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Unwelcomed“ (2025): Kritik zum Dokumentarfilm über Venezuelas Flüchtlingskrise in Chile

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Unwelcomed“ (2025): Kritik zum Dokumentarfilm über Venezuelas Flüchtlingskrise in Chile

„Unwelcomed © Amílcar Film

„Unwelcomed“ erzählt von venezolanischen Flüchtlingen in Chile. Kritik zum Dokumentarfilm von Sebastián González und Amílcar Infante.

Mit großartigen Landschaftsaufnahmen verweisen die Dokumentarfilmer Sebastián González und Amílcar Infante darauf, wie viel Platz Chile hat. Doch ein Großteil der Landesfläche ist Wüste. Wegen der wirtschaftlichen Unsicherheit und politischer Verfolgung brachen ab 2021, mitten in der Corona-Epidemie, Venezolaner in Massen nach Colchane,  im Norden Chiles auf, mit 300.000 Flüchtlingen war dies die drittgrößte Migration der Welt nach den Flüchtlingsbewegungen infolge der Kriege in Syrien und in der Ukraine.

Hintergrundwissen:

Der kleine, abgelegene Grenzort Colchane unweit der interkontinentalen Straße Bolivien, Peru nach Chile wurde Symbol der humanitären Flüchtlingskrise. Die meisten Flüchtlinge wollten weiter nach Iquique im Norden der Wüste Atacama, um dort Arbeit zu finden und eine neue Existenz aufzubauen. „Iki Iki“, ein indigener Ausdruck der bolivianischen Aymara, bedeutet Land der Träume. Für die Flüchtlinge wird er zum Alptraum. Sie kommen zu Fuß und erleben, völlig erschöpft, die absolute Ausgrenzung. Sie haben zwar Covid-Atteste, an den Handgelenken Nummern als Zeichen, dass sie die Grenze passieren durften, doch die Nummern helfen nicht gegen Rassismus und zunehmenden Fremdenhass, und die schmutzigen, verrutschten Gesichtsmasken gegen Covid unterstreichen die Verzweiflung der Flüchtlinge.

„Unwelcomed“ wegen unzureichender Infrastruktur 

Nagelneue Container und Zelte sind für Flüchtlinge vorhanden. Doch sie reichen nicht aus. Hohe Zäune schützen vor Neuzugängen. Diese bekommen weder Wasser noch Essen. Manche Chilenen helfen privat und werden bestohlen. Umgekehrt wird jeder tote Chilene als Mordtat eines Flüchtlings dargestellt. Die Fronten verhärten sich und beide Seiten, die Flüchtlinge und die Einheimischen leiden, weil sie sich mit ihrem Problemen alleingelassen fühlen und die Regierung nichts unternimmt. Zwei Drittel der chilenischen Ressourcen sind in der Hand einer kleinen Elite. Durch die Flüchtlinge haben die Einheimischen noch mehr Existenzängste. Der Umgangston wird immer aggressiver. Migranten werden generell kriminalisiert. Nur eine kleine Szene unter den Truckfahrern, die sich wie eine Familie fühlen, vermittelt, was Gemeinschaft bewirken könnte. 

Dokumentationsfilm – keine Perspektiven für Migranten 

„Wir haben dort kein Leben mehr“, ist die verzweifelte Einsicht einer Venezolanerin. Wie Tiere werden Flüchtlinge in einen Container gepresst. Einen jungen Mann setzt irgendwo auf der Schotterpiste durch die Wüste ein Fahrer ab. Er verlangt viel Geld für die Fahrt und kritzelt auf einen Karton den Weg geradeaus nach Süden mit einer Kontaktadresse. Der Flüchtling marschiert weiter – 40 Kilometer pro Tag in sengender Hitze. Ob er ankommt, bleibt offen.

„Unwelcomed“ – Chiles Migrationspolitik

An der Grenze wird durchgewinkt, aber vor Ort erfolgt kaum Hilfe. „Jeder, der für soziale Gerechtigkeit protestiert, wird als Verbrecher abgestempelt“, erklärt ein Chilene, eine andere kontert: „Chile ist ein Land, das es gewohnt ist, mit Ausländern zu leben“. Doch die kleinen Minderheiten, die sich für Flüchtlinge einsetzen, befinden sich in einer unsicheren Situation. Angesichts des zunehmenden Mülls, der Sperrzäune, der Kriminalisierung der Flüchtlinge und der Bewaffnung der Einheimischen wird die Situation immer aufgeheizter. Vertreter der Regierung sind allerdings in „Unwelcomed“ nicht zu hören. Hoffnung ist für arme Menschen, egal ob Flüchtling oder Einheimischer, nicht in Sicht. 

Fazit: „Unwelcomed“, eine emotionale Migrationsparabel ohne genaue Fakten

„Die Erde beginnt zu wandern.“ In diesem Satz verdichten die beiden Filmproduzenten ihre pessimistische Botschaft. „Unwelcomed“ ist eine weltweite Parabel für eine überforderte Migrationspolitik. Die weiten, kargen und menschenleeren Landschaftsaufnahmen, die atmosphärischen Sonnenaufgänge und Sonnenuntergänge als Symbole von Hoffnung und Melancholie, untermalt mit sphärischer Musik, unterstreichen eine zweite Botschaft – die Unbedeutsamkeit des Menschen. Die Natur braucht den Menschen nicht. Er ist unwelcomed auf der Erde, nur ein kurzer Moment in der Genesis. 

Dadurch bekommt der Film im Vergleich zu anderen Dokumentarfilmen eine ästhetisierte Hollywood-Aura, die zuweilen etwas arg pathetisch wirkt. Was fehlt, sind Stimmen und Hintergrundinformationen aus Politik und Wirtschaft sowohl von Chile als auch von Venezuela. 

Film-Empfehlungen zum Thema Flüchtlinge

Sebastián González und Amílcar Infante

Sebastián González ist Filmproduzent bei Amílcar Films und hat in dieser Funktion zahlreiche Dokumentarfilme, Serien und Musikvideos produziert. „Unwelcomed/ Si vas para Chile“, so der Originaltitel ist sein Debüt als (Co-)Regisseur.

Amílcar Infante ist der Leiter von Amílcar Films, die auf Dokumentarfilme und Musikvideos spezialisiert sind. 2023 nahm er an einer National Geographic Expedition teil. „Unwelcomed / Si was para Chile feierte seine Premiere bei Hot Docs 2025. 

Infos zum Dokumentationsfilm „Welcomed“

Titel:                                  | Unwelcomed

Regie:                                | Sebastián González, Amílcar Infante

Sprache:                            | Englisch mit deutschen Untertiteln

Genre:                                | Dokumentarfilm

Länge:                                I 1 Std. 13 Min.

Kooperation:                      | Goethe-Institut

Premiere:                            | Hot Docs 2025 in Toronto

Deutsche Erstaufführung:  | DOK.fest 2026 in München, 

Auszeichnung:                   | ausgezeichnet mit dem Regiepreis in der Rubrik „Horizonte 

Kooperation:                      | Goetheinstitut

Bewertung:                        | ⭐⭐⭐☆☆