Catherine Gordeladze, Pianistin © Mischa Blank
Catherine Gordeladze im Interview über ihre neuste CD „Alt-Wien“, ihre Karriere als Pianistin, Alexis Weissenberg, selten gespielte Komponisten und ihr Konzert in der Berliner Philharmonie.
Die georgisch-deutsche Pianistin Catherine Gordeladze präsentiert ihr Programm „Klangperlen“ in der Berliner Philharmonie. Im Interview spricht sie über ihre Kindheit als Wunderkind, ihre Begegnung mit dem legendären Pianisten Alexis Weissenberg, ihre Leidenschaft für selten gespielte Klaviermusik und die neue CD „Alt-Wien“. Außerdem verrät sie, warum sie vergessene Komponistinnen und Komponisten besonders interessieren.
Mit 6 Jahren begann Catherine Gordeladze mit dem Klavierspiel an der Zentralen Musikschule für hochbegabte Kinder in Tiflis. Mit 7 hatte sie ihren ersten Auftritt mit Orchester, mit 10 ihren ersten Klavierabend, mit 11 wirkte sie in einem Galakonzert in Tiflis mit, das in der ganzen Sowjetunion ausgestrahlt wurde. Heute lebt Catherine Gordeladze in Frankfurt.
Wie fühlte sich für Sie an, Frau Catherine Gordeladze, ein Wunderkind zu sein?
Es war eine schöne Kindheit. Ich wurde zu nichts gezwungen, weil ich einfach gerne Klavier gespielt habe. Drei Stunden am Tag zu üben, genügten mir, um schnell vorwärts zu kommen. So hatte ich genug Zeit für Freunde.
Was veranlasste Sie, nach dem Musikstudium in Tiflis nach Deutschland zu gehen?
Es war die Liebe zur klassischen deutschen Musik. Deshalb wollte ich mein Aufbaustudium unbedingt in Deutschland absolvieren. Meine Mutter bekam eine Anstellung als Ärztin in einer großen Klinik in Frankfurt. Ich wurde sofort an der Musikhochschule aufgenommen und fühlte mich, nicht zuletzt durch die organisierten Hauskonzerte, schnell integriert. Während meines Studiums erhielt ich das Stipendium der Begabtenförderung der Konrad-Adenauer-Stiftung. Durch die begleitenden Seminare sammelte ich insbesondere am Anfang viel Allgemeinwissen über Deutschland und erhielt wichtige politische Impulse. Das war eine schöne Studienzeit. Frankfurt wurde schließlich meine Wahlheimat.
Welche Bedeutung hatte der bulgarische Pianist und Komponist Alexis Weissenberg (1929–2012) in ihrem Leben?
Ich habe Alexis Weissenberg bei einem Weimarer Meisterkurs kennengelernt. Vom ihm lernte ich sehr viel. Es entwickelte sich eine enge menschliche Beziehung und er wurde mein Mentor, lud mich zu seinen Meisterkursen in die Schweiz ein und zu seinen Festivals im Kloster Engelberg in der Nähe von Luzern. Später habe ich seinen wunderbaren Klavierzyklus „Sechs Liederbearbeitungen von Charles Trenet“ auf meine CD „La Ricordanza“ eingespielt (Antes Edition, 2022).
Was ist das Besondere an Ihren Musikinterpretationen, Frau Gordeladze?
Am Anfang der Arbeit höre ich einige Interpretationen und recherchiere Hintergrundwissen über Komponisten und Werke. Damit versuche ich, deren Visionen und Ideen tiefer zu durchdringen.
Dann setzt der kreative Prozess ein. Ich mache mir Gedanken, wie ich eine eigenwillige Interpretation entwickeln kann. Dazu muss man als Grundlage eine sehr gute Technik und geschulte Ohren haben. Sehr wichtig ist das stilistische Gespür für die Komposition. Mein pianistischer Fokus liegt darauf, Melodie und Rhythmik durch ein tiefes Verständnis der Komponisten zu entwickeln. Es fasziniert mich, die gesanglichen Linien des Klaviers zu ergründen und dabei den Klang der menschlichen Stimme zu imitieren. Bei Jazz inspirierten klassischen Werken ist es essenziell, ein tiefes Gespür für Beat und Swing zu besitzen.
Sie haben bislang sieben CDs publiziert, mit denen Sie in Konzerten das Publikum live begeistern. Inwiefern unterscheiden sich Ihre Programme von anderen?
