"Kultur macht glücklich"


„La Graciosa – Kanarische Träume“ – Filmkritik zum Dokumentarfilm von Karin Karger und Dirk Szuszies

Veröffentlicht am:

von

„La Graciosa – Kanarische Träume“ – Filmkritik zum Dokumentarfilm von Karin Karger und Dirk Szuszies

„La Graciosa – Kanarische Träume“, Dokumentarfilm von Karin Kaper und Dirk Szuszies © Karin Kaper Film 2026

„La Graciosa – Kanarische Träume“: Dokumentarfilm über den Wandel der kleinsten kanarischen Insel vom Fischerdorf zu Touristeninsel, Authentizität, sozialen Zusammenhalt und eine faszinierende Landschaft

Hellblauer Wellenschlag, vulkanische Urlandschaft, fast menschenleer – ein atmosphärischer Traum, der durch Sonne, Tageszeit, Jahreszeiten in immer neuen Facetten erlebt werden kann. Das bietet La Graciosa, die kleinste der Kanarischen Inseln.

Viele Menschen träumen von so einer kleinen ruhigen Insel, in der sie von ihrem hektischen Alltag abschalten können. Bis vor einigen Jahren konnten sich Karin Kaper und Dirk Szuszies diesen Traum zwei- oder dreimal pro Jahr in La Graciosa erfüllen. Dann blieben sie ein ganzes Jahr, um die Geschichten der Bewohner:innen zu hören und sie weiterzuerzählen.

La Graciosa: gefilmt, fotografiert und erzählt

Ganz traditionell erzählt Karin Kaper in groben Zügen den Wandel d erFischerinsel zur Touristeninsel. Immer wieder blendet sie die menschenleere Landschaft ein, die La Graciosa so reizvoll macht. Fotografiert hält sie außerordentliche Motive wie Formationen von Wellenbrechern für ein, zwei Sekunden fest. Immer wieder lässt sie die Einwohner zu Wort kommen, die mehrheitlich den Tourismus begrüßen, weil er Arbeitsplätze bietet und Wohlstand bringt.

La Graciosa – wie es war

Das einzige Dorf, Caleta del Sebo, ausgenommen, steht die ganze Insel unter Naturschutz. Ursprünglich lebten 150 Menschen allein vom Fischfang, bedingt durch die gute Lage zu den Fischfanggebieten im Westen von Afrika und vom Salzabbau auf Lanzarote. Die Männer fischten. Die Frauen suchten nach den Ködern. Die Kinder hatten viel Freiraum zum Spielen. Man arbeitete und feierte zusammen.

In den 1960er Jahren entdeckten nur einzelne Individualisten auf La Graciosa ihr Paradies. Sie lebten ausschließlich in Zelten, holten das Wasser wie die Dorfbewohner aus der Zisterne und genossen die Ruhe und die neu entstehenden Kontakte. 

Heute eine Tourismusinsel

Der Tagestourismus hat viel verändert. In Caleta del Sebo leben inzwischen 720 Menschen. Die meisten arbeiten jetzt im Tourismus, allein auf den Booten 120. Hotels wurden über die Dorfgrenze hinaus in das Naturschutzgebiet gebaut. Doch wenn ein Problem ansteht, dann stehen die Menschen noch immer zusammen.

Es gibt Demonstrationen, wenn naturschützende Maßnahmen den Tourismus einengen, beispielsweise der Strand oder die Durchfahrt mit Jeeps im vulkanischen Gelände gesperrt werden sollen.

Für die Menschen auf La Graciosa ist durchaus ein Traum in Erfüllung gegangen. 

Mancher Tourist möchte bleiben. Ein einsames Haus außerhalb des Dorfes stand zum Verkauf. Der Preis war zu hoch. Mit „Nicht jeder Traum kann in Erfüllung gehen“ endet der Dokumentarfilm melancholisch.

Lohnt sich der Film?

„La Graciosa – Kanarische Träume“ ist ein ruhig erzählter Film, ohne neue Erkenntnisse. Interessant ist er insofern, als er die Insel in ihrer Schönheit ins Bewusstsein rückt und exemplarisch zeigt, wie der Tourismus das zu zerstören droht, worauf er gründet. In derartig kleinen Dimensionen kommt der Aida-Effekt sehr intensiv zur Wirkung: geballter Massentourismus, wie man ihn eben nicht mehr haben will.

Mit ihrem Inselporträt fördert Karin Kaper das, was sie im Film bedauert, den Verlust der Authentizität und der Ruhe. Neue Erkenntnisse bringt der Film nicht.

Bewertung: ⭐⭐⭐☆☆

Karin Kaper und Dirk Szuszies

Karin Kaper und Dirk Szuszies sind unabhängige Berliner Kinodokumentarfilmer. Mit „Wir sind Juden aus Breslau“ und „Walter Kaufmann – Welch ein Leben!“ stellten sie sich entschieden gegen Antisemitismus und rechtsradikale Strömungen. Ihr Dokumentarfilm „La Graciosa“ ist ein langjähriges Herzensprojekt.

Empfehlenswerte Dokumentarfilme 2026 mit großartigen Landschaftsbildern  sind

  • „Unwelcomed“- Venezolanische Flüchtlingsströme in Chile“
  • „Tracing Light“ über die Magie des Lichts
  • und Sandra Wollners experimenteller Spielfilm „Everytime“.

Infos zum Dokumentarfilm „La Graciosa“ – Kanarische Träume“

Künstlerisches Team:Karin Kaper, Dirk Szuszies
Mit:Inselbewohnern und Touristen
Sprache:Spanisch mit deutschen Untertiteln
Weltpremiere:30. September 2026 in Barcelona, Filmfestival Travel Film Awards
Deutscher Filmstart:15. Oktober .2026
FilmverleihKarin Kaper Film
Dauer:15 Min.