„Werner Herzog – Radical Dreamer“ – ein exzellenter Dokumentarfilm über Deutschlands außerordentlichsten Filmemacher der letzten Jahrzehnte

Filmkritik "Werner Herzog-Radical Dreamer" präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

Mit weiten Blick auf die CDB von Los Angeles, die im Morgenlicht über der dunstigen Ebene erstrahlt, klanglich dunkel, geheimnisvoll untermalt, beginnt der Film über Werner Herzog wie großes Hollywoodkino und zeigt doch das Gegenteil, die dokumentarische Vita eines deutschen Filmemachers. In Deutschland sehr umstritten, dann ignoriert, in Paris und in den  USA gefeiert, blickt er auf an die 80 Spiel- und Dokumentarfilmproduktionen. „Cobra verde“, „Aguirre – der Zorn Gottes“, „Fitzcarraldo“, „Nosferatu“ wurden Kultfilme. „Jeder lebt seinen Film. Wir leben in Fantasiewelten“, so Werner Herzog. 
Dabei schreckt er vor nichts zurück, gab nicht auf und wagte, was nicht zu machen war, und es gelang ihm, selbst einen Dampfer mit archaischen Mitteln über einen Berg zu stemmen. 
„Werner Herzog – Radical Dreamer“ gibt Einblick in das Schaffen dieses charismatischen Filmemachers, dessen markante Stimme mit der charmanten bayerischen Tonfärbung in den USA sogar einer Simpson-Figur Leben einhauchte…

München – „Etel Adnan“ – eine Retrospektive im Kunstbau des Lenbachhauses

Ausstellung "Etel Adnan" präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

Mit dem Wandteppich „Unterhaltsamer Morgen (1970-2015) begrüßen die Kuratoren die Besucher. Er zeigt die Lebensfröhlichkeit der Künstlerin, die es sich allerdings wegen der Kosten erst auf dem Höhepunkt ihrer Karriere in späten Jahren  leisten konnte ihre Zeichnungen weben zu lassen. Sie selbst sieht ihr Leben als ein „Gewebe“ verstrickt in verschiedene Kulturen und Kriegssituationen. Ihre Malerei besticht durch die Farben. Es sind keine überragenden Werke, aber sie offerieren eine einprägsame künstlerische Handschrift. Ein Jahr nach ihrem Tod rückt eine Retrospektive diese Grenzgängerin zwischen den Kulturen ins Bewusstsein…

Landshut – „Masken – Das künstliche Gesicht?“ im Koenig-Museum

Ausstellung "Masken-Das künstliche Gesicht" im Koenig-Museum Landshut präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

Fritz Koenig war nicht nur ein großartiger Bildhauer, sondern auch ein leidenschaftlicher und exzellenter Sammler afrikanischer Skulpturen. Kombiniert mit Maskenbildern zeitgenössischer KünstlerInnen präsentiert nun Museumsleiterin Alexandra von Arnim „Masken – Das künstliche Gesicht?“ Der Titel ist klug gewählt. Er projiziert die Maske auf den Träger, hinterfragt die Rituale und Ambitionen hinter dieser Maske…

Venedig – „Avatars“ – Skulpturen von Erwin Wurm im Museo Correr

Ausstellung "Atavars" von Erwin Wurm in Museo Correr Venedig präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

Erwin Wurm hat die Ehre in den Sale Monumentali der Nationalen Bibliothek des Museo Correr auszustellen. In zwei Räumen drapiert er seine „Atavars“, künstliche Figuren. Elongiert bis über vier Meter hoch mit überlangen Gliedmaßen, doch skuptural auf die Haut beziehungsweise auf den Stoff der Kleidung reduziert bleibt nur noch eine fragile Hülle ohne Körper…

Helene Hegemann „Schlachtensee“ – anspruchsvoll düsteres Psychogramm unserer Gesellschaft

