Berlin – Internationale Grüne Messe – Eröffnungspressekonferenz

"Grüne Messe Berlin" - Eröffnungspressekonferenz präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

Natürlich ist die Freude groß nach zwei Jahren pandemiebedingter Pause wieder die Internationale Grüne Messe zu eröffnen, wegen der notwendigen langen Vorbereitungen und unsicheren Planungssituation dieses Mal ohne Partnerland. Als Verbrauchermesse vom 20. bis 29. Januar bietet sie kulinarische Genüsse im Überfluss, in den einzelnen Diskussionsforen und durch das Treffen internationaler Außenminister eine Auseinandersetzung mit den aktuellen Problemen unserer Zeit…

Berlin – „Champions Poetry Slam“ in der Philharmonie

Champions Slam in der Berliner Philharmonie präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

Der Kammermusiksaal der Berliner Philharmonie war ausverkauft. 1000 vorwiegend junge Gäste, darunter ganze Schulklassen ließen sich von Moderator Ortwin Bader-Iskraut schnell auf Hochfrequenz-Applaus animieren, was beim Champions Poetry Slam 2023 für showmäßige Applaushysterie sorgte, denn das Reglement schreibt einen respektvollen Umgang des Publikums mit den KünstlerInnen vor, mit viel Applaus ohne Buhs. Die Teilnehmer das zeitliche Limit von maximal 10 Minuten einhalten und ihre Texte ohne Kostüme und Requisiten, ohne Musik und Gesang vortragen. 

Landshut – „Dialog Farbform“ – Arbeiten von Simone Hamann und Peter P. Rast im Kunstverein

Ausstellung "Dialog Farbform" präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

Wann ist ein Kunstwerk fertig? Wann ist ein Werk überhaupt ein Kunstwerk? Auf solche Fragen gibt Simone Hamann eine einleuchtende Antwort, wenn im Werk des Künstlers eine innere Verbindung mit dem Betrachter entsteht. Gelegenheit zum persönlichen Ausprobieren, ob das mit ihren Werken gelingt, bietet die derzeitige Ausstellung „Dialog Farbform“ in Kooperation mit den Arbeiten von Peter P. Rast im Landshuter Kunstkreis

Landshut – Brechts „Leben des Galilei“ im Landestheater Niederbayern

Theaterkritik Brechts "Leben des Galilei" präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

Ein Hingucker vom ersten Moment an ist Wolfgang Maria Bauers und Aylin Kaips Inszenierung von Bertolt Brechts Schauspiel „Leben des Galilei“. Aylin Kaips gigantische Ringstrukturen vor projiziertem Sternenhimmel schaffen eine faszinierende Bühnenatmosphäre. Hochkant gestellt spiegeln sie das alte Ptolemäische Weltbild des Aristoteles, waagrecht zerlegt, eingepfercht darin die Menschen die Enge des Denkens, übereinander geschichtet die Dominanz hierarchischer Macht. Schemenhaft treten die Figuren aus dem Kosmos und gewinnen unter Bauers präziser Personenregie schnell eine markante Plastizität. In langen wallenden, morbid zerknitterten Gewändern, die uralten Eminenzen bleich geschminkt mit überspitzten Mitras wirken sie zuweilen wie Untote, die uns wieder heimsuchen. Brechts „Galilei“ hat nichts von seiner Aktualität verloren… 

Berlin – „Helmut Newton Brands“ im Museum der Fotografie

Ausstellung "Helmut Newton Brands" im Berliner Museum der Fotografie präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

Werbefotografie oder Editional? Blick man auf die großformatigen Fotografien der derzeitigen Ausstellung kann man den Unterschied nicht erkennen. Für Helmut Newton (1920 – 2004), einem der berühmtesten Modefotografen des 20. Jahrhunderts machte es keinen Unterschied für Werbung oder Modestrecken zu fotografieren. Er entwickelte den Stil der narrativen Fotografie. Jedes Bild erzählt eine Geschichte. Wie gut das auch in der Werbung funktioniert, dokumentiert die derzeitige Ausstellung „Helmut Newton Brands“ im Berliner Museum der Fotografie…

Christian Dürnberger „Die Nacht der Fragen und der Morgen danach. Ein Roadtrip durch die Geschichte der Philosophie“

Buchrezension "Die Nacht der Fragen und der Morgen danach" präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

