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„Fräulein Else beim Theatertreffen Berlin 2026 – Julia Riedler begeistert in Leonie Böhms Inszenierung“

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„Fräulein Else beim Theatertreffen Berlin 2026 – Julia Riedler begeistert in Leonie Böhms Inszenierung“

Julia Riedler als „Fräulein Else“ © Wiener Volkstheater, Foto: Marcel Urlaub

Julia Riedler als „Fräulein Else“ am Wiener Volkstheater 2025 und beim Berliner Theatertreffen 2026 bejubelt 

Standing Ovations für ein 100 Jahre altes Theaterstück, für eine One-Woman-Show? Julia Riedler zeigt als Moderatorin, Animateurin und Schauspielerin, was sie alles kann. Das Konzept von Regisseurin Leonie Böhm gibt ihr den Raum, sich zu entfalten. Mitten im Parkett platziert erobert Julia Riedler als 18-jähriges „Fräulein Else“ das Berliner Publikum im Nu….

Worum geht es in Arthur Schnitzlers „Fräulein Else“ (1924)?

Mit „Fräulein Else“ stellte Schnitzler schon vor 100 Jahren die Doppelmoral der Gesellschaft an den Pranger. Die 19-jährige Else soll wegen der Schulden des Vaters den älteren Kunsthändler Dorsday um Geld bitten, damit der Ruf der Familie erhalten bleibt. Dorsday will als Gegenleistung die schöne Else eine Viertelstunde lang nackt ansehen. Else will ihren Körper nicht verkaufen, gerät in einen Zwiespalt zwischen persönlichen Wertvorstellungen und dem Pflichtbewusstsein gegenüber den Eltern. Die Pflicht siegt. Sie enthüllt ihren Körper vor Dorsday mitten in einem Konzert und trinkt gleichzeitig ein Schlafmittel, um sich umzubringen. Ob sie tatsächlich stirbt, bleibt offen. Aus heutiger Sicht wirkt Schnitzlers Novelle, die schnell den Weg zur Bühne fand, etwas antiquiert, nicht aber in der Version von Leonie Böhm und Julia Riedler. 

Leonie Böhm modernisiert „Fräulein Else“ radikal

Leonie Böhm entwickelt das Stück im Hier und Jetzt weiter. Sie bricht mit der Vier-Personen-Tradition, reduziert das Spiel am Originaltext entlang auf einen Monolog, den Julia Riedler derart facettenreich und in verschiedenen Stimmlagen spielt, dass das Drama von einst brandaktuell erscheint. Ein roter Vorhang und ein Kristalllüster verweisen nostalgisch auf die flotten 20er Jahre des letzten Jahrhunderts und unterstreichen den unkonventionell expressiven Charme der Inszenierung, die immer wieder ein assoziatives Kopfkino provoziert und durch ein verblüffendes Finale überrascht.

Julia Riedler brilliert in einer One-Woman-Show als „Fräulein Else“

Julia Riedler präsentiert eine mitreißende One-Woman-Show. Sie offeriert dem Publikum ihre inneren Zweifel, hinterfragt ihre Schönheit, nimmt ganz gegensätzliche Positionen ein und fordert dabei immer wieder das Publikum auf, sich mit ihrem Problem auseinanderzusetzen. Schlagfertig, sprachwuchtig, voller Humor, zwischendurch voller Wut beleuchtet sie Pro und Contra des Deals. Couragiert spielt sie die Worst Cases durch und nimmt dabei das Publikum in die Pflicht, sich eine eigene Meinung zu bilden. „Ich will nicht gezwungen werden!“ Wie in einem Stummfilm sucht sie Halt im Vorhang, während sie sich nach hinten biegt, als weiche sie von der Vorstellung sich nähernder Sexualität zurück. Musik macht ihren Herzschlag hörbar. In anderen Sequenzen drückt sie der Kristalllüster zu Boden. Doch immer wieder bekommt sie Oberwasser und schließlich schaukelt sie kühn auf dem Kronleuchter. 

Sie wägt neue Lösungen ab. Wie wäre es mit einer Sammlung im Theater, bei den teuersten Plätzen beginnend? Prompt meldet sich eine Schülerin, die 20 € aus der Klassenkasse spendiert. Theater und Alltag verschmelzen. 

„Fräulein Else“: der diesjährige Theaterhit

Leonie Böhms „Fräulein Else“ mit Julia Riedler ist der Theaterhit der Spielsaison 2025/2026, nach Wien, Köln, München, dem Berliner Theatertreffen ab Herbst auch an der Volksbühne Berlin zu sehen. Die immersive Konzeption kombiniert mit Riedlers frecher, direkter Rede und der lässige Umgang mit Nacktheit kommen beim Berliner Publikum bestens an. Dieses „Fräulein Else“ entscheidet sich für die Pflicht, aber nicht todessüchtig. Selbstbewusst tanzt Julia Riedler in grüner Unterhose nackt auf der Bühne herum, als wäre es das Selbstverständlichste der Welt. Und wie wäre es, wenn auch die Männer sich öffentlich nackt präsentieren müssten? Standing Ovations auch von den Männern bestätigen die neuen Denkmodelle. Mit Witz und Ironie gekontert, setzt „Fräulein Else“ neue Maßstäbe. So unterhaltsam, provokant und publikumsnah ist „Fräulein Else“ ein Theaterereignis.

Infos zu „Fräulein Else“ im Berliner Ensemble

Künstlerisches Team:Konzept:Leonie Böhm Leonie Riegler

Regie:Leonie Böhm

Bühne, Kostüm:Belle Santos

Lichtdesign:Ines Wessely

Dramaturgie:Matthias Seier 
ProduktionWiener Volkstheaterin Kooperation mit  Schauspiel Köln und Münchner Kammerspielen
Besetzung:ElseJulia Riedler 
Dauer: ein Dreiviertel Std.

Premiere:08.02.2025Wiener Volkstheater
Weitere Vorstellungen:
Im Repertoire des Wiener Volkstheaters

bis 30.04.20273satMediathek  BerlinerFestspiele Mediathek



Im Repertoire des Schauspiel Köln https://www.schauspiel.koeln/


Im Repertoire der Kammerspiele München


Im Repertoire der Volksbühne Berlin 2026/2027 https://www.volksbuehne.berlin/de/
Bewertung: ⭐⭐⭐⭐☆