Helene Hegemann "Schlachtensee" präsentiert von www.schabel-kultur-blogd.e

Wortwörtlich ist der Titel zu nehmen. Mit dem Tennisschläger wird ein Pfau erschlagen. Ein Drogendealer erschießt drei Eber. Eine Frau lässt sich mit Fleischerhaken in den Rücken rammen, um sich nach oben ziehen zu lassen. 
Apokalyptische Nachtstimmung signalisiert, dass ein Mann endgültig von seiner Frau verlassen wird. Ein Drucker kopiert Kunstwerke mit Aura und Patina des Originals und schafft damit singuläre Kunst ab.
Helene Hegemann beweist diesbezüglich das Gegenteil. Mit ihren neuen 15 abstrusen Geschichten mitten aus dem Leben bestätigt sie einmal mehr ihren Ruf eine exzellente Erzählerin zu sein, allerdings bestimmt nicht für jedermanns Geschmack. Aus alltäglichen Situationen entwickelt sie radikal brutale Geschichten, die verstören, ganz genau gelesen werden wollen, damit sie sich erschließen…

Berlin – Kafkas „Der Bau“ exzellent gespielte Paranoia von und mit Max Simonischek im Deutschen Theater 

TheatHämmerndes Gedröhn. Eine grelle LED-Lampe blendet, dahinter eine rötlich braun schimmernde Holzwand, marode und doch etwas Wärme vermittelnd, davor ein Haufen Erde, mittendrin Max Simonischek. In seiner Version entdeckt er in Kafkas Monolog „Der Bau“, einem Text über den vergeblichen Kampf eines von Ängsten gebeutelten Tieres bei der Perfektionierung seinen labyrinthischen Tunnelbaus die menschlichen Facetten. Simonischek beleuchtet die paranoiden Strukturen unserer Gesellschaft und lotet, schauspielerisch exzellent gespielt, die Spannbreite zwischen Mensch und Tier aus, wobei manch witzig makabre Momente aufleuchten… erkritik Kafkas "Der Bau" im Deutschen Theater Berlin präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

Hämmerndes Gedröhn. Eine grelle LED-Lampe blendet, dahinter eine rötlich braun schimmernde Holzwand, marode und doch etwas Wärme vermittelnd, davor ein Haufen Erde, mittendrin Max Simonischek. In seiner Version entdeckt er in Kafkas Monolog „Der Bau“, einem Text über den vergeblichen Kampf eines von Ängsten gebeutelten Tieres bei der Perfektionierung seinen labyrinthischen Tunnelbaus die menschlichen Facetten. Simonischek beleuchtet die paranoiden Strukturen unserer Gesellschaft und lotet, schauspielerisch exzellent gespielt, die Spannbreite zwischen Mensch und Tier aus, wobei manch witzig makabre Momente aufleuchten… 

Steven Derix, Marina Shelkunova „Selenskyj – Die ungewöhnliche Geschichte des ukrainischen Präsidenten“

Buchkritk Selenskyj. Die ungewöhnliche Geschichte des ukrainischen Präsidenten" präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

Eine bittere Bilanz für Wolodymyr Selenskyj. 2019 gewann er den Wahlkampf und wollte als neuer Präsident der Ukraine als wichtigstes Ziel die Korruption bekämpfen und die Ukraine in eine wohlhabende Nation verwandeln. Seine Visionen machte der russische Angriffskrieg zunichte. Selenskyj zeigt sich seitdem als beharrlicher Kämpfer und kluger Kriegsstratege. Russlands beabsichtigter Blitzkrieg scheiterte, aber kriegerische Alltag fordert Verluste auf allen Ebenen. 
Die Biografie „Selenskyj – Die ungewöhnliche Geschichte des ukrainischen Präsidenten“ ist keine wissenschaftliche Publikation, aber verweist mit eine, 18-seitigen Quellenverzeichnis auf umfangreiche Recherchen. Die Biografie liest sich spannend wie ein Krimi. Wer sie gelesen hat, begreift, welche willensstarke und charismatische Persönlichkeit hinter dem Comedian Selenkyj steckt und man beginnt zu verstehen, warum es zu diesem Krieg kam, wenn auch die Rolle der Amerikaner größtenteils ausgeblendet wird…

