„Sounding Light © Cloud Gate Dance Theatre of Taiwan, Gia Yeh
„Sounding Light“ von Cheng Tsung-lung, getanzt vom Cloud Gate Dance Theatre of Taiwan, begeistert beim Internationalen Tanzfestival Tanz im August 2026 im Haus der Berliner Festspiele. Tanzkritik über Natur und Körper, Klang und Stille.
Ein Tanzabend fast ohne Musik, dafür mit Bodypercussion? Ja, das funktioniert nicht nur, es begeistert und wurde sofort mit Standing Ovations im Haus der Berliner Festspiele gefeiert.
Choreograf Cheng Tsung-lung verwandelt die minimalistische Bühne in einen imaginären Zauberwald und die 12 Tänzer:innen des Cloud Gate Dance Theatre of Taiwan in Vögel.
Cheng Tsung-lungs „Sounding Light“
Ein Morgenstrahl erleuchtet die weiß gehaltene Bühne. Gekrümmte Körper in hautfarbenen Kostümen ganz dicht beieinander beginnen sich langsam zu bewegen, aufzurichten, zu zirpen, zu pfeifen und zu glucksen. Sie dehnen, strecken, verdrehen sich auf einem Bein stehend. In vollkommener Stille wird jede Bewegung, jeder Ton zum Ereignis. Sie schaukeln und wiegen sich, klatschen in die Hände und hüpfen auf den Fersen. Sie balzen wie im Tierreich mit Machogehabe von morgens bis abends. Tag und Nacht, effektvoll ausgeleuchtet, bestimmen den Lebensrhythmus in ständigen Wiederholungsritualen mit subtilen Variationen und akrobatischen Balancen.
Meditative Glockentöne inspirieren die Tänzer:innen des Cloud Gate Dance Theatre of Taiwan zu raffinierten Klatsch- und Körperperkussionen. Der Körper wird zur Trommel. Das Klatschen auf die Haut verwandelt Schallwellen in Regen und Geplätscher, Wasserpfützen und Wind.
Cheng Tsung-lung
Cheng Tsung-lung zählt zu den bedeutendsten, zeitgenössischen Choreografen Taiwans. Seit 2020 ist er der künstlerische Leiter des Cloud Gate Dance Theatre of Taiwan. „Sounding Light“ zählt zu seinen wichtigsten Arbeiten und ist jetzt beim Internationalen Tanzfestival Tanz im August in Berlin zu sehen.
Die Choreografie entstand während der Corona-Pandemie. Aufgrund des Lockdowns, geringeren Lärms und größeren Ruhe nahm er bei Spaziergängen die Geräusche in der Natur viel intensiver wahr: die Vögel und Insekten, Wind und Regen, Wasser und Wald. Dieses Naturerleben inspirierte ihn, die Tänzer:innen in ihre Bewegungen in Klangkörper zu verwandeln, die dem Tag- und Nachtrhythmus folgend an- und abschwellen.
Tanz im August – Cloud Gate Dance Theatre of Taiwan
Das Ensemble setzt Cheng Tsung-lungs Ideen grandios um. In filigranen Bewegungen und durch rhythmisches Fingerschnippen, Klatschen und exotische Laute, nicht zuletzt durch die atmosphärischen Lichteffekte und hautähnlichen Kostüme verschmelzen die Tänzer:innen mit der Natur.
Fazit zu „Sounding Light“
Cheng Tsung-lungs Choreografie ist ein faszinierendes Experiment, das eine ganz einzigartige künstlerische Handschrift offeriert und zugleich den Zugang zur Natur über asiatische Meditation und Rhythmik vermittelt. „Sounding Light“ eröffnet neue Horizonte, ist konzeptionell, tänzerisch und rhythmisch ein Highlight. Zu sehen ist „Sounding Light“ beim Internationalen Tanzfestival Tanz im August noch bis 17. August.
Bewertung: ⭐⭐⭐⭐⭐
Infos zum Tanzfestival Tanz im August 2026
Künstlerische Leitung: | Ricardo Carmona
Dauer: | 3. bis 29.08.2026
Programm: | 19 Produktionen mit 54 Veranstaltungen
an 11 Orten
Besonderheiten: | 3 Premieren
6 Deutschlandpremieren
4 Berliner und internationale
Kooperationen
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