© Salzburger Osterfestspiele, Foto: S. Gheriu
Jubel für Petrenko, Buhs für Serebrennikov bei den Salzburger Osterfestspielen. Herausragend interpretieren die Berliner Philharmoniker Wagners „Rheingold“, weniger überzeugt Serebrennikovs Inszenierung. Ein Welttheater soll der neue „Ring“ in Salzburg werden, nach der Apokalypse…
ein Neubeginn, ein Epos, erfüllt von buddhistischer Philosophie, in der das individuelle Erleben keine Rolle mehr spielt und die Menschen nach dem Inferno neue Ziele wagen. Bis dahin ist noch ein Weg, „Rheingold“ das Vorspiel.
Berliner Philharmoniker entdecken im „Rheingold“ neue Klangwelten
Das Ereignis der Premiere war aber nicht Serebrennikovs komplexe Visualisierung, sondern die musikalische Interpretation. Unter der Leitung von Kirill Petrenko entdecken die Berliner Philharmoniker Wagner in ganz neuen, sehr subtilen Dimensionen, ohne Pathos. Aus einem filigranen Surren des Es-Dur-Akkords entwickelt sich eine archaische und gleichsam innovative, sehr moderne Klangwelt. Über die plastisch modulierte Tonwirkung der Leitmotive wird das Orchester zum Kommentator des Bühnengeschehens. Die Berliner Philharmoniker überraschen durch einen lyrischen, absolut homogenen Farbklang, eine sehr subtile Dynamik, die den Sängern viel Raum gibt und die apokalyptischen Explosionen umso bombastischer wirken lässt.
Serebrennikovs „Rheingold“-Inszenierung zwischen archaische Bildwelten und multi-ethnisches Bühnengeschehen
Dazu entwickelte Serebrennikov zwei Bildebenen. Das turbulente Bühnengeschehen kontrastiert mit einer weißen Götterwelt auf weißen Stegen. Zwischen karger, hügeliger Wüstenei verkörpern Compagnie Baninga, Schauspieler und Performer die Nibelungen als unterdrückte Menschheit.
Darüber weitet eine achtteilige Filmcollage auf den lehmig zugedeckten Arkaden der Felsenreitbühne den Blick auf Afrika. Dort hat die Apokalypse schon stattgefunden. Schwarzes Geröll überzieht die Landschaft. Ein nackter Afrikaner, dem Inferno entkommen, rennt aus dem Dunklen einem lichteren Horizont entgegen. Für ihn bekommt der Fund eines Eisbrockens die Bedeutung des Goldes, womit Serebrennikov eine grundlegende Umdeutung von kapitalistischer Macht hin zu ökologischer Relevanz gelingt. Wagners Dualität zwischen Macht und Liebe visualisiert er durch fließende und dampfende Lavaströme. Ein gigantischer Regenbogen signalisiert final Hoffnung, in dem ein überdimensionierter Ring aus zarten Menschenkörpern gebunden final Richtung Horizont schwebt. Die Mixtur aus archaischen Filmbildern und überbordenden ethno-kulturellem Bewegungsspiel lenkt zunehmend von der Musik ab.
„Rheingold“ – zwei sängerische Höhepunkte
Umso mehr leuchten die Szenen auf, in denen ohne Action in klassischer Reduktion auf Wagners existenzielle Warnungen fokussiert wird – Alberichs (Jim Melrose) expressiver Fluch und Erdas Prophezeiung. Jasmin Whites kraftvolle, glühende Altstimme ist der sängerische Höhepunkt des Abends. Christian Gerhaher meistert sein Wotan-Debüt überzeugend, ohne donnerndes Stimmcharisma. Das wird bei Bassbariton Le Bu als Fasolt hörbar, der im Rahmen der diesjährigen Salzburger Festspiele mit dem Herbert-von-Karajan-Preis ausgezeichnet wird. Man darf auf „Die Walküre“ im nächsten Jahr gespannt sein.











