München – Ausstellung „Sweat“ im Haus der Kunst 

Ausstellung "Sweat" präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

„Sweat“, Schweiß im Spannungsfeld der Ausgrenzung durch Unterdrückung und Lust, ist der Rahmen, in dem 30 KünstlerInnnen ihre Werke präsentieren. Unter der Federführung von Anna Schneider und Raphael Fonseca zusammen mit der kuratorischen Assistenz von Elena Setzer entstanden übersichtliche Themenräume, die zeigen, wie soziale Zugehörigkeit und sexuelle Neigungen Menschen prägen, gesellschaftliche Nachteile bringen, aber auch neue identitätsstiftende Kulturen hervorbringen. Das Spektrum reicht von kolonialer Ausbeutung bis zur sozialen Stigmatisierung, wenn gegen gendermäßige Stereotypen verstoßen wird. Die Zusammenschau der postkolonialen, feministischen und queeren Positionen zeigt, wie sich Kunst in den 1970er und 1980er Jahren weiterentwickelt hat, wie Körperlichkeit auch Solidarität entwickelt und die Lust am Tanzen als Ausdruck der Lebensfreude kulturübergreifend wirksam ist … 

Vorankündigung – „Headless/Kopflos“ – Motivgebundene Gruppenausstellung in der Galerie Schmalfuss

Ausstellung "Kopflos" präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

Kopflos wird man, wenn man zu viel um die Ohren hat. Dann ist das Denken blockiert und manches gerät durcheinander. Besucher der neuen Ausstellung „Headless/Kopflos“ in der Berliner Galerie Schmalfuss können dagegen mit Muse betrachten, wie künstlerische Arbeiten in einem neuen thematischen Rahmen wirken und plötzlich neue Geschichten erzählen. 
11 KünstlerInnen, darunter auch Arbeiten der letzten Ausstellungen von Elvira Bach und Alexander Höller spiegeln das Thema durch unterschiedliche Materialien und Herangehensweisen und spannen durch die Auswahl einen narrativen Bogen zwischen unterschiedlichsten Kopflosigkeiten…

Berlin – „Politics on Stage“ – Fotografien von den Mächtigen der Welt in der Galerie CameraWork

Große Namen auf beiden Seiten, renommierte Fotografen zeigen Politiker, die Weltgeschichte machen. 50 Fotografien wurden für „Politics on Stage“, bunt durcheinander gemischt, Jousuf Karshs nachdenklicher Adenauer, Thomas Billhardts  fröhlicher Jassier Arafat. Mit Jürgen Schattenbergs „Nelson Mandela in der Gefängniszelle“ und Thomas Billhardts "Breschnew zum 25-jährigen Jubiläum in der DDR" und  sind Ikonen der politischen Fotografie zu sehen. Dem Arbeitsumfeld der Fotografen ist es geschuldet, dass vorwiegend amerikanische und deutsche Politiker, v. a. Angela Merkel zu sehen sind …

Große Namen auf beiden Seiten, renommierte Fotografen zeigen Politiker, die Weltgeschichte machen. 50 Fotografien wurden für „Politics on Stage“, bunt durcheinander gemischt, Jousuf Karshs nachdenklicher Adenauer beispielsweise oder Thomas Billhardts fröhlicher Jassir Arafat. Mit Jürgen Schattenbergs „Nelson Mandela in der Gefängniszelle“ und Thomas Billhardts „Breschnew zum 25-jährigen Jubiläum in der DDR“ sind inzwischen Ikonen der politischen Fotografie. Dem Arbeitsumfeld der Fotografen ist es geschuldet, dass vorwiegend amerikanische und deutsche Politiker, v. a. Angela Merkel zu sehen sind …

Mohammad Rasoulof „Doch das Böse gibt es nicht“ – ausgezeichnet mit dem „Goldenen Bären 2021“

Filmkritik "Das Böse gibt es nicht" präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

