Halle – „Karl Lagerfeld. Fotografie. Die Retrospektive“ in der Moritzburg 

Ausstellung "Karl Lagerfeld" in Halle präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

„Eine solche Ausstellung hat es in Mitteldeutschland noch nicht gegeben!“ Voller Stolz bewerben die Kuratoren Eric Pfrunder und Gerhard Steigl  die Ausstellung „Karl Lagerfeld. Fotografie. Die Retrospektive“ auf den Infotafeln und im Flyer. Sie ist in der Tat die erste umfassende Werkschau nach Lagerfelds Tod 2019. Die Präsentation in der Moritzburg in Halle ist beeindruckend.
Schon im Innenhof der Burg trifft der Besucher auf ein Spalier lebensgroßer Ganzkörperporträts Karl Lagerfelds in den stylischen Designerposen, wie man sie von ihm kennt. Mit hohen Stehkragen, blütenweißen Hemden, Handschuhen wusste er sein Alter (1933-2019) äußerst souverän und ästhetisch zu kaschieren. Doch Karl Lagerfeld war mehr als eine Stilikone. Überaus belesen, sehr interessiert an Architektur, Natur, Kunst und Literatur setzte er diese Bereiche in seinen Fotografien in ästhetischer Perfektion in Szene… 

Berlin – Anthony Caros „The Last Judgement Sculpture“ in der Gemäldegalerie

Anthony Caros "Das jüngste Gericht" präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

Das jüngste Gericht war für etliche Künstler vom Mittelalter bis in die Gegenwart, von Lucas Cranach bis Picasso eine Inspirationsquelle. Eine moderne Version stammt von Anthony Caro (1924-2013), einem der bedeutendsten britischen Bildhauer. Als Reaktion auf die Balkankriege (1995-1999) schuf er die Figurengruppen für „The Last Judgement Sculpture“, die er auf Wunsch des Sammlers Reinhold Würth für dessen Sammlung vollendete. Zur Zeit steht dieses monumentale Werk als Leihgabe in der Wandelhalle der Berliner Gemäldegalerie…

Landshut – Goethes „Urfaust“ als stylische Inszenierung im Landestheater Niederbayern

Theaterkritik "Urfaust" im Landestheater Niederbayern präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

Knackig ist Goethes „Urfaust“ ohne Zueignung, Vorspiel und Prolog, ohne Pudelszene, Blutpakt, Verjüngungskur und Walpurgisnacht, erst 1918 entdeckt und uraufgeführt. Noch knackiger ist Peter Oberdorfs Inszenierung, die Uwe S. Niesig (Bühne, Licht-Design und Florian Rödl (Video) effektvoll zur Wirkung bringen. Distanzmaßnahmen werden so raffiniert integriert, dass sie gar nicht auffallen, sondern zusätzlich die Vereinsamung in einer völlig individualisierten Gesellschaft spiegeln…

Berlin – Uraufführung von  Ferdinand von Schirachs Theaterstück „Gott“ im Berliner Ensemble

Theaterkritik "Gott" präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

Eine Frau, 78 Jahre alt, 42 Jahre lang verheiratet, Mutter von zwei erwachsenen Söhnen mit akademischen Berufen und Großmutter von drei Enkelkindern, will nach dem Tod ihres Mannes, nicht mehr weiterleben und bittet vor dem Ethikrat um Hilfe bei Suizid. Sie will nicht in die Schweiz fahren, sondern wie ihr Mann sagte, es richtig machen. Dieses Anliegen in der Öffentlichkeit zu diskutieren ist das Anliegen des Autors, des Regisseurs Oliver Reese und der Schauspieler.
Ähnlich wie schon bei seinem ersten Theaterstück „Terror“ konzipiert Ferdinand von Schirach „Gott“ als Tendenzstück“. Pro und Contra zum Thema Freitod durch ärztliche Unterstützung werden quer durch die Kulturgeschichte diskutiert, weder vor Gericht noch als Einzelfall, sondern vor dem Ethikrat von Experten zur Meinungsfindung. Die Zuschauer sollen sich ein Urteil bilden, um am Ende über die hochaktuelle Problematik abzustimmen…

