Vorankündigung – „Heartland“ – ein Album von Schauspieler James Newton  als Livestream im Metropoltheater München  

"Heartland" James Newton präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

„Dieses Album ist ein Versuch der Kommunikation, wenn Worte nicht mehr ausreichen.“ So kündigt James Newton sein Album „Heartland“ an.
James Newton, Schauspieler, Musiker, Ensemblemitglied im Münchner Metropoltheater, wurde bekannt durch „Ach, diese Lücke, diese entsetzliche Lücke“, eine Produktion, die mit dem Monica-Bleibtreu-Preis ausgezeichnet wurde.
Nach dem Tod seiner Mutter im Juli 2019 begann James Newton Songs zu schreiben, um nach dem großen Verlust seine Sprache wieder zu finden…

Wird Tourismus anders?

Nachhaltiger Tourismus durch Wettbewerb präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

Nur weg, egal unter welchen Umständen! Das Beispiel Mallorca zeigt einmal mehr, wie wichtig es den Menschen ist wegzufahren, doch genauso wie wenig Versprechungen für sicheres Reisens in Zeiten der Pandemie gewährleistet werden können. Die Tourismusbranche sucht nach kreativen Konzepten. Ob sich Tourismus nach der Pandemie im Hinblick auf Nachhaltigkeit tatsächlich ändert, wie immer wieder gefordert und verkündet wird, bleibt mehr als  fraglich, aber zumindest das Ziel. Deshalb wurde 2019 ein internationaler Wettbewerb für Innovation und Nachhaltigkeit in der Reisebranche eingerichtet. Der diesjährige „Social Entrepreneurship Competition in Tourism“ wird neben der Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde und Travel Massive auch von der TUI Care Foundation, der UNWTO, der Social Innovation Academy SINA aus Uganda und der ITB Berlin unterstützt. Dass es der einzige Wettbewerb in der Tourismusbranche mit globalem Fokus ist, zeigt, wie wenig Wert bislang auf neue Konzepte gelegt wurde…

München  –  Rossinis Einakter „Il Signor Bruschino“ als XVIII. Montagsstück 

Opernkritik "Il Signor Bruschino" in Münchner Staatsoper präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

Das Orchester in kleiner Besetzung auf der Bühne, davor ein paar Requisiten genügen Regisseur Rosenmüller Rossinis Einakter „Il Signor Bruschino“ in Szene zu setzen. Er setzt auf Stummfilmoptik, lässt schwarz-weiß streamen, und inszeniert in Manier eines improvisierten Stegreifspiels, ganz nach dem opernimmanenten Motto „Lasst der Komödie ihren Lauf“, einen sehr ausgestellten und burlesken Minioper-Film.
Ein Wollknäuel kugelt während der Ouvertüre via Projektion durch die Opernräumlichkeiten. Florville wickelt es wieder auf und bringt es Sofia zurück. Ein Blick und es ist Liebe auf den ersten Blick…

„Michael Schmidt – Grenzwanderung“ – eine Filmdokumentation über das Schaffen des Berliner Fotografen als kostenloser Livestream

"Michael Schmidt - Grenzwanderung" präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

Anlässlich der großen Retrospektive, die der Hamburger Bahnhof – Museum für Gegenwart – Berlin dem Berliner Fotografen Michael Schmidt im vergangenen Jahr widmete, wird nun zum Osterwochenende das filmische Porträt „Michael Schmidt – Grenzwanderung“ als kostenfreier Stream zur Verfügung gestellt. 
Die 38-minütige Filmdokumentation von Olaf Klußmann (1989/2020) blickt auf das Werk des Berliner Künstlers in der Zeit von 1964 bis 1988. Schmidt selbst reflektiert seine Schaffensphasen, gibt Einblick in seine künstlerische Arbeitsweise, spricht über Vorbilder und den Einfluss der US-amerikanischen Fotografie auf seine Arbeit. Der Film zeichnet zudem Schmidts Weg in seinem „Werkraum Berlin“, der kurze Zeit später durch den Mauerfall nicht mehr bestand. Bedeutende Akteur*innen des Kunstbetriebs kommentieren sein Schaffen von den frühen Fotografien der ersten Veröffentlichungen bis zur national wie auch international viel beachteten Werkgruppe „Waffenruhe“…

Theater – Thiemo Strutzenberger bekommt sat3-Theaterpreis 2021

Thiemo Strutzenberger sat3-Preis-Träger präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