Der Titel irritiert, verschleiert bewusst, denn im Iran Filme zu drehen, kann das Leben kosten. Mohammad Rasoulof ist einer der angesehensten und politisch aktiven Filmregisseure in seiner Heimat. Zu kritisch für das System darf er seit 2017 das Land nicht mehr verlassen. Er wird beschuldigt „die nationale Sicherheit zu gefährden“ und „Propaganda gegen die muslimische Regierung zu verbreiten“. 
Unter dem Tarnmantel von vier Kurzfilmen unter der Regie von Freunden drehte Mohammad Rasoulof ohne Produktionsgenehmigung „Doch das Böse gibt es nicht“, immer in der Angst, dass die gegen ihn gerichtete 1-jährige Gefängnisstrafe vollzogen würde. Es entstand ein großartiger, berührender Film gegen die Todesstrafe, der darüber hinaus Verständnis und Empathie für die Tragik von Flüchtlingen weckt…

Berlin – Brechts „Dreigroschenoper“ im Berliner Ensemble

Theaterkritik "Dreigroschenoper" im Berliner Ensemble präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

Es lärmt schräg, jahrmarktmäßig. Der Glitzervorhang indes verweist auf die große Show und sie beginnt mit Lichtspot auf Josefin Platt als funkelnder Mond über Soho und Brechts berühmtestem Song „Und der Haifisch, der hat Zähne“. Schon ist man mittendrin in Bertolt Brechts „Dreigroschenoper“, die unter der Regie von Barrie Kosky im Berliner Ensemble zum spannenden Theaterabend wird.
Immer wieder durch die Lockdowns verschoben konnte die lang ersehnte Version von Barrie Koskys „Dreigroschenoper“ endlich Premiere im Theater am Schiffbauerdamm feiern. Er holt Brechts Bettleroper aus dem Armenmilieu, konzipiert sie in kühner Reduktion zeitlos, existentiell auf Rebecca Ringsts kafkaesker Bühne. Dinah Ehm pointiert mit raffiniert satirischen Kostümen und Ulrich Eh intensiviert mit kontrastreichen Lichteffekten die gelungenen Überraschungsmomente. Genauso facettenreich lässt das 7-köpfige Orchester unter der Leitung von Adam Benzwi Kurt Weills Musik als Klangfeuerwerk aufleuchten mit Raum für lyrische Momente, krass verfremdende Dissonanzen, lärmende Trommelwirbel, opernhafte Tutti und rappende Rezitative. Diese Vielschichtigkeit zieht in ihren Bann ganz im Sinne Brechts nicht als Theaterillusion, sondern als verfremdend ausgestelltes Spektakel…

Berlin -„Arbeit am Gedächtnis – Transforming Archives“ in der Akademie der Künste am Pariser Platz

Ausstellungsbericht "Arbeit am Gedächtnis" in der Berliner Akademie der Künste präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

325 Jahre besteht bereits die Akademie der Künste. Sie ist eine der ältesten Kulturinstitutionen Europas, bestens geeignet die Frage nach dem kulturellen Gedächtnis zu stellen. Mit einer tiefgründigen und sehr umfangreichen Ausstellung wird dieses Jubiläum gefeiert. „Arbeit am Gedächtnis – Transforming Archives“ hinterfragt nicht nur die eigene Historie und deren Auswahlkriterien, sondern auch sehr differenziert wie 13 KünstlerInnen mit Erinnerungen und Archiven umgehen. In großformatigen Rauminstallationen, Video- und Klang-Arbeiten machen sie mit den Methoden der bildenden und darstellenden Kunst, mit Literatur, Musik und Film die Prozesse von Erinnern und Vergessen sichtbar. Sie stellen Archiviertes in neue Kontexte, eröffnen unerwartete Perspektiven und provozieren zum Reflektieren bisheriger Denkprozesse in ihren politischen und kritischen Dimensionen. Wie und woran sich eine Gesellschaft erinnert, ist gerade in unserer Zeit, in der Selbstverständnisse neu verhandelt werden, eine wichtige Schlüsselfrage …

