (Hg) „Leonard Cohen So long. Ein Leben in Gesprächen“

Buchrezension "Leonard Cohen So long. Ein Leben in Gesprächen präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

„Suzanne“, „Hallelujah“, „So long, Marianne“, wer die Songs von Leonard Cohen im Ohr hat, wird sie nie vergessen und sich jedes Mal an die Momente erinnern, in denen seine Songs die eigenen Lebensabschnitte begleiteten. 
Weltweit berühmt, von keinem geringeren als Bob Dylan hoch gelobt, war und ist Leonard Cohen alles andere als ein Star für die Massen. Seine weltweite Fangemeinde blieb klein. 
„So long. Ein Leben in Gesprächen“ erinnert durch fünf Interviews im Zeitraum von 1988 bis 2009 an den Künstler Leonard Cohen, der vor vier Jahren starb. Aus einem Puzzle von Fragen und Antworten kristallisieren sich Leben und Schaffensprozess des Künstlers heraus. Den unterschiedlichen Gesprächspartnern, den Fragen immer auf die bedeutendsten Songs orientiert ist es geschuldet, dass sich in den Antworten Wiederholungen ergeben, wodurch sich andererseits das Wesentliche von Leonard Cohens künstlerischem Ringen besonders herauskristallisiert. Die Quintessenz des Buches lässt sich allerdings recht knapp zusammenfassen. Das Schreiben war für Leonard Cohen immer ein „sehr mühsamer Prozess“. Seine Botschaft ist die Kraft der Liebe. Als Poet der Sehnsucht bleibt er unvergesslich …

Lisa Eckhart „Omama“

Buchrezension von Lisa Erhardt "Omama" präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

Wortgewaltig, grotesk bis zum Anschlag von einer Sprachpointe zur anderen überrascht Lisa Eckharts Romandebüt „Omama“ in jeder Beziehung. Schon der liebenswürdige Titel täuscht. Diese Omama wird zum Ungetüm, und damit sie sich so auftürmen kann, beginnt Lisa Eckharts erzählerisches Ich, eine Mischung zwischen Autobiografie und überquellender Realsatire als Horrorbild zweier Omamas, die sich an ihr, der Enkelin, abarbeiten.
Wer den abartigen Prolog übersteht, taucht abrupt ein in eine überaus naturalistisch sprachvoluminöse Rückblende, wie aus einem Dorfmädchen im steiermärkischen Sankt Peter-Freienstein eine herrisch dominante Omama wird…

„Nachhaltige Verantwortlichkeit“ – Bücherliste für den BuchAward der ITB 2021

Im Rahmen der Internationalen Tourismusmesse Berlin erfolgt auch dieses Jahr, wenn auch nur online, die Prämierung des BuchAwards „NOW“. Im Vorfeld hat die ITB-Beauftragte für Corporate Social Responsibility, Frau Rika Jean-François, eine umfangreiche Bücherliste über „nachhaltige Verantwortlichkeit“ zusammengestellt, darunter Bücher von Entwicklungsminister Gerd Müller, des Dalai Lama und von Greta Thunberg…

Haruki Murakami „Erste Person Singular“

Buchrezension Murakami "Erste Person Singular" präsentiert www.schabel-kultur-blog.de

Wer einmal Haruki Murakamis Welt für sich entdeckt hat, wartet sehnsüchtig auf seine Neuerscheinungen. Nach seinem 1000-seitigen Meisterwerk „Die Chroniken des Aufziehvogels“ im vergangenen Jahr, erschien jetzt ein vergleichsweise einfacher Erzählband, bedingt durch die Kürze der neun Geschichten, die die „Erste Person Singular“, das erzählerische Ich, sprich Murakami aus Alltagssituationen entwickelt. Viele autobiografische Details lässt er einfließen, seine Vorliebe für Musik, Basketball, seine Begegnungen mit Frauen. Nach dem Prinzip der Steigerung, werden die Geschichten immer rätselhafter…

Harald Martenstein, Lorenz Maroldt „Berlin in 100 Kapiteln… von denen leider nur 13 fertig wurden“ als  ironische Berlin-Hommage 

Rezension von "Berlin in 100 Kapiteln" präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

1989, die Mauer fällt. Nach 40 Jahren fielen plötzlich ganz unerwartet etliche vom Ast, an dem sie gesägt hatten. In den nächsten 40 Jahren wurde Berlin Kult, coolste Hauptstadt von Europa, „arm, aber sexy“. Die Journalisten Harald Martenstein und Lorenz Maroldt geben in „Berlin in 100 Kapiteln“ einen flotten Querschnitt, alles authentisch versteht sich, schnoddrig schnauzig, witzig ironisch formuliert, wie das nur gelingt, wenn man die Szene durch und durch kennt. Die „Welthauptstadt der Unzulänglichkeit“ bietet trotz ihres „shabby charme“ das Faszinosum von Freiheit und immer neuen Abenteuern. In zahllosen skurrilen Beispielen, reduziert auf nur 13 Kapitel leuchten Berlins Problematiken auf. Die Ost-West-Thematik spielt dabei keine Rolle. Bestehende Klischees werden nicht nur bestätigt, sondern argumentativ ironisch zementiert. Wer Berlin nicht kennt, muss nach dieser Lektüre nicht hin. Wer Berlin kennt, schmunzelt über die Realsatiren. Ja, so ist Berlin …

