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Sophie Cliff „Raus aus dem Stress-Modus“ – Buchrezension

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Sophie Cliff „Raus aus dem Stress-Modus“ – Buchrezension

Sophie Cliff „Raus aus dem Stress-Modus“ © Junfermann Verlag 

„Raus aus dem Stress-Modus“ durch Sophie Cliffs Produktivitätstypen und Joy-Methode – eine kritische Buchrezension

Sophie Cliff hinterfragt in „Raus aus dem Stress-Modus“ den alltäglichen Leistungs- und Erwartungsdruck von Frauen. Durch ihre Joy-Methode will sie Stress reduzieren und im Vertrauen auf die eigenen Stärke mehr Freude und eine höhere Produktivität erzielen. Doch wie neu ist dieser Ansatz – und für wen lohnt sich das Buch tatsächlich?

Karriere Richtung Burnout

Frauen treffen sich und sprechen nur die ganze Zeit darüber, wie wenig Zeit sie hätten. Wie kommt das? Hatte der Ökonom John Maynard Keynes prophezeit, dass die größte Herausforderung der Menschen die Bekämpfung der Langeweile sei, wenn sich durch die Produktionssteigerung die Arbeitszeit immer mehr verkürzen würde? Die Gegenwart zeigt das Gegenteil. Frauen im Beruf mit Kindern und Familie haben immer noch nach dem weiblichen Image, nett und freundlich, ausgleichend und beschützend zu agieren. Angeblich geht das alles, wenn man nur die Produktivität steigert. Doch selbst die nächste Karrierestufe erreicht, macht das nicht unbedingt glücklicher, weil man immer mehr in den Sog des Erwartungsdrucks und der Selbstaufgabe gerät. Bis zum Burnout ist es oft nicht mehr weit. Nach einer Gender-Gap-Studie von 2019 haben 42 Prozent der Erwerbstätigen haben damit bereits Erfahrung, Frauen mehr als Männer.

Sophie Cliff – Wie viel Freude beinhaltet der Erfolg?

Entscheidend ist nicht, was wir wie schnell machen, sondern wie wichtig uns das ist, was wir tun, wie viel Freude es uns macht, ob wir im  Flow arbeiten. Aufgrund ihrer langjährigen Erfahrung entwickelte Sophie Cliff vier archetypische Produktivitätsmodelle, deren Namen bereits Erklärungen liefern.

Sophie Cliffs Typenmodell

 „Macherinnen“ wollen es unbedingt zu etwas bringen. „Perfektionistinnen“ haben an sich den Anspruch, alles 100-prozentig  richtig zu machen. „Träumerinnen“ haben zwar viele Ideen, aber große Schwierigkeiten sie umzusetzen. „Prokrastinerinnen“ möchten etwas verändern, können sich aber nicht aufraffen, es zu realisieren.

Diese vier Frauentypen analysiert sie aufgrund ihrer Erfahrungen als Coachin nach ihren Stärken und Schwächen. Gleichzeitig hinterfragt sie, was Erfolg überhaupt ausmacht.

Damit das „Raus aus dem Stress-Modus“ gelingt, muss man nach Sophie Cliff zuerst das eigene Erfolgsdenken überprüfen. 

Was ist Erfolg?

Für Sophie Cliff ist es nicht der ökonomische Erfolg, sondern die Freude an der Arbeit. Voraussetzung sind innere Ruhe durch genügend Schlaf- und Ruhezeiten und das Wissen um den eigenen Biorhythmus. Ist man eine Lerche oder Nachtigall, morgens oder abends leistungsstark? Wie wirken sich Witterung und Jahreszeiten aus? Verschwendet man die Zeit mit den eigenen Schwächen, anstatt die Stärken auszubauen? Schafft man es, im „Flow“ zu arbeiten?

Wer sich mit Work-Life-Balance und der Glücksforschung des ungarischen Psychologen  Mihály Csíkszentmihály schon beschäftigt hat, kennt diese Modelle. Längst weiß man, dass beruflicher Erfolg nicht alles ist, sondern körperliche, geistige Gesundheit, soziale Kontakte und intellektuelle Entwicklung sehr bedeutsam sind. Sophie Cliff fügt nur einen neuen Begriff hinzu. 