Berlin – „15 Years – Collected Dreams“ von David Drebin in der Galerie Camera Work 

Ausstellung David Drebin in Camera Work Berlin präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

„Love is in the air“ in den großformatigen Fotografien von David Drebin. Er liebt schöne Frauen und urbane Landschaften als Motive und machte durch deren dramatische Inszenierung als Mode- und Werbefotograph international Karriere. Seine Bilder sind Eyechatcher in leuchtenden Farben, Sehnsuchtsträume, die das Schöne plakativ, Aufsehen erregend verpacken und damit optisch bestens in den digitalen Instagram-Stil und narrativ zum Lifestyle unserer Zeit passen. Blitzt zuweilen hinter den glatten Oberflächen die Melancholie des Abschieds, der Einsamkeit, des Misserfolgs auf, wirken die Bilder etwas tiefgründiger. In der Berliner Galerie Camera Work sind derzeit über 20 Fotografien zu sehen, „15 Years – Collected Dreams“ …

Berlin – „Dekadenz und dunkle Träume  Der belgische Symbolismus“ in der Alten Nationalgalerie 

Ausstellung "Der belgische Symbolismus" präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

Zwischen Eros und Tod findet der Symbolismus seine Motive. Die Frau als Sphinx oder Femme fatale, als Circe oder Engel, Künstler am Rande des Todes, als Teufel oder Propheten, Landschaften als Abgründe der Seele, traumatische Interieurs, Schönheit bis zum Wahn und Ausschweifungen dunkler Träume ganz gegen die Normen, das sind die Themen des belgischen Symbolismus.
Neben Paris wurde Brüssel infolge der Industrialisierung und der wirtschaftlichen Erfolge durch den Kolonialismus  in den letzten beiden Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts das größte Kunstzentrum im Fin de Siècle. Es bildeten sich zahlreiche Künstlergruppen, die in ihren Ausstellungen Künstler aus anderen Ländern einluden, die wiederum den Symbolismus in ihren Ländern bekannt machten. Inspiriert von dem pessimistischen Gedankengut Arthur Schopenhauers, den Ideen Nietzsches und Forschungen Freuds, nicht zuletzt durch Richard Wagners Vision vom synergetischen Gesamtkunstwerk entstand eine Kunstepoche zwischen Ausschweifung und Memento Mori und  einem übersteigerten Ästhetizismus nahe am Kitsch.
Entgegen der Oberflächenbetrachtung von Naturalismus und Impressionismus entwickelte sich um 1880 der Symbolismus als Epoche sinnlicher Magie und psychischer Rätselhaftigkeit. Während der Impressionismus in allen landesspezifischen Charakteristika betrachtet ist, steht bislang eine tiefgründige Erforschung des Symbolismus noch aus. Umso interessanter und bedeutsamer ist die derzeitige Ausstellung „Dekadenz und dunkle Träume Der belgische Symbolismus“ in der Alten Nationalgalerie in Berlin, die in Deutschland die bislang wenig bekannten belgischen Künstler und Wegbereiter für den europäischen Symbolismus von Gustave Moreau über Arnold Böcklin und Max Klinger bis zu Gustav Klimt und Edvard Munch ins Bewusstsein bringen…

Berlin –  „Status macht Bewegung, Lust und Last körperlicher Bewegung“ im Kulturforum

Ausstellun "Status macht Bewegung" präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

Man blickt zuerst in ein Sammelsurium von Bildern, Skulpturen, historischen und zeitgenössischen Objekten und wundert sich, wie das alles zusammenpassen soll. Gerade in der bunten Inszenierung querbeet ergeben sich neue Denkansätze, unterstützt durch die Infotafeln, die als roter Faden fungieren, dass der Status ausschlaggebend war und ist, wie Menschen sich bewegen. In vier Kapiteln eröffnen sich synoptisch durch viele Kulturen und Epochen Lust und Last körperlicher Bewegung zwischen „Körper(ver)formung“, „Süßes Nichtstun „Stilvolles Entspannen“ und „Auf der Jagd“. Wer Geld hatte, konnte und musste sich anders bewegen …