Berlin – „Donatello. Erfinder der Renaissance“ – exzellente Ausstellung in der Gemäldegalerie 

Ausstellung "Donatello. Erfinder der Renaissance" präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

„Madonna mit Kind“ selten sieht man sie so innig wie in den Marmorreliefs Donatellos. Er gilt als Mitbegründer der Renaissance und als einer der größten Bildhauer seiner Zeit. Die zahlreichen Kopien seiner Motive bezeugten seine Popularität. Er hat die Kunstgeschichte revolutioniert. 
Jetzt zeigt die Berliner Gemäldegalerie, die eine der weltweit größten Sammlungen von Donatellos Werken besitzt, in Kooperation mit der Fondazione Palazzo Strozzi, dem Museo Nazionale del Bargello in Florenz und dem Victoria & Albert Museum in London die erste Donatello-Ausstellung in Deutschland mit 90 Arbeiten, darunter alle richtungsweisenden Hauptwerke und noch nie gezeigte Werke. Die Ausstellung „Donatello. Erfinder der Renaissance“ gilt in diesem Jahr als kultureller Höhepunkt in Berlin…

„Der Russe ist einer, der Birken liebt“

Filkmkritik "Der Russe ist einer, der Birken liebt" präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

Es geht nicht um den Russen, sondern um eine junge selbstständige jüdische Frau. Mascha reist von Frankfurt nach Israel, um das Leben auszuloten. Sie lässt sich auf Begegnungen unterschiedlichster Art ein, liebt einen Fußballspieler, der sich das Bein bricht und an der Entzündung der Operationswunde stirbt, geht auf die lesbischen Avancen einer jüdischen Soldatin ein, lässt sich in den Clubs von Tel Aviv treiben, trifft ihren russischen Ex-Liebhaber wieder. 
Vorlage für das Drehbuch ist Olga Grjasnowas gleichnamiger Debütroman „Der Russe ist einer, der Birken liebt“, 2012 als poetische Stimme einer neuen Generation begeistert rezipiert. Das Drehbuch reduziert die Handlung, was den Film zunächst sehr mysteriös und sprunghaft erscheinen lässt. Was weggelassen wird, spielt sich allein in Maschas (Aylin Tezel) Gesicht ab, auf das die Kamera ständig fokussiert. Was Mascha so sein lässt, wie sie ist, wird erst am Schluss deutlich…

Berlin – „Die Vielleichtsager“ im Berliner Ensemble als Weiterentwicklung von Bertolt Brechts „Der Jasager und Der Neinsager“ funkt nicht 

Theaterkritik "Die Vielleichtsager" im Berliner Ensemble präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

Der Jasager ergibt sich dem Ritual und lässt sich, erkrankt, das Tal in den Tod hinunterwerfen, um das Kollektiv bei seiner wichtigen Forschungsreise nicht zu stören. Im zweiten Teil mit derselben Geschichte rebelliert der Neinsager. „Wer A sagt, muss nicht B sagen“. 
Mit der Parabel „Der Jasager und Der Neinsager“ stellte Bertolt Brecht 1930 die Bedeutung von Individuum und Kollektiv zur Diskussion. Alexander Eisenach führt den Text dialektisch weiter, indem er aus dem Kontrast von Ja und Nein eine dritte Variante den „Vielleichtsager“ als neue Hypothese entwickelt. „Wer A sagt, kann auch C sagen“. Das ist durchaus eine interessante Idee, die allerdings auf der Bühne nicht zündet…

Prof. Dr. Claudia Bausewein, Rainer Simader „99 Fragen an den Tod“

Buchrezsenion "99 Fragen an den Tod" präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

Der Tod wird oft verdrängt und ausgeblendet, ist immer noch ein Tabuthema. Viele Menschen werden deshalb ganz unerwartet mit dem Tod konfrontiert und sind dann völlig überfordert. Wie geht man damit um, wenn man weiß, dass das eigene Leben endet oder ein lieber Mensch stirbt?
In ihrem dialogisch aufgebauten Sachbuch „99 Fragen an den Tod“ bieten Claudia Bausewein und Rainer Simader einen „Leitfaden für ein gutes Lebensende“.  Je nach persönlichem Erfahrungshorizont sind die klar strukturierten Antworten rund um das Thema Tod etwas mehr oder etwas weniger hilfreich. Unabhängig davon provoziert das Buch über den Tod zum nachzudenken. Die Lektüre ist wie eine „Rekalibrierung auf das Wesentliche im Leben“…

