Landshut – Brechts „Der aufhaltsame Aufstieg des Arturo Ui“

Theaterkritik "Der aufhaltsame Aufstieg des Arturo Ui" präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

©Peter Litvai/Landestheater Niederbayern

 Allein durch  das  grandiose Bühnenbild (Uwe Niesig) und die Masken (Christina Dusch, Christian S. Kurtenbach) entwickelt sich von der ersten Minute an eine überaus spannende Szenerie, die durch  atmosphärische Sound-, Licht- und Feuereffekte, später durch dokumentarische Videoprojektionen gesteigert wird. 

Nach dem Gangstermilieu der USA hatte Bertolt Brecht 1941 im finnischen Exil seine Hitler-Parabel „Der aufhaltsame Aufstieg des Arturo Ui“ in 17 Szenen als episches Theater für eine Aufführung in New York geschrieben. Das Stück wurde abgewiesen und erst 1958 in Stuttgart uraufgeführt. Die Handlung wirkt inzwischen ziemlich altbacken, ist anderseits angesichts des derzeitigen politischen Rechtsextremismus wieder sehr aktuell. 

 Wegen einer Wirtschaftskrise stagnieren in Chicago die Geschäfte mit den Kohlköpfen. Der Karfioltrust sucht neue Absatzmärkte, will sich nicht auf die Hilfe von Druck und Gewalt des Gangsters Arturo Ui einlassen, sondern neue Kaianlagen bauen und hofft auf eine Stadtanleihe des angesehenen Politikers Dogsborough. Der lehnt ab, wird aber durch den billigen Kauf einer Reederei, vom Trust eingefädelt, Mitglied und Mitwisser des Trusts. Das Geld wird verschwendet, der Kai nicht ausgebaut, aber die Macht Arturo Uis. Er legt Häuser in Brand, um Schutzgelder zu  erpressen und giert schon darauf die  Vorstadt Cicero zu dominieren. Das gelingt ihm sogar mit freien Wahlen.

Regisseur Wolfgang Maria Bauer gelingt das Kunststück aus Brechts sehr konstruiertem Lehrstück, nicht zuletzt wegen des häufig verwendeten direkten Konjunktivs sehr gespreizten Sprachstils, eine mitreißende Parabel der Macht im Spannungsfeld zwischen christlicher Heilsgeschichte und kriminellem Kapitalismus zu entwickeln. 

Theaterkritik "Der aufhaltsame Aufstieg des Arturo Ui" präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

©Peter Litvai/Landestheater Niederbayern

Mit Reinhard Peer in der Hauptrolle  wird der „Aufhaltsame Aufstieg des Arturo Ui“ unaufhaltsam parodistisch gesteigert. Wenn er gehen, stehen und sitzen lernt,  aus der gekrümmten Beugehaltung mit gefalteten Rautehänden an Haltung gewinnt und gewichtig auf seinesgleichen thront, löst er jede Menge aktueller Assoziationen aus. Die Menschen im Umfeld,  managerlike, in Anzügen austauschbar, maximal nur noch durch Stimmfärbung oder Dialekt zu differenzieren, spiegeln unsere Zeit.

Mit Ursula Erbs charismatischer Aura und  Stimme, ihrer präzisen Artikulation wird der alte Dogsborough zur Lichtgestalt der Weisheit, die doch nicht vor der Gier der Kaptitalsvermehrung schützt. Als einziger erkennt er sein Schuldpotential. Alle zusammen werden Opfer der Macht. In  21 Rollen spielen Olaf Schürmann, Jochen Decker, Julian Ricker, Joachim Vollrath, Julian Niedermeier, Stefan Sieh Lukas Reinsch, Ella Schulz und Michaela Henze. 

 

 

 

 

„Wer nicht tot ist, lebt noch“, so Brecht und wer lebt, wird von Intrigen der Mächtigen getötet, so sein Stück, zuweilen unschuldig wie Jesus am Kreuz in der Intensivierung dieser Inszenierung. „Der aufhaltsame Aufstieg des Arturo Ui“ in Frage gestellt durch die Macht der Digitalisierung bleibt ausgespart.