„Simson und Delila“, Max Liebermann, 1902, Öl auf Leinwand, 151,1 × 212 cm © Städel Museum, Frankfurt am Main, erworben 1910
Das Museum Barberini Potsdam widmet dem deutschen Impressionismus eine herausragende Ausstellung: Über 100 Werke, v. a. von Max Liebermann, Lovis Corinth, Max Slevogt und Lesser Ury zeigen die Vielfalt impressionistischer Malerei in Deutschland.
Was zählt zum deutschen Impressionismus?
Denkt man an den deutschen Impressionismus, fallen einem sofort Max Liebermanns Blumengarten-Gemälde ein. Doch wer hat schon sein großes Gemälde von „Simson und Delila“ gesehen? Es zieht die Blicke von weitem auf sich und ist einer der Höhepunkte der gegenwärtigen Ausstellung im Barberini.
In über 100 Werken aus mehr als 60 internationalen Sammlungen wird die Entwicklung des Impressionismus in Deutschland, inspiriert von der französischen Moderne, in seiner ganzen Bandbreite sichtbar: neben Max Liebermann, v. a. Lovis Corinth, Max Slevogt, Fritz von Uhde, Philipp Franck, Dora Hitz, Gotthardt Kuehl, Sabine Lepsius, Maria Slavona und ganz besonders Lesser Ury.
Thematisch kuratiert, ermöglicht die Ausstellung direkte Vergleiche bezüglich Motiven, Pinseltechnik, Farb-und Lichtstimmungen. Am interessantesten sind die pulsierenden Stadtansichten, lichtdurchflutete Freizeit- und Naturdarstellungen und die Kinderporträts.
Max Liebermann (1847- 1935 ) – Der Wegbereiter des deutschen Impressionismus
Als Präsident der Preußischen Akademie der Künste und der Berliner Secession setzte sich Max Liebermann über die engstirnigen Vorstellungen der kaiserlichen Kunstpolitik hinweg. Er selbst sammelte französische Impressionisten. Sie waren für ihn der Inbegriff der modernen Malerei und indem er sie in der Berliner Secession ausstellte, trug er maßgeblich zur Internationalisierung des Berliner Kunstbetriebs bei. Die Ausstellung „Max Liebermann und der Impressionismus in Deutschland“ ist eine Würdigung von Liebermanns Vermächtnis und rückt bislang weniger bekannte deutsche Impressionisten ins Bewusstsein.
Berlin in impressionistischen Nachtbildern
Durch die rapide Zuwanderung und Stadterweiterung entwickelte sich Berlin bereits vor 1871 zur modernen Metropole mit breiten Boulevards, künstlicher Beleuchtung, Gartenlokalen und sportlichen Freizeitaktivitäten. Am beeindruckendsten sind die magischen Nachtbilder von Lesser Ury (1861-1931). In seinen nächtlichen Straßenszenen wird das Licht über die atmosphärische Wirkung hinaus zum Protagonisten, indem es das Dargestellte narrativ verdichtet. Zwischen kühlem Straßenlampenlicht und orangefarbenen Autoscheinwerfern leuchtet gleichzeitig Geborgenheit und urbaner Entfremdung auf.
Straßenlampen lenken den Blick in die Weite der Nacht. Schaufenfensterlichter illuminieren die Boulevards. Menschenleer sind seine Szenarien bis auf eine zierliche, elegante Frau als Symbol der Einsamkeit. Die Limousinen hintereinander eng gereiht mit Lichtreflexionen auf der regennassen Fahrbahn lassen Berlins energetische Vorreiterrolle fühlbar werden.
Deutscher Impressionismus – hinaus in die Natur
Welch krasser Unterschied zu Max Liebermanns berühmten, lebensfroh durchsonnten „Biergarten in Laren“ (Holland, 1903) oder die Bilder von seinem Paradies am Wannsee! Gartenhäuschen, Blumen- und Nutzgarten, Wannseeterrasse und Birkenwäldchen waren in fast 200 verschiedenen Gemälden seine beliebtesten Motive. Auch für Lovis Corinth (1858- 1925) wurde die Blumenvielfalt zur wichtigen Inspirationsquelle. Blumenbeete verwandeln sich bei ihm in einen flirrenden Farbteppich, „Rote Nelken“ (1904) in der Vase vor dunklem Hintergrund zu exotischen Farbtupfern.
