„Porträt mit Tito“, 2004 © Marina Abramović
Marina Abramovićs Ausstellung „Balkan Erotic Epic“ 2026 dokumentiert teilweise lebensgefährlichen Performances im Berliner Gropius Bau.
Wo Marina Abramović (*1946, Serbien) performt, spalten sich die Geister. Die Resonanz chargiert zwischen absoluter Begeisterung für ihre Empathie, auch für ihren Mut und rigider Ablehnung wegen ihrer Grenzüberschreitungen. Seit den 1970er Jahren gilt Marina Abramovićs international als eine der wichtigsten Performerinnen.
Unter dem Titel „Balkan Erotic Epic“ präsentiert der Gropius Bau eine hochkarätige Einzelausstellung mit aktuellen und historischen Arbeiten, in denen Marina Abramovićs um die existenzielle Kraft der Erotik kreist.
Was erzählt Marina Abramović in „Balkan Erotic Epic“?
Dieser Werkzyklus ist keine klassische Retrospektive wie bei Yoko Ono https://schabel-kultur-blog.de/ausstellung/berlin-yoko-ono-music-of-the-mind-im-gropius-bau/ im vergangenen Jahr, sondern eine schwerpunktmäßige Konzentration auf ihr Zentralanliegen, körperliche Erotik als rebellische Kraft in den Mythen des Balkans, im jugoslawischen Kommunismus unter Tito und in ihrer Nähe zum Tod zu zeigen.
Marina Abramovićs Werkzyklus „Rituale, Erotik, Widerstand“ (2005-25) im Gropius Bau Berlin
Über eine großflächige Landschaft statt mit Bäumen mit skulpturalen Penissen übersät, die wie Pilze aussehen, hinterfragt Marina Abramović die Geschichten und Mythen ihrer serbischen Heimat und darüber hinaus des Balkans.
Sie bringt Zaubertränke und Wetterbeschwörungsrituale in Erinnerung, aber derart ironisch, dass man die Klischees über den Balkan bezüglich seiner Rückständigkeit in seinen Wurzeln erfasst.
Warum ein „Porträt mit Tito“ (2004)
Die erotische Dimension von Titos Herrschaft enthüllt Marina Abramović in ihrem „Porträt mit Tito“. Ganz nackt verhüllt sie Brust und Unterleib mit dessen Porträt, womit Tito demonstrativ die rituelle Verehrung seiner Person als mythischer Übervater bei Prozessionen ikonenhaft stilisierte.
Warum „Rhythm 5“ (1974) legendär wurde
In anderen Performances setzte sie ihr Leben aufs Spiel. Um zu zeigen, wie kontrollierend, verletzend und gefährlich kommunistische Macht sein konnte legte sie sich in Anspielung auf den Sowjetstern in einen aus Holz gemachten Stern, den sie mit Benzin tränkte. Als das Publikum merkte, dass sie ohnmächtig geworden war, wurde die Performance sofort abgebrochen und Marina Abramović aus den Flammen gehoben.
Marina Abramović: „Dragon Heads“ („Drachenköpfe), 1990
Über Filmaufnahmen erlebt der Betrachter, wie sich fünf Würgeschlangen langsam über Marina Abramovićs’ Gesicht bewegen. Still verharrt sie mit offenen Augen stundenlang. Der Biss einer Schlange wäre tödlich. Man fragt allerdings, was diese Konzentrationsleistung mit Erotik zu tun hat, sieht man von der Verführungssymbolik der Schlangen ab.
Die Nähe von Erotik und Tod wird in weniger spektakulären Live-Performances deutlicher, wenn eine schöne Performerin in Vertretung von Marina Abramović unter einem Skelett liegt.
Fazit zu Marina Abramovićs Ausstellung „Balkan Erotic Epic“
Wie Marina Abramovićs Performances wirken, ist beeindruckend. Die symbolische Magie ihrer Werkzyklen zieht in ihren Bann. Durch die Gefährlichkeit ihrer Projekte und den daraus resultierenden Grenzerfahrungen wird sie bereits selbst zum Mythos.
Wegen der großen Nachfrage wurden die täglichen Ausstellungszeiten im Gropius Bau Berlin von 18 auf 20 Uhr verlängert.
Infos zur Marina Abramović-Ausstellung
| Dauer | bis 23. August | von Mi – Mo von 11- 20 Uhr | |
| 4-stündige Performance-Version | ab 03.09.2026 | Bei der Ruhrtriennale in Duisburg | |
| In Planung | Ausstellungen | New York, Hongkong |