Sophie Cliffs „Joy-Methode“ 

In vier Schritten formuliert sie, was in der Coachingpraxis inzwischen eine Selbstverständlichkeit ist. Zuerst muss definiert werden, was man selbst als persönlichen Erfolg erachtet. Daraus folgt die Frage, woran man diesen Erfolg erkennt und wie man ihn messen kann. Dabei hilft es sehr, die eigenen Stärken und Strategien zu formulieren. Diese positive Haltung aktiviert Freude. Wichtig ist es, die entstehenden Veränderungen zu reflektieren und zu evaluieren. Dazu gehört es auch, Grenzen zu setzen, Berufs- und Privatleben zu trennen, To-do-Listen zu minimieren, oft ein Alibiverhalten, mit dem man den eigentlichen Schwierigkeiten aus dem Weg geht, die eigenen Stressfelder in den unterschiedlichen Rollenanforderungen zu durchschauen, antrainierte Rollen zu verlassen und ein besseres Energieprofil aufzubauen. 

Die Intuition spielt dabei eine große Rolle. Der erste spontane Eindruck ist dabei oft sehr bedeutsam. Das Innehalten macht vieles bewusst. Um neue Ideen festzuhalten, empfiehlt Sophie Cliff „Journaling“. Dahinter verbirgt sich das klassische Tagebuch als Mittel der Selbsterforschung. 

Für wen lohnt sich das Buch?

Sehr systematisch beschreibt Sophie Cliff den Weg, „Wie Frauen ihre Stärken selbstbestimmt entfalten“, so der Untertitel. Für berufsgestresste Frauen, die sich noch wenig mit den eigenen Erwartungshaltungen auseinandergesetzt haben, mag die Lektüre durchaus hilfreich sein, zumal Sophie Cliff durch viele Fallbeispiele und die eigenen Erfahrungen die Problematiken sehr anschaulich beschreibt und sie durch ständige Wiederholungen entlang ihres Typenrasters einprägsam wiederholt und zuweilen die Leserinnen auffordert, selbst aktiv zu werden.

„Raus aus dem Stress-Modus“ –  ein Ratgeber

Das permanente Statement „Ich erinnere mich“, „ich habe die Erfahrung gemacht“, „ich weiß, wie schwer das ist“, die Klienten und Freundinnen, die sie immer wieder als Fallbeispiele zitiert werden, und die direkte Ansprache der Leserinnen mit Sie rücken „Raus aus dem Stress-Modus“ in die Reihe der zahlreichen Anti-Stress-Ratgeber. Was bleibt ist die „Joy Methode“, ein werbewirksam formulierte Label, das leicht abgewandelt zu „Joyfull Methode“ als Firmenname von Sophie Cliffs Unternehmen fungiert, was sie allerdings im Buch nicht erwähnt. 

Fazit: 

Mit ihrem Resümee „Erfolg bedeutet nicht alles zu haben, sondern das, was Freude macht“ bindet Sophie Cliff an eine lange philosophische Auseinandersetzung über Glück und Freude an. Doch der positive Blick auf die eigenen Stärken, das Arbeiten im Flow und ein selbstdefiniertes Rollenverständnis fern der sozialisierten Verhaltensmuster ist längst nichts Neues mehr. 

Die Literaturliste belegt die Auseinandersetzung mit Stimmen zur Thematik, doch die Reduzierung der Frauen auf vier Typen überzeugt wenig, weil die Grenzen fließend sind und sich durch die dadurch entstehenden Wiederholungsstrukturen schnell Langeweile einstellt.

Warum „Raus aus dem Stress-Modus“ nur für Frauen gelten soll und nicht für Männer, bleibt unbeantwortet. Sind Frauen coaching-affiner als Männer? Das wäre ein interessantes Thema.

Sophie Cliff

Die britische Unternehmerin Sophie Cliff tritt öffentlich als „Joyful Coach“ auf. Sie hat an der Universität East London den Master in Angewandter Positiver Psychologie und Coaching Psychologie gemacht. Jetzt lebt sie mit ihrem Mann und zwei Kindern in Leeds. 2018 gründete sie das von ihr geführte Unternehmen „The Joyful Coach Limited“. das seinen Sitz in Eastbourne hat. Die Firma bietet u. a. Karriere-Coaching, Workshops, Kurse und Programme an, die Menschen mit Methoden der Positiven Psychologie und der Verhaltensänderungsforschung helfen sollen, eine erfüllende berufliche Laufbahn zu entwickeln. Weitere Infos zu Sophie Cliff findet man auf ihrer Webseite.

Bewertung:    | ⭐⭐☆☆☆

Infos zum Buch

Autorin:         | Sophie Cliff

Titel:              | Raus aus dem Stress-Modus. Wie Frauen ihre Stärken 

                       selbstbestimmt entfalten

Übersetzerin | Elisabeth Vorspohl

Genre:           | Sachbuch

Ausgabe:       | Hardcover + E-Book

Verlag:           | Junfermann Verlag, Paderborn 

erschienen:   | 2026

Seiten:           | 218

ISBN:             | 978-3-7495-0710-8

Preis:             | 29,00 €