„Ballade“, Öl auf Leinwand, Joachim Ringelnatz, 1926 © Joachim-Ringelnatz-Museum, Cuxhaven Foto: Michaela Schabel
Joachim Ringelnatz als Maler im Buchheim Museum: Ausstellung 2026 mit Gemälden, Infos zu Öffnungszeiten, Tickets und persönlicher Bewertung.
Die Ausstellung „Joachim Ringelnatz als Maler“ im Buchheim Museum zeigt eine überraschend unbekannte Seite des berühmten Dichters. Zu sehen sind vor allem kleinformatige Gemälde mit Tieren, Menschen und maritimen Motiven, die weniger satirisch als seine Gedichte wirken und eine melancholisch-poetische Bildwelt eröffnen.
Der Dichter als Maler
„Jeder spinnt auf seine Weise – der eine laut, der andere leise.“ oder „Humor ist der Knopf, der verhindert, daß einem der Kragen platzt.“ oder „Wer das Licht der Welt erblickt, wird das Dunkel schon noch kennenlernen.“ Mit solchen Bonmots und bissig satirischen Texten wurde Joachim Ringelnatz (1883–1934) als Dichter und Kabarettist der Weimarer Republik in der Münchner Künstlerkneipe Alter Simpl vor dem Ersten Weltkrieg sehr populär. Durch eine Ausstellung 1923 in der renommierten Berliner Galerie von Alfred Flechtheim gelang ihm der Durchbruch als Maler. Seine Texte sind inzwischen Kult, seine Malerei geriet in Vergessenheit. Das Buchheim Museum widmet ihm eine Ausstellung, die überrascht.
Wer war Joachim Ringelnatz?
Joachim Ringelnatz’ Leben war bunt wie ein Bilderbuch. Er war Matrose, Reklametexter und Bibliothekar, verwandelte sich in eine Wahrsagerin, seine wohl ungewöhnlichste Rolle, und agierte als Schlangenträger. Dass er Tiere mochte, zeigen seine Gemälde, in denen sie sich zuweilen wie Menschen anblicken und Ringelnatz’ ironische Sicht auf die Menschen versinnbildlichen. Er benannte sich sogar nach einem Tier. Aus Hans Gustav Bötticher wurde Joachim Ringelnatz. Sein Name lässt ein Seepferdchen assoziieren, das seemännisch ‚Ringelnass‘ genannt wird.
Joachim Ringelnatz – unverkennbarer Malstil
Seine Malerei ist geprägt von seinem Leben als Matrose und den vielen Berufen, die er ausprobierte, von den Kunstströmungen Anfang des 20. Jahrhunderts, von der Neuen Sachlichkeit, vom Magischen Realismus und Surrealismus. Er war mit Künstlern wie Otto Dix, George Grosz und der Bildhauerin Renée Sintenis befreundet, ließ sich aber weder von den Stilrichtungen noch von künstlerischen Handschriften beeinflussen und entwickelte als Autodidakt einen ganz eigenen Malstil. „Es hat sich selbst aus mir gemalt“, erklärte er einmal seine Affinität zur Malerei, ein Zitat, das bestens als Untertitel der Ausstellung passt.
Melancholische, poetische Bilder
Klein, zuweilen winzig, erscheinen Joachim Ringelnatz’ Sujets: vorwiegend Tiere und Menschen in großen Raumszenarien, oft mit Blick auf das Meer und weite Horizonte. Sie wirken wie Bilderbuchillustrationen und besitzen eine überraschend gegenwärtige Aura. So subtil wie er schreibt, malt er, allerdings nicht aus der frech humorvollen Perspektive seiner Texte und Gedichte, sondern eher nachdenklich und poetisch. Die meist kleinformatigen Bilder verführen zum Träumen, vermitteln wie im Bild „Ballade“ ambivalente Stimmungen zwischen Einsamkeit und Geborgenheit, eröffnen in „Kindheit“ sachliche Perspektiven auf die einstige Holzproduktion und illustrieren im „Rettungsboot“ in fantastischer Plastizität die Gefährlichkeit auf hoher See.
Warum wurde Joachim Ringelnatz vergessen?
Obwohl Joachim Ringelnatz schon mit 24 Jahren von Sachsen nach München umzog, 1919 den Künstlernamen Joachim Ringelnatz annahm, ein bekannter Satiriker wurde und sich 1922 intensiv der Malerei zuwandte, ist er in Bayern weder als Dichter noch als Maler sehr präsent. Während des Nationalsozialismus wurden seine Bücher verbrannt. 1933 erhielt er ein Auftrittsverbot. Seine Bilder galten als „entartete Kunst“. Nach dem Zweiten Weltkrieg fand er keinen Anschluss mehr an die Kunstszene.
Die Ausstellung im Buchheim-Museum bringt Joachim Ringelnatz wieder in Erinnerung. Möglich wurde dies durch die Zusammenarbeit mit dem Joachim-Ringelnatz-Museum in Cuxhaven und durch Leihgaben des Ernst Barlach Hauses in Hamburg, ergänzt durch Exponate von verschiedenen Museen und Privatsammlungen.
Lohnt sich der Besuch?
Die Ausstellung „Joachim Ringelnatz als Maler“ ist eine Entdeckung und ein Erlebnis – eine kleine, feine Ausstellung. Seine Bilder verzaubern durch die Liliputisierung der Menschen und Tiere, die subtile Farbgebung und melancholische Narrative.
Auch wenn im Buchheim Museum bis in den Herbst durch die Bauarbeiten der kleine Saal, der Boot-Raum und der PiPaPop-Raum geschlossen sind, lohnt sich der Besuch der Ausstellung. Gleichzeitig bietet die Ausstellung „Aufruhr der Farben Karl-Schmidt-Rottluff und das Erbe der ‚Brücke‘“ einen umfangreichen Überblick über bekannte und weniger bekannte expressionistische Maler:innen.
Infos zur Ausstellung
Ort: | Buchheim Museum, 82347 Bernried am Starnberger See,
Am Hirschgarten 1
Dauer: | 25.07. bis 04.10.2026
Öffnungszeiten: | Di – So 10 bis 18 Uhr
Ticket: | 13 € Erwachsene, 6,50 € Kinder von 6 bis 17 Jahren,
Ermäßigungen hier
Bewertung: | ⭐⭐⭐⭐⭐