„Die Extreme Mitte. Wer die westliche Welt beherrscht. Eine Warnung“

Buchbesprechung "Die extreme Mitte" präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

Mit dem Fall der Berliner Mauer zerbrachen 1989 neben Russland die sozialistischen Systeme in Osteuropa. Der Kapitalismus bekam Aufwind und wurde in den USA global derart vorangetrieben, dass das Vermögen auf die Reichen umgeschichtet wurde, und die Armen immer mehr auf solide Dienstleistungen im Rahmen der Grunddaseinsfunktionen verzichten müssen. 
Sozialdemokratische Regierungen konnten keine wirksamen Ideen entgegensetzen. Die Jahrtausendwende wurde „Geburtstunde der extremen Mitte“, so Tariq Ali.
Er und vier weitere Autoren präsentieren sehr kontroverse Essays, um eine Debatte über die Folgen der extremen Mitte auszulösen, verortet zwischen Nationalstaaten, EU und Globalplayern…

 Mittelweg 36 „Von einsamen Wölfen und ihren Rudeln. Zum sozialen Phänomen des Einzeltäters“ Heft 29

Mittelweg 36 präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

Aufgrund einer Serie aufsehenerregender Gewalttaten etablierte sich vor etwa zehn Jahren die Forschung über Einzeltäter. Bislang wurden terroristische Einzeltaten psychologisiert, durch Details der individuellen Biografie erklärt. Jetzt betrachtet man mehr das soziale Umfeld. Die Zeitschrift „Mittelweg 36“ veröffentlicht in ihrem Themenheft „Von einsamen Wölfen und ihren Rudeln“ acht Forschungstexte „Zum sozialen Phänomen des Einzeltäters“. Viele Aspekte sind inzwischen bekannt, trotzdem bringt die Lektüre vor allem immer wieder Interessantes, allerdings sind die Texte wegen der ständig methodischen, sich wiederholenden Überlegungen etwas sperrig zu lesen…

Jan Philipp Reemtsma „Helden und andere Probleme. Essays“

Reemtsma "Helden und andere Probleme" präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

Jan Philipp Reemtsmas Essays sind intellektuell eine Herausforderung. In „Helden und andere Probleme“ belegt, kontrastiert, entwickelt er genussvoll seine Thesen mit seinem literarischen philosophischen und historischen Wissen, konstruiert präzise in entsprechend komplexen Satzgefügen seine Gedanken, allerdings nur geeignet für Leser mit ähnlich humanistischem Bildungshintergrund und der Lust an vielschichtigen, weit ausholenden Gedankenstrukturen und lateinischen Bildungsfloskeln, notabene, eines seiner Lieblingsvokabeln, für „Sapienti sat“, was soviel heißt, es bedarf keiner weiteren Erklärung für Eingeweihte, konzentriertes Lesen vorausgesetzt…

Martin Andree/Timo Thomsen „Atlas der digitalen Welt“ – Aufmerksamkeit als wichtigste Ressource

Warum wissen wir so wenig über die digitalen Welten, die unser Leben immer mehr bestimmen? Aus dieser Fragestellung entwickelten Martin Andree, habilitierter Medienwissenschaftler, und Timo Thomsen, Global Head of Product and Innovation bei der GfIK, den „Atlas der digitalen Welt“. Es ist ein wichtiges Buch. Nach der Lektüre hat man eine andere Sicht auf unsere Welt, in der wir zu digital manipulierten Konsumsklaven degenerieren…

Barack Obama „Ein verheißenes Land“

Buchrezensio von Barak Obamas "Ein verheißenes Land" präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

Barack Obama, 2008, 44. Präsident der USA und erster Afroamerikaner in dieser Funktion, wusste nicht nur die Herzen seiner Wähler zu erreichen, sondern auch die seiner Leser. In seiner neuesten Publikation, der fast 1000-seitigen, selbst geschriebenen Autobiografie „Ein verheißenes Land“ schildert er sehr offen und ehrlich, wie er seinen politischen Weg fand, was ihn ausmacht, was ihn formte. 
Was ihn so sympathisch macht, ist sein Ringen mit sich selbst, die Einsicht in seine Fehler, seine Selbstzweifel und seine Verwurzelung im einfachen, ehrlichen Arbeitermilieu. Seine schlicht formulierte, sehr zügig zu lesende Autobiografie wirkt wie die politische Version des „American Dream“. Trotz etlicher Niederlagen bleibt er seiner Vision treu, dass der Brückenschlag zwischen Schwarz und Weiß, eine Demokratie für alle durch Empathie und Verständnis füreinander im täglichen Ringen realisierbar ist…

