©Harald Hauswald
Die Wanderausstellung „Voll der Osten“ begeistert seit 2018. Jetzt ist sie in Nordhausen im Museum „Flohburg“ bis zum 17. Mai 2026 zu sehen. Fotograf Harald Hauswald und Texter Stefan Wolle hinterfragen das „Leben in der DDR“. Welche Klischees stimmen? Welche Emotionalitäten sind…
seit der Wende völlig untergegangen? Gefördert von der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur und von der Fotografie-Agentur OSTKREUZ ist die „Voll der Osten“ ständig unterwegs.
DDR Ausstellung in Nordhausen
Auf 20 unterschiedlichen Thementafeln visualisieren 100 Fotografien Schlüsselbegriffe wie Verfall, Widerspruch, Underground, Traurigkeit, Rebellion, Freiheit, Neugier, Liebe oder Zärtlichkeit. Es sind schlichte Schwarz-Weiß-Fotografien, in denen sich die Grundfarbe Grau zur Metapher für das Leben der DDR-Bürger verdichtet.

Harald Hauswald: Fotos DDR-Alltag
In den 1980er Jahren zog Harald Hauswald (1954 in Radebeul) durch Ost-Berlin und fotografierte, was ihm im DDR-Alltag vor die Linse kam. Ihn interessierten Menschen auf der Straße, junge, alte, verliebte, einsame, rebellische und engagierte. In ihren Gesichtern und in ihrer Haltung spiegeln sich ihre Emotionen oft resigniert, selten voller Hoffnung. Ein Paar, das sich auf einem Parkplatz voller Trabis liebevoll umarmt, vermittelt wortlos die Diskrepanz, wie alleingelassen und entindividualisiert sich die Bevölkerung vom DDR-System fühlte.
Das Regime war von Harald Hauswalds Fotografien wenig begeistert, auch wenn einer der Grundsätze des Sozialistischen Realismus forderte: „Im Mittelpunkt steht der Mensch“. Harald Hauswald bekam für seine Fotografien keine Auszeichnungen, sondern Ärger mit der Obrigkeit.
Stefan Wolles reflektierende Texte
Die Ausstellung „Voll der Osten“ zeigt, dass auch der Buchautor und Historiker Stefan Wolle, der 1950 in Halle geboren wurde, ähnliche Erfahrungen machte. Wegen kritischer politischer Äußerungen musste er die Humboldt-Universität in Ost-Berlin ein Jahr lang verlassen, um sich in der Produktion zu bewähren. Seine Texte zielen ebenfalls auf die Menschen und auf das, was die Menschen trotz autoritärer Regime zusammenhält. Selbst im Verfall, dem die Bausubstanz in der DDR preisgegeben wurde, entdeckt er dokumentarisch bedeutsames Material, weil an den Fassaden Namen von Besitzern, Gewerben oder politische Parolen wie „Hitler verrecke!“ erhalten blieben. An anderer Stelle sinniert Stefan Wolle über „Ohne Widerstand kein Leben“. Ein Grundsatz, den die DDR mit „Im Sozialismus sind alle Widersprüche überwunden“ kolportierte.
„Voll der Osten – das Leben in der DDR“: Wanderausstellung
30 Jahre später sind diese Fotografien eine bedeutsame Dokumentation über die Frustrationen und Sehnsüchte der einstigen DDR-Bürger. Die Fotografien und Texte unterstreichen, worauf es letztendlich ankommt, auf den Zusammenhalt der Menschen, auf die Zärtlichkeit und den Respekt füreinander. Es sind zeitlose, bewegende Bilder, die nicht nur in autoritären Systemen erlebbar sind. Das Liebespaar 1984 im U-Bahn-Schacht könnte genauso gut in Berlin-West oder Paris fotografiert worden sein.
Hauswald-Ausstellung als Warnung für die Gegenwart
Angesichts der politischen Entwicklung gewinnt die Wanderausstellung noch mehr an Bedeutung, weil sie zeigt, wie es damals in der DDR gewesen ist, und sie ein Bewusstsein entwickelt, dass es auf keinen Fall wieder so werden soll.
Bildungseinrichtungen haben die Möglichkeit, die Ausstellungsunterlagen als Poster-Set im DIN-A1-Format für die schulische und außerschulische Bildungsarbeit anzufordern. (www.bundesstiftung-aufarbeitung.de/de/vermitteln/ausstellungen/voll-der-osten).











