Marina Quasha, Generalmusikdirektorin des Deutsch-Romantischen Orchesters © Marina Quasha
Marina Quasha debütiert im Konzerthaus Berlin. Konzertkritik zu Mahler und Krommer mit Christiane Karg, Wenzel Fuchs und Matic Kuder.
Seit 2025 macht Marina Quasha als Generalmusikdirektorin des von ihr gegründeten „Deutsch-Romantischen Orchesters“ auf sich aufmerksam. Ihr Anspruch ist die Musik des deutschen romantischen Repertoires, gespielt mit einer Kombination aus sinfonischer Größe und kammermusikalischer Durchsichtigkeit.
Marina Quasha debütiert im Konzerthaus Berlin
Im Oktober debütierte Marina Quasha mit einem Beethoven-Mozart-Programm im Kammermusiksaal der Berliner Philharmoniker, gefolgt von Aufführungen mit Werken von Verdi, Puccini, Brahms und Tschaikowsky im Funkhaus Berlin, immer in Zusammenarbeit mit renommierten Solisten. Für ihr Debüt im Konzerthaus Berlin wählte Marina Quasha Krommer und Mahler aus.
Wenzel Fuchs und Matic Kuder begeistern mit Krommer
Das gilt auch für den Konzertabend am 28. Mai 2026 im Konzerthaus Berlin. Zwei berühmte Kompositionen mit jeweils renommierten Solisten standen auf dem Programm.
Franz Krommers Konzert Nr. 1 für zwei Klarinetten und Orchester, op. 35 begeisterte durch die überaus sympathische und hochvirtuose Präsenz der beiden Klarinettisten. Wenzel Fuchs, seit 1993 Soloklarinettist bei den Berliner Philharmonikern, und Matic Kuder, seit 2021 ebenfalls Mitglied der Berliner Philharmoniker, begeisterten durch grandiose Virtuosität, unangestrengte Leichtigkeit, langen Atem und harmonische Klangschönheit.
Das Deutsch-Romantische Orchester
Das Orchester trumpfte zunächst paukenfeierlich mit großem Bläserhintergrund auf und fand kammermusikalisch ohne Dirigat schnell die Balance in der fröhlich beschwingten Frühlingsatmosphäre des Allegro. Es folgte das Andante von Melancholie überschattet. Aus dem Pianissimo entwickelten die Solisten weite melodische Harmoniebögen mit filigran umspielten Tongirlanden, rhythmisch pulsierend vom Orchester untermalt.
Im Rondo (Allegro) kehrte die Lebensfreude zurück und wandelte sich ins Euphorische, allen voran die irrlichternden Soli in mitreißenden Tempi.
Für den rasanten Applaus, obwohl der große Saal des Konzerthauses nicht ausverkauft war, bedankten sich Wenzel Fuchs und Matic Kuder mit einem „Nachspuin“, kecke Tonspielereien mit experimentellem Charakter und unerwarteten Brüchen in den Läufen. Mitreißend!
Mahlers 4. Sinfonie als kammermusikalische Klangreise
Für ihr Debüt im Konzerthaus wählte Marina Quasha Gustav Mahlers „Symphonie Nr. 4 in G-Dur“ aus, die durch ihre klare Klangsprache, innere Ruhe und ihren schlichten Tiefgang als sein zugänglichstes und poetischstes Werk gilt. Marina Quasha gibt dem Deutsch-Romantischen Orchester Raum, die Dynamik und Emotionalität der Komposition kammermusikalisch sehr selbstständig auszuleuchten, was bei den ungewöhnlich stark besetzten Instrumentalgruppen und den herausragenden Solisten sehr gut gelingt. Sie brillieren ausgesprochen klangschön, entwickeln durch präzise Artikulation, Rhythmik und Dynamik eine lebendige, mitreißende Dramatik, die allerdings bei den Schlagwerken, immer im Fortissimo, insgesamt zu wenig differenziert und zuweilen aufdringlich laut wirkt, was aber durch die wahrnehmbare Virtuosität beim Schlussapplaus seitens des Publikums honoriert wird.
Zuweilen retardiert der erste Satz bis ins arg Bedächtige, wodurch den Melodien der Schmelz der Leichtigkeit verloren geht. Dafür gewinnt der zweite Satz an tänzerischer Beschwingtheit. Die Sologeige klingt wunderbar lyrisch, frech die Oboe. Die Harfe ist trotz der orchestralen Brandung zauberhaft hörbar. Die Waldhörner bringen Exotik ein und mit satter Tiefe pulsieren die Kontrabässe.
Im dritten Satz zertrümmern die Schlagwerke Mahlers euphorisch aufflammenden Klangkosmos, sodass nur noch Töne und Minimelodien aufleuchten, versinken und sich durch die spezielle Klangstimmung der Fagotte und den extremen Wechsel von Fortissimi und Pianissimi wieder zu tänzerischer Frische formieren und sich durch die Harfenklänge ins Spirituelle weiten.
Dabei hat man das Gefühl, dass sich die Energetik dieser Mahler-Interpretation aus der kammermusikalischen des Orchesters und durch die Mitwirkung renommierter Musiker:innen ergibt.
Dirigentin Marina Quasha
Marina Quasha gibt zwar ganz präzise Einsätze, doch ihre Körpersprache irritiert aus der Rückenperspektive. Ohne Taktstock, vorwiegend mit der rechten Hand, die Linke nur partiell führend, mit extremer Körperspannung einen Schritt vor und wieder zurück, wirkt ihr Dirigat sehr monoton, fast roboterhaft und aufgesetzt. Dass sich ihr wippender Pferdeschwanz plötzlich löst und sie, kurz vor dem Einsatz von Sopranistin Christiane Karg, mit voller Haarlänge weiterdirigiert, wirkt wie ein Showeffekt.
Sopranistin Christiane Karg im Finale der Sinfonie
Obwohl Christiane Karg aus der Mitte des Orchesters singt, oder gerade deshalb, kommt ihr kraftvoller Sopran nur bedingt zur Wirkung. Zuweilen wird sie durch die fulminante Energetik des Orchesters regelrecht überflutet.
Nichtsdestoweniger ist das Publikum begeistert. Den überwältigenden Applaus gibt Marina Quasha zu Recht sofort an die Solisten und Instrumentalgruppen weiter, ohne um ihre eigene Person viel Aufhebens zu machen. Ein irritierender, arg schneller Abschluss vor ausgesprochen internationalem Publikum.
Fazit zur Konzertkritik:
Die junge Dirigentin Marina Quasha macht durch ihren hohen Anspruch, das Deutsch-Romantische Repertoire mit sinfonischer Größe und kammermusikalischer Klangschönheit zu interpretieren, auf sich aufmerksam. Mit ihrem Debüt im Konzerthaus Berlin erfüllt sie beide Kriterien, doch in welchem Maße der Erfolg auf ihr Dirigat oder auf die außergewöhnliche Qualität von Solisten und Orchester zurückzuführen ist, bleibt schwer zu beurteilen.
Infos zum Konzertdebüt von Marina Quasha
Veranstaltungsort: | Konzerthaus Berlin, Großer Saal
Veranstaltungsdatum: | 28. Mai 2026
Beteiligte Künstler: | Wenzel Fuchs, Matic Kuder, Christiane Karg
Konzertprogramm: | Franz Krommers „Konzert Nr. 1 für zwei Klarinetten
| und Orchester, op. 35“
| Gustav Mahlers „Symphonie Nr. 4 in G-Dur“