Einer der Höhepunkte des Berliner Theatertreffens ist jedes Jahr die Preisverleihung des sat3-Theaterpreises, der mit 10000 Euro dotiert ist. Seit 1997 vergibt 3sat als Medienpartner des Berliner Theatertreffens diesen begehrten Theaterpreis an SchauspielerInnen für künstlerisch innovatives Können aus der Runde der zehn Produktionen, die zum Berliner Theatertreffen eingeladen werden. 
Bisherige PreisträgerInnen waren unter anderen Herbert Fritsch, Sandra Hüller, Wiebke Puls, Milo Rau, Christoph Schlingensief und zuletzt Alexander Giesche. Dieses Jahr bekommt den sat3-Preis Thiemo Strutzenberger für die Titelrolle in Max Frischs selten gespieltem Stück „Graf Öderland“ unter der Regie von Stefan Bachmann…

Hilkje Hänel „Wer hat Angst vorm Feminismus – Warum Frauen, die nichts fordern, nichts bekommen“

Hilkje Hänel „Wer hat Angst vorm Feminismus" präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

Gerade die Bewegung #MeToo zeigt, dass sexistisches Verhalten im Alltag überall zu finden ist. Männer und Frauen fügen sich in angedachte Rollen, die ihnen von einer sexsistischen Sozialisation aufoktroyiert wurden. Durch die Humangeschichte entstanden ritualisierte Praktiken, Stereotypen und Normen einer binären Geschlechterordnung mit ihren geschlechterrelevanten Regeln auf der Basis der Heterosexualität, in der die Männer immer noch das Sagen haben und ihren Anspruch auf Sex formulieren, der nach dem  Rollenmuster unterwürdige Frau und dominanter Mann funktioniert. In diesem System geben die Frauen, die Männer nehmen. Je mehr Macht sie haben, desto größer ist ihr Einfluss. Durch ihre Bewertungsstrukturen werden Frauen nicht nur wahrgenommen, sondern per se definiert. Frauen haben schön, fürsorglich, nachgiebig etc. zu sein. Entsprechen sie diesen Rastern nicht, wird ihnen die Weiblichkeit aberkannt. Frauen wollen erobert, gejagt, übermannt werden. Das passt in das Schema der Männer, die dabei keinerlei Schuldbewusstsein empfinden.
Wie stark Feminismus und Sexismus verflochten sind, dem spürt Philosophin Hilkje Hänel in ihrem Buch nach „Wer hat Angst vorm Feminismus – Warum Frauen, die nichts fordern, nichts bekommen“, eine spannende, perspektiverweiternde Lektüre. Feminismus wird hier zur natürlichen Weiterentwicklung gleicher Rechte für alle Menschen unabhängig von der sexuellen Ausrichtung…

Frauenau – „tipping point“ – Rauminstallation von Simone Fezer im Glasmuseum

Ausstellung von Simone Fezer "tipping point" im Glasmuseum Frauenau präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

Ein Getürm aus Stelzen, Holzrahmen mit Glasscheiben als gigantisch vernetzte Konstruktion füllt den Ausstellungsraum des Glasmuseums in Frauenau derart gewagt verschachtelt, als würden die Teile jeden Moment wie stürzende Bauten zusammenfallen oder in alle Richtungen hinausschießen. Die Stützen halten gerade noch die Balance, den „tipping point“, den Kipp-Punkt, wie Simone Fezer ihre futuristische Skulptur aus Materialien früherer Arbeiten nennt. Sie spielt damit nicht nur auf den Klimawandel und seine katastrophalen Auswirkungen an, sondern darüber hinaus auf die kapitalistischen Strukturen, die keine Bodenhaftung mehr kennen. In den Glasscheiben der begehbaren Skulptur bricht sich das Licht, entstehen Reflexionen, Multiplikationen zivilisatorischen Wirkens und stellen genau das in Frage, nicht nur kognitiv, sondern als performatives Raumerlebnis. Wie lange noch wird es dauern, bis alles zusammenkracht? Die Zeit der Glaspaläste, gegen die schon Georg Büchner revoltierte, ist längst vorbei. Das Heute steht auf extrem wackeligen Stützen…