Je mehr Berlin wuchs, desto mehr drängten die Menschen nach draußen, in die freie Natur, zu den Seen, ans Meer. Der Ausbau der Eisenbahn ermöglichte breiteren Bevölkerungsschichten, an die Küste zu reisen, um unbeschwerte Sommertage zu erleben. Die gut Situierten flanieren in langen Kleidern am Strand entlang. Die Einheimischen genossen die Abkühlung im Wasser. Max Slevogts „Badende Knaben“ fängt einen wunderbar flirrenden Moment ein, als sich die Jungen unbekümmert, ohne sich abzutrocknen, ankleiden.
Theaterwelten aus impressionistischer Sicht
Das Theater, die Oper, auch die biblischen Geschichten mit ihren großen Gefühlen inspirierte um 1900 Max Liebermann, Max Slevogt und Lovis Corinth zu großen Künstlerporträts. Mit impressionistischem Pinselstrich und impressionistischer Lichtdramaturgie wurde Malerei zum Resonanzraum für die Neuerungen im Theater und Tanz. In verschiedenen Aufführungen ist Max Slevogts (1868-1932) Freund, Bariton Francisco d’Andrade, als „Don Giovanni“ zu sehen.
Museum Barberini: Impressionistische Kinderporträts
Final präsentiert die Ausstellung im Museum Barberini mit den „Kinderbildern“ noch ein besonderes Highlight, gemalt bis auf eine Ausnahme von Künstlerinnen. In der Gründerzeit wurde es im deutschen Bürgertum modern, die Kinder porträtieren zu lassen. Vorbilder waren die Kinderbilder von Mary Cassatt und Pierre-Auguste Renoir. Durch Sonnenlicht und impressionistischen Pinselstrich, Farb- und Hintergrundarrangement kommt die Natürlichkeit der Kinder wesentlich besser zur Wirkung als in den traditionellen Porträts. Sabine Lepsius (1864-1942) malt ihre Tochter „Monica“ (1902), die Beine untergeschlagen auf einem blauen Tuch auf dem Boden, was ihre kindliche Anmut sehr unterstreicht.
In jedem Raum gibt es Neues, noch nie Gesehenes zu bewundern. Man hat das Bedürfnis, ein zweites Mal ins Museum Barberini Potsdam zu kommen, um bestimmte Bilder noch einmal zu sehen.
FAQ
Warum lohnt sich ein Besuch im Museum Barberini?
In Sachen Impressionismus ist das Museum Barberini Potsdam die erste Adresse, wie auch schon „Der offene Blick. Der impressionistische Pissarro“ zeigte.Hier wird nicht nur ausgestellt, sondern auch Forschungsarbeit betrieben.
Was ist neu in der gegenwärtigen Sonderausstellung „Max Liebermann und der Impressionismus in Deutschland“?
Es werden neue Schwerpunkte wie Lesser Urys nächtliche Stadtbilder oder die Kinderporträts verstärkt in den Mittelpunkt gerückt. Wer sich für Impressionismus interessiert, sollte diese Ausstellung nicht versäumen.
Gibt es im Barberini auch eine Dauerausstellung?
Zeitgleich ermöglicht das Museum Barberini Potsdam durch einen Besuch der Dauerausstellung der „Impressionismus – Meisterwerke der Sammlung Hasso Plattner“ https://www.museum-barberini.de/de/ausstellungen/520/impressionismus einen Blick auf 115 impressionistische und postimpressionistische internationale Werke.
Infos zur Impressionismus-Ausstellung im Museum Barberini Potsdam
Dauer: | bis 7. Juni 2026
Öffnungszeiten: | täglich von 10 – 20 Uhr, dienstags geschlossen
Ticketpreise: | Erwachsene: 14 €, ermäßigt (Schüler, Studenten, Rentner 10 €
| unter 25 donnerstags ab 14 Uhr freier Eintritt
| Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren freier Eintritt
Bewertung |⭐⭐⭐⭐⭐















