"Kultur macht glücklich"


Eliza Petkova „Stille Beobachter“ 

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Eliza Petkova „Stille Beobachter“ 

©missingFILMS

Nüstern, Maul, Augen, Ohren, mit allen Sinnen beobachten Katze, Hund, Ziege, Esel und Pferd die alten Menschen in einem abseits gelegenen bulgarischen Bergdorf. Die Tiere werden von ihren Besitzerinnen…

geliebt und beschützt, auch wenn das Pferd schwer arbeiten muss. Die Tiere ziehen nicht wie im Märchen von den Bremer Stadtmusikanten weg. Sie beobachten die Menschen, ihre harten Lebensbedingungen in verfallenen Häusern umgeben von kargen Feldern. Immer wieder sind die Totenlieder einer Beerdigung zu hören und die Geschichten der alten Frauen, die glauben, dass in den Tieren die Seelen der nächsten Verwandten stecken.

Man fühlt sich erinnert an Jerzy Skolimowskis Film „EO“ (2022), ein Roadmovie über einen von Menschen malträtierten Esel. (https://schabel-kultur-blog.de/kino/jerzy-skolimowskis-neuer-film-eo-die-welt-aus-der-perspektive-eines-esels/)

Auch Eliza Petkova macht die Tiere, die „Stillen Beobachter“, zu den Protagonisten ihres Film, aber auf gleicher Augenhöhe zu den Menschen. Jedes Tier verkörpert einen Charakter. Die Katze weiß ihre Leben in Freiheit zu genießen, sucht sich ihre Lieblingsplätze, blinzelt in die Sonne und kümmert sich nicht darum, wenn etwas zu Bruch geht. Der Hund tut sich schwer. Er ist immer angekettet, damit er nicht Jagd auf die Hühner macht. Mit seiner feinen Witterung nimmt er alles, was im Dorf passiert, auf. Er weiß, was passiert, wenn er noch ein weiteres Huhn reißt, und wird Opfer seines Instinkts. Der Esel hört jedes Geräusch. Die Ziege blökt aus Kummer, als man ihr ein Zicklein wegnimmt und nur noch eine Blutlache zu sehen ist. Das klapperdürre Pferd trauert, als der Bauer stirbt. Es wird verkauft, aber nicht an den Metzger, sondern in die Freiheit der Natur entlassen. Es sind berührende Bilder, ohne filmische Tricks, mit dokumentarischer Sachlichkeit gefilmt und doch mit überaus emotionaler Wirkung.

Petkova zeigt die gegenseitige Abhängigkeit von Mensch und Tier. In langen Einstellungen fokussiert die Kamera auf die Gesichter der Tiere, die mit allen Sinnen fühlen, was im Dorf passiert und wie Voyeure aus verschiedensten Perspektiven ihr Umfeld ganz genau beobachten. Aus weiter Ferne wird deutlich, dass das ganze Dorf dem Aussterben geweiht ist, ganz nah liefern die abgerackerten Körper der alten Menschen und die maroden Häuser den Beweis. Das Leben ist vergänglich, eine Mühsal für Mensch und Tier, so die Botschaft dieses wehmütig in die Vergangenheit blickenden Films. 

„Stille Beobachter“ gewann auf internationaler Ebene viele Preise und wurde beim 40. Internationalen Dokumentarfilmfest München 2025 mit dem VIKTORIA DOK.international Hauptpreis ausgezeichnet.