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John Crankos berühmtes Ballett „Onegin“ an der Staatsoper München – 16.03.2026 – Ballettkritik

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John Crankos berühmtes Ballett „Onegin“ an der Staatsoper München – 16.03.2026 – Ballettkritik

©Bayerisches Staatsballett

278-mal aufgeführt und immer noch begeistert John Crankos berühmtes Ballett „Onegin“. Seit 1972 ist die Inszenierung im Repertoire des Bayerischen Staatsballetts und verzaubert das  Publikum. Wie ein…

Märchen konzipierte Cranko Alexander Puschkins Geschichte von der schüchternen Tatjana, die sich in den arroganten Dandy Eugen Onegin verliebt und von ihm despektierlich abgewiesen wird.  Onegin zerreißt ihren Liebesbrief. Am Schluss zerreißt sie seinen. Onegin blickt auf ein gescheitertes Leben zurück. Lensky, seinen besten Freund, erschoss er im Duell, nachdem er ihm seine Braut Olga, Tatjanas Schwester, ausspannen wollte. Zehn Jahre später sucht er wieder den Kontakt zu Tatjana. Sie entscheidet sich für ihren Mann, obwohl sie Onegin immer noch liebt. 

Bayerisches Staatsballett präsentiert John Crankos romantische Inszenierung

Diese Geschichte inspirierte Cranko zu einer seiner berühmtesten Choreografien. Vor romantischen, russisch geprägten Bilderbuchkulissen entwickelt Cranko ein Feuerwerk von  hingebungsvollen Pad de deux und folkloristisch angehauchten Gruppentänzen, in denen auch Eltern und Großeltern mittanzen dürfen. Klassisches Ballett höchster Professionalität innoviert  und revolutioniert Cranko durch empathische Emotionalität. Hier wird nicht nur getanzt, sondern mit jeder Bewegung, Drehung und Hebung gefühlt. Die Tänzer:innen springen und schweben vor  Euphorie.

Elisabeth Tonev – hinreißendes Rollendebüt als Tatjana

Wunderbar zart und ausdrucksstark gelingt Elisabeth Tonev das Rollendebüt Tatjanas vom schüchternen Mädchen zur reifen, werteorientierten Frau, die weiß, worauf es im Leben ankommt. Zunächst völlig unsicher, angespannt bei jeder Hebung beflügelt sie die aufkeimende Liebe in einer nächtlichen Traumsequenz zu einem leidenschaftlichen Pas de deux mit Onegin. Am Schluss erwehrt sie sich dessen leidenschaftlichen Verführungskünsten. Onegin bezahlt seine Arroganz mit Einsamkeit.

Jakob Feyferlik tanzt Onegin mit toxischer Aura

Seit 2024 tanzt Jakob Feyferlik, Erster Solist des Bayerischen Staatsballetts, mit magischer, zuweilen dämonisch toxischer Aura Onegin, diesen erhabenen Einzelgänger. Sobald er auftritt, verdüstert sich die Stimmung, werden Unstimmigkeiten erlebbar, verblasst das fröhliche Umfeld, jagen zuweilen tanzende Paare hinter einem Gazevorhang über die Bühne, die wie filmische Erinnerungseffekte an freudvollere Tage wirken. In den grandiosen Pas de deux mit Elisabeth Tonev kulminiert die Leidenschaftlichkeit in fulminanten Hebungen, Drehungen.

„Onegin“ – immer noch mitreißendes Erzählballett an der Staatsoper München

„Onegin“ ist an der Bayerischen Staatsoper nicht nur in jeglicher Hinsicht ein vollkommen ästhetisches Erzählballett, sondern eine mitreißende, emotional auslotende Charakterstudie, die durch Tschaikowkys Musik, arrangiert von Kurt-Heinz Stolze, unter der musikalischen Leitung von Marc Leroy Calatayud sehr kraftvoll und romantisch die Tänze unterstreicht. 

Den lebensfrohen Part übernehmen Violetta Keller (Olga) und Julian MacKay (Lensky). Sie brillieren durch euphorische Tanzleidenschaft. Einmal ist nicht genug, mehrmals hintereinander wiederholen sie schwierigste Hebungen und Drehungen im völligen gegenseitigen Vertrauen. Dazwischen zeigt das Ensemble in immer neuen choreografischen Linien, wie stark das Tanzen im Volk verwurzelt ist, selbst die alten Menschen dürfen mittanzen und die Liebespaare finden sich beim Tanzen. 

Für die nächste Vorstellung von „Onegin“ am 30. März 2026 im Rahmen der Ballettfestspielwoche gibt es noch einige Restkarten.