Gottfried Schenk „West-Berlin. Kiez & Subkultur Hood & Subculture 1975 – 1990 

Buchrezension "West-Berlin" präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

„Was trinken wir?“ Für Cinzano und Schultheiß-Bier wird auf den Brandmauern Berlins geworben. Das Amüsement gehörte zu Berlin wie der politische Widerstand. West-Berlin die freie, wenn auch eingesperrte Insel mitten in der DDR, dazu ist ein neuer Bildband erschienen. 
Gottfried Schenk fotografierte nicht die Berliner Vorzeigebauten. In seinen Schwarz-Weiß- und Farbfotografien leuchtet das Lebensgefühl zwischen 1975 und 1990 wieder auf, die Kraft der Rebellion gegen das Establishment, gegen die Bauprojekte der Neuen Heimat und das Geschick, ohne etwas zu haben, feiern zu können. Protestfahnen und Wandsprüche geben seinen dokumentarischen Fotografien eine besondere Authentizität, in der auch eine Portion morbider Nostalgie mitschwingt…

Hörspiel „Flashback“ von Thomas Ecker produziert im Landestheater Niederbayern

Hörspiel "Flashback" produziert vom Landestheater NIederbayern präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

„Genau das ist das Problem. Ich kann nicht sagen, wer ich bin.“ Eine junge, hübsche Frau wird bewusstlos in Unterwäsche mit einem wertvollen Ring am Finger, zwei Tattoos auf der Haut und einer blutenden Wunde am Kopf an einem Novembermorgen in der Landshuter Altstadt bei St. Martin gefunden. Nach der Entlassung aus der Klinik sucht sie im Gespräch mit ihrer Psychotherapeutin nach einem Trigger für einen Flashback. Unter der Regie von Thomas Ecker gelingt ein spannender Krimi in drei Teilen…

Barack Obama, Bruce Springsteen „Renegades: Born In The USA. Träume – Mythen -Musik“ – Dialog zweier Außenseiter

Buchrezension "Renegades.Born to the USA" präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

Geboren im Land der Hoffnung ist die Prämisse von Barack Obamas neuem Buch. Es beruht auf der „unwahrscheinlichen Freundschaft“ mit dem 12 Jahre älteren Rocksänger Bruce Springteen. Die groß aufgemachte Foto-Text-Publikation entstand in Folge eines Podcasts der beiden US-Idole. Der inhaltliche Bogen spannt sich von der „Story Amerikas“, „Amacing Grace“ und „American Skin“ zum „allmächtigen Dollar“. „Mit Geistern ringen“ beide bezüglich der Männlichkeitsklischees. Sie  bekennen sich zur „Furchtlosen Liebe“, Familie über alles, und hoffen auf „The Rising“ von Amerika.
Im lässigen, privaten Gesprächston hinterfragen sie mit großer Offenheit und Empathie, mit Humor und Überzeugung, wie die Kluft zwischen Amerikas Idealen und der Realität entstehen konnte…

München – Franz Lehárs „Giuditta“ kombiniert mit Musik und Texten von Zeitgenossen in der Staatsoper 

Operette Kritik von Lehars "Giuditta" präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

Man kommt in Erwartung Lehárs berühmteste Operette „Giuditta“ zu hören. Regisseur Christoph Marthaler und Dramaturg Malte Ubenauf genügt das nicht. Sie collagieren von Lehárs Zeitgenossen Texte aus Horváths „Sladek oder Die schwarze Armee“, Lieder und Kompositionen von Bartók, Berg, Eisler, Klein, Korngold, Krenek, Schönberg, Schostakowitsch und machen daraus eine Parodie. Das hört sich interessant an, ist vielschichtig konzipiert, stellt an das Orchester und insbesondere an Vida Miknevičiūte als Giuditta extrem hohe Anforderungen, die sie bestens meistern, dennoch breitet sich in dieser Inszenierung zunehmend Langeweile aus…

Werner Bartens – „Lob der langen Liebe. Wie sie gelingt und warum sie unersetzbar ist“ 

Buchrezension von Bartens "Das Lob der langen Liebe" präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

40 Prozent der Menschen leben in den Großstädten als Singles. Immer öfter lassen sich auch alte Ehepaare scheiden, wenn die Kinder selbstständig sind und die Antwort auf die Generalinventur von verkrusteten Eheritualen nur noch die Scheidung sein kann. 
Werner Bartens dagegen vertritt das „Lob der langen Liebe“. Er argumentiert in eingängigen Bildern angefangen von den griechischen Sagen bis zum 400-m-Lauf der Liebe, der sich mit den Jahren in einen 400-m-Hürdenlauf verwandelt…

