„Chéri, ich komme! – Die Erfindung der Lust“ © Neue Visionen Verlag
Reem Khericis Filmkomödie „Chéri, ich komme! – Die Erfindung der Lust“ präsentiert über eine amüsante französische Beziehungskrise die Erfindung des Womanizers.
20 Jahre lang hat die hübsche Fanny (Alexandra Lamy) keinen Orgasmus erlebt, nur vorgespielt. Jetzt will sie endlich einmal wissen, wie sich ein Orgasmus anfühlt.
Die Handlung
Fanny liebt ihren Mann Tom (François Cluzet), einst ein erfolgreicher Ingenieur und Erfinder. Ihre Therapeutin (Reem Kherici) empfiehlt ihr ein offenes Gespräch, um Mauern einzureißen und Brücken aufzubauen und ihre Orgasmusfähigkeit zu entdecken. Vom Ergebnis ist nicht nur Fanny begeistert. Die Erfindung des Womanizers ermöglicht Orgasmen ohne Ende.
„Chéri, ich komme!“ – Realer Hintergrund
Im Vorspann erscheint zwar der Verweis, dass der Film fiktiv ist und nichts mit lebenden Personen zu tun hat, aber der Plot von „Chéri, ich komme! Die Erfindung der Lust“ hat einen realen Hintergrund. Der bayerische Tüftler und Ingenieur Michael Lenke fand 2015 eine Lösung für das Orgasmusproblem nicht nur seiner Frau, sondern von Millionen von Frauen. Mit seinem kleinen handlichen Vibrator entwickelte er die Marke „Womanizer“, eine Revolution für den weiblichen Orgasmus.
Reem Kherici – eine charmante Komödie
Die tunesisch-italienische Schauspielerin, Drehbuchautorin und Regisseurin Reem Kherici (*1983) macht aus den Fakten eine heiter-amüsante Komödie. Sie verlegt die Story nach Frankreich, begnügt sich mit wenigen, aber stilvollen Räumlichkeiten mit üppigen, farbenfrohen Interieurs bei der Therapeutin, einem gemütlichen Haus des Ehepaares und einer verglasten, von außen sehr ästhetischen, innen chaotischen Werkstatt mitten in der Natur.
Alexandra Lamy und François Cluzet spielen ein Traumpaar. Trotz 20 Jahren Ehe mit vorgetäuschter Orgasmuseuphorie gelingt es ihnen, gemeinsam nach vorne zu schauen und nach Lösungen zu suchen. Slapstickartig probieren sie zunächst im Alleingang neue stimulierende Varianten aus, dann gemeinsam. Reem Kherici arrangiert herrlich komische Situationen, die nie derb oder vulgär wirken, ganz im Gegenteil. Selbst der Swinger-Club ist ausgesprochen stylisch, aber letztendlich keine Option.
Tom bastelt Fanny einen etwas arg großen schwarzen Dildo, zu abstrus für sie. Erst als er sich von einem Geburtshelfer die Klitoris als Reizimpuls erklären lässt, die auf dem anatomischen Modell noch fehlt, weil die Lust der Frauen ohnehin keine Bedeutung habe, begreift Tom, worauf es ankommt. Nach einer Reihe witziger Fehlversuche und frustrierenden Absagen von Investoren strahlen Fanny und Tom um die Wette, als der Womanizer nach einer TV-Show den ökonomischen Durchbruch schafft.
„Chéri, ich komme!“ – mit französischem Charme
Reem Kherici zeigt wie bereits in „Paris um jeden Preis“ (2013) und „Hochzeit ohne Plan“ (2017) ihr Talent für leicht beschwingte Komödien mit flotten Dialogen und überraschendem Szenenwitz.
Wenn Fannys Orgasmusübungen plötzlich über die Lautsprecherbox in der Familienrunde zu hören sind, enthüllt sich die ganze Borniertheit dieser Familie. Aber umgekehrt hat es die erwachsene Tochter mit ihren Eltern auch sehr schwer. Sie ist gerade dabei, sich als Immobilienmaklerin ein Image durch den Verkauf der väterlichen Werkstatt aufzubauen, aber das Verhalten der Eltern bringt sie immer wieder in peinliche Situationen.
Im Grunde dreht sich alles um die weiblichen Orgasmusprobleme, nicht nur bei Fanny, sondern auch bei ihren Freundinnen, und trotzdem – das ist die Qualität des Films – steht die menschliche Beziehung von Fanny und Tom im Vordergrund.
Reem Kherici – Regie
Reem Kherici spielt als Therapeutin selbst mit und gibt dem Film von Anfang eine charmante Frauenpower. Als Regisseurin fühlt sie sehr empathisch in alle Rollen ein. Alexandra Lamy und François Cluzet lässt sie auf Augenhöhe spielen, beide emotional, tiefgründig und Alexandra Lamy herrlich beschwingt. Statt sich gegenseitig Vorwürfe zu machen, sucht jeder für sich nach den Ursachen, woraus sich automatisch das gemeinsame Suchen nach einer Lösung ergibt. Im Grunde sind Fanny und Tom ein Bilderbuchehepaar, immer in verführerischer Optik (Kostüme: Latitia Bouix).
Der slapstickartig kantige Szenenschnitt (Samuel Danesi) gibt dem Film eine groteske Würze.
Kameramann Fausset fokussiert auf die Gesichter, deren Mimik wortlos für Komik sorgt. Laurent Aknin trifft als Komponist immer für den richtigen Sound in orgiastischer Dynamik.
Wenn Fanny kommt, ist sie überglücklich, weil sie sich jetzt als Frau fühlt, und Tom strahlt genauso, weil er seine Frau endlich glücklich machen kann.
Fazit:
„Chéri, ich komme! – Die Erfindung der Lust“ ist eine fröhlich humorvolle Filmkomödie, die durch die Natürlichkeit der Protagonisten besticht. Er ist eine Hommage an den Orgasmus als Ausdruck körperlicher und seelischer Freude, gleichzeitig eine Hommage an die Kunst, Probleme gemeinsam zu besprechen.
Wer den Charme und die Leichtigkeit französischer Komödien liebt, wird sich bei diesem Film amüsieren. Wer einen Sexfilm erwartet, sitzt im falschen Film.
Infos zu „Chéri, ich komme! – Die Erfindung der Lust“
| Künstlerisches Team: | Drehbuch: | Reem Kherici, Gari Kikoïne, David Solal, |
| Originalidee: | Gari Kikïone, David Solal | |
| Regie: | Reem Kherïcï | |
| Chef-Kameramann: | Dominique Fausset | |
| Chef-Cutter: | Samuel Danesi | |
| Chef-Kostümbildnerin: | Laetitia Bouix | |
| Soundtrack, Komponist | Laurent Aknin | |
| Mit: | François Cluzet, Alexandra Lamy, Reem Kherici, Mitty Hazahavicius, Delphine Baril, Kyan Khojandi | |
| Genre: | Französische Filmkomödie | |
| Dauer | 90 Min. | |
| Filmstart | 23.Juli 2026 | |
| Verleih: | Neue Visionen Filmverleih | |
| Bewertung: | ⭐⭐⭐☆☆ | |















