Rusudan Khizanishvili – Double Exposure in der Galerie Kornfeld © Rusudan Khizanishvili, Foto: Michaela Schabel
Die Berliner Galerie Kornfeld präsentiert mit Rusudan Khizanishvilis Ausstellung „Double Exposure“ ungewöhnliche georgische Kunst – Ausstellungsbericht über die georgische Künstlerin und ihre symbolischen Bildwelten.
Rusudan Khizanishvili überrascht in der Berliner Galerie Kornfeld mit „Double Exposure“, Doppelbelichtungen. Jede Bild zeigt mehrere Schichten der georgischen Kultur.
Rusudan Khizanishvili – Bildmotive
Der Tisch ist reich gedeckt, nicht nur mit Speisen, sondern auch mit Blüten und mancherlei Schätzen. In einem ähnlichen Motiv sieht man die gefalteten Hände rund um den Tisch als Symbol ritualisierter Bändigung. In nächtlichem Ambiente stehen Frauen dicht mit nackten Oberkörpern hinter einem Tisch in abstrahierter Landschaft dicht gedrängt nebeneinander, die einen mit lebensfrohem Gesichtern, andere mit Totenköpfen als Sinnbild von Leben und Vergänglichkeit. Gleichzeitig lässt dieses Bild „The Feast and the Moon“ den Einfluss früherer kultureller Epochen Georgiens wie in einem komplexen Filmstill aufleuchten. Es ist das charismatischste Bild der Ausstellung, in dem sich Rusudan Khinzanishvili expressive Symbolik in ihrer Vielschichtigkeit erschließt.
Rusudan Khizanishvili – biografischer Hintergrund
Das verwundert nicht. Rusudan Khizanishvili (*1979 in Tiflis, Georgien) studierte nicht nur Malerei an der Tifliser Akademie der Künste, der nach Moskau und St. Petersburg drittgrößten Kunstakademie der Sowjetunion. Sie absolvierte dort auch den Masterabschluss ihres Filmstudiums.
Heute zählt Rusudan Khizanishvili zu den wichtigsten Vertreterinnen der georgischen Kunst. Internationale Aufmerksamkeit bekam sie 2015, als sie mit anderen Künstlerinnen Georgien auf der 56. Biennale von Venedig vertrat, worauf Ausstellungen in Metropolen Nordamerikas, Asiens und verschiedener europäischer Staaten folgten. Ihre Arbeiten sind inzwischen in renommierten Museen und Sammlungen zu finden.
„Double Exposure“ in der Galerie Kornfeld
Rusudan Khizanishvilis figurative Bilder entpuppen sich als große mythologische Erzählungen. Die Gesichter ähneln sich, überlagern sich wie Spiegelungen und verdeutlichen einen Grundtypus, der die georgische Kultur in symbolischer Verschlüsselung offeriert. Es sind die Blicke der Frauen, die Hände der Gäste am gedeckten Tisch, die kleinen Objektdetails, die Rusudan Khizanishvilis Bilder verrätseln und zugleich erschließen.
Dazu passt der Titel „Double Exposure“, zu deutsch „Doppelte Belichtungen“, wie der richtige Schlüssel zum richtigen Schloss. Rusudan Khizanishvili enthüllt Mythen aus der Perspektive der Gegenwart, die kulturelle Identität vor dem Hintergrund der politischen Realität, die persönliche Abgrenzung in der Strenge der traditionellen Regeln. Nicht die Männer, die Frauen werden zu Archetypen eines neuen kulturellen Verständnisses, in dem die Objekte zu Subjekten werden, weshalb die Bilder oft dem zeitgenössischen Feminismus zugeordnet werden.
Rusudan Khizanishvilis Malstil
Die stilistische Zuordnung entzieht sich den klassischen Genres. Die Kombination von georgischer Ikonenmalerei, volkstümlicher Kantigkeit, mittelalterlich- christlichen Vanitas-Motiven, orientalischen Dekoren, abstrahierter Landschaftsmalerei und realistischer figurativer Darstellung ergibt ganz spezielle symbolische Bildwelten, die durch expressiv leuchtende Farben noch intensiviert werden.
Fazit zu „Double Exposure“
Auf den ersten Blick wirken Rusudan Khizanishvilis Bilder befremdlich. Nimmt man sich Zeit, sie länger zu betrachten, entwickeln sie einen Sog, durch den Georgiens Kultur optisch und narrativ spürbar wird. Gleichzeitig wird man neugierig auf andere georgische Künstler:innen. 2023 wurde Niko Niko Pirosami 1862–1918), ein Autodidakt der frühen Moderne, durch eine große Retrospektive im dänischen Louisiana Museum neu entdeckt. Er malt ganz anders. Beiden gemeinsam ist die ungewöhnliche Aura ihrer Bilder.
FAQ
Für wen lohnt sich die Ausstellung?
Man muss sich schon für Kunst interessieren, um die Bilder von Rusudan Khizanishvili schätzen zu können. Wer gerne neue, eigenwillige Bilder entdeckt, wird an der Ausstellung „Double Exposure“ in der Berliner Galerie Kornfeld seine Freude haben.
Was ist so interessant an den Bildern von Rusudan Kizanishvilis?
Sie kombiniert aus heutiger Sicht georgische Ikonenmalerei, mit mittelalterlich-christlichen Motiven, volkstümlichem Realismus, orientalischen Dekoren und abstrahierter Landschaftsmalerei zu symbolischen Narrativen, die oft wie komplexe Filmstills wirken.
Info zur Ausstellung
Künstlerin: | Rusudan Khizanishvili aus Georgien
Ort: | Galerie Kornfeld Berlin, Fasanenstraße 26, 10719 Berlin
Dauer: | bis zum 22. August 2026
Eintritt: | frei
Bewertung: |⭐⭐⭐⭐☆
















