Landshut – „Der Watzmann ruft“ – das Kult-Musical im Landestheater Niederbayern 

Theaterkritik "Der Watzmann ruft" präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

„Wie schallt´s von der Höh…“, kraftvoll erhebt sich der Gesang nach Alphornruf und einem langen Gitarren-Medley. Das Ensemble positioniert sich wehrhaft zwischen drei riesig gestaffelten Plakattafeln, vorn der Blick auf eine üppige Bikini-Schönheit, dann auf eine Limousine im Sonnenlicht metallisch glänzend, dahinter fast unscheinbar auf den mächtigen Watzmann. Sofort wird der Bruch zwischen Tradition und Moderne spürbar. In der Inszenierung von Marcus Everding in Kooperation mit Ausstatterin Claudia Weinhart wird „Der Watzmann ruft“ gekonnt in die Gegenwart geholt.

Mitte der 1970er Jahre entstand aus einem Konzeptalbum von Wolfgang Ambros, Manfred Tauchen und Joesi Prokopetz das Kult-Rustikal, wie die drei Freunde es nannten, ein parodistisches Alpendrama, das aus einer Watzmann-Sage eine humorvolle Parabel über Imponier- und Potenzsucht macht, die Marcus Everding in einen rustikalen „Jedermann“ über die Konsumgier nach immer schneller, weiter, lustbetonter mit flotten Texten und den originalen Live-Songs verwandelt, weniger Popshow, die Band vom Bernd Meyer spielt verdeckt hinter der Bühne, dafür mehr Theater …

Berlin – Virginie Despentes‘ „Das Leben des Vernon Subutex 1“ in der Schaubühne

Theaterkritik von Despentes "Das Leben des Vernon Subutex 1" präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

Zwischen Rock- und Technosongs präsentiert Thomas Ostermeier in seiner neuen Inszenierung von Virginie Despentes´ „Das Leben des Vernon Subutex 1“ ein düster groteskes Karussell quer durch alle Gesellschaftsschichten. Die Bühne kreist und präsentiert in lockerer Szenenfolge Einzelschicksale von Menschen, die wie Vernon Subutex  plötzlich und völlig unverschuldet aus der Bahn geworfen werden, weil sich die gesellschaftlichen Bedingungen verändert haben…

Landshut – „Alles was ich liebe“ mit Louisa Stoux 

Louisa Stoux "Alles was ich liebe" präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

Mit Theatertexten und Gedichten setzt Louisa Stoux bei „Alles was ich liebe“ vielfältige Akzente, beginnend im 19. Jahrhundert bis in die Gegenwart, wo sie durch zwei Literaturnobelpreisträgerinnen die Bedeutung der Lyrik in dieser Lesung besonders hervorhebt. Durch die Verschiedenartigkeit der Texte verflüchtigt sich allerdings schnell ihre Wirkung, bleibt nur ein buntes Allerlei im Nachhall, auch wenn Louisa Stoux  die Texte ausdrucksvoll mit viel Mimik als Mittel des Einvernehmens oder der Distanzierung in Szene setzt… 

München – Roland Schimmelpfennigs „Der Kreis um die Sonne“ als Uraufführung im Residenztheater

Theaterkritik Roland Schimmelpfennigs "Der Kreis um die Sonne" präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

Graugewinkelt signalisiert die Bühne gewöhnlichen Alltag und zugleich cooles Architekturdesign. Die Party samt Flügel ist „zu voll“, hallt es wider von allen Seiten. Obwohl nur sieben Schauspieler auf der Bühne sind, lässt Schimmelpfennigs neues Auftragsstück für das Residenztheater „Der Kreis um die Sonne“ nach „Der Riss durch die Welt“ (2019) ein buntes soziales Spektrum aufleuchten. „Feiern wir das Leben“, heißt die Devise dieser Ichlinge, deren Ego um sich kreist, plötzlich mit ganz existentiellen Ängsten konfrontiert wird und damit zur verglühenden Sonne mutiert…

Regensburg – Oscar Wildes „Bunbury“ im Stadttheater

Theaterkritik Oscar Wildes "Bunbury" im Stadttheater Regensburg präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

Mit Oscar Wildes größtem Erfolg, der Komödie  „Ernst sein ist alles oder Bunbury“, 1895 uraufgeführt, setzte Intendant Jens Neundorff von Enzberg nach dem Endlos-Lockdown ganz bewusst auf Heiterkeit. Michael Lindner baute dafür eine poppige Open-Air-Bühne in Pink mit großer weißer Revuetreppe, auf der die Schauspieler sich wirkungsvoll in Szene setzen können, plakativ beäugt von Oscar Wilde, fünffach multipliziert, was Regisseur und Ensemble wohl aus seiner „herrlich oberflächlichen Komödie über die herrlich oberflächlichen Menschen“ machen würden…

