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Lenbachhaus München – Ausstellung „Der Blaue Reiter“- Lohnt sich der Besuch 2026?

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Lenbachhaus München – Ausstellung „Der Blaue Reiter“- Lohnt sich der Besuch 2026?

Landschaftsskizze, Gabriele Münter, 1902 © Städtische Galerie im Lenbachhaus München

Warum wird „Der Blaue Reiter“ in München nie langweilig? Die Ausstellung zeigt einzigartige Klassiker und weniger bekannte Highlights. Das ist möglich, weil Lenbachhaus durch den umfangreichen Nachlass von Gabriele Münter ungewöhnlich viele expressionistische Bilder besitzt, die immer wieder neue Ausstellungen aus interessanten Perspektiven – „Über die Weit hinaus“ – ermöglichen. Münters Schenkung katapultierte…

das Lenbachhaus 1957 durch die weltweit größte Sammlung zum „Blauen Reiter“ in die Position eines Museums von Weltrang. „Der Blaue Reiter“ wurde für München das künstlerische Aushängeschild und ist es immer noch.

„Der Blaue Reiter“ – Gabriele Münter und Wassily Kandinsky

Junge Künstler:innen wollten Anfang des 20. Jahrhunderts in München die Kunst erneuern. Ihr Manifest wurde der Almanach „Der Blaue Reiter“. So hieß auch die erste Ausstellung 1911/12. Im wechselseitigen Dialog zwischen dem Deutschen Kaiserreich, Frankreich und dem Russischen Kaiserreich entstanden neue Bildsprachen. Gabriele Münter und Wassily Kandinsky, die beide in Murnau lebten, bildeten das kulturelle Zentrum, an dem andere Künstler:innen andockten.

„Über die Welt hinaus“ als Botschaft

Gemeinsamer Nenner der Erneuer:innen war, über die realistische Malerei hinaus das Wesentliche, Spirituelle und Emotionale zu zeigen. Franz Marc entwickelte dazu eine neue Farbtheorie weg vom realistisch verwendeten Farben, hin zu ihrer symbolischen Bedeutung. Gelb steht für das Sinnliche, Sanfte, Blau das Männliche, Geistige, Rot für das Materielle, Gewalt und Bedrohung. Seine „Blauen Pferde“ wurden weltberühmt. Marcs „Tiger“ auf Plakaten und Flyern signalisiert, was die Ausstellung intendiert: über das rein Sichtbare, „über die Welt hinaus“, wie es Else Lasker-Schüler 1911 formulierte, um das Verborgene zu entdecken.

Gabriele Münter: weltweit en vogue 

Wassily Kandinsky wurde berühmt. Gabriele Münter blieb in seinem Schatten. Im Rahmen von Gendergerechtigkeit werden Gabriele Münters Bilder gehypt und weltweit für Ausstellungen vom Lenbachhaus ausgeliehen. In München begeistern derzeit ihre Landschaftsstudien. Ein Bild am Wasser, vermutlich der Kochelsee, wo sie viel Zeit mit Kandinsky verbrachte, verrät schon 1902 die sich anbahnende Symbolik der Farben. Knallrot leuchtet ein kleines Haus als Symbol heimeliger Vertrautheit aus der leicht abstrahierten Landschaft heraus.

„Der Blaue Reiter“ in seiner Vielfalt

Mit über 240 Arbeiten eröffnet die Ausstellung neue Perspektiven auf eine der bedeutendsten Bewegungen der europäischen Avantgarde und zeigt, wie aktuell ihre Fragen nach Emanzipation, ästhetischer Praxis und gattungsübergreifenden Innovationen auch heute sind. Viele Bilder kennt man und trotzdem bewegen sie immer wieder. 

Besonders reizvoll wird der Besuch durch die Neuzugänge, durch die großformatigen abstrakten Kompositionen von Wilhelm Morgner oder, die sozialkritischen Werke von Emmy Klinker und Albert Bloch. 

Lenbachhaus: Ornamentale Kompositionen 

Wilhelm Morgner überwindet die gegenständliche Malerei durch ornamentale Kompositionen. Er löst Dinglichkeiten in dekorative, rhythmisierte Muster auf. Klare Umrisslinien füllt er mit flächigen Farben. Durch Wiederholungsstrukturen komponiert er die Bilder, in denen der innere Rhythmus der Bilder erlebbar wird.

Kafkaeske Stadtstimmungen

Emmy Klinker intensiviert in ihren Stadtansichten die Realität ins kontrastreiche, dunkle Expressive. Durch schräge Linien und verdichtete Formen macht sie kafkaeske Stimmungen und die Hektik der Städte spürbar. Man fühlt, wie das Menschliche auf der Strecke bleibt. 

Albert Blochs Bilder wandeln sich von expressiver Farbkraft, über kubistische Formveränderung zu gesellschaftskritischen Narrativen.

Zu sehen sind außerdem Arbeiten von Erma Bossi, Wladimir Burljuk, Heinrich Campendonk, Robert Delaunay, Elisabeth Iwanowna Epstein, Otto Freundlich, Maria Franck-Marc, Alexej von Jawlensky, Wassily Kandinsky, Paul Klee, Moissey Kogan, Alfred Kubin, Else Lasker-Schüler, August Macke, Jean-Bloé Niestlé, Alexander Sacharoff, Marianne von Werefkin und anderen.

Resümee:

Die Ausstellung im Lenbachhaus München ist auf jeden Fall einen Besuch wert, weil man im Detail immer neue Facetten des „Blauen Reiters“ erfasst, man neue Lieblingsbilder entdeckt und manche Bilder, die man besonders schätzt, immer wieder beflügeln. Für Menschen, die den „Blauen Reiter“ in München noch nicht gesehen haben, ist das Lenbachhaus die beste Gelegenheit ihn kennenzulernen. 

Infos

Dauerbis zum 15.09.27
Erste Etage in der Städtischen Galerie Lenbachhaus MünchenLuisenstraße 33
ÖffnungszeitenDi-So 10 – 18 Uhr, Do 10 – 20 Uhr, Mo geschlossen
Empfehlung⭐⭐⭐⭐☆