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Zeitgenössische georgische Kunst in Bayerisch Eisenstein – Ausstellungsbericht 

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Zeitgenössische georgische Kunst in Bayerisch Eisenstein – Ausstellungsbericht 

Ölgemälde ohne Titel (Ausschnitt) von Luka Jankhoteli  © Foto: Michaela Schabel

Zeitgenössischen Kunst aus Georgien will die Galerie „Kuns(t)räume …grenzenlos“ in Bayerisch-Eisenstein entdecken – Ausstellungsbericht über „Verborgene Horizonte“ von Schabel-Kultur-Blog

Georgische Kunst  

Gibt es in der zeitgenössischen Kunst aus Georgien „Verborgene Horizonte“ zu entdecken? Auf jeden Fall, weniger generell übergreifend erfassbar, aber durchaus in einzelnen künstlerischen Handschriften. Warum es in Georgien so viele Künstler:innen gibt, erklärt sich aus der sowjetischen Kulturpolitik.  

Kunstakademie Tiflis

Über die Kultur wollte das Sowjetregime die verschiedenen Sowjetrepubliken kulturell in den vorgegebenen Moskaukurs des Sowjetrealismus einbinden. Als 1922 in Tiflis nach Moskau und St. Petersburg die dritte Kunstakademie gegründet, wurde Georgien zu wichtigen Ausbildungsort für Künstler:innen. Georgische Kunst war aber nie eine Kopie russischer Kunst, in ihr spiegelten sich die eigene Geschichte und Tradition und die Abgrenzung von politischen Repressionen. An der Grenze zwischen Europa und Asien gelegen, war und ist Georgien immer ein Land, in dem europäische und orientalische Einflüsse aufeinander treffen.

Galerist Michael Hampel in Kuns(t)räume …grenzenlos

Dass man jetzt georgische Bilder in Bayerisch-Eisenstein zu sehen bekommt, ist dem Galeristen und Sammler georgischer Kunst Michael Hampel aus Schwetzingen zu verdanken. Zehn Jahre lebte er nach seinem BWL-Studium als Länderchef eines DAX-Unternehmens in Georgien. Über das Sammeln georgischer Kunst baute er viele menschliche Beziehungen auf. Georgien wurde seine zweite Heimat. Die georgischen Bilder wurden sein zweiter Beruf. 

„Verborgene Horizonte“?

Von 80 digital gesichteten Bildern wählte das bewährte Kuratorenteam Fritz und Stefan Bauer der Galerie „Kuns(T)räume …grenzenlos“ 60 Arbeiten von zwölf Künstler:innen aus, die an der Staatlichen Akademie der Künste in Tiflis studierten. 

Als Besucher taucht man von Raum zu Raum in die georgische Gegenwartskunst ein, die sich in dieser Ausstellung ausgesprochen vielfältig präsentiert. Doch bis auf zuweilen dunkle Farbtönungen, etwas düstere Stimmungen und mystische Anspielungen oder dekorativ schön Landschafts- und Naturbilder eröffnen sich keine typisch georgischen Gemeinsamkeiten. Die Bilder erzählen individuell von mythischen Wurzeln, Heimatliebe, Identität und Träumen oder experimentieren mit Abstraktionen. 

Der Rundgang beginnt mit Arbeiten von David Aleksidze, (*1966 in Tiflis), inzwischen Professor für Malerei. Seine Landschaftsbilder, kleine Häuser zwischen weiten Getreidefeldern, große leuchtende Blumen am Fluss erzählen von der Schönheit der georgischen Heimat. Seine figurativen Bilder enthüllen wie in „Karnavali“ die Begierden hinter der Oberfläche. Durch leuchtende Lichtstimmungen und schwungvolle Pinselführung  entwickeln Maka Zedelashvilis Wälder und alte schiefe Häuser eine zauberhafte Magie. Anano Koplatadze zeigt die thematischen Facetten ihrer Motive wie „Mama“ oder „Tag einer Hausfrau“ in über 20 Minisequenzen auf einem Bild.

Luka Jankhoteli

Am beeindruckendsten sind die Bilder von Luka Jankhoteli, der schon mit 23 Jahren Dozent an der Kunstakademie wurde. Er verbindet in seinen dunkel gehaltenen Großformaten altmeisterliche und fotorealistische Porträtmalerei mit surrealen Narrativen. Ein alter Mann mit einem Cello auf dem Rücken, bückt sich, um ganz beseelt junge Vögel zu streicheln, wobei ihm eine nackte steingraue Frau lächelnd zuschaut und die Transzendenz von Tod und Leben spürbar wird. Es gibt sehr unterschiedliche Bildwelten zu entdecken. 

Fazit: Lohnt die Ausstellung?

Malerei aus Georgien zu sehen, ist auf jeden Fall interessant, zumal diese Bilder aus der Sammlung eines Galeristen stammen, der sich mit  georgischer Kunst sehr gut auskennt und ganz verschiedene Künstlerhandschriften präsentiert. Nachhaltigen Eindruck hinterlassen allerdings nur wenige Bilder wie beispielsweise die düster surrealen Arbeiten von Luka Jankhoteli. Wer nach der georgischen Seele sucht, findet sie in den ikonenhaften figurativen Gemälden von Niko Pirosmani,den das dänische Kristiansand Museum 2023 entdeckte oder auch in den mythologischen Werken von Rusudan Khizanishivili, die derzeit in der Berliner Galerie Kornfeld ausgestellt werden.

Infos zur Ausstellung

Wo:                     | Galerie „Kuns(t)räume – Grenzenlos“, Bahnhofstraße 52,

                              94252 Bayerisch-Eisenstein,  

Titel:                    | „Verborgene Horizonte. Zeitgenössische Kunst aus Georgien.“

Genre:                 | Malerei

Dauer:                 | bis zum 18. Oktober 2026 

Öffnungszeiten:   | Mi–So 11–17 Uhr

FAQ

Wie muss man sich zeitgenössische Kunst aus Georgien vorstellen?

Die zeitgenössische Kunst aus Georgien ist so vielseitig wie im Westen. Sie ist individuell, frei, thematisiert Erinnerung, Heimatliebe, bezieht auf die Mythen der Vergangenheit und ist fern vom sozialistischen Realismus. 

Wer ist der bekannteste georgische Maler?

Niko Pirosmani wurde 2023 durch eine Ausstellung im dänischen Kristiansan Museum wiederentdeckt und begeisterte durch seine ikonenhaft tiefgründige figurativen Gemälde.

Wo ist die Ausstellung zu sehen?

In der Galerie „Kuns(t)räume – Grenzenlos“ in  94252 Bayerisch Eisenstein, Bahnhofstraße 52.

Wie lange kann man die Ausstellung sehen?

Bis zum 18. Oktober  2026, von Mi–So von 11–17 Uhr