Berlin – „Auf der Straße“, ein Stück über Obdachlosigkeit von Karen Breece & Ensemble mit Obdachlosen im Berliner Ensemble

Theaterkritik "Auf der Straße" von Karen Breece im Berliner Ensemble präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

„Sie schwelgen in Reichtum, und verstehen nicht ihre Gier nach Zuviel im Zaum zu halten…“ Mit einer Textpassage aus Solons (640 – 560 v.Chr.) „Eunomia“ stellt Bettina Hoppe im sprachmagischen Versmaß das Obdachlosenproblem unserer Tage in einen epochal staatsphilosophischen Zusammenhang. Solon war einer der sieben Weisen Griechenlands und Mitbegründer der attischen Demokratie. „Es ist die Ungesetzlichkeit Athens, die die Stadt ins Unglück bringt. Die Wohlgesetzlichkeit dagegen macht alles wohl, schön und vollkommen.“ Davon ist man 2021 noch immer weit entfernt, wie Karen Breece am Berliner Ensemble zeigt. Sie recherchierte über die Obdachlosen in Berlin und entwickelte 2018 durch Gespräche mit Obdachlosen in Zusammenarbeit mit den Schauspielern das politisch-dokumentarische Stück „Auf der Straße“. Jetzt steht die packende Inszenierung wieder auf dem Spielplan des Berliner Ensembles…

Berlin – Paul Abrahams Operette „Die Blume von Hawaii“ in der Komischen Oper

Operettenkritik von "Die Blume von Hawaii" präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

„Paul Abraham ist der Soundtrack für Berlin, wie Johann Strauss für Wien“ bilanzierte Intendant Barrie Kosky nach der Premiere der „Blume von Hawaii“ freudestrahlend. Es war die fünfte und letzte konzertant aufgeführte Paul-Abraham-Operette, die unter Koskys Intendanz in der Komischen Oper Berlin auf die Bühne kam. Er gilt als Entdecker Paul Abrahams und das Publikum dankt es ihm mit tosendem Applaus. Obwohl nur szenisch konzertant aufgeführt oder gerade deshalb entwickelte sich ein hinreißender Gute-Laune-Abend ganz im Stil der Berliner 1920er Jahre…

Berlin – „Ruth Walz – Theaterfotografie“ im Museum für Fotografie

Ausstellung "Ruth Walz-Theaterfotografie" präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

Der Blick auf die großformatigen Fotografien von Ruth Walz entführt auf eine Reise quer durch hochkarätige Theater- und Operninszenierungen. Ein Leben lang begleitete Ruth Walz verschiedene Theaterensembles von den Anfängen der Produktion über die Proben bis zur Premiere und teilweise darüber hinaus bis zu internationalen Gastspielen. Ihre Fotografien dokumentieren die großen Augenblicke der Inszenierungen und bewegen den Betrachter, selbst wenn er die Inszenierungen nicht kennt…

Berlin – „Zanele Muholi“ im Gropius Bau

Ausstellung "Zanele Muholi" präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

Zanele Muholis Fotografien machen betroffen. Sie zeigt die Verwundungen der schwarzafrikanischen Frau. Zum ersten Mal wird in Deutschland Muholis fotografisches Schaffen mit einer umfassenden Einzelausstellung im Gropius Bau gewürdigt. Zwar wird die Ausstellung unter dem trendigen Motto LSBTQIA+ Personen vermarktet, sie geht aber in die Tiefe kolonialer und kultureller Vergangenheit früherer Arbeiten zurück und präsentiert damit den generationsumfassenden Leidensweg der schwarzafrikanischen Frau. Man sieht Bilder, die man so noch nie gesehen hat, Bilder, die sich einprägen und wodurch man die lesbische schwarzafrikanische Frau unter einem ganz neuen Blickwinkel verstehen lernt. Nicht die Lust steht im Vordergrund, sondern Abwehr von männlichen Übergriffen, die Sehnsucht nach Geborgenheit, Würde und Wertschätzung…

Hörspiel – Edgar Wallace „Der Hexer“

Hörspiel "Der Hexer" präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

Früher hochspannend haben die Krimis von Edgar Wallace (1875-1932), Begründer des modernen Thrillers, inzwischen einen nostalgischen Charme, nicht zuletzt wegen ihrer nachvollziehbaren konsequenten Logik. Genau die arbeitet die neue Hörspielfassung produziert vom Landshuter Theater Nikola sehr exakt heraus. Man ist ganz Ohr, nicht zuletzt, weil über ein Dutzend Stimmen, allesamt vom Theater Nikola auf ihre ganz spezifische Weise Edgar Wallace Figurenkabinett geheimnisvoll ironisch intonieren…