Sehr ungewöhnlich konzipiert präsentiert Christian Dürnbergers neues Buch „Die Nacht der Fragen und der Morgen danach“ eine spannende Mischung aus Erzählung und Sachbuch. Beides zusammen ergibt eine spielerisch unterhaltsame Einführung in das anspruchsvolle Thema der Philosophie…

Berlin – „Yoyi! Care Repair Heal“ im Gropius Bau

„Care Repair Heal“ im Gropiusbau präsentiert von www.schabel-kultur-blog..de

Verschwinden die Museen? Nein, sie werden zunehmend Orte des Verstehens, ganz besonders seit der Postkolonialmus als Thema in der Kunst angekommen ist. Diese Devise gilt auch für die konzeptionellen Ausstellungen im Berliner Gropius Bau.
Mit „Fürsorge, Reparatur, Heilung“ provoziert die Ausstellung „Yoyi! Care Repair Heal“ zur Reflexion über den längst in Frage zu stellenden Umgang mit den Folgen des Kolonialismus. 26 KünstlerInnen aus verschiedenen Kontinenten setzen sich mit postkolonialer Gewalt und den Möglichkeiten der Dekolonisation indigener Wissenssysteme und künftigen Visionen auseinander, darüber hinaus mit den Fragen menschlicher Selbstbestimmung. Auch wenn diese Thematiken derzeit in vielfältigen Variationen durchdekliniert werden, gibt es in dieser Ausstellung neue Momente des Erlebens und Reflektierens…

Christian Gerhaher „Lyrisches Tagebuch – Lieder von Franz Schubert bis Wolfgang Rihm

Buchrezension "Lyrisches Tagebuch" von Christian Gerhaher präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

Lieder sind Gedichte. Beides zu verstehen ist Christian Gerhahers Arbeit. Daraus entstand auf der Basis von viel Erfahrung, Wissen und Überlegung sein sehr profundes „Lyrisches Tagebuch“, in dem er „Lieder von Franz Schubert bis Wolfgang Rihm“ analysiert. Er erklärt die Zusammenhänge zwischen Text und Musik, interpretatorischer Distanz und Nähe, gesanglichem Erzählen und Erleben. Diese Essaysammlung über Christians Gerhahers Arbeit mit und an dem Lyrischen zu lesen ist ein sprachlicher und erkenntniserweitender Genuss, wenn man sich für dieses Genre interessiert und Freude an komplex rhythmisiertem Satzbau hat…

„Whitney Houston: I Wanna Dance With Somebody““

Filmkritik "Whitney Houston" präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

1994 – Whitney Houston bekommt den Music Award. Das Publikum jubelt. Whitney Houston wird zur Stimm-Ikone. Bis heute ist sie die weltweit am meisten ausgezeichnete Sängerin mit sechs Grammys. Sie eroberte zunächst die Menschen mit Pop-Songs und entwickelte später in der Tonlage einer Mezzosopranistin unverkennbar stilprägende Soulinterpretationen im extremen Tonumfang von drei Oktaven und in atemberaubenden Höhen. Ein Song schöner als der andere, eine Nummer 1 nach anderen bei den Charts überflügelt sie die Beatles und Elvis und wird zu „The Voice“ of Amerika. Doch die Traumkarriere endet wie bei Marilyn Monroe im Selbstmord. Whitney Houston zerschellt am Karrieredruck und an den menschlichen Problemen. 
Insofern ist diese Filmbiografie an sich nicht die erste dieser Art und im Wechsel von Bühnenauftritten und Privatleben ein relativ schlichter, eindimensionaler Film, wären nicht die fulminanten Songs im Original eingespielt, die schauspielerischen Qualitäten und einige witzige Szenen und Bildsequenzen die neue Perspektiven auf die menschlichen Beziehungen eröffnen…

Berlin – Silvesterkonzert „Hoffnung und Utopie“ mit der Uraufführung von Ralf Hoyers „Prolog“ zu Beethovens Sinfonie Nr. 9 durch das Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin im Konzerthaus