Landshut – „Alles was ich liebe“ mit Ursula Berlinghof in den Landshuter Kammerspielen

Landshut – „Alles was ich liebe“  mit Ursula Berlinghof in den Kammerspielen Landshut
Die Landshuter Kammerspiele entwickelten mit der digitalen Lesereihe „Alles was ich liebe“ ein interessantes Format. Nicht ein Autor liest aus seiner Neuerscheinung, sondern ein Schauspieler des Theaters mit viel persönlicher Aura aus seinen Lieblingsbüchern. 
Nach Stefanie von Posers literarischen Lebenshilfen, Katja Ambergers Horrorstorys in Hörspielqualität,  Stefan Lehnens Geschichten über Alkohol bis zum Exitus, wählte Ursula Berlinghof in der vierten Folge in erster Linie Sachbücher, und zwar solche, „die erklären, wir wir wurden, wie wir sind“…

Berliner Theatertreffen – „Scores That Shaped Our Friendship“ – eine Uraufführung der Spielstätte „schwere reiter“ in München

Theaterkritik der Performance „Scores That Shaped Our Friendship“ schwere Reiter München präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

Liebevoll umschlungen liegt ein Paar auf einem wolkenweichen Federteppich. Das Besondere ist, dass die Frau, die Schauspielerin und Sängerin Lucy Wilke mit einer spinalen Muskelatrophie geboren wurde. Trotz des Handicaps entsteht ein zärtliches Miteinander, verschmelzen die Bewegungen synchronisch, fühlt sie die Bewegungen völlig entspannt ganz tief in ihrem Innersten die Zärtlichkeiten, die er ihr geben kann, und die rasanten Momente, wenn er sie mutig wie ein kleines Kind im Kreis schleudert.
Mit „Scores That Shaped Our Friendship“ zeigte das diesjährige Berliner Theatertreffen zum Abschluss ein bezauberndes Projekt der Freien Szene, uraufgeführt in der Produktions- und Spielstätte schwere reiter München…

Berliner Theatertreffen – „Name Her. Eine Suche nach den Frauen+“ von Marie Schleef 

Theaterkritik "Name Her. Eine Suche nach den Frauen+" präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

Gut gemeint, aber völlig deplatziert wirkt beim Berliner Theatertreffen Marie Schleefs Spielshow über interessante Frauen quer durch die Epochen und verschiedene Talente und Berufe. In einem überproportionierten Triptychon von drei Handys schleppt sich „Name Her. Eine Suche nach Frauen+“ sieben Stunden nach ein- und demselben Schema hin. Für manchen Chatter ist das noch nicht lang genug…

Berliner Theatertreffen – Thomas Manns „Zauberberg“ inszeniert von Sebastian Hartmann am Deutschen Theater Berlin 

Theaterkritik "Zauberberg" im Deutschen Theater Berlin, Berliner Theatertreffen präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

In einer diffusen Winterlandschaft, die immer wieder aufklart, wandern sieben Menschen, dünne und XXXL-Körper suchend, in andere Welten transzendierend umher. Weiß geschminkt, weiß kostümiert mühen sie sich je nach Bewegungsart und Artikulation durch die Stadien menschlicher Evolutionsgeschichte, von aufgedrehten Affen über archaische Skulpturen bis zu Robotern, dazwischen wirken sie durch die filmtechnischen Finessen wie 2-dimensionale Schablonen, als Weißabgleich ihrer selbst sich fast auflösend.
Sebastian Hartmanns Inszenierung präsentiert am Deutschen Theater Berlin nicht die Geschichte von Thomas Mann, er fokussiert auf ein Destillat der wichtigsten Gedankenströme und kombiniert sie mit phantastischen Bildern. Der Livestream beim Berliner Theatertreffen ist kein bloßes Abfilmen des Bühnengeschehens, sondern eine künstlerische Weiterentwicklung des „Zauberbergs“ mit sechs Kameras. Durch raffinierte Perspektiven, vor allem durch traumhafte Überblendungen der Weiß-in-Weiß-Optik entsteht ein ganz neuer „Zauberberg“… 

Berliner Theatertreffen – „Reich des Todes“ von Rainald Goetz im SchauSpielHaus Hamburg

Zum dritten Mal ist Sebastian Hartmann mit einem epochalen Roman der Weltliteratur beim Theatertreffen vertreten. Alle Handlungsstränge, die in Thomas Manns „Der Zauberberg“ formstreng von Hans Castorps siebenjährigem Sanatoriumsaufenthalt am Vorabend des Ersten Weltkriegs erzählen, löst er auf und überführt sie in einen intensiven Bilderrausch. Sieben Schauspieler*innen irren durch einen nicht enden wollenden Schneesturm und kreisen in vielfältigen, verstörenden Monologen um die wiederkehrende Frage: Was ist der Körper im Lauf der Zeit? Ursprünglich für ein Publikum vor Ort geplant, hat das Team um Hartmann die Inszenierung für einen Livestream grundlegend überarbeitet. In diesem neuen Setup kommen die Bildwelten des Videokünstlers Tilo Baumgärtel und die Musik von Samuel Wiese umso kraftvoller zur Geltung.

