Künstlerhaus Ganslberg bei Landhut, Bilder von Heribert Heindl © Michaela Schabel
Fritz Koenigs Anwesen auf dem Ganslberg bei Landshut verwandelt sich in Künstlerhaus. Ausstellungsbericht: Hintergründe, Künstler und Ausstellungen
Drei Künstler, Heribert Heindl, Helmut Geier und Sabine Berr, bekamen die einmalige Gelegenheit, als zweite Künstlergruppe fünf Tage lang im Künstlerhaus Ganslberg zu gastieren. Die Ausstellungseröffnung wurde zum Ganztages-Event mit viel Musik und kulinarischen Genüssen im atmosphärischen Hof des Anwesens.
Künstlerhaus Ganslberg – Konzeption
Ganslberg, einst Wohnort, Atelier des international renommierten Bildhauers Fritz Koenig (1924–2017) und Zentrum seiner Araberzucht, ist ein einzigartiges Anwesen. Acht Jahre stand es nach seinem Tod leer. Jetzt ist es dabei, sich als „Künstlerhaus Ganslberg“ zu etablieren. Im Sechswochenrhythmus bekommen kleine Künstlergruppen fünf Tage lang die Gelegenheit, am Ganslberg zu wohnen, um dann mit Werken, die vor Ort entstehen, ergänzt durch mitgebrachte Arbeiten, eine gemeinschaftliche Ausstellung zu präsentieren.
Projektleiter Christian Schnurer ist voll des Lobes über diese zweite Ausstellung im Künstlerhaus Ganslberg. Es sind zwar noch Sanierungsarbeiten zu erledigen, aber die Werkstätten wurden von Fritz Koenig pragmatisch und praktisch so angelegt, dass man darin gut arbeiten kann. Die Künstler hatten zunächst schon einige Berührungsängste zu überwinden. Mit Fritz Koenigs Werkzeugen in dessen Räumlichkeiten arbeiten zu dürfen, erfüllte alle drei Künstler mit größtem Respekt, aber sie wurden schnell heimisch, sobald sie zu arbeiten begannen. Sabine Berr strahlt. „Es waren spannende Tage, alles so praxisnah, alles so neu.“
Welche Bilder sind zu sehen?
Die drei ausgewählten Künstler Helmut Geier, Heribert Heindl und Sabine Berr kennen sich schon seit ihrem Studium Ende der 1980er Jahre an der Akademie der Bildenden Künste München. Sie wollten wieder einmal zusammen ausstellen und bekamen über die Netzwerke der Neuen Galerie Landshut die Gelegenheit, im Künstlerhaus Ganslberg zu arbeiten. Die gemeinsame künstlerische Basis ist das Zusammenspiel von linearen Strukturen und Farbflächen.
Helmut Geier
Extrem großformatige architektonische Linienstrukturen auf gelb-orangem Hintergrund leuchten den Besuchern in der großen Scheune von weitem entgegen. Mitgebracht zur Ausstellung hat sie Helmut Geier (*1966, Meran). Durch wechselnde Perspektiven vermitteln die Bilder einen schwebenden Eindruck, der die klare, gerade Architektur der Scheune kontrastiert und sie spielerisch auflockert. Allerdings ist die Scheune so groß, dass selbst diese Formate klein wirken und sich die kleinen Formate von Heribert Heindl und Sabine Berr auf der großen Wandfläche verlieren.
Heribert Heindl
Heribert Heindl interessiert, was sich aus Farbe und Form spontan entwickelt. Dabei hat er durchaus gegenständliche Motive im Kopf. Er malt sie aber völlig abstrakt ohne formale Strenge, mit dem Bewusstsein, das Wesentliche locker auf den Punkt zu bringen. Ein Farbfleck verwandelt sich in einen aufgenähten Flicken, ein dicker Pinselstrich in einen Fluss. Letztendlich überlässt er dem Betrachter die Interpretation seiner Bilder. Seine großen Formate in differenzierten Grauabstufungen kommen, im Hof an den Holzbalken der einstigen Stallungen angelehnt, umrahmt von intensivem Grün, bei Sonnenlicht sehr gut zur Wirkung.
Sabine Berr
Ganz beseelt vom Ganslberg ist Sabine Berr. Sie arbeitet am liebsten en plein air, draußen direkt vor Ort. Ihre kleinformatigen Bilder zeigen, wie sie mit den Mitteln der Malerei, mit Pinselstrich, Tusche und Farbe, Motive in der Natur künstlerisch transformiert. Jedes Bild ist für sie ein „offenes Abenteuer“, weil sie nie genau weiß, welches Bild sich beim Malprozess ergibt.
Das langfristige Ziel, eine Artist-Residence zu etablieren, um vor allem jungen Künstlern Entwicklungsmöglichkeiten zu geben, wird über das Modell Künstlerhaus Ganslberg greifbarer, hängt aber letztendlich vom Engagement möglicher Sponsoren ab. Bis dahin kann man noch wertvolle Erfahrungen sammeln, wo welche Bilder im Anwesen von Fritz Koenig am besten zur Wirkung kommen und wie man die Besucher über die Künstler und ihre Werke ausreichend informiert, damit moderne Kunst an diesem herrlichen Ort ihre Wirkung voll entfalten kann.
Zu sehen ist die gegenwärtige Ausstellung bis 13. September, jeweils samstags und sonntags von 11–16 Uhr.
Infos zur Ausstellung
Ort: | Ganslberg bei Landshut
| Ganslberg 52, 84032 Altdorf
Projekt: | Künstlerhaus Ganslberg
Dauer der Ausstellung: | bis zum 13. September 2026
Ticket: | Erwachsene 10 €, ermäßigt 6 €,
| Kinder bis 14 Jahre frei
Parken | Parken entlang der Straße oder in der Wiese
FAQ
Warum sollte man sich die Ausstellungen im Künstlerhaus Ganslberg anschauen?
Das Anwesen des Landshuter Großbildhauers Fritz Koenig ist ein Kleinod: Wohnhaus, Atelier und Pferdezucht um den Hof zentriert mit einer eigenen, extrem großen Scheune für den Bau seiner berühmten Kugelkaryatide. Über die Ausstellung bekommt man freien Zugang zu den Räumlichkeiten des Ganslbergs.
Gleichzeitig gewinnt man über die Nutzung als Künstlerhof und die damit verbundenen Ausstellungen einen Einblick in die zeitgenössische Malerei und wie das Ambiente Künstler inspiriert.
Wann finden am Ganslberg Ausstellungen statt?
Neue Ausstellungen gibt es im Rhythmus von sechs Wochen.
Die ausgewählten Künstler dürfen jeweils fünf Tage lang im Künstlerhaus Ganslberg leben und arbeiten, unter der Bedingung, dass Sie eine Ausstellung organisieren, die dann jeweils von samstags bis sonntags von 11–16 Uhr zu sehen sind.
Wo ist der Ganslberg?
Den Ganslberg erreicht man über die Autobahn Abfahrt Altdorf Richtung Ganslberg 52.
Wo kann man parken?
Man kann den Ganslberg bei Altdorf etwa bis auf halbe Höhe hochfahren, an der schmalen Straße bzw. in der Wiese parken. Zu Fuß sind es dann noch einige Höhenmeter bis zum Künstlerhof Ganslberg.
















