„Germaine Acogny – Die Essenz des Tanzes“ von Greta-Maria Becker © farbfilm Verleih
„Die Dokumentation ‚Germaine Acogny – Die Essenz des Tanzes‘ zeigt eindrucksvoll die Verbindung afrikanischer Tanztraditionen mit zeitgenössischem Tanz. Filmkritik.“
Igor Strawinskys „L’Sacre du printemps“ mit rasanter afrikanischer Bewegungsrhythmik vertanzt? Einfach großartig!
Germaine Acogny wurde als Tänzerin, Choreografin und Sängerin zur Tanz-Ikone. Sie ist eine Ausnahmetänzerin. 78 Jahre jung blickt sie auf ihr Leben zurück, das sie ganz dem Ziel widmete, das Wesentliche auszudrücken. Sie macht nicht den Körper sichtbar, sondern die Seele.
Germaine Acogny: Leben zwischen zwei Welten
Germaine Acogny kommt aus dem Senegal, studierte und tanzte in Paris. Als ihr in Frankreich die Fördergelder für ein Tanzstudio für die Weiterbildung von Tanzprofis gestrichen wurden, ging sie mit ihrem Mann, Helmut Vogt, in ihre Heimat zurück, an einen Ort in der Savanne, wo es außer Sand und Steinen nichts gab. Sie tanzten auf Sand, am Strand und unter dem schattenspendenden Dach von „Jant-Bi L’École des Sables“, zu deren Eröffnung alle Botschafter im Senegal kamen.
Zu den Workshops, bei denen Germaine Acogny trotz ihrer internationalen Auftritte immer persönlich präsent ist, melden sich professionelle Tänzer:innen aus allen Kontinenten der Welt. Sie bekommen eine professionelle Ausbildung und bei bestandener Prüfung einen akademischen Master-Abschluss.
Acogny-Technik: spirituelle Energie als oberstes Prinzip
Aus dem Geist der traditionellen afrikanischen Tänze entwickelte Germaine Acogny eine ganz spezielle Tanztechnik, in der sie das Erbe der Ahnen mit dem zeitgenössisch-expressiven Tanz Martha Grahams fusionierte. „Die Toten sind nicht tot. Sie begleiten uns. Sie sind der Atem.“ Mit diesem Satz strukturiert Regisseurin Greta-Maria Becker diese Filmcollage, die in faszinierenden Tanzszenen die unwahrscheinliche Intensität afrikanischer Tänze einfängt.
Acogny-Technik: die Wirbelsäule als Energiezentrum
Im Wechselspiel von Ferne und Zoom werden die Grundprinzipien, die Germaine Acogny erklärt, lebendig. Energie- und Kraftzentrum ist die Wirbelsäule. Ihre Schwingungen mit dem Becken geben die Grunddynamik. Sie verleiht den Tänzer:innen eine ganz persönliche Aura. Über die Präzision der Bewegungen und des Rhythmus finden sich Parallelen zum klassischen Tanz. Doch die inneren Bildwelten der afrikanischen Tänzer:innen sind von archaischer Tiefe. Die Brust ist die Sonne, der Po der Mond, jede Pobacke ein Halbmond, das Schambein steht für die Sterne.
Acogny-Technik: Tanz als Befreiung
Germaine Acogny geht noch einen Schritt weiter, indem sie leidvolle Kolonial- und Neokolonialgeschichte miteinbezieht, in der die Afrikaner zu dienstleistenden Tieren degradiert wurden und wie in einem Käfig lebten. Diesen Käfig will sie durch ihre Choreografien zerbrechen und dabei gleichzeitig die individuelle Aura der Tänzer:innen stärken. „Zeig sie mir!“ Immer wieder fordert Germaine Acogny ihre Tänzer:innen auf, sich an die wunderschönen Armbewegungen ihrer Heimat zu erinnern.
Als Tänzerin, Choreografin und Sängerin zeigt Germaine Acogny, wie der Hass Körper und Seele zerstört. In Fusion mit dem japanischen Butoh, getanzt nur von Männern, sensibilisiert sie Männer für die Rollen der Frauen. Dabei wird deutlich, wie bedeutsam der Tanz für das kulturelle Miteinander ist.
Dokumentarfilm mit Empathie
In mitreißenden, atmosphärischen, sehr empathischen Sequenzen fängt Regisseurin Greta-Maria Beckers den Lebensweg Germaine Acognys ein. Die Tänzerin selbst erzählt ihr Leben an den Originalschauplätzen, ist über Archivmaterial als junge und ältere Tänzerin auf großen Bühnen und in Workshops zu erleben. Die Körpersprache ihrer Tänzer:innen wiederum wurde zu ihrem persönlichen Archiv.
Resümee: Tanz als friedliche Waffe
Germaine Acognys Biografie zeigt, wie globale Integration durch innovative Fusionen im künstlerischen Bereich ganz neue Energien eröffnet. Obwohl ihr Leben von großen Problemen belastet war, gelang ihr immer wieder der Blick auf das Freudvolle und Befreiende im Leben. Sie rückt die Schönheit und Tiefe afrikanischer Bewegungen weltweit ins Bewusstsein. Man spürt, welch große Rolle der Tanz spielt, um das Leben zu begreifen.
Germaine Acogny gibt dem zeitgenössischen Tanz eine schwarze Präsenz. In einer Welt, die sich ständig ändert und von Kriegen geprägt ist, fungiert für sie der Tanz als „eine friedliche Waffe. Also werde ich weiterkämpfen“.
Wer sich für die Problematik der Kolonialisierung interessiert, ist auch der Film „Dahomey“ eine Empfehlung.
Infos zu „Germaine Acogny – Die Essenz des Tanzes“
| Drehbuch & Regie_ | Greta-Marie Becker |
| Mit: | Germaine Acogny u. a. |
| Produktion: | Deutschland, Frankreich, Senegal |
| Genre: | Dokumentarfilm |
| Dauer: | 89 Min. |
| Kinostart: | 28.05.2026 |
| Bewertung | ⭐⭐⭐⭐⭐ |














