„Staatsschutz“ © Plaion Pictures GmbH
„Staatsschutz“ – Filmkritik über Faraz Shariats politischen Thriller über rechte Gewalt, Rassismus und Justiz. In den Hauptrollen spielen Chen Emilie Yan und Julia Jentsch.
Der Thriller „Staatsschutz“ von Faraz Shariat erzählt von der jungen Staatsanwältin Seyo Kim, die nach einem rassistischen Anschlag gegen sie selbst gegen rechte Netzwerke und Widerstände in der Justiz ermittelt.
„Staatsschutz“ Handlung
Wen schützt eigentlich die Justiz? Die Opfer oder die Täter? Seyo Kim (Chen Emilie Yan), eine junge Staatsanwältin mit asiatischen Wurzeln, macht ihre ersten Erfahrungen vor Gericht. Als Staatsanwältin argumentiert sie ganz im Einvernehmen mit den Interessen eines demokratischen Staates. Trotzdem wird sie Opfer eines Brandattentats. Man will den Vorfall vor Gericht als Unfall bagatellisieren. Seyo Kim sieht den Sachverhalt anders, nicht nur gegen ihre Person gerichtet, sondern gegen die Staatsanwaltschaft. Zusammen mit ihrer links orientierten Verteidigerin Alexandra Tiedemann (Julia Jentsch) beginnt sie, das Attentat zu recherchieren, und entdeckt ein rechtsradikales Netzwerk, das vom Oberstaatsanwalt unterstützt wird. Dabei drängen sich nicht nur Analogien zu den NSU-Prozessen auf, sondern auch mögliche Veränderungen bei einem Rechtsruck der politischen Gegenwart.
„Staatsschutz“: Kamera und Musik
Obwohl der Film vorwiegend im Gerichtssaal spielt, wird er durch die Recherche-Szenen zum Thriller. Die Kamera (Lotta Kilian) folgt Seyo Kim auf ihren Wegen von ihrer Wohnung in die Arbeit, ins Büro im Auto oder auf dem Fahrrad, als würde sie bereits observiert. Seyo Kims Augen wirken achtsam und konzentriert. Nach dem Anschlag auf sie, spiegeln sie ihre Ängste, die über den pulsierenden Hintergrundsound (Gabríel Ólafs) auch hörbar werden. Doch Seyo Kim gibt nicht auf, auch wenn sie verwarnt wird, sich nicht in die Ermittlungen einzumischen und nicht mit Journalist:innen zu sprechen. Sie muss sich die Frage gefallen lassen, auf welcher Seite sie stehe und warum sie der Behörde nicht vertraue.
Gerichtsfilm oder Thriller?
Regisseur Faraz Shariat gelingt der Spagat zwischen nüchternen Gerichtsszenen und spannenden Thrillerpassagen, die nicht künstlich aufgesetzt wirken, sondern sich ganz realistisch aus dem Handlungsgeschehen und der psychischen Verfassung Seyo Kims entwickeln, beispielsweise, wenn sie vom Fahrrad gestoßen wird und ihre Jacke zu brennen beginnt, oder wenn sie ihren schusssicheren Wagen vor der Stammkneipe des rechtsradikalen Netzwerkes aufheulen lässt und dann mit Hochgeschwindigkeit davondonnert.
Chen Emilie Yan und Julia Jentsch
Schauspielerisch getragen wird der Film von Chen Emilie Yan als Brandopfer. Unter Faraz Shariats Regie gelingt ihr ein sehr authentisches Rollenporträt zwischen taffer Juristin und subtiler Persönlichkeit. Zunächst eher unscheinbar entwickelt Chen Emilie Yan ungewöhnliches Durchsetzungsvermögen. Sie behält ihre Gefühle für sich, umso heftiger brechen ihre Ängste zuweilen durch. In den Armen der Freundin, im See beim Schwimmen gewinnt sie ihre Ruhe zurück. Durch menschliche Empathie findet sie trotz Ermittlungsverbot Hilfe von Kolleg:innen, um an die notwendigen Daten zu kommen. Im Gerichtssaal stellt sie selbst die Fragen an die Zeugen, womit selbst Julia Jentsch als Verteidigerin schauspielerisch an Wirkung etwas verliert.
Fazit: Lohnt sich „Staatsschutz“
Staatsschutz ist ein längst überfälliger Film. Regisseur Faraz Shariat und das Drehbuchtrio, Claudia Schaefer, Sun-Ju Choi und Jee-Un Kim, weiten den Film um die Frage, auf welcher Seite eigentlich die Justiz steht. Der Kontrabass klingt düsterer, während immer mehr rassistische Opfer offenkundig werden. Die objektivste Justiz der Welt, wie die deutsche Behörde im Film wiederholt ironisch zitiert wird, wird immer fragwürdiger.
Und noch ein Problem der deutschen Justiz wird offen benannt, das Anne Brorhilker in ihrem Buch „Cum/Ex, Milliarden und Moral“ 2025 schon explizit beschrieb. Als sich die Akten auf Seyo Kims Schreibtisch auftürmen, rät man ihr, wie das auch Anne Brorhilker als Staatsanwältin erlebt hat, einen Großteil der Akten einzustellen, dann liege sie im Durchschnitt. Die kriminelle Unterwanderung unserer Gesellschaft schreitet voran.
Infos zu Faraz Shariats Film „Staatsschutz“
| Künstlerisches Team: | Drehbuch: | Claudia Schaefer, Sun-Ju Choi Jee-Un Kim, |
| Regie: | Faraz Shariat | |
| Kamera: | Lotta Kilian | |
| Musik: | Gabriel Ólafs | |
| Schnitt: | Friederike Hohmuth | |
| Mit: | Chen Emilie Yan, Julia Jentsch, Alev Irmak, Arnd Klawitter, Sebastian Urzendowsky, Kotbong Yang, Kathrin Angerer, Mercy Dorcas Otieno, Max Krause, Petra Hartung, Benjamin Radjaipour, Jonathan Kempf | |
| Produktionsland: | Deutschland | |
| Weltpremiere: | 2026 bei der Berlinale in der Sektion Panorama und Auszeichung mit dem Panorama-Publikumspreis | |
| In deutschen Kinos: | ab 27.08.2026 | |
| Länge: | 1 Std. 53 Min. | |
| Filmverleih | Plaion Pictures GmbH | |
| Bewertung | ⭐⭐⭐⭐⭐ | |













