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„Jens Harzer & Sandra Hüller lesen Kleist“ – Kleist Lesung Berliner Ensemble 2026

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„Jens Harzer & Sandra Hüller lesen Kleist“ – Kleist Lesung Berliner Ensemble 2026

© Berliner Ensemble, Foto: Jörg Brüggemann

Kleist-Lesung im Berliner Ensemble: Jens Harzer und Sandra Hüller begeistern mit intensiver Sprechkunst – Kritik zur ausverkauften Aufführung 2026. Als Käthchen und Graf Wetter vom Strahl treffen Jens Harzer und Sandra Hüller bei der Lesung aufeinander…

Kleist: Die Bedeutung der Träume

Als Käthchen und Graf Wetter vom Strahl treffen Jens Harzer und Sandra Hüller bei der Lesung aufeinander. Ausgangspunkt sind ihre Träume, in denen sie sich magisch voneinander angezogen fühlen. Träume sind bei Kleist kein romantisches Beiwerk, sondern eine tiefenpsychologische Ausleuchtung innerster Gefühle und daraus resultierender schicksalshafter realer Entscheidungen.

Jens Harzer & Sandra Hüller: Die Magie der Stimmen 

Grau in Grau erscheinen beide ganz alltäglich auf der Bühne. Der Hintergrund schwarz, nur mit Tisch und zwei Stühlen möbliert, lenkt nichts von Kleists kunstvoll verschachtelter Sprache ab. Ganz klar artikuliert, in unterschiedlichen Stimmlagen dialogisierend, wird die Lesung zum spannenden Erlebnis. 

Jens Harzer spricht markant, dominiert selbstbewusst und hinterfragt gleichsam empathisch, akzentuiert gestisch. Sandra Hüller spricht zart, anfangs zu leise, gewinnt an Präsenz, als eine Besucherin „Lauter!“ einfordert. Hüller reagiert sofort, spricht kraftvoller und beginnt wie Jens Harzer, wenn auch moderater, gestisch den Text zu unterstreichen.

Berliner Ensemble: Harzer & Hüller – Kleist-Experten

Man spürt, dass beide ein eingespieltes Paar sind. Beide lieben Kleist. Unter der Regie von Johan Simons spielten sie 2018 Kleists auf zwei Personen reduzierte „Penthesilea“ bei den Salzburger Festspielen und anschließend in Bochum. Der damalige Dramaturg Vasco Boenisch ist jetzt Regisseur von „Jens Harzer und Sandra Hüller lesen Kleist“. Das Projekt entstand im Auftrag der Stiftung Kleist-Museum, Frankfurt (Oder) speziell für die Bühne des Berliner Ensembles. 

Harzer & Hüller: Ein Label für erstklassige Sprechkunst

Aus der Taufe gehoben wurde dabei ein neues Label, das für die Kunst des Sprechens steht. „Harzer & Hüller“ entführen in das Reich der Imagination. Die Schattierungen ihrer Stimmen genügen, um Kleists Traumwelten auszuleuchten, in seinen komplexen Satzgefügen spannende Rhythmik und emotionale Tiefe hörbar zu machen. Kleists „Käthchen von Heilbronn“ wird zwischen Traum und Realität als atmosphärisches Kopfkino erlebbar. Träume sind kein Wahn. Ganz im Gegenteil, sie enthüllen die Wahrheit und entlarven die Täuschungen und Manipulationen angeblicher Realitäten. 

Sandra Hüller entdeckt im romantisierten Käthchen ein selbstbewusstes, energisches Mädchen, das genau weiß, was es will. Jens Harzer enthüllt unter dem heroischen Grafen einen innerlich zerrissenen Menschen. 

Resümee der Kritik

„Jens Harzer und Sandra Hüller lesen Kleist“ geht durch die Reduktion auf das Wesentliche und die einzigartige Sprechkunst ohne Pathos, aber voller Rhythmik, Pausen, Brechungen, Stimmmodulationen der beiden Schauspieler:innen unter die Haut, leider nur einmalig auf dem Spielplan des Berliner Ensembles. 

FAQ

Warum war die Lesung im Berliner Ensemble ausverkauft?

Jens Harzer und Sandra Hüller zählen zu den derzeit besten Schauspieler:innen Deutschlands. Jens Harzer trägt seit 2019 den Iffland-Ring, die höchste, lebenslange Auszeichnung für deutschsprachige Schauspielerinnen. Bruno Ganz bestimmte testamentarisch Jens Harzer zu seinem Nachfolger.

Sandra Hüller wurde durch ihre Filmrollen und den damit verbundenen Auszeichnungen berühmt. 2024 wurde sie Beste Darstellerin für den Oscar nominiert, 2026 bekam sie als beste Darstellerin in „Rose“ den Silbernen Bären bei der Berlinale

Wo kann man „Jens Harzer und Sandra Hüller lesen Kleist“ noch erleben? 

Die Lesung ist nicht als Gastspieltournee geplant. Die einzige bekannte Folgeveranstaltung ist am 29. April 2026 in Wien im Theater in der Josefstadt. 

Durch den Projektcharakter ist damit zu rechnen, dass die Lesung im Rahmen von Festivals, Sonderreichen und kleineren Literatur- und Institutsformaten zu erleben ist.