Pedro Almodóvar „Bitteres Fest“ © StudioCanal Deutschland
Pedro Almodóvars „Bitteres Fest“ ist ein autofiktionales Melodram über kreative Erschöpfung, Alter und die Frage, wie weit ein Künstler das Leben anderer für seine Kunst verwenden darf.
Almodóvar reflektiert in „Bitteres Fest“ seine persönliche Problematik als alter, erfolgreicher Filmregisseur, der einen neuen Film machen möchte. Inspiriert vom Privatleben seines Umfeldes verschwimmen Fiktion und Realität.
Was tun, wenn private Probleme die Kreativität blockieren, wenn Freundschaften und Liebesbeziehungen, Krankheit und Tod es unmöglich machen, an einem Drehbuch zu schreiben? Genau damit beschäftigt sich Pedro Almodóvars neuer Film „Bitteres Fest“.
„Bitteres Fest“: Raffinierte Konzeption
Pedro Almodóvar verknüpft zwei Handlungsebenen, in denen sich drei Gedankenstrukturen spiegeln. Die Personen des Spielgeschehens entpuppen sich aber Schritt für Schritt als fiktive Figurenkonstellation des Filmregisseurs Raúl Rossetti, der nach einer unfreiwilligen kreativen Schaffenspause endlich wieder an einem neuen Drehbuch arbeiten möchte. Wie soll er einen neuen Film kreieren, wenn der Funke fehlt? Den entzündet seine langjährige Lektorin, als sie ihren Job kündigt, um sich um ihre Freundin und deren krankes Kind zu kümmern. Unschwer ist Raúl als Alter Ego Almodóvars zu erkennen.
„Bitteres Fest“ – zwei Handlungsebenen – fiktiv und real
Der Clou ist, dass Raúl (Leonardo Sbaraglia), inspiriert von dieser realen Geschichte, sein neues Drehbuch mit dieser fiktiven Konstellation beginnt und damit Realität und Fiktion immer ineinanderfließen. Raúl wird dabei zum Alter Ego Almodóvars, wodurch sich eine dritte, rein gedankliche Ebene des Films eröffnet.
Die Filmregisseurin Elsa (Bárbara Lennie) leidet unter extremen Migräneattacken. Das Gewitter draußen, findet auch in ihrem Hirn statt, weil sie ihre Probleme durch intensive Arbeit in der Werbebranche überdeckt – den Tod der Mutter und die Erkenntnis, dass ihr angeblicher Kultfilm nur im Bewusstsein einer kleinen Fangemeinde vorhanden ist. Nach einer Panikattacke nimmt sie sich mit ihrer Freundin in Lanzarote eine Auszeit. Ihre Kreativität kehrt zurück. Sie will wieder einen Film machen und arbeitet am Drehbuch.
Dazwischen muss sich Raúl mit der Kritik auseinandersetzen, seine Freunde zu instrumentalisieren und die männlichen Figuren nicht adäquat auszuarbeiten und damit zu degradieren. Raúl arbeitet sein Skript um. Der Schluss bleibt offen.
Almodóvars typische Filmelemente
Almodóvar bleibt sich auch in „Bitteres Fest“ stilistisch treu. Der Film chargiert zwischen skurriler Komödie, kritischer Selbstreflexion und einem an Kitsch grenzenden Melodram, das durch den sich immer häufiger wiederholenden Soundtrack noch verstärkt wird.
Starke, durchaus widersprüchliche, am Ende ihrer Belastbarkeit stehende Frauen dominieren wieder das Spielgeschehen. (Aitana Sánchez-Gijdón) wird in roten Kleidern in immer neuen Designs und roten Autos zum energetischen Mittelpunkt. Sie ist eine extrem selbstbewusste, aber auch sehr empathische Frau, die genau weiß, was sie will, was zu ihr passt, genauso wie Elsa (Bárbara Lennie) ihr Ebenbild auf der realen Ebene.
Die Männer bleiben konturlose Randfiguren. Mónicas Freund Bonifacio (Patrick Criado) ein Feuerwehrmann, eröffnet zwar als Freizeitstripper einen sehr amüsanten Blick auf dieses Gewerbe, aber sein Schicksal bleibt final ebenso offen wie das von Raúls Freund Santi (Quim Gutiérrez). Beide werden von ihren Lebenspartnern nur für eigene Ego instrumentalisiert.
Fazit zu Almodóvars „Bitteres Fest“
„Bitteres Fest“ ist deutlich ein Alterswerk, das um die grundlegenden Frage kreist, wie man als erfolgreicher Filmregisseur noch gute Filme machen kann, ohne die Persönlichkeitsrechte des sozialen Umfeldes zu verletzten. Pedro Almodóvar beweist, dass er es noch kann, wenn auch – dem Alter geschuldet – wesentlich ruhiger und melancholischer als in seinen anderen Filmen.
Lohnt sich der Film?
Für Almodóvar-Fans ist „Bitteres Fest“ auf jeden Fall eine Empfehlung. Wer seinen Stil nicht kennt und aufgeschlossen für Neues ist, kann in diesem Film einiges entdecken. Wer einen konventionellen Spielfilm mit viel Action und erwartet, wird enttäuscht sein.
Infos zum Film:
| Künstlerisches Team: | Drehbuch, Regie: | Pedro Almodóvar |
| Chef-Kameramann | Pau Esteve Birba | |
| Künstlerische Leitung | Isabel Peiado | |
| Kostüme: | Paco Delgado | |
| Chef-Cutter | Teresa Font | |
| Soundtrack | Alberto Iglesias | |
| Mit: | Bárbara Lennie, Leonardo Sbaraglia, Aitana Sánchez-Gijón, Victoria Luengo, Patrick Criado, Milena Smit, Quim Gutiérrez, Rossy de Palma u. a. | |
| Genre: | Spielfilm | |
| Produktionsland: | Spanien | |
| Originalsprache | Spanisch | |
| Originaltitel | „Amarga Navidad“ | |
| Verleih: | Studiokanal Deutschland | |
| Dauer | 1 Std. 51 Min. | |
| In deutschen Kinos: | 30.07.2026 | |
