Michel Houellebecq „Ein bisschen schlechter. Neue Interventionen“, Essays

Buchbesprechung Houellebeque "Ein bisschen schlechter" präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

Statt eines Romans präsentiert Michel Houellebecq zwölf Essays seit 2014, die mehr als seine Prosawerke viel über ihn selbst und seine Einschätzung über Kultur, Religion und Politik preisgeben. Es sind Gespräche, Vorworte zu anderen Büchern. Erst im vorletzten Essay wird der Bezug zum Thema deutlich, wenn er den Bogen vom rigiden Umgang mit Komakranken zur Pandemie spannt. Nichts wird sich gesellschaftlich verändern. Es wird nur noch „Ein bisschen schlechter“ werden nach der Quarantäne, womit Michel Houellebecq wahrscheinlich ziemlich ins Schwarze trifft…

Manfred Lütz „Was hilft Psychotherapie, Herr Kernberg?“

Buchrezension Manfred Lütz "Was hilft Psychotherapie, Herr Kernberg" präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

Auch diese Neuerscheinung reiht sich in die derzeitige Mode, Themen dialogisiert darzustellen. Zwei hochkarätige Psychotherapeuten unterschiedlicher Generationen treffen sich und plaudern über ihren Beruf, Gott und das Leben. Der Titel ist nur einer von vielen Aspekten. 
Manfred Lütz (1964*), Psychiater, Psychotherapeut und Theologe interviewt den Narzissmus-Experten und ehemaligen Präsidenten der Internationalen Psychoanalytischen Vereinigung Otto Kernberg (1928*) und bringt dabei seine Sicht der Dinge ein, mitunter als kontroverse Impulse. Im wohlwollenden Dialog entwickelt sich eine Hommage an Kernberg, den Lütz zweifelsohne sehr verehrt…

Hans-Werner Sinn „Der Corona-Schock. Wie die Wirtschaft überlebt“

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Hans-Werner Sinn trifft mit seinem neuen Buch „Der Corona-Schock“ über die gigantischen Ausgaben während der Pandemie genau in die Mitte der wirtschaftlichen Wunden des europäischen Wirtschaftsverbandes. Als anerkannter Wirtschaftswissenschaftler, emeritierter Professor für Volkswirtschaft an der LMU München und langjähriger Präsident des ifo Instituts analysiert Hans-Werner Sinn seit Jahrzehnten die Entwicklung der wirtschaftlichen Verflechtungen. Er versteht die Kunst hochkomplexe Fakten auch dem Laien verständlich zu erklären, nicht zuletzt durch das für dieses Buch gewählte übersichtliche kleinteilige These-, Frage- und Antwortsystem. Nicht der Corona-Schock, sondern die Kompetenzüberschreitung der EZB ist als roter Faden die eigentliche Sprengstoffleitung, durch Corona kurz vor der Explosion…

Bilderbuch – „Lehmis Abenteuer“ von Thomas Ecker und Bernhard Kühlewein

Thomas Ecker "Lehmis Abenteuer" präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

Knallorange eingefasst, im repräsentativen Großformat  von 40 x 40 Zentimeter  ist Thomas Eckers erstes Bilderbuch, illustriert vom Landshuter Künstler Bernhard Kühlewein, schon optisch eine Rarität. 
Kein Wunder, denn als Auftragswerk der Leipfinger Ziegelwerke, sollen „Lehmis Abenteuer“, so der Titel dieses  Bilderbuches, ein besonderes Geschenk für Kinder und Eltern sein.
Thomas Ecker hat sich für diese Aufgabe eine herzerfrischende Geschichte einfallen lassen, kein Es-war-einmal-Märchen, sondern eine ganze real im Jetzt verortete Geschichte über die Abenteuer eines personifizierten Lehmbrockens…

„Der Pate von Berlin“ – Autobiographie von Mahmoud Al-Zein

"Der Pate von Berlin" präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

Neuerscheinung – „Der Pate von Berlin“ – Autobiographie von Mahmoud Al-Zein
„Mein Weg, meine Familie, meine Regeln“ – darum kreist die Autobiographie von Mahmoud Al-Zein. Seine Eltern schickten ihn jung verheiratet aus Beiruts Kriegswirren auf eine Hochzeitsreise nach Berlin. Deutschland wurde seine neue Heimat. Im harten Kampf auf der Straße baute er sich zwischen arabischen und türkischen, albanischen und kurdischen Banden sein Image als „Pate von Berlin“ auf. Seine Familie wurde zum Inbegriff des Clanwesens…