Ich bin nicht auf eine bestimmte Musik festgelegt. Ich liebe Barock, die Romantik, Klassik, Impressionismus, die moderne Musik des 20. Jahrhunderts und Jazz. Darüber hinaus bin ich immer auf der Suche, neue Komponist:innen zu entdecken, wie beispielsweise den ukrainischen Pianisten Nikolai Kapustin. Ich habe als eine der ersten seinen ganzen 24 Präludien und 8 Etüden eingespielt. Die CD erschien 2011 und war lange Zeit auf der NAXOS-Top-Bestsellerliste.
Carl Czerny ist durch seine Etüden allen ein Begriff. Doch seine Kompositionen sind weitgehend unbekannt. Ich habe drei seine faszinierenden Klavierwerke entdeckt und in verschiedene CDs eingespielt. Solche Projekte reizen mich. Durch weniger bekannte Komponisten wie auch Leopold Godowsky, Moritz Moszkowski, Alfred Jaell, Mariana Martinez, Louis Moreau Gottschalk, George Cziffra, Earl Wild, Alfred Grünfeld, Carl Tausig und Percy Grainger werden die Programme vielseitiger und interessanter.
Was erwartet das Publikum bei Ihrem Programm „Klangperlen“ in der Berliner Philharmonie und in Ebersberg?
Ich präsentiere mit diesem Programm u.a. Die Werke meiner neuen CD „Alt Wien“, die bei Hänssler Classic 2025 erschienen wurde. Eine musikalische Zeitreise durch die europäischen Kulturmetropolen des 18. und 19. Jahrhunderts, aber eben nicht nur über die großen Komponist:innen, sondern auch über heute weitgehend vergessene Sonate von Marianna Martines (eine Schülerin Haydns), Carl Czernys virtuose Fantasie brillante über Themen aus Mozarts Oper „Figaro“ oder ein Glanzstück-Soiree de Vienne über Walzermotive von Johann Strauss, für Klavier bearbeitet von Alfred Grünfeld. Dazu kommt über „Alt-Wien“ hinaus ein Meisterstück der Klavierliteratur: Liszts hochvirtuose Bearbeitung „Isoldes Liebestod“ aus Wagners Oper „Tristan und Isolde“. Chopins Walzer bringen schließlich die „Pariser Brillanz“ in das Programm.
Was macht Sie bei einem Konzert glücklich?
Das ist abhängig vom Adrenalin, von der Energie, die ich vom Saal, von der Akustik, vom Instrument und vom Publikum bekomme. Ich spiele in sehr unterschiedlichen Konzertsälen, gerade die kleinen kammermusikalischen Situationen liebe ich auch sehr.
Natürlich ist ein Debütkonzert in einem renommierten Konzertsaal wie in der Berliner Philharmonie sehr energetisch.
Wichtig ist, dass ich die Einheit von Publikum, Raum und Musik spüre. Das endorphinisiert.
Sie spielen ein Leben lang Klavier, was motiviert sie, was gibt ihnen Energie?
Es ist vor allem die Herausforderung, neue Programme zu konzipieren und Vergessene Werke wieder zu entdecken. Das ist technisch, musikalisch, aber auch musikwissenschaftlich faszinierend. Ich freue mich ganz besonders, wenn ein junges Publikum meine Konzerte besucht und echtes Interesse zeigt.
Und natürlich ist es die Musik selbst, die mich immer wieder aufs Neue beflügelt und mir sowohl in den dunklen Stunden, die das Leben einem abfordert, als auch in glücklichen Zeiten die nötige Energie schenkt. Das ist die wahre Freude an der Musik.
Haben Sie schon ein neues Projekt im Auge?
Ja, natürlich. Es reizt mich, vergessene Komponistinnen zu entdecken. Aber mehr verrate ich darüber noch nicht. Die neue CD soll 2027-28 erscheinen.
Herzlichen Dank, Frau Gordeladze, für das Interview und viel Freude bei Ihren Konzerten und Recherchen.
CD „Alt-Wien“ von Catherine Gordeladze
Pianistin: | Catherine Gordeladze
Label: | Hänssler Classic
Veröffentlichung: | 2025
Werke: | u. a. von Mozart, Czerny, Marianna Martines, Beethoven,
| Richard Strauss/Percy Grainger und Alfred Grünfeld
Infos zum Konzert von „Klangperlen“
Programm: | „Klangperlen“
Datum: | 4. Oktober 2026
Ort: | Kammermusiksaal der Berliner Philharmonie
| im Rahmen von „ZeitenKlängen“ Musikfestival
Uhrzeit: | 15:30 Uhr
Folgetermin: | 29. November 2026
Ort: | 85560 Ebersberg, Altes Kino Ebersberg, Eberhardstraße 3,
| im Rahmen der „Ebersberger Klavierzyklus“
Uhrzeit: | 17:00 Uhr