Theater – „Wir öffnen“ immer noch eine Vision – kritische Gedanken

Was den Berlinern gelingt, ist in Bayern immer noch unvorstellbar und zeigt einmal mehr die irritierende Pandemiestrategie bedingt durch den deutschen Föderalismus. Während das Berliner Ensemble wenigstens mit zwei Vorstellungen an zwei Tagen über ein Pilotprojekt mit getestetem Publikum erfolgreich zeigen konnte, dass Kultur durchaus live wieder stattfinden kann, bleiben andernorts die Theater mit ebenso wirksamen Konzepten geschlossen. Während der Flugtourismus erlaubt ist, fährt man Kultur konsequent seit Monaten an die Wand…

Frankfurt – „Assange – Fragmente einer Unzeit“ – Vorankündigung der deutschen Erstaufführung am 11. April 2021

Assange erleidet ein Schicksal, das er nicht verdient hat. Als erster Whistleblower enthüllte er die Machenschaften der US-Army in Afghanistan und im Irak. Infolge einer inszenierten Vergewaltigung wurde er verfolgt und verhaftet. Seitdem wechselt von einem Asyl zum anderen, in Russland, in Südamerika, in London. Bei Auslieferung an die USA muss er mit einer langjährigen Haftstrafe rechnen.
Assanges Schicksal zeigt, wie es mit der Meinungsfreiheit weltweit aussieht, wie wenig sich der Mut zur Aufklärung gegen die Kräfte amtierender Mächte durchsetzen kann. Genau mit diesen Fragen setzt sich die Matinee „Assange – Fragmente einer Unzeit“ am Sonntag, 11. April 2021 um 11 Uhr  aus ganz unterschiedlichen Perspektiven auseinander… 

Martin Walser „Sprachlaub oder Wahr ist, was schön ist“

Martin Walser "Sprachlaub" präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

Durch die inneren Konflikte der Antihelden in seinen Romanen wurde Martin Walser sehr bekannt. 1927 in Wasserburg am Bodensee geboren gehört er zu den deutschen Schriftstellern, deren Bücher neugierig erwartet und regelmäßig ausführlich, zuweilen recht kontrovers besprochen wurden. In seinem neuen Buch, ein schmaler Band mit Aquarellen seiner Tochter Alissa, beleuchtet Martin Walser noch stärker als in seinen letzten Romanen seine eigenen inneren Konflikte. Reduziert ist seine Sprache, statt Epik prosaische Lyrik. In drei- und mehrteiligen Sequenzen findet er schlichte Metaphern für das Abschiednehmen vom Leben. Es sind nicht mehr die Jahre der Ernte. Die Elegie des Abschiednehmens erlaubt nur noch „Sprachlaub“….

Barrie Kosky „On Ecstasy“

Barrie Koskys Buch "On Ecstasy" präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

Nach der Premiere präsentiert Barrie Kosky regelmäßig euphorisch, sehr liebenswürdig, ehrlich und authentisch sein Team. Als langjähriger Intendant der Komischen Oper Berlin hat er das positive Image dieses Hauses geweitet, als nachgefragter Regisseur auf den großen Bühnen des deutsch-österreichischen Sprachraums gelingt ihm eine innovative Inszenierung nach der anderen. Wie es dazu kam, dass er, ein gebürtiger Australier, so theaterbegeistert wurde, enthüllte er in dem autobiografischen Büchlein „On Ecstasy“ (2007), das jetzt aus dem Englischen übersetzt, in Deutsch erschienen ist, ergänzt durch ein Interview mit seinem Chefdramaturgen Ulrich Lenz. Ekstase als überraschende Überwältigung beim erstmaligen Erleben ist Barrie Koskys Urerlebnis, auf dem seine innovative Kreativität beruht…

Landshut – „Hasenjagd“ Ausstellung in der Galerie Kunstwerk

Ausstellung "Hasenjagd" in der Galerie Kunstwerk präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

Hasen wie in der Natur, abstrahiert, symbolisch verfremdet, als Bunnys und Filmidole. Die Ausstellung „Hasenjagd“ eröffnet unterschiedliche Narrative und passt bestens in die Zeit vor Ostern.
Das Bild eines Hasen in Berlin Charlottenburg inspirierte Galeristin Anke Plath zu der originellen Ausstellung „Hasenjagd“. In nur vier Wochen entstanden famose Hasen-Bilder von verschiedenen KünstlerInnen…

München – Richard Strauss´ „Der Rosenkavalier“ als erfrischende Neuinszenierung in der Staatsoper