Landshut – „Totems und Fabelwesen – Reise ins Paradies“ – Skulpturen von Peter Mayer in der Heiliggeistkirche

Ausstellung Peter Mayer "Reise ins Paradies" in Landshut präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

Egal wie groß, die Skulpturen von Peter Mayer üben einen mythisch fröhlichen Zauber aus. Mit 70 Jahren starb Schwandorfs bedeutendster Künstler 2009. Jetzt wird in der Landshuter Heiliggeistkirche das Werk Peter Mayers wieder lebendig. Thomas Stangier, Stellvertretender Leiter der Landshuter Museen, gelingt eine amüsante und interessante Ausstellung. Er positioniert Peter Mayers bizarre Figuren nach Werkgruppen umrahmt von den Heiligenfiguren, u. a. von Christian Jorhan (1727–1804), wodurch die Ausstellung einen großen narrativen Bogen spannt von den mythischen nordischen Vorzeiten über die katholische Heiligendarstellung bis zu einer witzig animalisch symbolischen Beobachtungskultur, die zuweilen sehr futuristisch anmutet …

Salzburg – „Tell Me What You See – Skrein Photo Collection“ im Museum der Moderne 

Ausstellung "Tell Me What You See Skrein Photo Collection in Salzburg präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

Wo in den 60er Jahren der Zeitgeist pulsierte, war Christian Skrein (*1945) zur Stelle. Er machte zunächst als Fotoreporter, dann als Mode- und Werbefotograf Karriere. Später fühlte er sich von der Wiener Künstler-Avantgarde angezogen und war kurze Zeit einer ihrer wichtigsten Porträtisten. Ab 1970 widmete er sich dem Werbefilm.
Gleichzeitig agierte Christian Skrein zusammen mit seiner Frau Maria als fleißiger Sammler mit Blick für zeitrepräsentative Ikonen und großem Interesse für die kubanische Revolution und Lebensweise. Allein dieses Konvolut umfasst schon 4500 Fotografien.
Mit der Ausstellung „Tell Me What You See. Skrein Photo Collection“ gelingt Kuratorin Kerstin Stremmel zusammen mit Andrea Lehner-Hagwod die umfangreiche Sammlung über 300 ausgewählte Fotografien in zwölf thematischen Kapiteln im Salzburger Museum der Modern zur Wirkung zu bringen…

München – „Bayerische Staatsoper Recordings“ der Münchner Staatsoper 

Label "Bayerische Staatsoper Recordings" präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

Seit 2013 wurde das Bayerische Staatsorchester sieben Mal von der Zeitschrift „Opernwelt“ als „Orchester des Jahres“ ausgezeichnet. Eine halbe Million Menschen erleben jedes Jahr 250 Aufführungen von rund 40 Opernwerken auf höchstem Niveau. Das erfordert vom Bayerischen Staatsorchester höchste Präsenz, Konzentration, Expressivität und Qualität. Diesen hohen Stellenwert würdigt jetzt eine eigene Publikationsreihe.
Mit dem neuen Label „Bayerische Staatsoper Recordings“ werden besondere Mitschnitte während der Live-Aufführungen von der Bayerischen Staatsoper selbst publiziert, um diese großartigen Musikerlebnisse immer wieder erlebbar zu machen…

Heike Behrend „Menschwerdung eines Affen – Autobiografie der ethnografischen Forschung“ 

Heike Behrend "Menschwerdung des Affen" präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