Fatih Akin – „Rheingold“ – mythisch aufgewertete Gangsta-Biografie

Filmkritik "Rheingold" präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

Flucht, Armut, Boxtraining, Drogendeal, Goldraub und schließlich eine Musikkarriere als Gangsta-Rapper mit drei Alben auf Platz 1 der Charts – Xatars Leben ist wie ein Drehbuch, der ideale Stoff für Fatih Akin, einen der besten Regisseure Deutschlands, Xatars Autobiografie „Alles oder Nix“ die Basis für den Film. 
Durch die Authentizität seiner frühen preisgekrönten Filme „Kurz und Schmerzlos“ oder „Gegen die Wand“ wurde Fatih Akin berühmt. Seit zwei Jahren kreist er metaphorisch um Gold. Nach dem Übelkeit erzeugenden Film „Der Goldene Handschuh“ (siehe Kritik vom 11.02. 2019) über den Frauenmörder Fritz Honka in St. Pauli präsentiert er jetzt mit „Rheingold“ ein wesentlich glatteres, weniger verstörendes Porträt, das zwischen krimineller Energie und Heldentum chargiert, trotz grausamer Folter- und Schlägerszenen Clans und Polizei herrlich parodiert und in den zwischenmenschlichen Beziehungen unbesiegbarer Seelenverwandtschaften aufleuchten lässt…

Berlin – „Fernweh Fernost 2023“ wurde vom ITB-Award ausgezeichnet

ITB Buch Award 2023 präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

Mit den ITB Buch Awards zeichnet die weltweit führende Fachmesse für die Tourismusbranche jährlich die außergewöhnlichsten Reisepublikationen aus. In der Kategorie der Kalender würdigte die Jury nun bereits fünf Titel – darunter der großformatige Wandkalender „Fernweh Fernost 2023“.
„Der hochformatige Wandkalender „Fernweh Fernost 2023“ im teNeues Verlag mit Aufnahmen des Fotografen-Duos Alexandra Schels und Patrick Pichler ist  “eine traumhaft bebilderte Liebeserklärung an Asien”, so der Jury-Vorsitzende David Ruetz, Direktor der ITB Berlin…

Berlin – „Taumel“- Riesengemälde von Norbert Bisky jetzt in Privathand

Brisky präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

Bisky zählt zu den ganz großen Künstlern Deutschlands. Seine figurativen Bilder werden in den renommierten Galerien weltweit gezeigt. Für die Berliner König Galerie in der St. -Agnes- Kirche fertigte er ein gigantisches Deckengemälde an. Das Kunsterlebnis für die Öffentlichkeit währte nur kurz. Für ca. 200000 € erfreut es jetzt nach der Ausstellung einen Privatbesitzer…

„Liebe, D-Mark und Tod – Aşk, Mark ve Ölüm“ – ein sozial-dokumentarischer Musikfilm von Cem Kaya 

Filmkritik von „Liebe, D-Mark und Tod - Ask, Mark ve Ölüm“ präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

„Getrennt wurde ich von der Heimat…“ Wenn diese Lieder erklangen, fühlten alle Gastarbeiter die gleiche Sehnsucht. Yüksel Özkasap, die Nachtigall von Köln, traf genau den Nerv ihrer Landsmänner. Sie wurde ein Star, produzierte 315 Lieder und verkaufte 4,5 Millionen Singles. In Deutschland wurde nicht nur diese Sängerin, sondern die türkische Musik insgesamt ignoriert. Dabei wäre die Musik ein idealer Brückenschlag für menschliche Annäherung gewesen. Das versucht nun Cem Kaya in seinem Film „Liebe, D-Mark und Tod“ in der Nachverfolgung von 60 Jahren türkischer Musik…