Koskys "Rosenkavalier" in München präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

Die Wanduhr schlägt die Stunde. Die Zeiger bewegen sich rückwärts. Das Ziffernblatt rotiert vor schwarzem Bühnenhintergrund, während unter der Leitung von Vladimir Jurowski  das Orchester die Ouvertüre zu Richard Strauss´ „Der Rosenkavalier in zarten Tonfarben entfaltet.
Nach 50 Jahren Spielzeit gibt es jetzt eine neue Inszenierung von Barrie Kosky. Mit mutigem Regietheater, Metamorphosen des Bisherigen hat er sich einen Namen gemacht und zusammen mit Vladimir Jurowski schon etliche Produktionen entwickelt. 
Trotz der Pandemie bedingten Sonderregelungen, das Orchester spielt nur mit der Hälfte der Musiker, erwartet das Publikum eine erfrischend neue „Rosenkavalier“-Version dieses künstlerischen Duos. Sieht man davon ab, dass gerade bei Richard Strauss ein Live-Stream nie das Hörerlebnis einer Live-Aufführung vermitteln kann, ist die neue Konzeption des „Rosenkavaliers“ durchaus ein absolutes Highlight…

Bochum – „Hydra“ nach Texten von Heiner Müller im Schauspielhaus 

"Hydra" in Bochum präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

Das Theaterkollektiv Bochum sucht sich aktuelle Themen, dann die Texte. Noch vor der Pandemie  kreiste es um „Arbeit“ und fand in Heiner Müllers Text „Herakles 2 oder Die Hydra“ die Inspiration für das Theaterstück „Hydra“, das jetzt als Live-Stream noch einmal Premiere feierte.
Hydra, die neunköpfige Monsterschlange, gehört zu den großen Mythen der Antike. Schlug man ihr einen Kopf ab, wuchsen zwei neue nach. Sie zu töten war eine der zwölf Aufgaben des Herakles. 
Für das Theaterkollektiv wurde Hydra zum Symbol der Arbeit. Heiner Müllers Texte bilden den katharsischen Hintergrund des erzählerischen Rahmens, dazwischen eröffnen sich Fragen, was Arbeit bedeutet, welche göttlichen Botschaften in ihr stecken. „Macht euch die Erde untertan!“ Arbeit ermöglicht das Überleben, zerstört aber auch den Lebensraum. Viele Narrative ergeben sich von der Entfremdung durch Arbeit bis zur Selbstfindung.
Gleichzeitig wird „Hydra“ zum musikalischen Abenteuer, das gerade durch den Live-Stream im Halbnah, Nah, aus den verschiedenen Perspektiven der Kamera bedeutungswirksamer wird. Man erlebt auch Bühnenbildner Michael Graessner, die Musiker Moritz Bossmann und Sandro Tajouri bei der Arbeit, sieht wie die tonale Atmosphäre über Rückkoppelungen von Verstärker und Mikrophonen entsteht, sich die Möbellandschaft langsam verändert, statt einer Hydra quert ein Krokodil als urzeitlich gefährliches Relikt die Bühne…

Landshut – Ayad Akhtars „Die unsichtbare Hand“ im Landestheater Niederbayern

"Die unsichtbare Hand" präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

Wer träumt nicht davon durch Börsenspekulationen reich zu werden. Der digitale Kapitalismus macht es möglich selbst in Zeiten der Pandemie. Wie eine „unsichtbare Hand“ bescheren die richtigen Klicks und entsprechendes Insiderwissen Millionengewinne. Doch längst hat die Metapher der „unsichtbaren Hand“ ihre ursprüngliche Bedeutung verloren. Der schottische Ökonom und Moralphilosoph Adam Smith (1723-1790)  glaubte, dass ein sich selbst regulierender liberaler Markt das Gemeinwohl fördere. Dem Volk zu helfen, die Güter gerecht zu verteilen ist indes nur noch eine Plattitüde, hinter der sich grenzenloser Egoismus versteckt. 
Genau darum geht es in Ayad Akhtars zeitkritischem Theaterstück „Die unsichtbare Hand“, 2012 uraufgeführt. Der US-amerikanische Schauspieler und vielfach ausgezeichnete Schriftsteller spürt in der Heimat seiner Eltern in Pakistan dem Verhältnis zwischen dem Terrorismus und dem Sog von Finanzspekulationen nach…