Silke Müller „Wer schützt unsere Kinder? Wie künstliche Intelligenz Familien und Schule verändert und was jetzt zu tun ist.“

Buchrezension "Wer schützt unsere Kinder" präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

©Droemer Verlag, 2024

Silke Müller theoretisiert nicht. Sie schreibt aus der Perspektive ihrer Erfahrungen im Schulalltag. Sie sieht durchaus das Potenzial der KI, aber auch die Gefahren, denen Kinder und Jugendliche ausgesetzt sind. An drastischen Beispielen von Deepfakes aus dem Schulalltag zeigt sie, dass KI längst bei der Jugend angekommen ist und wie demütigend SchülerInnen über das Netz gemobbt werden. Vogel-Strauß-Politik hilft hier nicht. Unwissenheit muss durch Wissen ersetzt werden, und das gelingt nur durch intensive Fortbildung in allen Altersstufen einschließlich der Großeltern. Nur wer sich auskennt, kann das Manipulationspotenzial erkennen.

Trotz inhaltlicher Überschneidungen und Wiederholungen, teilweise bedingt durch eingefügte Interviews und Erfahrungsberichte, überzeugt Silke Müller durch klare Argumentation und ihre persönliche Betroffenheit. Zusätzliches Material ihrer Recherchen stellt sie via QR-Codes zur Verfügung.

Silke Müller verfällt nicht in Kulturpessimismus, sondern sieht die Chancen, die KI bietet. Es hat keinen Sinn, soziale Netzwerke und KI zu dämonisieren, vielmehr müssen Kinder und Jugendliche gestärkt werden, eine werteorientierte Haltung zu entwickeln, um die positiven Möglichkeiten zu nutzen und in einer zunehmend digitalisierten Welt bestehen zu können. Wichtig ist, die Manipulationsgefahren und die vorgespiegelten perfekten Welten zu durchschauen und nicht durch Medienkonsum zu vereinsamen.

Silke Müller plädiert für eine verantwortungsbewusste Erziehung im Umgang mit KI und fordert von Eltern und LehrerInnen, sich fortzubilden, von der Politik ein transparenteres Vorgehen durch klare Regeln, unmissverständliche Gesetze und Bestrafungen.

Sie untermauert ihre Argumente durch die Ansichten von Experten und stellt interessante Projekte vor. Vieles ist bereits bekannt, aber realisiert wurde bislang kaum etwas. Angefangen von der Vorbildfunktion der Eltern über die fehlende Medienerziehung in den Schulen bis zur mangelnden Durchsetzungsfähigkeit ethischer Regeln und einer klaren Gesetzgebung durch die Politiker.

Zum Schluss fasst Silke Müller ihre praktischen Vorschläge übersichtlich zusammen. Ein Beispiel dafür, was möglich ist, zeigt die Initiative „DigitalSchoolStory“. Kinder und Jugendliche müssen durch kritisches Hinterfragen eine werteorientierte Haltung gewinnen, damit sie wissen, wofür sie im Leben stehen.

Angesichts der globalen Vernetzung und der damit verbundenen Manipulationsmöglichkeiten über Deepfakes ist der bildungspolitische Föderalismus längst ein hinderliches Auslaufmodell. Man stelle sich nur vor, jedes Bundesland hätte eigene Verkehrsregeln.

Silke Müller ist Schulleiterin in Niedersachsen und seit 2021 erste Digitalbotschafterin ihres Landes. Sie kämpft für eine ethische und demokratische Werteerziehung in einer zunehmend digitalen Welt.

Silke Müller: „Wer schützt unsere Kinder“, Droemer Verlag, München 2024, 215 S.