2026 © Landestheater Niederbayern, Foto: Peter Litvai
Passauer „Turandot“-Premiere auf der Veste Oberhaus während der Burgenfestspiele des Landestheaters Niederbayern scheitert an der Lautstärke der Protagonisten. Jonathan Lunn inszeniert bildgewaltig, doch technische Probleme bei der Tonabmischung trüben den Premierenabend.
Es hätte der perfekte Opern-Open-Air-Abend auf der Veste Oberhaus in Passau werden können. Ein lauer Sommerabend, Jonathan Lunns gelungene Inszenierung der „Turandot, Puccinis letzter und interessantester Oper, eine gute Besetzung, ein famoser Chor und durch chinesische Perkussionsinstrumente ein fernöstlicher Orchesterklang. Alles stimmte, nur die technische Abmischung nicht.
Schrill bis zur Schmerzgrenze
Das war bei Open-Air-Opern zwar schon oft ein Problem, aber noch nie so krass wie in diesem Jahr. Nach der Pause waren die Einstellungen zwar etwas besser, aber die fulminanten Stimmen von Yitian Luan als Turandot und James Lee als Calaf wirkten in de Höhen immer noch schrill bis zur Schmerzgrenze. Calafs berühmte Arie „Nessun dorma“, Herzstück der Oper, und die Duette im Umfeld berührten nur in den Anfangssequenzen, nervten durch schrille Crescendi und überpowerte Höhen. Das ist sehr schade, weil beide, Yitian Luan wie James Lee, durch ihre fulminanten Stimmen an sich mühelos Puccinis schwierige Partitur in den Höhen meistern.
Abschied von Basil H. E. Coleman
Sehr schade ist das auch für Generalmusikdirektor Basil H. E. Coleman, der sich mit „Turandot“ vom Landestheater Niederbayern verabschiedet. 1997 kam er als Erster Kapellmeister an das Landestheater Niederbayern. 2000 übernahm er die musikalische Abteilung, 2005 wurde er zum Generalmusikdirektor ernannt.
Orchester mit chinesischen Perkussionsinstrumenten
Zeitweise dirigierte Basil H. E. Coleman dieses Mal die „Turandot“ sehr subtil, in mitreißenden Pianissimi. Mit chinesischen Perkussionsinstrumenten verfeinert er Puccinis fernöstliche Klangwelten, doch infolge der technischen Probleme übertönten dieses Mal die Stimmen das Orchester, dessen Klangschönheit bei der besuchten Passauer Premiere nur in der Ouvertüre und in den Zwischenspielen hörbar wurde.
Natascha Sallès als Lìu
Wie schön die Partitur klingt, beweist Natascha Sallès. Schon im ersten Akt lässt die lyrische Schönheit ihrer Stimme aufhorchen. Nach der Pause bringt sie im dritten Akt mit dem durchglühten Farbklang ihrer Stimme Liùs Herzensgüte als Kontrast zu Turandots eisiger Persönlichkeit mitreißend zur Wirkung.
Turandots Staatsräte als amüsantes Trio
Die drei Staatsräte, mit Kyung Chun Kim (Ping), William Diggle (Pang) und Zhi Fang (Pong) bestens besetzt, amüsieren als ironisch kommentierendes Trio durch ihre markanten Stimmen, die in den Trios wunderbar harmonierten und kontrastieren.
Jonathan Lunn: Tanz und Regie
Tanz und Regie in einer Hand gelingt Jonathan Lunn eine mitreißende Inszenierung in Schwarz-Rot-Optik. Justin Arienti baut dafür eine drehbaren roten mit Treppen, wodurch ständig hierarchische Unterschiede deutlicher werden, Turandot mit ihren Staatsmännern oben. Calaf, sein Vater, Lìu, die Calaf liebt, und der Chor als Volk in Rot-, Rost-, Brauntöne als Arbeitervolk ganz unten. Davor spielen die beiden Tänzer:innen Pierre Chauvin-Brunet als Henker mit Beil oder Schwert und Lilou Magali Robert als Mond mit zwei Fächern und mit weiß-schwarzen Stoffbahnen auf das grausame chinesische Märchen der Prinzessin Turandot an. Immer wieder geben beide Tänzer:innen der Inszenierung zusätzlich expressive Akzente. Dass Lilou Magali Robert schauspielerisch auch den Kaiser in seiner sichtbaren Zerbrechlichkeit und Lächerlichkeit zeigen darf, verstärkt die ironische Wirkung dieser Inszenierung und den Untergang des Patriarichats.
Tourandot – symbolische Märchenfigur
Tourandot, Vertreterin eines Matriarchats, will nur den Mann heiraten, der ihre drei Fragen beantworten kann. Keiner der freienden Prinzen hat dies jemals geschafft. Alle wurden sie hingerichtet. Erst Calaf gelingt es, das Herz Turandots zu gewinnen. Als die kaiserlichen Boten trotz intensiven Suchens nicht herausfinden, wer Calaf ist, wird Tourandot Calafs Frau. Famos vertanzt, vom Chor mit einer Stimme gesungen, gelingen bildgewaltige, atmosphärische Szenen. Werden die technischen Probleme gelöst, kann sich das Publikum auf eine mitreißende „Turandot“ freuen.
| Künstlerisches Team: | Musikalische Leitung: | Basil H. E. Coleman |
| Inszenierung, Choreografie | Jonathan Lunn | |
| Bühne, Kostüme: | Justin Arienti | |
| Choreinstudierung: | Guiran Jeong | |
| Dramaturgie: | Swantje Schmidt-Bundschuh | |
| Musikalische Assistenz: | Peter WesenAuer | |
| Mit: | Turandot: | Lithian Luan |
| Calaf: | James Lee | |
| Liú: | Natasha Sallès, Emily Fultz | |
| Timur: | Youngkug Jin | |
| Ping: | Kyung Chun Kim | |
| Pang | William Diggle | |
| Pong | Zhi Fang | |
| Kaiser Altoum (Gesang) | Norbert Hohl | |
| Mond, Kaiser, Roboter, Bürger | Lilou Magali Robert | |
| Henker, Roboter, Krankenpfleger | Pierre Chauvin-Brunet | |
| Niederbayerische Philharmonie | ||
| Chor | ||
| Dauer: | 2 Std. 10 Min., eine Pause | |
| Premiere: | 20.06.2026 in Passau 23.06.2026 in Straubing 03.07.2026 in Landshut | |
| Bewertung | ⭐⭐☆☆☆ |














