"Kultur macht glücklich"


Hans Scheib gestorben: Berliner Bildhauer und Meister der Holzskulpturen 

Veröffentlicht am:

von

Hans Scheib gestorben: Berliner Bildhauer und Meister der Holzskulpturen 

Ein Nachruf 

Bildhauer Hans Scheib in der Berliner Galerie Schmalfuss © Galerie Schmalfuss

Hans Scheib ist gestorben. Der Berliner Bildhauer prägte mit expressiven Holzskulpturen die Kunstszene zwischen DDR und West-Berlin.

Hans Scheibs Holzfiguren, einmal gesehen, vergisst man nicht. Nun ist der Berliner Bildhauer im Alter von 76 Jahren gestorben. Seine expressiven Holzskulpturen machen ihn unvergesslich…

Wer war Hans Scheib? 

Hans Scheib (1949-2026) war ein bekannter Berliner Bildhauer. Durch seine expressiven Holzskulpturen zählt er zu den wichtigen Künstlern des Neoexpressionismus mit Wurzeln in der DDR. Die Nachricht von seinem Tod wurde am 13. April bekannt.

Bildhauer Hans Scheib: Leben und Karriere

1949 wurde er in Potsdam geboren und wuchs in Berlin auf. Nach einer Schriftsetzerlehre studierte er Bildhauerei an der Hochschule für Bildende Künste in Dresden. Mit seinen Künstlerfreunden Peter Herrmann, A. R. Penck und Strawalde verband ihn die Abneigung gegenüber dem sozialistischen Realismus. Als neoexpressive Künstler wurden sie von der Staatssicherheit genau beobachtet und gegängelt. 1985 ging Hans Scheib nach West-Berlin. 

Die erste Ausstellung war 1986 im Haus am Waldsee, die letzte im Februar und März dieses Jahres in der Galerie Mutter Fourage. Dazwischen wurden seine Arbeiten in der Galerie Schmalfuss regelmäßig in wechselnden thematischen Zusammenhängen ausgestellt, beispielsweise in der Ausstellung „Die Prinzessin und das rote Haus in Venedig“.

Hans Scheib: Meister der Holzskulpturen 

Der Berliner Bildhauer Hans Scheib gilt als Meister in seinem Fach. Er wurde vielfach ausgezeichnet. Werke von Hans Scheib befinden sich heute in bedeutenden Museen, u. a. in der Sammlung des Deutschen Historischen Museums, in der Nationalgalerie und in der Berlinischen Galerie. 

Hans Scheibs Vermächtnis

Inspiriert von der schlanken Silhouette der Gotik, der griechisch-archaischen Kunst und der energetischen Kraft des Berliner Expressionismus arbeitete Hans Scheib aus Holzstämmen seine Figuren heraus, in erster Linie Menschen, aber auch Tiere und Blumen. Jede Skulptur erzählt von einem anderen Menschentyp, und alle zusammen fusionieren zu einem großen Narrativ von Verführung und Abwehr, Leidenschaft und Leiden. Skulpturen in Bronze und Holz, in lebensgroßen und kleinen Formaten zeugen von Scheibs skulpturaler Vielseitigkeit. 

Manche Holzskulpturen von Hans Scheib verwandeln sich durch bizarre Überdimensionierung in Karikaturen oder zeigen, wie „Pandora“ und das „Schreckliche Kind“, soziale und psychische Traumata. „Pandora“ blickt entsetzt angesichts der schrecklichen Plagen, mit denen sie die Menschen konfrontiert hat oder konfrontieren wird, wie in der Ausstellung „Zeichnungen und Skulpturen von Hans Scheib“.

Weil in der DDR alle politischen Denkmale in Bronze gearbeitet wurden, favorisierte er Holz. Er schuf aber auch wunderbare Bronzefiguren, die durch ihre harmonische Ästhetik in ihren Bann ziehen. 

Im August 2024, schon gezeichnet von seiner Krankheit, stellte Hans Scheib der Galerie Schmalfuss als Dank für die langjährige Zusammenarbeit 25 Skulpturen in Holz und Bronze zur Verfügung, die in den alten Räumlichkeiten der Galerie Schmalfuss bei der Ausstellung „Holz-Farbe-Bronze“ sehr eindrucksvoll zur Wirkung kamen.

Hans Scheib hinterlässt eine Lücke. Über seine Skulpturen bleibt er präsent.