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„Wenn es besser ist zu gehen“ von Carlotta Welding – Rezension zur Psychologie der Trennung

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„Wenn es besser ist zu gehen“ von Carlotta Welding – Rezension zur Psychologie der Trennung

„Wenn es besser ist zu gehen“ von Dr. Carlotta Weldings © Klett-Cotta-Verlag 2026

Carlotta Weldings „Wenn es besser ist zu gehen“ untersucht, was Paare trotz Entfremdung bindet. Eine kritische Buchrezension.

Carlotta Weldings „Psychologie der Trennung“ erklärt, warum Paare zusammenbleiben, Bindungsstile, Emotionstypen und die Zwei-Stühle-Methode. Sie gibt interessante Denkanstöße, manches wirkt allerdings schematisch und wiederholend. 

Bleiben oder gehen? Viele Paare trennen sich nicht, obwohl sie sich gegenseitig die Luft zum Atmen nehmen. Warum können sie nicht eigene Wege gehen, wenn der Alltag nur von Enttäuschung und Frustration, Tränen und Wut geprägt ist?

Wissenschaftlicher Hintergrund

In sieben Fragestellungen umkreist Emotionscoachin Welding die Psychologie der Trennung. Sie bezieht wissenschaftliche Studien mit ein, verweist im Anhang auf die Quellentexte und dokumentiert ihr profundes Wissen durch ein Register. Die grundsätzliche Frage ist für sie: Zerstört man etwas oder verändert man etwas zum Besseren?

Wann bekommt eine Beziehung Risse?

Voraussetzung für eine gute Beziehung sind Sympathie und Vertrauen, die Leidenschaft, sich zu berühren und das Commitment, sich zu einer Beziehung zu bekennen. Diese Basisbausteine sind im Stadium des

Verliebtseins gegeben. Aber in dieser Phase, Welding nennt sie „einen völlig unzureichenden Geisteszustand“, trügen die Wahrnehmungen oft. Vom 5. bis 10. Ehejahr wachsen die Enttäuschungen infolge unbefriedigter Erwartungen.

Wenn die Kosten-Nutzen-Berechnung, was man materiell und geistig in eine Beziehung investiert hat, immer mehr in Schräglage gerät, beginnt die Phase der Entfremdung. Es mehren sich die Konflikte um Dominanz und Unterwerfung. Aggression weicht der Resignation. Untreue verstärkt den Vertrauensverlust. Kompensationsverhalten wie Alkohol verschärft die gegenseitige Entfremdung. Eine wichtige Rolle spielen dabei auch die soziale Herkunft und religiöse Überzeugungen.

Wann beginnt die Trennung?

Wenn Genervtsein, Geringschätzung und innerer Rückzug das Zusammenleben dominieren, befindet sich das Paar bereits in der Phase der sozialen Entfremdung bzw. Trennung. Dieser Prozess kann allerdings Jahre dauern.

Für Welding ist es mit dem Ratschlag „Trenn dich doch einfach“ nicht getan. Die Ratgeberliteratur ist oft zu oberflächlich, denn unglückliche Beziehungen sind komplex. Für Welding ist entscheidend, dass man die Gefühle, die durch die Ehekrise explodieren, „aufdröselt“, dass man sie hinterfragt, neu gewichtet, priorisiert und transformiert. 

Allerdings macht, so Welding, bereits bei einer 65-prozentigen Unzufriedenheit eines Partners eine therapeutische Lösung keinen Sinn mehr.

Was sind Bindungsstile und Emotionstypen?

Anhand verschiedener Studien, von Fallbeispielen und Grafiken macht Welding deutlich, wie stark sich die Bindungsstile in der Kindheit und im Erwachsenenalter auf eine Beziehung auswirken. Aus sicheren Kindern werden entscheidungssichere Erwachsene. Genauso spiegeln sich „ängstliche“, „vermeidende“ und „chaotische“ Bindungsstile in der Kindheit in späteren Lebensphasen.