„Es lebe die Krise!“ könnte das Vorwort für das „Reich des Todes“ sein. Ausgehend vom Attentat vom 11. September 2001 rechnet Rainald Goetz mit den politischen Taktiken ab und zeigt wie Autokraten Demokratien zum Einstürzen bringen können.
In einer 4-stündigen energetisch vibrierenden Inszenierung bringt Karin Beier, die in Großformaten versierte Intendantin des SchauSpielHauses Hamburg den extrem dichten, anspielungsreichen Text auf die Bühne, von Jörg Gollasch klanglich aufgeheizt. Es geht nicht um Mitleid für die Opfer, sondern um die Faktoren, durch deren Zusammenwirken das Böse Oberhand gewinnt, gleichzeitig das Grauen zur Unterhaltung degradiert wird…

Berliner Theatertreffen – „Medea*“ im Schauspielhaus Zürich 

Berliner Theatertreffen "Medea" präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

Die Bühne in weiße Stoffmassen gehüllt wirkt wie eine Eislandschaft, Medea mittendrin verloren und einsam. Sie klagt ihren Kummer, sich erinnernd an ihre Liebe zu Jason, symbolisch mit Musiker Johannes Rieder in langhaariger Guru-Optik assoziierbar, der etwas entfernt auf Gitarre oder Klavier wehmütig schräge Stimmungen anklingen lässt.
Regisseurin Leonie Böhm verwandelt „Medea*“ im Schauspielhaus Zürich zur One-Woman-Show unserer Tage. Diese Medea ist eine abgestürzte junge Frau, die, völlig vereinsamt und isoliert, den Schlüssel zur ihrem eigenen Leben verloren hat. Sie wehrt sich gegen das Image der rasenden, Kinder mordernden Medea. „Ich bin nicht böse“, schreit sie  hinaus, „ich bin sanft“. Das an sich ein interessantes Konzept, scheitert aber an der Ausführung…

Berliner Theatertreffen – Schillers „Maria Stuart“ in einer Inszenierung von Anne Lenk im Deutschen Theater Berlin

Theaterkritik "Maria Stuart" beim Berliner Theatertreffen präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

Einfach großartig in jeder Beziehung funktioniert Anne Lenks Regiekonzept und beweist einmal mehr, wie spannend und aktuell Klassiker inszeniert werden können. 
Völlig ausgestellt isoliert sie Schillers Figuren in pink strahlenden Kuben, die zusammen ein Quadrat, unterschiedlich beleuchtet ständig neue Konstellationen ergeben, durch die Perspektive der Kameras schräge Ansichten ermöglichen, als würde Marias Gebäude der Macht jeden Moment zusammenstürzen. Schwarze Schnitte mit gleißend weißen Grafiklinien und metallischem Musiksound offerieren die Schwarz-Weiß-Raster des Denkens und psychische Verfasstheit der Figuren hinter den Fassaden. In stylischen Kostümen mit witzig historischen Zitaten werden sie  typisiert und ironisiert…

Berliner Theatertreffen – Max Frischs „Graf Öderland“ in einer Koproduktion des Theaters  Basel und des Residenztheaters München

Theaterkritik "Graf Öderland" präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

Eine riesiger Trichter wird zur Bühne. Menschen erscheinen, ringen um ihre körperliche Balance, die seelische haben sie, wie sich Schritt für Schritt herausstellt, schon längst verloren. In völlig schwarzer Abdunklung verwandeln sie sich in bizarre Traumwesen und schon ist man mitten in der Moritat von Max Frischs „Graf Öderland“.
1951 kam die erste Fassung auf die Bühne, fünf Jahre später eine zweite. Aus der „Moritat in zwölf Bildern“, wie Max Frisch das Stück nannte, macht Regisseur Stefan Bachmann in Basel einen faszinierenden Albtraum mit bild- und klangwuchtigen Szenen, in denen die drei Erzählwelten in magischen Bildern sprunghaft wechseln, private Eskapaden gesellschaftliche Logiken  außer Kraft setzen, traumatische Unlogik überrascht…

Vorankündigung – Vielfältiges Open-Air-Programm des Staatstheaters Augsburg 

Open Air Staatstheater Augsburg präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

Endlich wieder Live-Kultur! Mit Schauspiel, klassischer Musik, Opernmelodien, Club-Nächten und Kinderprogramm startet das Augsburger Staatstheater von Mitte Juni bis Mitte Juli ein attraktives Open-Air-Programm auf dem „Kunstrasen“ im Augsburger Martini-Park direkt neben der Interims-Spielstätte des Augsburger Staatstheaters unter Einhaltung der üblichen Hygieneregeln…