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Sophia Hoffmann „Mein Tisch ist groß genug“ – Buchrezension

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Sophia Hoffmann „Mein Tisch ist groß genug“ – Buchrezension

„Mein Tisch ist groß genug“, Sophia Hoffmann © Leykam Verlag 2026

Sophia Hoffmann präsentiert ihr Restaurant HAPPA in Berlin-Kreuzberg – Buchrezension über die Freuden des Gastgebens, das Konzept eines perfekten Dinners, veganes Essen in kommunikativer Gemeinschaft, über Rituale und Rollenbilder 

Mit „Dinner und mehr. Einfach gutes Essen an einem besonderen Ort. 100% vegan“ wirbt Sophia Hoffmann auf ihrer Webseite für ihr Restaurant „HAPPA“ in Berlin-Kreuzberg. In ihrem neuen Buch „Mein Tisch ist groß genug“ erklärt sie das Konzepts dieses Restaurants.

„HAPPA“ – Essen als Erlebnis

Über dem Eingang eine Regenbogenfahne, im Lokal ein Raum mit großem Tisch, ein zweiter für Pärchen, der Blick in die Küche schafft sofort eine kommunikative und transparente Atmosphäre. Hier wird nicht zur gegessen, man lernt sich kennen. Die Köchin ist Gastgeberin im herkömmlichen Sinn. Sie will, dass sich ihre Gästen wohlfühlen, dass das Essen schmeckt und sich gute Gespräche entwickeln.

Sophia Hoffmann will noch mehr – herkömmliche Speisen weiterentwickeln, ausbalancierte vegane Geschmacksrichtungen kreieren. Wegen ihres persönlichen Genusses sollen Tiere nicht sterben. 

Nicht das Styling des Lokals steht im Vordergrund, sondern die Qualität des Essens, wobei sie kreativ für traditionelle Lieblingsgerichte vegane Varianten entwickelt. Dabei entstanden ganz spezielle „Signature Dishes“ wie „Reiberdatschi mit lila Sauerrahm“. Das Dinner serviert mit passender Musik in fröhlicher Runde macht ein Dinner im HAPPA zum nachhaltigen Erlebnis, gekocht von einem FLINTA-Team, das nicht wie im Fine-Dining-Bereich ständig unter Druck arbeitet. Sophia Hoffmann zeigt immer klare Kante. Situationen, die ins Aggressive kippen können, schaltet sie rigoros aus.

Rituale und Rollenbilder

Gleichzeitig reflektiert Sophia Hoffmann in ihrem neuen Buch, was wir von fremden Kulturen und deren Essritualen lernen können und wie stark Kochen und Küche männerorientiert sind. Männer kochten für Könige. Frauen wurden untergeordnete Aufgaben zugeteilt. Noch heute bekommen die Männer die Auszeichnungen, Frauen gelten als gut „am Gast“ möglichst in sexy Optik. Sophia Hoffmann arbeitet bewusst mit einem FLINTA-Team, d. h. alle Geschlechtsidentitäten sind willkommen. Sie lehnt Aufträge ab, die ihrer politischen Haltung von einer friedlichen inklusiven Welt widersprechen auch wenn sie dadurch finanzielle Nachteile hat.

Autobiografische Ich-Perspektive

Sophia Hoffmann schreibt in der Ich-Perspektive, in der sie als sehr selbstbewusste, kreative und lebensfrohe Persönlichkeit präsentiert, die sich ihr Können in der veganen Küche mangels adäquater Ausbildungsstätten autodidaktisch beigebracht hat. Sie kocht nicht nur sehr gut, sondern kann auch Menschen begeistern und für sich gewinnen, wie sie das immer wieder im Rückblick auf ihre Vergangenheit als Sängerin und DJ erwähnt.