Von diesem Ansatz spannt Welding den Bogen zu den Emotionstypen der EFT, zur emotionsfokussierten Therapie, bei der die Klient:innen ihre Gefühle verstehen lernen. Primär adaptive Gefühle schützen, indem man sich zur Wehr setzt. Wenn diese plötzlich eskalieren, ist das ein Zeichen, dass „primär maladaptive“ Emotionen aus früheren Erfahrungen wie Abwertung, Scham, Angst vor dem Alleinsein plötzlich wieder auftauchen und das Handeln beeinflussen, obwohl sie gar nicht zur aktuellen Situation passen. Hier liegt nach Welding der Schlüssel eine Beziehung zu verbessern, indem man die eigenen Gefühle und mögliche utopische oder unrealistische Projektionen gegenüber dem Partner erkennt und sich selbst von den Ängsten und Abwertungen bisheriger Lebenserfahrungen befreit.

Was ist die Zwei-Stühle-Methode? 

Ausgehend von der Gefühlsanalyse über die EFT empfiehlt Welding die Methode des Zwei-Stühle-Dialogs, die man auch als Selbstcoaching durchführen kann. Man definiert zwei Stühle. Einer symbolisiert die Person, die man ist, der andere, die Person, die man  gern sein möchte. Durch den Wechsel der Stühle bzw. Rollen weitet sich die Perspektive und verändert sich die Wortwahl hin zu persönlicher Wertschätzung und zielorientierten, neuen Perspektiven. Mit derselben Methode kann man den Partner miteinbeziehen. Dieser „Beleuchtungswechsel“ ermöglicht einen neuen Blick auf dessen Gefühle. 

Alte oder neue Beziehung?

In einer Beziehung sind die Gefühle entscheidend. Sie sind wie ein Wegweiser. Werden sie nicht erfüllt, bekommt eine Beziehung Risse. Emotionale Verbindungen neu zu schaffen, ist das „Gegengift“ zur Entfremdung. 

Nach Welding kann aber auch eine neue Beziehung nur dann gelingen, wenn man nicht den alten Auswahlmustern verfällt. Intuitive Anziehung ist nicht immer das beste Auswahlkriterium. 

Was überzeugt, was weniger?

Für Menschen in Beziehungskrisen ohne Kinder ist das Buch eine gute Empfehlung. Ein Pluspunkt ist, dass Welding durch Grafiken und Fragebögen den Leser:innen ermöglicht, ihre persönliche Situation zu analysieren und vor allem ihre Emotionen besser zu begreifen.  

Durch die häufige Einbeziehung von Studien und fachlichen Kategorisierungen wirken manche Passagen allerdings etwas spröde oder wiederholend.

Was eindeutig zu kurz kommt, ist die Auswirkung einer Trennung auf die Kinder und ob bzw. unter welchen Bedingungen das Aufrechterhalten einer schwierigen Beziehung den Kindern zuliebe sinnvoll sein kann.

Bewertung: ⭐⭐⭐☆☆

Dr. Carlotta Welding

Dr. Carlotta Welding (*1984), studierte Linguistik in Bonn und Berlin, forschte zum Thema Gefühle und promovierte über „Gefühlsblindheit“ am Exzellenzcluster der FU Berlin. Als Emotionscoachin ist sie Expertin für Emotionen und verdrängte, vergessene, übersprungene, nicht gelebte Gefühle. Carlotta Welding ist verheiratet, hat vier Kinder und lebt mit ihrer Familie in Leipzig.

Infos zum Buch

Autorin:        | Dr. Carlotta Welding

Titel:             | „Wenn es besser ist zu gehen. Die Psychologie der Trennung“

Genre:          | Sachbuch

Ausgabe:      | Klappenbroschur 

Verlag:          | Klett-Cotta, Stuttgart 

erschienen:  | 14. März 2026, 1. aktualisierte und erweiterte Ausgabe

Seiten:          | 199 inklusive Anhang

ISBN:            | 978-3-608-96683-1

Preis:            | 18,00 €