Berlin – „Voll das Leben! Retrospektive“ – Fotografien von Harald Hauswald im Berliner Amerikahaus 

Ausstellung "Voll das Leben!" Fotografien von Harald Hauswald im Berliner Amerikahaus präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

Vortrefflich sind die Augenblicke, die Harald Hauswald mit seiner Kamera einfängt, pure DDR-Tristesse. 1954 in Radebeul, Dresden, geboren gehört er zu den bedeutendsten Fotografen der DDR und gründete mit Sibylle Bergemann, Ute und Werner Mahler die OSTKREUZ-Agentur der Fotografen.1978 zog Hauswald nach Berlin. Als „systemzersetzend“, „sozialisationsfeindlich und dekadent“ wurde er von 1977 bis kurz vor dem Mauerfall observiert. 41 Mitarbeiter waren der Stasi an der Akte „Radfahrer“ involviert. Sie konnten Harald Hauswalds großartige Zeitdokumente nicht verhindern, die derzeit im Berliner Amerikahaus als Retrospektive „Das volle Leben!“ im Sozialismus durch 250 Fotografien zwischen Mitte der 1970er und 1990er Jahre kritisch hinterfragen. Viele Motive sind dabei zum ersten Mal zu sehen, andere inzwischen Ikonen der sozialistischen Systemkritik…

Berlin – Benjamin von Stuckrad-Barres „Panikherz“ im Berliner Ensemble

Theaterkritik "Panikherz" präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

Eine breite, sich verschmälernde Treppe mit dickem Teppich ausgelegt führt hinauf zu einer intim rot leuchtenden Bar eines alten Grand Hotels. Rechts und links positioniert ist die  5-köpfige Band. In diesem Umfeld haben Regisseur Oliver Reese und das Ensemble Benjamin von Stuckrad-Barres 500-seitigen autobiografischen Poproman „Panikherz“ auf 40 Seiten reduziert  und in ein zweistündiges Theaterstück verwandelt.
Benjamin hat die Öko-Pastoren-Idylle seiner Eltern satt, findet in Udo Lindenbergs Songs seine geistige und emotionale Heimat, bricht auf in die Großstadt, macht als destruktiver Musikkritiker Karriere und feiert sich auf Technopartys zu Grunde, zuerst mit Crack, dann mit Koks,  Bulimie, noch mehr Drogen, Entzug in Wiederholungsschleife plus Alkohol. Benjamins narzisstisches Ego ist so groß, dass Reese ihn von vier Schauspielern darstellen lässt…

Berlin –  Ballettgala „From Berlin with Love II“ – in der Staatsoper

Ballettkritik "From Berlin with Love II" präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

Mit der zweiten Ballettgala wieder unter dem appellativen Motto „From Berlin with Love“ konzentriert das Berliner Staatsballett auf die Highlights der klassischen Ballettchoreografien. Im Vergleich zum ersten Part in der Deutschen Oper rückt im zweiten in der Staatsoper das ganze  Ensemble noch mehr in den Vordergrund. Über eine stylische, bühnengroß projizierte, sich wiederholende Fotostrecke werden alle Tänzerinnen und Tänzer wie Fotomodelle für Designermarken vor Beginn der Vorstellung präsentiert. Dann folgt der Film, der TänzerInnen und LehrerInnen beim täglichen Training zeigt. Das Ergebnis ist ein Feuerwerk aus Auszügen klassischer Ballettkunst auf Spitzenniveau …

Berlin – Ausstellung „urbainable stadthaltig“ zielt in der Akademie der Künste auf architektonische Veränderung der Großstädte

Ausstellung "urbanable stadthaltig" präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