Erzählstruktur

Den roten Faden „Mein Tisch ist groß genug“ bildet ihr Restaurant „HAPPA“. Dazwischen erzählt sie von Geschichten von ihren wichtigsten Lebensstationen vom spießigen München über die Weite Wiens, die sich nach fünf Jahren bequem, aber ausgelatscht anfühlte, bis ins raue Berlin der 2000er Jahre, wo sie sich vom Nachtleben als Sängerin und DJ verabschiedete und das Kochen und Schreiben zum Beruf machte. Sie reflektiert unterschiedliche Gastgebersitten, kritisiert die Vormacht der Männer in der Kochbranche, die Kapitalisierung und Militarisierung der Gesellschaft. Dabei zeigt sie klare Kante. Wenn die Chemie nicht stimmt, verzichtet sie auf Gäste, auch wenn finanzielle Einbußen damit verbunden sind.

„HAPPA“ ist ihr persönliches Gegenmodell zu Aggression und Hass. Der große Tisch ist Symbol für eine friedliche Kommunikation mit viel Empathie und Vertrauen. 

Lohnt sich das Buch?

In Zeiten von Fast Food im Gehen ist die Besinnung auf das gemeinsame Essen rund um den Tisch auf jeden Fall interessant, zumal Sophia Hoffmann auch einen Einblick hinter die Kulissen gewährt und das Bewusstsein für gutes Essen mit einem sozialen Miteinander verbindet. An ihrem großen Tisch findet jeder einen Platz.

Sie schreibt sehr unterhaltsam, bindet viele gesellschaftliche Themen mit ein und gibt final sogar einige Lieblingsrezepte preis. Man bekommt durchaus Lust auf ein Dinner im „HAPPA“. Insofern ist das Buch eine kluge Werbung.

Doch wer Genaueres über veganes Essen erfahren will, wird enttäuscht sein. 

Interessante Bücher zum Thema Essen sind:

Yael Adler „Genial ernährt! Klüger essen, entspannter genießen, besser leben“

Malte Rubach „Die größten plant-based Ernährungsmythen“

Sophia Hoffmann

Sophia Hoffmann hat zwei Leidenschaften: Schreiben und Kochen. Beides verbindet sie beruflich als Gastgeberin von Dinners und durch die Herausgabe von veganen Kochbüchern. Seit vier Jahren inszeniert sie in ihrem Restaurant „HAPPA“ in Berlin-Neukölln lukullisch atmosphärische Dinner mit drei oder vier Gängen. Essen ist für sie eine innere Haltung eng verbunden mit einer inklusiven Einstellung gegenüber ihren Gästen und einem Bewusstsein für Nachhaltigkeit, Klimawandel und Feminismus. 

Ihre beiden Bücher „Zero Waste Küche“ und „Die kleine Hoffmann, einfach intuitiv kochen“ wurden mit der Silbermedaille der Gastronomischen Akademie Deutschlands ausgezeichnet.

Info zum Buch „Mein Tisch ist groß genug“

Autorin:       | Sophia Hoffmann

Verlag:         | Leykam Verlag Graz Wien

Seiten:         | 160

erschienen:  | 24. Oktober 2026

Genre:          | Erzählung

ISBN:           | 978-3-7011-8411-8

Preis:           | 23m 50 €

FAQ

Wo findet man das Restaurant „HAPPA“?

In 10997 Berlin-Kreuzberg, Schlesische Straße 35 A

Was ist das Besondere an „HAPPA“?

„HAPPA“ wirbt mit gutem, 100-prozentigem veganen Essen an einem besonderen Ort. Essen wird in alter Gastgebertradition am großen Tisch zum kommunikativenErlebnis. Der Gast entscheidet bei der Anmeldung, ob er ein 3-Gänge- oder ein 5-Gänge-Menü wählt.

Wie sind die Preise?

Ein 3-Gänge-Menü kostet 40 €, ein 5-Gänge-Menü 65 €

Wann ist das „HAPPA“ geöffnet?

Dienstag bis Freitag mit 3-Gänge-Menüs

Samstag mit 5-Gänge-Menüs