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Christoph Marthalers „Erste letzte Sekunde – eine Gala“: Warum das Lausitz Festival auf diese Koproduktion mit Hamburg sehr interessant ist. 

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Christoph Marthalers „Erste letzte Sekunde – eine Gala“: Warum das Lausitz Festival auf diese Koproduktion mit Hamburg sehr interessant ist. 

Christoph Marthaler, Symphoniker Hamburg © bjornjensendanhannenklein

Dem Lausitz Festival gelingt es als Kooperationspartner von  Christoph Marthaler, dessen Uraufführung „Erste letzte Sekunde – eine Gala“ in den RöderSaal in Großröhrsdorf zu bringen. Vorbericht über eine Inszenierung, die auf Transformationsprozesse zielt.

Was verbindet das Internationale Sommerfestival Hamburg und das Lausitz Festival in Sachsen? Es ist die Koproduktion von Christoph Marthalers neuer Uraufführung „Erste letzte Sekunde – eine Gala“ und die Thematik des damit  verbundenen Transformationsprozesses. 

Hintergrund 

Revivals vergangener Formate sind im Kommen. Die Komische Oper in Berlin entdeckt die DDR-Operette und die legendäre Musik-Show „Ein Kessel Buntes“ neu. Regisseur Christoph Marthaler inszeniert vor der Sanierung der Kampnagel-Hallen zum vierten Mal für das Internationale Sommerfestival Hamburg. Dieses Mal – „Erste letzte Sekunde – eine Gala“. Er reaktiviert  aber nicht das Format der Gala, sondern analysiert das Genre Gala mit subtilem Humor und viel Musik zwischen Abschied und Neubeginn.

Transformationsregion Lausitz

Diese Konzeption passt hervorragend zum Lausitz Festival, das sich selbst  als Festival für eine Transformationsregion versteht und sich weg vom Braunkohleabbau-Image neu erfinden will. Deshalb lädt das Lausitz Festival seit seiner Gründung 2020 innovative Regisseur:innen ein, für die Region neue Stücke zu entwickeln, und zwar als Kooperationen mit langen Probenzeiten, bei denen die Produktionskosten geteilt werden. 

Das Lausitz Festival kann als Kooperationspartner von Christoph Marthaler die Inszenierung „Erste letzte Sekunde“ nach der Premiere in Hamburg am 20. August ab dem 10. September in den sächsischen RöderSaal in Großröhrsdorf bringen. 

Christoph Marthaler – Gala-Format 

Die große Gala ist ein Show-Relikt, mit dem man in vergangenen Zeiten öffentliche Feierstunden für eine breite Öffentlichkeit konzipierte, die von einem Millionenpublikum live oder vor dem Fernseher verfolgt, zum Kult wurden. 

Das Publikum darf sich auf gigantische Dekorationen, Goldregen, Windmaschinen, Ballette, internationale Stargäste und „elegant angegraute Moderator:innen mit hinterhältigem Humor freuen, aber es wird weder ein Preis verliehen noch eine Persönlichkeit geehrt, sondern das Format zelebriert, das heißt, es wird weder nostalgisch wiederentdeckt noch grotesk zerstört, sondern „musikalisch und theatral untersucht“, so Kampnagel.

Transformation in Hamburg und Sachsen

In „Erste letzte Sekunde – eine Gala“, eng verbunden mit der Sanierung der Kampnagel-Bühne, ergibt sich als zentrale Frage: „Kann die Form der Gala Trost spenden in Zeiten des Abschieds und des Wandels?“ Genau dieses Thema passt auch für die Transformationsregion Lausitz, deren Festival über kulturelle Projekte das Image verändern will. 

Christoph Marthaler – theatrale Stilelemente 

Christoph Marthaler antwortet darauf mit einer für ihn typischen Mischung aus Melancholie, Humor und musikalischer Präzision. Er macht relevante gesellschaftliche Themen über Situationen und Klang erlebbar. Schon der Titel „Erste letzte Sekunde“ zielt auf Vergänglichkeit und Erinnerung und gleichzeitig auf Veränderung und Zukunft. Der Untertitel „Eine Gala“ fokussiert auf eine Institution und den Umgang mit öffentlicher Feierkultur.

Mit „Gala“ führt Christoph Marthaler seine theatrale Suche weiter nach dem, was von einer ritualisierten Situation übrigbleibt, wenn man Glanz und Applaus einer Veranstaltung entschleunigt. Ihn interessiert das Ende einer Epoche und der damit verbundene Neuanfang. 

Musik spielt dabei eine große Rolle. Christoph Marthaler (*1951) studierte zunächst Blockflöte und Oboe in Zürich, bevor er Ende der 1960er Jahre zum Theater wechselte. Musik ist bei ihm mehr als atmosphärische Untermalung. Sie charakterisiert Zeitenwenden und schafft ein Bewusstsein für Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Man darf gespannt sein. Alle Infos zum Programm findet man hier.

Fazit: 

Das Lausitz Festival zeigt beispielhaft, wie gewinnbringend Kooperationen zwischen internationalen und regionalen Kulturprojekten sein können und welche unterschiedliche Transformationen sichtbar werden. „Erste letzte Sekunde – eine Gala“ könnte über die Anbindung an die Vergangenheit eine Vision von der Zukunft enthüllen. Das macht neugierig.

Infos zu „Erste letzte Sekunde – eine Gala“ beim Lausitz Festival

Künstlerisches Team:Regie: Christoph Marthaler

Mitarbeit Regie:Joachim Rathke

Bühne:Duri Bischoff

Kostüme:Sara Kittelmann

Dramaturgie:Malte Ubenauf
Kooperationspartner:Musikalische Leitung:Sylvain Cambreling

Symphoniker Hamburg

Lausitz Festival
Mit: Tora Augestad, Liliana Benini, Raphael Clamer, Bendix Dethleffsen, Rosemary Hardy, Ueli Jäggi, Hardy Kayser, Clemens Sienknecht, Sebastian Zuber
Veranstaltungsort:RöderSaal, 01900 Großröhrsdorf, Rödertal Platz 1,
Uraufführung:20.–23. August 2026Kampnagel Hamburg
Premiere Lausitz Festival:10.–12. September 2026Lausitz Festival
Ticket:36 – 44 €