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„Lebensansichten eines Huhns“ – Filmkritik zu György Pálfis neuem Film

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„Lebensansichten eines Huhns“ – Filmkritik zu György Pálfis neuem Film

„Lebensansichten eines Huhns“ von György Pálfi © Neue Visionen Filmverleih GmbH

„Lebensansichten eines Huhns“ – Filmkritik zu György Pálfis satirische Geschichte einer schwarzen Henne über Ausbeutung, Freiheit, menschliche und tierische Grausamkeit

Ein Ei ploppt aus dem Unterleib. Diese ungewöhnliche Kameraeinstellung wird zum Leitmotiv von György Pálfis neuem Film „Lebensansichten eines Huhns“. Aus der Perspektive eines Huhns zeigt er, wie ein werteorientiertes Leben durch kapitalistische Produktionsweisen verloren gegangen ist und wie ausbeuterisches menschliches Verhalten dem Einzelnen die Luft zum Atmen nimmt.

„Lebensansichten eines Huhns“ – Handlung 

Das Küken ist nicht flaumig gelb, sondern schwarz. Im Zeitraffertempo wächst es zwischen halsbrecherischen Förderbändern auf und gewinnt durch Zufall seine Freiheit zurück. Einem hungrigen Fuchs entgeht es durch eine waghalsige Straßenüberquerung. Ein Abenteuer folgt dem anderen und schließlich landet das Huhn im Hühnerstall eines heruntergekommenen griechischen Ausflugsrestaurants mit Blick auf das Meer, wo allerdings nicht gekocht, sondern geschmuggelt wird – zuerst mit Zigaretten, dann mit Menschen. 

„Lebensansichten eines Huhns“ – Satire und Thriller

Aus der Perspektive eines erstaunten Huhns spiegelt György Pálfi die Auswüchse der kapitalistischen Ausbeutung, zunächst witzig-skurril mit bewusst kitschiger Musikuntermalung dann immer ernster, dramatischer, thrillermäßig. Dass die Henne schwarz ist, hat nicht nur mit filmischer Ästhetik zu tun, sondern unterstreicht die Außenseiterrolle dieses Tiers. György Pálfis Protagonistin ist kein dummes Huhn. Es beobachtet ganz genau und zieht bei Gefahr intuitiv die richtigen Schlüsse.

Immer wieder rettet es sich durch schnelles Davonlaufen und verfolgt ganz unerschrocken seine eigenen Ziele. Selbstbewusst angelt es sich den Hahn, ein herrlich lächerliches Macho-Exemplar und steigt damit symbolisch in der Hühnerstallhierarchie ganz nach oben. Mit einem griechischen Liebeslied und einer schrägen Interpretation von Ravels „Bolero“ gelingt György Pálfi eine originelle Liebessatire.

Waghalsig sucht und findet das schwarze Huhn einen ungewöhnlichen Weg aus dem Hühnerstall. Unerschrocken beobachtet es, was passiert – ein Thriller menschlicher Grausamkeit. Nach dem Motto „Des Menschen Feind ist der Mensch.“ 

„Lebensansichten eines Huhns“ ohne große Dialoge

Es bedarf keines Erzählers. Die Geschichte erklärt sich aus den Beobachtungen des Huhns. Aus der Froschperspektive werden die Dominanzen noch deutlicher. Der einzige, der immer wieder kurz zu Wort kommt, ist der alte, bescheidene Restaurantbesitzer. Er hat ein Herz für Tiere, sorgt für sie, damit es ihnen gut geht. Behutsam sammelt er jeden Tag die Eier ein – ein Idyll als Kontrast zur Massentierhaltung.

Lohnt sich „Lebensansichten eines Huhns?

„Lebensansichten eines Huhns“ ist ein überaus kreativer und ganz spezieller Film, weshalb er 2026 beim Filmfest Emden-Norderney mit dem Energy Award ausgezeichnet wurde. Skurril amüsante Szenen verdichten sich immer stärker zu einer thrillermäßigen Dramatik. Die schwarze Henne „spielt“ großartig. 

Aber das Huhn ist kein Sympathieträger wie der Esel in Jerzy Skolimowkis Film „Eo“ (2022), dessen Leid das Publikum miterlebt. György Pálfis Huhn beobachtet nur, völlig emotionslos, ohne jeglichen Kuscheltier-Effekt. 

Ob sich der Besuch lohnt, hängt sehr stark von der Erwartungshaltung des Besuchers ab. Wer einen emotionalen, netten Tierfilm erwartet, womöglich noch mit Happyend, wird enttäuscht sein. György Pálfi zeigt die Welt der Tiere genauso grausam wie die der Menschen. Das Huhn schnappt gierig nach dem Regenwurm und es erträgt das Begattungsritual des Hahns, das ihm fast die Luft zum Atmen nimmt. 

Wer schwarzen Humor und abstruse Geschichten mag, in denen sich grundsätzliche und zeitgenössische menschliche Probleme spiegeln, wird von „Lebensansichten eines Huhns“ begeistert sein. 

Bewertung: ⭐⭐⭐⭐⭐

Infos zu „Lebensansichten eines Huhns“ 

Titel:Originaltitel: Internationaler Titel:„Kota“ „Hen“
Künstlerisches Team:Internationaler Titel:György Pálfi

Drehbuch:György Pálfi Zsófia Ruttkay

Kamera:Giorgos Karvelas

Musik:Szöke Szabolcs

Schnitt:Réka Lemhényi
Genre:Drama
Jahr:Toronto Internationales Filmfestival (TIFF), 2025
Auszeichnung:Creative Energy Award 2026 beim Filmfest Emden-Norderney
Filmlänge:1 Std. 36 Min.
Produktionsland:Ungarn, Deutschland, Griechenland
Filmverleih:Neue Visionen Filmverleih GmbH
Mit:Yannis Kokiasmenos, Maria Diakopanagiotou, Argyris Pandazaras Machmout Bamerni Chronis Barbarian Antonis Kafetzopoulos
Startdatum in Deutschland:06.08.2026
FSK12 Jahre