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Landestheater Niederbayern ernennt Paula-Maria Kirschner, Jochen Decker und Antonia Reidel zu Kammerschauspieler:innen 

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Landestheater Niederbayern ernennt Paula-Maria Kirschner, Jochen Decker und Antonia Reidel zu Kammerschauspieler:innen 

Antonia Reidel, Jochen Decker, Intendant Stefan Tilch, Paula-Maria Kirschner © Peter Litvai

Große Ehrung im Landestheater Niederbayern – Paula-Maria Kirschner, Jochen Decker und Antonia Reidel wurde der Titel  Kammerschauspieler:in verliehen. 

Was bedeutet Kammerschauspieler:in?

Kammerschauspieler:in zu werden, ist die deutschsprachigen Theatern auch heute noch die höchste Auszeichnung für Schauspieler:innen. Der Titel geht zurück bis zu den Fürsten- und Königshöfen des 18. Jahrhunderts. Der Herrscher ehrte die Schauspieler seines Hofs, sprich seiner Kammer.

Wann wird man Kammerschauspieler:in? 

Der Titel würdigt heute nicht nur eine Rolle oder einen großen Erfolg, sondern das gesamte Lebenswerk, die Verdienste für das Theater und die prägende Bedeutung für das kulturelle Leben im Umkreis des Theaters und die Würdigung durch Publikum und Fachwelt. Voraussetzung ist, dass Schauspieler:nnen lange über Jahrzehnte ihrem Theater verbunden bleiben. Stefan Tilch kann in seinem letzten Intendantenjahr den Titel dreifach verleihen.

Kammerschauspielerin Paula-Maria Kirschner

Paula-Maria Kirschner kommt aus Passau. Seit der Spielzeit 1987/88 ist sie im Ensemble des Landestheaters Niederbayern, das damals noch „Südostbayerisches Städtetheater“ hieß. Paula-Maria Kirschner debütierte mit „Gretchen“ im Urfaust und als  Eve in „Der zerbrochene Krug“. Sie wirkte in einem Dutzend großer Rollen mit, blieb u. a. als Marie im „Woyzeck“ und Ranjewskaja im „Der Kirschgarten“ nachhaltig im Gedächtnis. Die Tiefgründigkeit, mit der sie sich schauspielerisch mit jeder ihrer Rollen auseinandersetzt, war und ist in jeder Inszenierung zu spüren. 

Durch Puppenspiel, Lesungen, eigene Theatertexte wie „Täbris. Nur in gute Hände“ und die Leitung des Jugendspielclubs 2024/25 bereicherte sie das kulturelle Leben in Landshut, Straubing und Passau, wofür sie 2025 auch durch den Ehrenbrief der Stadt ausgezeichnet wurde.

Kammerschauspieler Jochen Decker

Jochen Decker, in Bonn geboren, seit 1991/92 mit einer einjährigen Spielunterbrechung im Ensemble, entwickelte sich zum Unikum des Landestheaters Niederbayern. Egal in welchem Genre, durch seine Stimme, sein schauspielerisches Temperament, seine sängerische Begabung und sein Talent für Parodie jeglicher Art spielte er sich in die Herzen des Publikums. Er brillierte in Titelrollen in „König Ödipus“, „Rumpelstilzchen“ und „Faust“, begeisterte als Petrucchio in „Kiss me Kate“, als Riff Raff in „The Rocky Horror Show“, beeindruckte aber auch in ersten Rollen wie als Willy Loman in „Tod eines Handlungsreisenden“. Er entdeckte in jeder Rolle neue Facetten. Für seine künstlerische Kreativität und Vielseitigkeit erhielt er bereits 2015 den Kulturpreis der Stadt Landshut. 

Kammerschauspielerin Antonia Reidel  

Antonia Reidel gebürtige Landshuterin, schnupperte zum ersten Mal 1986/87 Theaterluft, und zwar in der Schneiderei. Nach der Schauspielausbildung in München wurde sie ab 1997/98 in das Ensemble aufgenommen. Ein Jahr später wurde ihr schauspielerisches Können bereits mit dem Bayerischen Staatsförderpreis für junge Künstler:innen im Bereich Darstellende Kunst ausgezeichnet. 

Antonia Reidel glänzte über große Frauenrollen als „Hedda Gabler“, Lady Macbeth, Mutter Courage, als Elisabeth in „Maria Stuart“, Alkmene in „Amphitryon“, Martha in „Wer hat Angst vor Virginia Woolf“. Schonungslos enthüllte sie die Charaktere hinter ihren Rollen und bewies dabei ihr expressives Talent. Besonderen Eindruck hinterließ sie in Rollen, in denen – wie beim Boandlkramer in „Der Brandner Kaspar und der Boandlkramerkongress“ – Dialekt angesagt war. 

Antonia Reidels Lesung „Ein Häuslerleben“ über das harte Leben ihrer Großmutter Anfang des 20. Jahrhunderts beeindruckte das Publikum so stark, dass sie wieder ins Programm aufgenommen wurde.

Vier Kammerschauspieler:innen am Landestheater Niederbayern

Mit diesen Ehrungen schmückt sich das Landestheater Niederbayern jetzt mit insgesamt vier Kammerschauspieler:innen, denn Ursula Erb bekam bereits 2010 zu ihrem 40-jährigen Theaterjubiläum die Auszeichnung zur Kammerschauspielerin. Sie ist seit 1970 im Ensemble und begeistert nach über 200 Rollen immer noch. 

Diese vier Auszeichnungen zeigen, dass die letzten drei Intendanten Klaus Schlette (1970 – 1996), Johannes Reitmeier (1996 – 2002) und Stefan Tilch (2002 – 2026) die Schauspieler:innen über lange Zeitphasen zu binden vermochten. Gerade durch die auf der Bühne wahrnehmbare, außerordentliche gute Ensemblearbeit findet das Landestheater Niederbayern im Publikum eine sehr große Resonanz.