Konzert von Hoyens "Prolog" und Beethovens Sinfonie Nr. 9 im Konzerthaus Berlin

Ein ungewöhnliches Konzert kündigte Dirigent Vladimir Jurowski an. Und es war ungewöhnlich. Wegen der Pandemie kam die Uraufführung von Ralf Hoyers „Prolog“ für Mezzosopran und Orchester auf einen Text von Kerstin Hensel als Auftakt für Beethovens „Sinfonie Nr. 9“ erst jetzt, zwei Jahre später als geplant, zur Uraufführung.
Doch kann man überhaupt in diesem Jahr, wo der Krieg in der Ukraine tobt, diese Freude und Zuversicht vermittelnde Sinfonie aufführen? 1989, als sie Leonard Bernstein anlässlich der Öffnung des Brandenburger Tors im Konzerthaus erklingen ließ, „hatte man das Gefühl, die goldene Ära sei angebrochen“, so Vladimir Jurowski oder vielleicht bringt sie gerade in dieser Krisenzeit wieder Freude und Zuversicht zurück. Gerade der letzte Satz als Hymne der EU verweist auf die Verbundenheit der europäischen Nationen. 
Vladimir Jurowski bereitete den Weg künstlerisch über eine unkonventionelle Hommage für die Ukraine, indem er den dritten und vierten Satz der ukrainischen Dirigentin Natalia Ponomarchuk übertrug…

Berlin – Lion Feuchtwangers Roman „Exil“ als exzellente Theaterversion am Berliner Ensemble

Lion Feuchtwangers Roman "Exil" auf der Bühne des Berliner Ensembles präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

Der Eiffelturm als gigantisch fragile Stuhlinstallation signalisiert die aufkeimende Hoffnung der Exilanten in den 1930er Jahren in Paris. Darunter ist auch der Komponist und Musikprofessor Sepp Trautweim mit Frau und Sohn. Er hält sich mit Kommentaren bei den „Pariser Nachrichten“, der einzigen nazi-kritischen Zeitung, über Wasser. Daraus ergeben sich weitere Kontakte und Problemfelder. 
Lion Feuchtwanger selbst Emigrant und russlandfreundlich kreist in seinem umfassenden Roman „Exil“, dem dritten Teil seiner „Wartesaal-Trilogie“ (1937-39), um die Frage, was der Einzelne als kleines Zahnrad im Getriebe der großen Zeitmaschine der Aushöhlung der Bürgerrechte unternehmen kann. Luk Perceval gelingt eine faszinierende Umsetzung auf der Bühne als vielstimmiges Puzzle paralleler Lebenswege…

Berlin – Puccinis „La Bohème“ in der Staatsoper 

Opernkritik "La Bohéme" in der Staatsoper Berlin präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

Einmal inszeniert ist „La Bohème“ ein Dauerbrenner immer günstig über Festtage, denn sie ist als dramatische Liebesgeschichte mit wunderschönen Arien ein guter Einstieg in die Opernwelt. Vor 21 Jahren inszenierte Lindy Hume Puccinis Meisterwerk sehr werkgetreu mit nostalgischem Blick auf die Bohèmiens. Ihr Konzept funktioniert immer noch außerordentlich gut. Über die Eisblumen eines Gazevorhangs blickt man in die vergangene Welt der Pariser Bohèmien, die gerade Weihnachten feiern…

Sandra Kegel (Hrsg.) – „Prosaische Passionen. Die weibliche Moderne in 101 Short Storys“

Buchrezension "Prosaische Passionen" präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

Wie vielfältig ab 1900 Weltliteratur auch von Frauen geschrieben wurde, beweist Sandra Kegels einzigartige Anthologie „Prosaische Passionen. Die weibliche Moderne in 101 Short Storys“. Aus 25 Sprachen übersetzt entfaltet sich weiblicher Erzählkunst in global kultureller Vielschichtigkeit. Die Texte stammen von bekannten Literatinnen und von Frauen, die man durch dieses Buch entdecken kann…

Leonid Wolkow – „Putinland“ 

Buchkritik "Putinland" präsentiert von www.schabel-kultur-land.de

Mit den gigantischen Rohstoffreserven hätte Putin Russland Wohlstand und eine innovative Weiterentwicklung bringen können. Aber seine Vision die ehemaligen Sowjetrepubliken wieder einzusammeln, brachte nur ein ums andere Mal Krieg. Statt Korruption zu stoppen, machte er die Oligarchen von sich abhängig, sammelte hinter den Kulissen ein immenses Vermögen an und ließ sich am Schwarzen Meer auf einem Areal in etwa so groß wie Oberbayern einen Palast nach italienischem Vorbild bauen. Wie Russland zum „Putinland“wurde, beschreibt Leonid Wolkow, einst Chef von Nawalnys Wahlkampfkampagne aus der kritischen Perspektive eines Oppositionellen. Er will die richtigen Fragen stellen, damit der Leser Russland besser verstehen lernt…