Da kommt Heike Behrend, eine Ethnologin, wiederholt nach Afrika, um die Kultur der Bevölkerung in den Tugenbergen zu erforschen und was passiert? Sie wird zum Affen gemacht, zur Fremden, zur Wilden. Genau so, wie die europäischen Kolonialherren die Afrikaner behandelten, widerfuhr Heike Behrend eine soziale Stigmatisierung. Doch während sie am Anfang ihrer ethnologischen Forschungen in Afrika sozial aufstieg, folgte in den 1980er Jahren der soziale Abstieg zur Kannibalin. 
Immer wieder taucht die Frage auf, wer erforscht eigentlich wen. In ihrer Autobiografie beschreibt sie sehr offen ihr „brüchiges“ Leben  als „Menschwerdung des Affen“ voller Irrungen, Missverständnisse, Konflikte und hinterfragt kritisch den Wahrheitsgehalt der ethnologischen Forschung. Im Epilog resümiert sie ihr Leben als Probebühne zwischen Spiegelungen des wilden Affen, der sich anpasst, und Kafkas „Bericht aus der Akademie“ eines angepassten Affen, zwischen Selbst- und Fremdzurichtung.
Heike Behrend fokussiert nicht allerdings nicht auf Gegensätze, sondern auf Einsichten, Gemeinsamkeiten infolge gegenseitiger Spiegelungen. Geistesbesessenheit, Hexenverfolgung und Kannibalismus gab und gibt es auch in Europa als Ausdruck der Macht…

Vorankündigung – „F*ck Them“ – Arbeiten von Alexander Höller in der Berliner Galerie Schmalfuss

Ausstellung Alexander Höller "Der stumme Schrei" in der Galerie Schmalfuss präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

Edvard Munchs kleines Gemälde „Der Schrei“ wurde zur expressionistischen Ikone. Der 24-jährige Münchner Maler Alexander Höller führt das Motiv in seiner Serie „Der Stumme Schrei“ weiter, nach Farbe und Form ebenfalls expressiv, doch als großformatige Selbstporträts ein existentieller Schrei gegen Schubladendenken, Intoleranz und Vorurteile gegenüber Menschen, die anders sind…

Reutlingen – „Strawalde“ alias Jürgen Böttcher bekommt Jerg-Ratgeb-Preis 2022

Jerg-Ratgeb-Preis für Strawalde präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

Strahwalde in der Oberlausitz ist der Kindheitsort, nachdem sich der Maler und Filmregisseur Jürgen Böttcher benannte. Unter diesem Psyeudonym signierte er seine Bilder und diesem Namen wurde er bekannt. Als Filmemacher, Maler und Zeichner zählt er zu den herausragenden und eigenwilligsten Künstlerpersönlichkeiten der vergangenen sieben Jahrzehnte. Seit einiger Zeit lebt er in Berlin und ist nach wie vor unermüdlich in seinem Schaffensdrang. Der 90-jährige Künstler wird nächsten Mai nächsten Jahres mit dem Jerg-Ratgeb-Preis 2022 geehrt, der mit 20000 € ausgelobt ist….

Benedict Wells „Hard Land“

Buchkritik von Benedict Wells "Hard Land" präsentiert von www.schabel-kultur-blog.de

„In diesem Sommer verliebte ich mich, und meine Mutter starb“. Benedict Wells weiß zu erzählen. Mit dem ersten Satz zieht sein fünfter Roman „Hard Land“ sofort in seinen Bann und stellt sich durch den Bezug zu  „Salzwasser“, einem Roman des US-amerikanischen Autors Charles Simmons (1924–2017) auf dessen Augenhöhe. 
Benedict Wells‘ Ich-Erzähler Sam ist 15, introvertiert, ohne Selbstbewusstsein und voller Ängste. Subtil, sehr präzise, plastisch wie in einen Film baut Benedict Wells den Charakter seines jungen Nicht-Helden auf. Wenn Sam durch seine Heimatstadt Grady streift, ein „verschlafenes Siebzehntausend-Einwohner-Kaff“ im Mittelwesten der USA, wird schnell deutlich, warum er so ist, wie er ist, mit einem sehr stillen, arbeitslosen Vater und einer lieben, aber kranken Mutter ohne Perspektiven, ein Außenseiter ohne Freunde. In 49 Kapiteln wird Sam zum Mann in diesem „Hard Land“. Doch als er einen Ferienjob im Kino annimmt, verändert sich die Welt für ihn…