Degradieren die Großstädte Europas zu Horrorszenarien oder übernehmen sie in Zeiten des Klimawandels und extremer Motorisierung eine Vorreiterrolle in Sachen Innovation und Strukturwandel? Im Spannungsfeld dieser Problematik zeigt die Ausstellung „urbainable stadthaltig“ in der Berliner Akademie der Künste im Hansaviertel neue Perspektiven, zum einen durch eine großzügige Rauminstallation, in der die Besucher durch Fotografien (Erik-Jan Ouwerkerk), Recherchen und Informationsgrafiken (Institut Entwerfen und Städtebau, Leibniz Universität Hannover) provoziert werden das Modell Großstadt neu zu denken, zum anderen durch 33 Vorzeigemodelle aus ganz Europa, dem Hauptteil der Ausstellung…

„Trotzdem“ – ein literarisches Gespräch zwischen Ferdinand von Schirach und Alexander Kluge

"Trotzdem" von Schirach und Kluge präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

„Das Corona-Virus hat uns eine Zeitenwende gebracht. Alles ist möglich, das Strahlende und das Schreckliche“. Schon der Covertext formuliert prägnant, worüber Ferdinand von Schirach und Alexander Kluge in „Trotzdem“ am 30. März sprachen. Im Kleinformat von 75 Seiten entwickelt Ferdinand von Schirach, wie in seinen Theaterstücken „Terror“ und „Gott“ quer durch die Kulturgeschichte Perspektiven für die Zukunft …

Frischer Ingwer in Bioqualität direkt vom Feld

Freiland-Bio-Ingwer präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

Zur Zeit läuft in Geisenhausen die Ingwer-Ernte auf Hochtouren. Im letzten Jahr sorgte Daniel Eibl mit dem Anbau dieser Gewürz- und Heilpflanze für Schlagzeilen. Es gelang ihm tatsächlich diese an sich tropische Pflanze als erster in Niederbayern im Freigelände anzubauen, und zwar in Bioqualität, zertifiziert von Bioland. Damit wurde Daniel Eibl zum  Pionier des Freilandanbaus von Ingwer in Niederbayern…

Robert Seethalers „Der letzte Satz“ – ein subtiles Porträt von Gustav Mahler

Robert Seethalers Roman "Der letzte Satz" präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

„Den Kopf gesenkt, den Körper in eine warme Wolldecke gewickelt, saß Gustav Mahler auf dem eigens für ihn abgetrennten Teil des Sonnendecks der Amerika und wartete auf den Schiffsjungen.“ Schon der erste Satz aus Robert Seethalers neuem Roman „Der letzte Satz“ stimmt auf die Seelenlage des berühmten Komponisten ein. Im ständigen Perspektivwechseln zwischen miniphilosophischen Gesprächen mit einem Schiffsjungen auf dem Deck und einem Puzzle von Erinnerungen entfaltet Seethaler Mahlers Persönlichkeit…

Thüringen – Entdeckungen auf den „Rennsteig-Leitern“

Wandern in Thüringen präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

Der Rennsteig als ältester und bekanntester Fernwanderweg Deutschlands ist Kult und Mythos zugleich. Er erstreckt sich von Hörschel an der Werra, über Eisenach, durch den Thüringer Wald, das Thüringer Schiefergebirge und den Frankenwald bis nach Blankenstein an der Saale in der Gemeinde Rosenthal am Rennsteig und lädt auf 169,3 Kilometern gleichermaßen zu einer faszinierenden Zeitreise und einem landschaftlichen Genusserlebnis ein. Doch auch abseits des sagenumwobenen Rennsteigs verspricht der Thüringer Wald jede Menge spannende Entdeckungstouren. Historische Residenzstädte und malerisch gelegene Bergdörfer, seltene Kulturdenkmäler und atemberaubende Naturräume – kombiniert zu wunderschönen Wanderrouten mit herrlichen Aussichten. All das bieten die sogenannten „Rennsteig-Leitern“ sowohl nördlich als auch südlich in direkter Anbindung an den Höhenwanderweg…