Florian Illies „Liebe in Zeiten des Hasses, Chronik eines Gefühls von 1929 -1939“

Buchrezension "Liebe in Zeiten des Hasses" präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

Wer Liebesgeschichten erwartet, ist mit Florian Illies „Liebe in Zeiten des Hasses“ im falschen Roman. Extrem nüchtern blitzt Liebe auf und erlöscht. Als kaleidoskopischen Querschnitt konzipiert Florian Illies seine Bücher. In seinem neuem Buch „Liebe in Zeiten des Hasses“ lässt er die literarische, künstlerische, schauspielerische, mitunter politische Haute Voleé wie auf einem Laufsteg auf und ab spazieren, zuerst „Davor“, dann „1933“ direkt im Jahr von Hitlers Machtergreifung und „Danach“. Zehn Jahre von 1929 bis 1939 präsentiert Florian Illies Liebesbeziehungen von fast 300 prominenten Persönlichkeiten, ein Querschnitt der Gefühle, der nicht immer nur die Liebe spiegelt, denn während der Weltwirtschaftskrise, des Aufstiegs der Nationalsozialisten und ihrer Machtübernahme spitzte der Hass die Liebe zu. Die Menschen wurden liebesbedürftiger. Manche erkannten plötzlich ihre wahre Liebe, andere Lieben zerbrachen in diesen  Zeiten des Hasses…

Frauenau – Sonderausstellung „Männerhaut und Ritterswürden“ im Glasmuseum

Ausstellung "Männerhaut und Ritterswürden" präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de.

Das 30-jährige Doppeljubiläum des Gemeinschaftsateliers „Männerhaut“ und des Glaskünstlers Hermann Ritterswürden feiert Glasmuseum Frauenau mit zwei Sonderausstellungen.
Einen provokanten Namen wollten die fünf Glaskünstler 1991 für ihr gemeinsames Atelier. Bei einer Cremewerbung für Männerhaut funkte es. Das klang unkonventionell, so wie die Künstler sein wollten. Inzwischen hat sich der Kreis um „Männerhaut“ geweitet. Obwohl die Glaskünstler mit denselben Materialien und Werkzeugen arbeiten, haben sich ganz unterschiedliche Handschriften entwickelt von archaischen Schneckenformen über zeitlos geschliffene Ästhetik bis zu skurrilen Geschichten in Glas. Das gemeinsame Arbeiten, vor allem aber auch das Diskutieren, das gegenseitige Betrachten und Beschreiben der Wirkung der Arbeiten erwies sich als sehr gewinnbringend. Bei den Exponaten handelt es sich vor allem um neuere Arbeiten…

Österreich – Ski amadé lockt mit „Mini´s“-Weeks und Urlaub ohne großes Skigepäck

Ski amadé präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

Mit 270 Skiliften und Seilbahnen ist der Skiverbund Ski amadé eines der größten Wintersportgebiete in Europa. Es umfasst insgesamt 25 Orte, die allesamt in den österreichischen Bundesländern Salzburg und Steiermark liegen. 
Durch die Pandemie etwas verspätet begrüßt Ski amadé ab dem 17. Dezember 2021 wieder Urlaubs-gäste. Hotels, Gastronomie und Freizeitbetriebe haben ab diesem Zeitpunkt geöffnet. Die Vorfreude ist besonders groß, denn auf Wintersport-Fans warten zahlreiche Angebote und viele Ermäßigungen für Familien bis ins Frühjahr. Weiterhin gilt für den gesamten Skiverbund ein umfangreiches Sicherheitskonzept, unter anderem die 2G-Regelung (geimpft und genesen) und eine FFP2-Maskenpflicht in Seilbahnen, geschlossenen Gebäuden, Hütten und Hotels…

Augsburg- Schostakowitschs musikalische Satire „Moskau. Tscherjomuschki“ im Staatstheater

Schostakowitschs "Moskau Tschernojuschki" präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

Mit seiner musikalischen Satire „Moskau, Tscherjomuschki“ hielt Schostakowitsch dem sozialistischen System  1959 einen sehr kritischen Spiegel entgegen. Sechs Jahre nach Stalins Tod war Kritik in der Tauwetterphase Chruschtschows möglich. In Deutschland wurde „Moskau Tscherjomuschki“ erst 2012 von Ralf Böhme mit reduzierter Orchesterfassung in der deutschen Übersetzung von Ulrike Patow uraufgeführt. Jetzt ist im Staatstheater Augsburg eine ausgesprochen amüsante und kurzweilige Version zu sehen…