Berlinale – Mati Diops Film „Dahomey“ – eine fiktive Dokumentation über Raubkunst 

Filmkritik "Dahomey" präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

 ©Les Films du Bal, Fanta Sy

Über einen inneren Monolog lässt Mati Diop den König selbst zu Wort kommen. Für ihn ändert sich im Grunde nicht viel. Seine ursprüngliche Heimat ist ihm fremd geworden und sein neuer Standort im Museum mit Videoüberwachung, Klimaanlage und nächtlicher Dunkelheit unterscheidet sich wenig von dem in Paris. Doch die Besucher sind anders, betrachten ihn mit Ehrfurcht, andächtig, beginnen die eigenen Wurzeln besser zu verstehen und genau darum geht es in der Restitution. 

Eine Sequenz mit diskutierenden StudentInnen wird zur Schlüsselszene. Hier prallen die Meinungen aufeinander. Was sind schon 26 Rückgaben, wenn immer noch 6974 in Frankreich verbleibe? Die Aggressionen gegenüber der ehemaligen Kolonialmacht werden deutlich. 65 Jahre lang wurde Dahomey von Frankreich ausgebeutet, erst 1960 selbstständig. Andere StudentInnen sind gelassener. Für sie ist Restitution zumindest ein Anfang, der viel schneller als erwartet erfolgte.

Schon an diesen wenigen zurückgeführten Kunstwerken wird deutlich, wie wenig die heutigen jungen Erwachsenen von ihrer eigentlichen Kultur wissen. Sie sind mit Walt Disney, Tom & Jerry und Alvataren groß geworden, mussten im Gymnasium antike Philosophen zitieren, um gute Noten zu bekommen. Die eigenen Denker und  traditionelle Musiken wurden ignoriert. Man nahm den Menschen die Kultur und die Seele, was durch die Vertonung des Films von Dean Blunt und Wally Badarou atmosphärisch verdichtet wird.

Künstlerisches Team: Mati Diop (Drehbuch, Regie)