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„Zeppelin und Karpfen“ von Hannah Mann – Buchrezension zum Debütroman 

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„Zeppelin und Karpfen“ von Hannah Mann – Buchrezension zum Debütroman 

„Zeppelin und Karpfen“, Hannah Mann © Aufbau Verlag 2026

Hannah Manns Debütroman „Zeppelin und Karpfen“ – Buchkritik eines Familienporträts über drei Generationen, Erinnerung, Freiheit und persönliche Souveränität

Hannah Manns Debütroman „Zeppelin und Karpfen“ erzählt von einer Familie mit osteuropäischen Wurzeln im West-Berlin des Jahres 1988. Im Zentrum des Drei-Generationen-Romans stehen Erinnerung, Migration, Freiheit und der Wunsch nach einem selbstbestimmten Leben.

Mitten im tristen Berliner Winter lässt Hannah Mann ihre fiktive Familiengeschichte beginnen. Schritt für Schritt weitet sie die Perspektiven auf drei Generationen, die Nachbarn und Freunde. Man denkt an Mannsche weitschweifige Erzählfreude. Doch Hannah Mann, Urenkelin von Heinrich Mann, überrascht durch ein überschaubares Geschehen, eine sachlich beobachtende Erzählweise, selbst in atmosphärischen Momenten. Was verbindet Zeppelin und Karpfen?

Hannah Manns Familienporträt

In nur sieben Tagen breitet Hannah Mann ihre fiktive Familiengeschichte aus. Suzanna erzählt in der Ich-Form vom grauen Alltag ihrer kleinbürgerlichen Familie in West-Berlin, von der Tochter Daria mit einem Faible für Ufos und ihrem Mann Arthur, der den Sprung in die künstlerische Selbstständigkeit wagt. Wanda, ihre Freundin, kommt mit ihrem Mann Peter immer wieder zu Besuch. Was hat das alles mit dem Titel zu tun?

„Zeppelin und Karpfen“

Erst durch die Besuche bei den Großeltern erschließt sich der Titel. Opa geht gern wie einst in der russischen Heimat fischen und Oma Nina liebt Zeppeline über alles. Als sie plötzlich verschwindet und die Polizei nichts unternehmen will, macht sich Suzanna mit ihrem Vater und Daria anhand eines Fotos mit einem Zeppelin und der Oma als Kind auf die Suche.

Hannah Manns Erzählstil – Nüchtern, detailliert, fotografisch

Die Geschichte ist einfach, gewinnt aber durch Hannah Manns sachliche, detaillierte Erzählweise eine ungewöhnliche Plastizität. Während Suzanna die Vergangenheit, insbesondere Warschau als rußig, schmutzig und lärmend in Erinnerung hat, schwelgt die Mutter in russischer Nostalgie und kann sich mit dem Leben in Deutschland kaum anfreunden. Tochter Daria kompensiert ihre heimlichen Sehnsüchte durch imaginäre Ufos, die ihr helfen, schwierige Situationen zu meistern.

Mit fotografischer Nüchternheit und Präzision erzählt Hannah Mann, was innerhalb einer Woche alles passiert. Wie in einem Film mit harten Schnitten reiht sie die Szenen aneinander und überlässt es den Leser:innen, die Szenen weiterzuentwickeln.

Die Freiheit 

Als die Oma plötzlich verschwindet, bekommt die Geschichte Tiefgang. Angesichts der rigiden Grenzkontrollen bei der Fahrt durch die DDR rückt Hannah Mann die Frage nach der Freiheit in den Mittelpunkt. Für Arthur ist Freiheit, sich nicht rechtfertigen zu müssen, abwesend sein zu dürfen, ohne dafür sanktioniert zu werden. Die Großmutter versucht auszubrechen, um in der Vergangenheit Versäumtes nachzuholen. Suzanna besitzt die Fähigkeit, den Freiheitsdrang der anderen zu akzeptieren, selbst die Flucht ihrer Tochter in imaginäre Welten.

Gleichzeitig leuchtet immer wieder auf, wie Übergriffigkeit und Machtsucht anderer Menschen die Freiheit einengen, egal in welcher Zeit und in welchen Systemen.

Fazit zu „Zeppelin und Karpfen“

Hannah Mann gelingt es durch ihren nüchternen Erzählstil in Kombination mit konkreter geografischer Verortung und den märchenartigen Phantasien eines Kindes ein alltägliches Familienporträt so plastisch darzustellen, dass man beim Lesen sein eigenes Drehbuch entwickelt. Was sich festhakt, ist die Souveränität, mit welcher Zielstrebigkeit drei Frauen unterschiedlicher Generationen ein selbstbestimmtes Leben zu realisieren versuchen. Man darf auf den nächsten Roman von Hannah Mann gespannt sein.

Lohnt es sich, „Zeppelin und Karpfen“ zu lesen?

Für Leser:innen, die Freude an realistischen Alltagsgeschichten haben oder sich gerne auf neue Autor:innen einlassen, ist der Roman mit Sicherheit eine Empfehlung, nicht zuletzt auch deshalb, weil Hannah Mann mit Thomas Mann als Urgroßonkel neugierig macht.

Wer mehr an emotionalen, spannenden Geschichten über aktuelle Themen interessiert ist, wird enttäuscht sein.

Interessante, sehr unterschiedliche Romane sind Samantha Harveys „Umlaufbahnen“, Annette Mingels „Evas Tochter“ oder Katja Kruckebergs „Der Japanische Garten“.

Bewertung: ⭐⭐⭐⭐☆

Hannah Mann:

Hannah Mann studierte Politikwissenschaften und fand erst nach einer Karriere in Start-ups und mit ersten Kurztexten den Mut einen Roman zu schreiben. Der Grund war ihre Abstammung von der Familie Mann. Thomas Mann war ihr Urgroßonkel. Der Status, die Urenkelin von Heinrich Mann zu sein, ist Licht und Schatten, hemmte und förderte die Energie zu schreiben. Wie Hannah Mann dann doch zu ihrem Debütroman kam, beschreibt sie in ihrem Essay „Oh, Mann!“ (ZEIT-Magazin)

Infos zu „Zeppelin und Karpfen“ von Hannah Mann

Genre:        | Roman

Verlag:        | Aufbau Verlage GmbH in Berlin

Seitenzahl: | 238

ISBN:          | 978-3-351-04297-4

Preis:          | 24 €