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Kühlewein + Koenig. Ein intensives Doppel“ im KOENIGmuseum – Ausstellungsbericht

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Kühlewein + Koenig. Ein intensives Doppel“ im KOENIGmuseum – Ausstellungsbericht

KOENIGmuseum Landshut © Michaela Schabel 

Kühlewein trifft Koenig im KOENIGmuseum Landshut: Der Ausstellungsbericht zeigt, wie farbintensive Malerei und reduzierte Skulpturen miteinander in Dialog treten.

Bernhard Kühlewein malt in bunten Großformaten das pralle Leben, oft in grotesker Übertreibung. Fritz Koenig zeigt in seinen Epitaphen das Leiden der Menschen. Wie passt das zusammen? Welche neue Aspekte ergeben sich?

Kühlewein + Koenig. Ein intensives Doppel

Königs Werke zu anderen künstlerischen Handschriften in Bezug zu setzen, ist seit einigen Jahren das große Rahmenthema des KOENIGmuseums. Ausstellungen wie „Kunst des Formens – Porzellan & Keramik der Gegenwart“ (November 2023), „Im Austausch – Fritz Koenig und seine Kreise“ (August 2023), „Franz Weickmann“ (Februar 2024) bleiben in Erinnerung.

Zum ersten Mal treffen Bernhard in diesem Jahr Bernhard Kühleweins (*1938) großformatige Bilder auf die Skulpturen von Fritz Koenig (1924–2017). Beide Künstler hatten zu Lebzeiten Fritz Koenigs kaum Berührungspunkte. Dass beide nun in einer Ausstellung zu sehen sind, ergab sich durch Bernhard Kühleweins Schenkung, die der Freundeskreis Stadtmuseum Landshut e.V. den Museen der Stadt als Dauerleihgabe überließ und durch die damit verbundene Erstellung des Werkverzeichnisses. 

„Kühlewein + Koenig“ – zwischen Erinnerungskultur und Lebensfreude

Mit  „Kühlewein + Koenig“ präsentiert das KOENIGmuseum zwei prominente Landshuter Vertreter der Nachkriegsmoderne, die hinsichtlich Material, Stil und Ästhetik unterschiedlicher nicht sein könnten. 

Das Ergebnis ist in mehrfacher Hinsicht interessant. Die räumliche Großzügigkeit über das gesamte KOENIGmuseum und die Auswahl der Werke geben den Bildern und Skulpturen Raum in unterschiedlichsten thematischen Aspekten in Dialog zu treten. Zu Koenigs wuchtigen Epitaphen und kleineren Skulpturen in Bronze bilden Kühleweins farbintensive großformatige Bilder einen belebenden Kontrast, wobei sich trotz der extremen Unterschiede von Material und Farbe eine ausbalancierte Spannung auf Augenhöhe entwickelt. 

Fritz Koenig: Erinnerungskultur i

Koenigs Skulpturen sind stark von verinnerlichtem Gedenken an die Verbrechen des Nationalsozialismus geprägt, aber auch von der griechischen Mythologie und seiner reduzierten Formensprache. Seine Epitaphe und Figuren, inspiriert von bedeutsamen Themen der Vergangenheit, machen gerade durch die minimalistische Gestaltung die Wucht menschlichen Handelns fühl- und erlebbar. 

Bernhard Kühlewein – Groteske Amüsierwelten

Die ausgewählten Bilder von Kühlewein zeigen die Facetten des Menschseins an Orten des Amüsements knallbunt, mit expressiver Dynamik, oft aus der grotesk formverändernden Froschperspektive.

Malerei und Skulpturen im Dialog

Immer wieder staunt man über die motivische und stimmungsmäßige Wechselwirkung. Marktschreierische Buntheit gewinnt an gesellschaftspolitischer Tiefe. Inniges Gedenken belebt sich durch das pulsierende malerische Umfeld. 

Kühleweins „Großer Gewichtheber“, ein überbordendes Muskelpaket, der die Langhantel mit wuchtigen Scheiben stemmt, bekommt durch Koenigs „Großen Würfelepitaph“ plötzlich eine diktatorische Aura. Eine K.o-Schlag -Szene im Ring, vor blutrotem Hintergrund gemalt, über dem „Epitaph XII“ bedarf keiner Erklärung. Bild und Skulptur bringen die gegenwärtigen politischen Ängste auf den Punkt.

Heitere und groteske Synergieeffekte

Doch es entwickeln sich auch lebensfrohe Narrative und zuweilen ironisch groteske Brechungen. Die Vitalität braungebrannter nackter Menschen am Strand hellt die dunkle Skulptur „Zwei XII“ etwas auf. Kühleweins gemalter nackter Männertorso wird nicht nur im Bild von lüsternen Männerblicken betrachtet, sondern scheint auch auf Koenigs kniende Männerskulptur „Erektion“ eine erotische Wirkung zu haben. Wenn Koenigs auf Zylinder und Kugel reduzierte Menschen auf Kühleweins XXL-Menschen treffen, fungieren die Köpfe wie eine Brücke, an der stille Intro- und schrille Extrovertiertheit aufeinanderprallen. In der Tat ein intensives Doppel! 

Lohnt sich die Ausstellung? 

Auf jeden Fall. Es ist die Wechselwirkung von Kühleweins oft marktschreierischen Gemälden und Koenigs verinnerlichten Skulpturen, die den Besucher neue Narrative entdecken lassen. Dieser Prozess des Erkennens macht den Reiz der Ausstellung aus, die man durchaus mehrmals anschauen kann. Wer Fritz Koenig noch nicht kennt, kann sich über ihn und sein künstlerisches Schaffen zusätzlich über Filme informieren.

Bewertung ⭐⭐⭐⭐☆ 

Infos zur Ausstellung „Kühlewein + Koenig. Ein intensives Doppel“

Dauer:                     | vom 18. Juli bis zum 10. Januar 2027

Öffnungszeiten:       | Di – So 10 – 17 Uhr

Tickets:                   | freier Eintritt 

Rahmenprogramm: | 20.09. 2026 um 11 Uhr

                                | kostenfreie Führung mit 

                                | Museumsleiter Daniel J. Schreiber und 

                                | Bernhard Kühlewein